KHV Lehmann linear D

Test LEHMANN AUDIO LINEAR D  

Ich möchte euch heute über meine Höreindrücke zum neuen LEHMANN AUDIO LINEAR D berichten.

Zu den Kopfhörerverstärkern von Norbert Lehmann habe ich seit vielen Jahren ein ganz besonderes Verhältnis. Zum einen favorisiere ich, wenn möglich, Gerätschaften aus heimischer Produktion (apropos Heimat: vielen Dank an dieser Stelle noch einmal an den Klangpunkt Aachen, der es mir schon oft ermöglicht hat, meine Hörberichte sehr „frühzeitig“ zu verfassen)

Zum anderen war der BCL von LEHMANN AUDIO damals mein erster „ausgewachsener“ KHV. Und dieser kleine Kasten sollte ob seiner physischen Abmessungen keinesfalls unterschätzt werden. Zahlreich eingefahrene Testsiege aus aller Welt in den vergangenen Jahren zeugen von seiner wahren klanglichen Größe.

Es folgten über die Zeit einige Derivate, wie z.B. die PRO-Ausführungen mit XLR-Eingängen, oder die durch selektierte Bauteile klanglich aufgewerteten SE-Modelle. Mit der LINEAR USB-Variante kombinierte Norbert Lehmann vor einiger Zeit erstmalig einen USB gespeisten DA-Wandler mit seinem seit Jahren bewährten analogen Verstärkerlayout.

Vorbereitung

Nun also der neueste Streich von LEHMANN AUDIO, wiederum die typische Verstärkerschaltung im puren CLASS A Betrieb, ergänzt durch eine Wandlersektion mit optischem und coaxialem Digitaleingang auf der Rückseite des Gerätes.

Der 192 khz/24 bit DAC mit ESS SABRE-Chipsatz wird durch den optimal angepassten Analogfilterteil des LINEAR D mit hochwertigen Silver Mica Glimmerkondensatoren zu klanglichen Höchstleistungen angespornt. Aber dazu gleich mehr.

Zunächst einmal bleibt rein optisch alles beim Alten. Die puristische Auslegung auf der Front mit einem griffigen und sämig drehenden Lautstärkeregler mit ALPS-bewehrtem Potentiometer sowie 2 unsymmetrischen 6.3 Klinkenanschlüssen nebst blauer Kontrollleuchte setzt sich auf der Rückseite nahtlos fort. Jeweils ein analoger Chinch Ein- und Ausgang, die bereits erwähnten digitalen Anschlüsse, ein Ein/Ausschalter, die Netzbuchse, das war´s schon.

Der LINEAR D zeigt allerdings durch eine Leuchtdiode an, welcher Eingang gerade verwendet wird und behandelt die digitale Kontaktaufnahme bei paralleler Belegung dabei prioritär. Dies ist praktisch und gut durchdacht. Liebe zum Detail erkennt man auch an der Verwendung von SSC-Füßen im Gegensatz zu trivialen Gummiausführungen, welche sich schon bei den SE-Varianten bewährt haben.

Also auch auf der Ausstattungsseite keine wirklich großen Überraschungen. Denn diese hebt sich der LEHMANN AUDIO LINEAR D für die klangliche Beurteilung auf. Weitere technische Details könnt ihr im Übrigen, also eigentlich wie üblich, dem World Wide Web entnehmen. Getestet wurde wieder einmal mit den mir wohlbekannten üblichen Verdächtigen aus Klassik, Jazz und Pop/Rock, in diesem Fall zugespielt mit auf CD gespeicherten Musikbeispielen von meinem MUSICAL FIDELITY KW250S mit externer FADEL-Verkabelung.

Als Spielpartner wählte ich den SENNHEISER HD800S und den GRADO PS1000E, um so auch ein unterschiedliches Spektrum an Impedanzen und klanglicher Ausrichtung abzudecken. Glücklicherweise kommt der LINEAR D auch mit jedem dieser Spielpartner bestens zurecht, nicht zuletzt aufgrund seiner technischen Anpassungsfähigkeit durch das integrierte Mäuseklavier an der Unterseite des Gerätes. Und natürlich auch aufgrund seiner äußerst neutralen Abstimmung seitens des Herstellers.

Klangtest

Denn ein LEHMANN klingt immer wie ein LEHMANN. Und dies ist durchaus positiv gemeint. Das Klangbild zeichnet sich grundsätzlich aus durch eine sehr präzise Wiedergabe, aufbauend auf einem substanziell anspruchsvollen Grundton, klangfarbenstarken Mitten und einem detailreichen Hochtonbereich, aber ohne jegliche Effekthascherei. Dafür mit viel Rhythmus und einer superben Feindynamik.

Auch der neue LEHMANN führt diese lobenswerte Tradition fort. Aber dennoch schmeichelt sich der „Ziegelstein“ bereits beim ersten Reinhören nach einer Einspielzeit von ca. 50 Stunden mit großer Spielfreude bei mir ein. Um diesen ersten Eindruck gegebenenfalls zu verifizieren, ziehe ich zur weiteren Beurteilung der klanglichen Fähigkeiten meines aktuellen Testprobanden nun sowohl meinen LEHMANN AUDIO BCL sowie den MOON NEO 230HAD zu Vergleichszwecken heran. Der Zweitgenannte ist bekanntlich ebenfalls mit einem ESS SABRE basierten DAC ausgestattet und spielt auch preislich in derselben Liga (1.250 Euronen)

Zunächst nutze ich die integrierte Wandlersektion des KW250S und verbinde den LINEAR D über dessen analoge Eingänge, der wiederum über seinen analogen PRE-OUT, Kontakt mit den entsprechenden Chincheingängen des BCL aufnimmt.

Der Erstere fungiert jetzt als Vorverstärker und ermöglicht nun eine gemeinsame Lautstärkeregelung mit dem zuvor penibel abgeglichenen BLACK CUBE LINEAR.

Diese zugegebenermaßen nicht ganz optimale Lösung ermöglicht nun zumindest eine Beurteilung der Verstärkersektionen der beiden Kandidaten. Der LINEAR D klingt im direkten Vergleich zum BCL leicht luftiger mit einer besseren Raumausleuchtung. Stimmen und Instrumente werden außerdem mit etwas mehr Körper wiedergegeben.

Im zweiten Schritt verbinde ich den LINEAR D über den eigenen optischen Digitaleingang und wiederhole im Anschluss den klanglichen Vergleichstest. Mit einem für mich doch sehr überraschenden Ergebnis! Denn der LINEAR D ist über den implementierten Wandler nicht wiederzuerkennen.

Der Bassbereich nimmt deutlich an Druck zu und reicht nun auch wesentlich tiefer hinab. Einzelne Akteure und Instrumente wirken zudem noch schärfer umrissen und erscheinen jetzt fast schon körperlich greifbar. Das musikalische Timing ist nahezu perfekt. Auch der angeschlossene BCL profitiert von der neuen Wandlung, wahrt aber wiederum den zuvor beschriebenen klanglichen Abstand zum LINEAR D, bezüglich der räumlichen und substanziellen Eigenschaften.

Selbstverständlich könnte man dieses Ergebnis primär der zwischenzeitlich wesentlich fortgeschritteneren Wandlertechnik zuschreiben. Aber so einfach ist es dann eben doch nicht. Der mit dem identischen ESS SABRE-Chipsatz ausgerüstete MOON NEO 230HAD klingt bei umgekehrtem Testaufbau in Vorverstärkerfunktion im Vergleich mit dem LINEAR D zwar geringfügig, aber doch hörbar weniger involvierend als die Wandlersektion des LEHMANN AUDIO.

Wie ich bereits in meiner Rezension zum MOON NEO geschrieben habe, würde ich den 230HAD vorwiegend den Freunden der Röhrenverstärkung ans Herz legen. Der MOON spielt vergleichsweise mit mehr Schmelz bei der Stimmenwiedergabe und einer weitreichenderen Raumdarstellung in die Tiefe auf, mit wunderbaren Klangfarben und fantastischer Offenheit. Unterlegt mit einem ausladenden, aber gut konturierten Bassteppich. In Verbindung mit einem GRADO-Hörer, beispielsweise dem PS1000E, sehr empfehlenswert.

Was wiederum verdeutlicht, welchen bedeutsamen Einfluss die analogen Ausgangsstufen auf das Klangergebnis besitzen. Und diese wurden von Norbert Lehmann wohl mit viel Bedacht im Stil eines Toningenieurs ausgewählt. Denn der Klang des LINEAR D ist und bleibt im bestens Sinne unspektakulär. Es sind eher die subtilen Details bei der Wiedergabe, welche den Zuhörer nachhaltig faszinieren und eine unglaublich musikalische Authentizität schaffen.

Zumal auch die grobdynamische Leistungsausbeute rein subjektiv zugenommen hat. Dies ist wohl den kleinen objektiven Verbesserungen geschuldet, welche mit der Zeit unmerklich (und übrigens auch unerwähnt) in die nach wie vor handgefertigte Kleinserie eingeflossen sind.

Der LINEAR D lässt jedenfalls zu keiner Zeit Zweifel an seiner Leistungsfähigkeit aufkommen, selbst nicht im direkten Vergleich zu dem mehr als doppelt so starken MOON. Der LEHMANN spielt meiner Meinung nach in der Summe mit genau dem richtigen Maß an Drive + Druck auf.

Somit nur Stärken und keinerlei Schwächen? Nicht ganz. Einige kleine Details trüben den insgesamt sehr guten Gesamteindruck doch ein wenig. Einerseits vermisse ich den fehlenden USB-Eingang, beispielsweise zum Anschluss eines entsprechenden Desktop Computers. Unverständlicherweise wurde darauf verzichtet. Und wir schreiben nun immerhin das Jahr 2016.

Andererseits wird es dem kleinen Kasten während des Betriebs doch schon sehr warm. Sogar ohne eine direkte Ansteuerung. Und dies kann nicht nur dem hitzeintensiven CLASS A Betrieb geschuldet sein. Denn mein BCL behält einen wesentlich kühleren „Kopf“ bei gleicher leistungstechnischer Auslastung.

Mein Fazit

Wer auf eine gnadenlos ehrliche und neutrale Wiedergabe schwört und Kopfhörer wie den SENNHEISER HD800 (S) mit vielleicht zuweilen auch leicht analytischen Tendenzen präferiert, muss den neuen LEHMANN AUDIO LINEAR D einfach lieben.

Wenn ich eine klangliche Einschätzung innerhalb des Lehmann internen Rankings vornehmen müsste, würde ich den neuen LINEAR D, allein bezogen auf die verstärkende Fraktion, oberhalb des BCL und knapp unterhalb der SE-Varianten einstufen. Sehr knapp.

Bei dem neuen LEHMANN handelt es sich aber letztlich um ein Produkt, welches insbesondere durch seine feinfühlige klangliche Abstimmung als „Gesamtkunstwerk“ aus Wandler und Verstärker glänzt und eine externe digitale Zuspielung aus meiner Sicht vollkommen überflüssig macht. Und der zudem mit nahezu jedem auf dem Markt erhältlichen Spitzen-Kopfhörer vollkommen problemlos bei nahezu allen noch gesundheitsverträglichen Pegeln zusammen spielt.

Vorausgesetzt also, ihr beherzigt meinen gut gemeinten Ratschlag: Wer leiser hört, kann länger genießen.

Euer Fidelio



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