Kopfhörer DHARMA D1000

Test ENIGMA ACOUSTICS DHARMA D1000

Verbindet uns nicht alle ein großartiges Hobby? Und natürlich mit einem gemeinsamen Ziel. Eine Schar wahrlich Verrückter auf dem Weg zum heiligen Gral.

Wobei sich der engagierte Kopfhörer-Enthusiast vielleicht von Zeit zu Zeit eingestehen muss, dass die Wege ins klangliche Nirvana doch zuweilen unergründlich sind. Zumal sich der persönliche Fokus im Verlaufe eines Kopf-Hörer-Lebens, welcher geprägt ist von ständig wechselnden Eindrücken und sich den daraus ergebenden neuen klanglichen Ansprüchen durchaus verschieben kann. Wie sonst ist es zu erklären, dass unser gemeinsamer Weg zur „Glückseligkeit“ mit einem AKG141 begann und heute mit einem STAX SR009 noch nicht endet? Ganz zu schweigen von den gefühlten 150 verschiedenen Exemplaren dazwischen. Was bisweilen natürlich dazu führen kann, dass der Enthusiast das eigentliche Ziel aus den Augen verliert. Wie immer dieses im Einzelnen auch aussehen mag.

Jedenfalls definiert den Gral wohl jeder ein wenig unterschiedlich. Und gefunden haben wir ihn selbstverständlich auch noch nicht. Aus diesem Grunde werden von durchaus aufmerksamen Herstellern auch stets neue Kopfhörer-Modelle entwickelt, selbstverständlich immer mit Anspruch auf die klangliche Absolution derselben. Und mit zum Teil gewollten Alleinstellungsmerkmalen bezüglich der „gralstechnischen“ Ausrichtung.

Ein AUDEZE Kopfhörer definiert sich in erster Linie über seine prägnante und tief reichende Basswiedergabe. Und hat sich allein dadurch bei einer treuen Fangemeinde etabliert. Ein fulminanter Einstieg in den High End-Markt mit der LCD Serie. Oder der SENNHEISER HD800. Zum Erscheinungszeitpunkt nahezu eine klangliche Sensation in Bezug auf räumliche Wiedergabe und akribische Detailarbeit. Ausgestattet mit zahlreichen Innovationen. Natürlich made in Germany. Ganz anders dagegen der GRADO RS1. Welch simple Konstruktion. Bei welch musikalischem Ergebnis. Zum Dahinschmelzen.

Ich könnte diese Liste wahrscheinlich beliebig fortführen. Allen diesen Kopfhörern ist aber Eines gemeinsam. Man erinnert sich an sie zurück. Weil sie trotz ihres unterschiedlichen Charakters als feste Meilensteine auf unserem Weg fest gesetzt waren und sind. Aufgrund ihrer Stärken. Und trotz ihrer Schwächen.

Warum nun diese etwas pathetische Einleitung? Nun, weil die zuvor genannten Hersteller es immer schwerer haben bei mir. Insbesondere damit, mich wirklich zu beeindrucken. Denn nur noch in diesem Fall bin ich gegebenenfalls bereit, mich von meiner sauer verdienten Kohle zu trennen. Zumal die jeweils zu investierenden Summen für neue Pretiosen meist exponential zur zeitlich bereits zurückgelegten Wegstrecke zunehmen. Aber wem sage ich das.

Womit ich schließlich auch bei meinem neuen Testprobanden angekommen wäre. Dem neuen DHARMA D1000. Und dem Erstlingswerk des KH-Neueinsteigers ENIGMA ACOUSTICS aus Kalifornien sollte es zu Beginn meiner klanglichen Beurteilung zunächst schwer fallen, mich nachhaltig zu beeindrucken. Aber dazu später mehr. Denn ich möchte mich an dieser Stelle besonders bei Christoph Zingel vom Vertrieb AUDIONEXT bedanken, welcher mir den DHARMA D1000 freundlicherweise für diesen Test zur Verfügung gestellt hat.

Verarbeitung & Ausstattung

Und los geht’s. Die erste Kontaktaufnahme mit dem DHARMA D1000 fällt schon einmal sehr positiv aus. Der Hörer ist adäquat und „standesgemäß“ verpackt und verzichtet glücklicherweise auf die offensichtlich in Mode geratene hochglanzlackierte Holzschatulle, welche bei mir nach dem Auspacken sowieso für alle Zeiten im Abstellraum verschwindet. Gut so. Dieser Verpackungs-Trend ist für mich sowieso völlig unverständlich, da ich es bevorzuge, wenn der Hersteller das zur Verfügung stehende Budget lieber direkt in das Produkt investiert. Oder eben den Preis entsprechend (nach unten) anpasst.

Die Verarbeitung des ENIGMA ACOUSTICS ist nicht nur preisklassenbezogen sehr gut, die Materialien wirken hochwertig. Die perforierten Ohrmuscheln und die Haltebügel bestehen aus Aluminium, der lederumnähte Kopfbügel aus Federstahl. Das direkt auf dem Kopf aufliegende Innenband ist ebenfalls zum Teil aus Leder gefertigt und auf Ober- und Unterseite zusätzlich mit Stoff bespannt. Die Anpassung an die Kopfgröße erfolgt offensichtlich über einen implementierten Gummizug. Die Ohrpolster selbst bestehen aus einem Memory Formschaum, eingefasst in ein künstliches Proteinleder, welches einen besonderen Tragekomfort verspricht. Und dieses Versprechen auch in der Praxis hält.

Der Kopfhörer trägt sich äußerst angenehm, mit einem für mich perfekten Anpressdruck und einer sehr flexiblen Anpassung durch das zuvor erwähnte Kopfband, welches das relativ hohe Gewicht von 450 g gleichmäßig auf dem Kopf verteilt und sich Dieses dadurch relativiert. Meine Ohren finden zudem genügend Platz in den beiden Hörmuscheln, ohne diese an irgendeiner Stelle zu berühren. Also gute Voraussetzungen auch für längere Hörsessions. Bei den steckbaren Kabeln handelt es sich übrigens um die gleichen kopfhörerseitigen Klinkenadapter, welche auch im HD800 (S) ihren Dienst verrichten. Also gute Nachricht für Alle, welche den großen SENNHEISER bereits ihr Eigen nennen.

Technik

Doch das Besondere am ENIGMA ACOUSTICS DHARMA D1000 ist selbstverständlich sein außergewöhnlicher technischer Aufbau. Eine Kombination aus einem dynamischen Treiber und einer elektrostatischen Variante. Die konventionell angetriebene Konusmembran aus einem speziell bearbeiteten japanischen Wagami-Papier spielt dabei ab einer angegebenen Frequenz von 15 Hz und ohne Begrenzung über eine Frequenzweiche im Vollbereich, wahrscheinlich um primär Phasenverschiebungen und Frequenzauslöschungen zu vermeiden.

Der elektrostatische Superhochtöner mit patentierter SBESL-Technologie, welcher ohne eine eigene Versorgungsspannung auskommt, wird bei 12.000 Hz sanft eingeklinkt und gibt Frequenzen bis 50.000 Hz wieder. Der Konustreiber ist zentral in der Ohrmuschel platziert und wird von einem halboffenen Gehäuse umgeben. Eine absichtliche Abdeckung der Ohrmuscheln mit den Händen führt, ähnlich wie auch beim OPPO PM1, nur zu einer unwesentlichen Veränderung des Klangbildes, was die Vermutung der starken Bedämpfung des dynamischen Treibers erhärtet und somit auf die halboffene Variante schließen lässt.

Der sogenannte SOPRANINO-Hochtöner ist dezentral auf den Hörkanal ausgerichtet und arbeitet auf eine vollständig geschlossene Behausung. Das System besitzt mit einer Gesamtimpedanz von 26 Ohm einen sehr guten Wirkungsgrad von 95 db, welches den DHARMA D1000 auch für den mobilen Betrieb an high-endigen DAP’s empfehlen sollte.

Vorbereitung

Aber genug bezüglich der technischen Ausführungen. Weitere Infos könnt ihr wie gewöhnlich sicherlich auch googlen. Schließlich möchte ich nun endlich wissen, wie das Ding klingt. Nach einer kurzen Einspielzeit von etwa 20 Stunden liegt der DHARMA D1000 nun vor mir und wartet auf seinen ersten Höreinsatz.

Ich teste wie gewöhnlich mit dem mir bestens bekannten musikalischen Mix aus Klassik, Jazz und Pop/Rock. Als Spielpartner wähle ich meinen bewährten QUESTYLE CMA800R sowie meinen FOSGATE SIGNATURE als Vertreter der Röhrenfraktion, welcher mit dem unproblematisch zu betreibenden ENIGMA ACOUSTICS sicherlich keine Mühe haben wird. Die Digital-Analog-Wandlung übernimmt ein MERIDIAN DIRECT DAC, verbunden mit meinem iMAC, verkabelt über NORDOST, CHORD und HMS.

Die völlig neuartige Konstruktion aus dynamischem Vollbereichs-Wandler und elektrostatischem Superhochtöner soll nun das Beste aus zwei Welten in sich vereinigen und dadurch einer Offenbarung bezüglich der musikalischen Präsentation gleichkommen…ach, die blumigen Beschreibungen der Marketingabteilung klingen einfach immer nur herrlich…und steigern dennoch ein wenig meine Erwartungshaltung.

Klangtest

Nun, in den ersten paar Minuten, in denen sich der DHARMA D1000 anschickt, mir die neuen hybriden Dimensionen näher zu bringen, geschieht bei mir rein gefühlsmäßig zunächst…nichts. Kein unglaublicher 20 Hz-Tiefbass, keine kathedralenartig räumlichen Ausuferungen und auch keine filigran herausgespielten neuen Erkenntnisse im (Super-) Hochtonbereich.

OK, ich denke mir, wahrscheinlich gehe ich auch falsch an die Sache heran und genehmige mir erst einmal eine frische Tasse Kaffee. Nach einer kleinen Kunstpause starte ich schließlich einen neuen Versuch. Und bemühe mich, diesmal ein wenig nüchterner und sachlicher vorzugehen.

Doch ja, er klingt schon sehr räumlich. Irgendwie ein bisschen nach HD800. Mit vielleicht ein wenig T1 in den obersten Höhen. Im Bass ist auch ein wenig LCD mit drin. Wenige Takte später erinnert mich dann besonders die Stimmenwiedergabe an diverse GRADO-Kopfhörer.

Interessant ist dabei aber, dass das Klangbild insgesamt vollständig kohärent bleibt. Und genau dies bekräftigt auch meinen ersten Eindruck. Denn der DHARMA D1000 spielt völlig unspektakulär. Er gibt die ausgewählte Musik einfach völlig selbstverständlich und natürlich wieder, ohne meine Aufmerksamkeit direkt auf einzelne klangliche Aspekte der Wiedergabe zu lenken. Erst wenn ich mich auf einzelne Bereiche und Faktoren konzentriere, gelingt mir im direkten Anschluss eine entsprechende Beurteilung derselben.

Tatsächlich sind gewisse Ähnlichkeiten mit dem großen SENNHEISER dabei nicht von der Hand zu weisen. Vielleicht auch bedingt durch die dezentrale Positionierung des Superhochtöners. Dieser zeichnet unter anderem auch über die fein ziselierten Hallfahnen für eine sehr glaubhafte Raumdarstellung verantwortlich.

Der DHARMA D1000 glänzt so nicht nur mit einer großzügigen Breiten- und Tiefenstaffelung, sondern auch mit einer sehr exakten räumlichen Abgrenzung des ursprünglichen (Aufnahme-) Raumes. Er erreicht aber bezüglich der Weite dabei nicht ganz das Niveau des HD800 (S).

Der SOPRANINO spielt sich im Übrigen zu keiner Zeit hörbar in den Vordergrund, die Ankopplung an den dynamischen Treiber ist ENIGMA ACOUSTICS hervorragend gelungen. Und genau dieser, mit 52 mm Durchmesser zwar großzügig ausgelegte, aber sehr leichte Papierkonus verleiht dem Bass des DHARMA D1000 sowohl einen vortrefflichen Tiefgang als auch eine nahezu ansatzlose Schnelligkeit. Nicht umsonst nutzen viele Entwickler von High-End-Lautsprechern bis zum heutigen Tage auf Papier basierende Konus-Membranen für ihre Chassis.

Lediglich allerfeinste Abstufungen bei sehr komplexen und differenzierten Bassläufen könnten von den Treibern vielleicht noch einen Hauch besser herausgearbeitet werden. Dieses Terrain beherrschen insbesondere gute Magnetostaten noch ein wenig besser. Der Bass meines AUDEZE LCD2F agiert im Vergleich zudem auch etwas trockener.

Durch diese sehr natürliche Basswiedergabe gelingt auch ein nahtloser Übergang zum wunderbar offenen und klangfarbenstarken Grund- und Mittelton. Einzelne Akteure und Instrumente auf der imaginären Klangbühne werden außerdem plastisch und freistehend mit viel „Luftigkeit“ abgebildet. Stimmen besitzen dazu ein wunderbares, warmes Timbre. Der DHARMA D1000 bleibt dabei aber immer noch auf der neutralen Seite. Auch in den Mitten besticht der Kopfhörer wiederum durch seine schon zuvor erwähnte Selbstverständlichkeit bei der Wiedergabe und tritt dabei fast unsichtbar hinter die Musik zurück. So soll das sein.

Bleibt noch der viel diskutierte Hoch- beziehungsweise Superhochtonbereich. Wie bereits erwähnt ist die Einbindung des winzigen elektrostatischen Vertreters seiner Zunft in das klangliche Geschehen durchaus von Erfolg gekrönt. Um zu verdeutlichen, wie ich den SOPRANINO denn nun in der Praxis wahrnehme, möchte ich einen kleinen Vergleich bemühen. Es handelt sich annährend um das Maß an Extension nach oben hinaus, welches man beispielsweise auch erfährt, wenn die per CD-Standard festgelegte Grenzfrequenz von 20 kHz per 24/32 bit High-Res-Aufnahme überschritten wird. Das Auflösungsvermögen im hörbaren Bereich muss in so einem Fall nicht zwangsläufig besser sein. Es klingt aber im Detail authentischer.

Somit komplettiert der Hochton das tendenziell offene, räumliche und natürliche Gesamtbild. Verbunden mit einer superben Fein- und Grobdynamik des DHARMA D1000 und auch der grundsätzlich guten Kompatibilität mit mobilen Abspielgeräten hätten wir also hier und jetzt den perfekten Kopflautsprecher. Oder?

Nein, natürlich nicht. Denn zum einen wird die sehr direkte und teils auch gnadenlos ehrliche Art der Wiedergabe, besonders in den höheren Tonlagen, nicht unbedingt jedem gefallen.

Denn dem geneigten STAX-Liebhaber, welcher vielleicht gedanklich bereits mit einem ENIGMA ACOUSTICS liebäugelt, muss leider deutlich gesagt werden: Nein, dieser KH besitzt keine seidigen Höhen. Der SOPRANINO-Hochtöner deckt außerdem Schwächen in der Wiedergabekette bis hin zur verwendeten Verkabelung schonungslos auf. Schlechte Produktionen, womöglich noch in stark komprimierter Auflösung, werden augenblicklich entlarvt und zum Teil mit schon an Brutalität grenzender Offenheit wiedergegeben. Den Hinweis des Herstellers, den DHARMA D1000 auch direkt an diversen Smartphones betreiben zu können, kann ich jedenfalls nicht ernsthaft nachvollziehen.

Zum anderen komprimiert der DHARMA D1000 bei sehr hohen Lautstärken leicht aber spürbar, insbesondere im Bassbereich. Wohl gemerkt, dazu sind schon lebensverneinende Pegel notwendig. Da dies aber natürlich immer sehr subjektiv ist und ich mich, was ja inzwischen vielen von euch bekannt sein dürfte, eher zu den Leisehörern zähle, kann ich mir schon vorstellen, dass auch Kopfhörerfreunde auf diesem Planeten existieren, welche mutmaßlich hauptberuflich als DJ tätig und meist sowieso schon hörtechnisch völlig schmerzfrei sind. Aber natürlich nicht sehr lange.

Auch verhält sich der DHARMA D1000 bei der Wahl des Spielpartners zuweilen etwas divenhaft. An meinem QUESTYLE CMA800R beispielsweise agiert der KH zwar jederzeit druckvoll, präzise und musikalisch auch involvierend, aber mit einer subtilen Nüchternheit im Klangbild.

Meine Empfehlung an dieser Stelle ist deshalb, den DHARMA D1000 im Idealfall mit einem Röhrenverstärker zu kombinieren. An meinem FOSGATE SIGNATURE läuft der KH jedenfalls zur absoluten Hochform auf. Zumal auch die grundsätzliche Möglichkeit besteht, durch gezielte Röhrenwechsel das klangliche Gesamtergebnis in die persönlich gewünschte (Grals-) Richtung zu lenken. Durch die hohe Empfindlichkeit des ENIGMA ACOUSTICS werden zudem auch die herausragenden dynamischen Eigenschaften des KH in keiner Weise beeinträchtigt. Bei geeigneten guten Aufnahmen gelingt dem kongenialen Pärchen so zeitweilig eine gespenstig echte „Live“-Atmosphäre. Schon sehr beeindruckend.

Mein Fazit

Das Wort „beeindruckend“ ist dann letztendlich doch wieder gefallen. Und in der Summe der relevanten Parameter aus klanglicher Performance, Tragekomfort, Verarbeitung, Preiswürdigkeit (1.595 Euronen) und eben dem gewissen technischen Etwas kann ich ENIGMA ACOUSTICS für ihren „Ersten“, den DHARMA D1000, nur ein ehrliches Lob aussprechen. Ein TOP-Kopfhörer. Ich rate aber dennoch jedem ernsthaften Interessierten mit Kaufabsicht, den DHARMA D1000 zuvor einem längeren und ganz persönlichen Hörtest zu unterziehen. Von wegen Gral und so.

Euer Fidelio



RELATED POSTS


LEAVE A COMMENT