STAX SR-L700 vs. SENNHEISER HD800S

Vergleichstest STAX SR-L700 vs. SENNHEISER HD800S

Ich schon wieder. Mit einem denke ich wirklich spannenden Vergleich. Dynamisches Raumwunder gegen elektrostatischen Feingeist. Der Kampf der Systeme. Deutschland gegen Japan. SENNHEISER gegen STAX. Könnte irgendein Vergleichstest im Kopfhörersektor der absoluten Spitzenklasse mehr Spaß machen?

Nun, mir jedenfalls nicht. Zumal die Testkandidaten auch preislich eng beieinander liegen. Der SENNHEISER HD800S wird inklusive der zusätzlichen Möglichkeit des symmetrischen Betriebs in Deutschland für einen UVP von 1.599,00 € angeboten. STAX ruft für den brandneuen SR-L700 einen Preis von 1.699,00 € auf. Bei den „Antrieben“ für meinen kleinen Vergleich sieht es ähnlich aus. Der kongeniale Spielpartner meines HD800S ist wie so oft schon der QUESTYLE CMA800R, welcher zu einem Handelspreis von 1.995,00 € mit dem großen SENNHEISER einfach perfekt harmoniert. Als Spielpartner für den STAX fungiert der SRM-006tS, die hauseigene, zweitbeste Möglichkeit nach dem SRM-007tII zu einem VK von 1.850,00 Euronen.

Als Quelle für diesen Test diente mir mein bewährter iMAC, verbunden über ein CHORD-Digitalkabel. DA-Wandler meiner Wahl war der DIRECT DAC von MERIDIAN. Verkabelung von FADEL und NORDOST.

Gerne hätte ich dem SENNHEISER HD800S für diesen Vergleichstest auch an einem entsprechenden Röhrenverstärker betrieben. Aber zum einen wäre mein FOSGATE SIGNATURE dazu rein leistungsmäßig nicht adäquat in der Lage gewesen, zum anderen passt die nun etwas dunklere Abstimmung der „S“ Version ganz hervorragend zum zwar leicht analytischen, aber dennoch sehr ausgewogenen Charakter des QUESTYLE Verstärkers. Durch seine enorme Präzision bei der Wiedergabe leuchtet er nicht nur Räume optimal aus, sondern treibt die S-Klasse auch in Sachen Detailarbeit zu Höchstleistungen an. Und eines kann ich jetzt schon vorweg nehmen. Diese waren beim Kampf gegen den Elektrostaten auch dringend geboten.

Aufgrund der „Current Mode“ Stromverstärkung des CMA800R schenken sich die beiden Treiberverstärker auch nichts bezüglich ihrer (hohen) Geschwindigkeit, so dass eine spätere Beurteilung der Kopfhörer in diesem Kriterium leichter fallen sollte.

Die Pretiosen der kleinen Manufaktur STAX nehmen seit jeher eine Sonderstellung unter den Kopfhörer-Liebhabern ein. So auch bei mir. Bereits Mitte der 80´er Jahre nannte ich einen SR5 Gold mein Eigen. Schon zu damaliger Zeit faszinierte mich insbesondere das im Vergleich zu dynamischen Systemen sehr gute Auflösungsvermögen und die hohe Natürlichkeit des elektrostatischen Prinzips. Was die STAX Spitzenmodelle zu jener Zeit alternativlos machte.

Allerdings haben sich in den letzten Jahren meine Maßstäbe und Ansprüche bezüglich einer perfekten musikalischen Reproduktion per KH doch etwas verschoben. Zumal die Mitbewerber ihrerseits natürlich nicht untätig waren und auch bedingt durch den neuen allgemeinen Kopfhörerboom, die eigenen Produkte sukzessive verbessert haben. Dies betrifft sowohl die Wahl der verwendeten, meist leichteren Werkstoffe, als auch die grundsätzliche Verbesserung der dynamischen Wandlersysteme, z.B. durch effizientere Antriebe.

Einer der Vorreiter war und ist das inzwischen weltweit agierende Unternehmen SENNHEISER. Mit ihrer ersten Version des innovativen HD800 gelang es den Ingenieuren rund um Axel Grell im Jahre 2009 erstmalig, einen schon referenzverdächtigen KH zu schaffen, welcher in die elektrostatische Phalanx einzubrechen drohte. Weltweit wurde der deutsche Kopfhörer als vermeintliche Wunderwaffe nicht nur gegen die STAX Hörer der Lamda-Serie, sondern auch gegen den deutlich teureren SR-007 Mk2 angesehen.

Und zwang die Firma STAX schließlich zu einem wahren Paukenschlag im Jahre 2013. Mit dem SR-009 schuf der kleine japanische Hersteller wiederum den wahrscheinlich besten Kopfhörer der Welt. Zu einem offiziellen Verkaufspreis in Deutschland von schlappen 5.000 Euronen. Da der neue König aber leider auch stark mit dem antreibenden Spielpartner skaliert, steht dem enthusiastischen Gralsritter bei dieser „endgültigen Lösung“ unter Umständen eine vermeintlich notwendige Investition im 5-stelligen Bereich bevor.

Gut. Der Weg ist das Ziel. Und ich habe ja glücklicherweise noch ein wenig Zeit. Und wenn man nur lange genug wartet, ergeben sich eben manchmal auch alternative Möglichkeiten. Vor allem dann, wenn der Hersteller neue Zielgruppen und Absatzmöglichkeiten für sich definiert und bewährte Spitzentechnologie preisgünstiger auf kleinere Baureihen überträgt. Quasi analog zur Automobilbranche.

Bereits gegen Ende des letzten Jahres war mein Interesse deshalb sofort geweckt, als die ersten Berichte vom neuen STAX SR-L700 auftauchten. Die „alte“ Lamda-Serie bis hin zum SR-507 hatte mich bis zu diesem Zeitpunkt nie sonderlich interessiert, ob ihres im Vergleich zum SR-009 doch wesentlich schlechteren Auflösungs- und räumlichen Abbildungsvermögens. Der SR-007 Mk2 schied aufgrund der eher dunklen Abstimmung und des etwas „bedeckten“ Klangbildes sowieso von vorneherein für mich aus. Insbesondere auch unter Berücksichtigung seines Preisschildchens.

Jetzt ist es also soweit. Die kleinere Baureihe übernimmt bei ihrem Spitzenmodell STAX SR-L700 die bewährte Membrantechnologie des großen Bruders SR-009. Und tritt so gerüstet unter anderem gegen die dynamische Konkurrenz in der U 2.000 € Klasse an. Und welcher Gegner würde sich besser eignen, als der alte „Aggressor“ von SENNHEISER in aktuell renovierter S-Topform.

Verarbeitung & Tragekomfort

Und los geht’ s. Mit dem Auspacken. Ich möchte mich übrigens an dieser Stelle bei Christoph Zingel und dem deutschen Vertrieb ATR für die wiederum sehr schnelle Lieferung aller Komponenten bedanken. Entgegen dem allgemeinen Trend wird der Kopfhörer in einer inzwischen fast schon trivialen, mit allen relevanten Informationen versehenen, bedruckten Kartonage ausgeliefert. Also keine hochglanzlackierte Holzschatulle. Gut so. Landet sowieso im Abstellraum. Ein innen liegender Styroporkasten schützt den Hörer zusätzlich beim Transport vor Stößen und Erschütterungen. Auch gut.

Es folgt die erste Ernüchterung nach dem vollständigen Freilegen des Testprobanden. Besteht das Ding denn zu 100% aus Plastik? Insbesondere die Gabeln, welche die Ohrmuscheln fixieren, wirken trotz ihrer innenliegenden Verstrebungen etwas billig und filigran. Gut, zumindest die Schrauben bestehen aus Metall und die Ohrpolster duften nach Leder. Allerdings nur die ohraufliegenden Teilstücke. Denn der umliegende Rahmen wird aus Kunstleder gefertigt. Aha.

Um dies richtig zu verstehen. Auch der „Rahmen“ des HD800S ist aus einem Kunststoff hergestellt. Nur verhält es sich ähnlich wie die Anmutung der Innenaustattung von Automobilen, um wiederum einen branchenübergreifenden Vergleich anzustellen. Denn dies hatten die Japaner im Vergleich zu den deutschen Premium Herstellern auch noch nie so richtig drauf. Und so wirkt der verwendete Kunststoff des STAX Hörers gegenüber dem deutschen Teilnehmer für mich einfach weniger wertig.

Ansonsten aber ist der SR-L700 sehr ordentlich verarbeitet, erreicht aber insgesamt nicht die Professionalität des SENNHEISERS. Dieser Punkt geht also schon einmal eindeutig nach Wedemark. 1:0.

Die Sache mit dem Kunststoff hat aber natürlich auch praktische Vorteile. Denn der KH ist mit 360 g ohne Kabel sehr leicht. Zudem verteilt sich das Gewicht über das Kopfband (aus Kunstleder) sehr gleichmäßig. Der Anpressdruck ist zudem verhältnismäßig gering und somit angenehm. Die Aussparungen für die Lauscher sind außerdem im Vergleich zum Vorgänger SR-507 großzügiger ausgelegt. Die Wandler sind zusätzlich angewinkelt angeordnet, um offensichtlich den räumlichen Eindruck zu verbessern. Meine (nicht besonders kleinen) Ohren berühren durch diese Maßnahmen somit an keiner Stelle das Material. Sehr gut.

Aber auch der große SENNHEISER ist bekannt für seinen außerordentlich guten Tragekomfort. Und obwohl der HD800S tatsächlich noch ein wenig leichter daher kommt als sein japanischer Konkurrent (330 g ohne Kabel), herrscht rein subjektiv Gleichstand. Besonders über die Aussparung in der Mitte des zentralen Bügels wird auch hier der Druck optimal und gleichmäßig auf dem Kopf verteilt. Kontakt zu meinen Segelohren? Fehlanzeige.

Beide Kopfhörer sind somit uneingeschränkt langzeittauglich und für exzessive Hörsessions bestens geeignet. Unentschieden also in dieser Disziplin. Insgesamt liegt der SENNHEISER HD800S bislang also mit 2:1 leicht vorne.

Ich erspare es mir, euch an dieser Stelle mit den technischen Daten beider KH zu langweilen, welche ihr ja bei weiter gehendem Interesse auch bequem googlen könnt. Denn wir kommen jetzt endlich zum natürlich wichtigsten Punkt der Daseinsberechtigung eines Kopfhörers. Dem Klang.

Klangtest

Die alten Rivalen STAX und SENNHEISER treten also wieder gegeneinander an. So ein Test ist zwar sehr aufwendig und nimmt viel Zeit in Anspruch, macht mir aber natürlich seeehr viel Spass. Und weil gerade bei diesem Vergleich nicht nur 2 Kopfhörer, sondern vor allem auch 2 regelrechte Glaubensbekenntnisse aufeinandertreffen, möchte ich wie immer alle geneigten Leser freundlich darauf hinweisen, dass ich selbstverständlich nicht den Stein der Weisen gefressen habe und die nachfolgenden Zeilen meine ganz persönliche Meinung wiederspiegeln. Danke.

Ich werde dieses Mal aber nicht, wie üblich nach Schema-F, nur auf einzelne Teilbereiche der Wiedergabequalitäten beider KH eingehen, sondern möchte versuchen, zunächst ein wenig die „Charakterzüge“ unserer Probanden mit in diesen Test einzubeziehen. Da vielleicht einige von euch noch nie einen elektrostatischen KH gehört haben, ist vielleicht eine grundsätzliche kurze Charakterisierung auch ganz sinnvoll.

Der Feingeist. STAX SR-L700

Die musikalische Wiedergabe des STAX SR-L700 ist systembedingt geprägt durch die beispiellose Schwerelosigkeit und Transparenz eines Elektrostaten. Die Reproduktion, unabhängig von der eingeschlagenen Musikrichtung, erfolgt nahezu ohne Ansatz und absolut zeitgenau. Durch das fast trägheitslose Ansprechen der Membranen wirken Instrumente und insbesondere Stimmen (…oh, ja die Stimmen… ) vollkommen natürlich mit wunderbar echt wirkenden Klangfarben.

Der SR-L700 profitiert zudem erheblich von dem membrantechnischen Upgrade des SR-009 und macht in Sachen Auflösungsvermögen im Vergleich zum Vorgänger noch einmal einen gewaltigen Schritt nach vorne. Die Detailarbeit ist einfach phänomenal und meiner Meinung nach technisch derzeit von keinem dynamischen System zu erzielen. Die Musik wird gnadenlos akribisch bis in die allerkleinsten Verästelungen aufgelöst. Und dies ohne auch nur einen Anflug von Schärfe. Einfach Klasse.

Das Raumwunder. Der SENNHEISER HD800S

Der SENNHEISER HD800S ist für mich derzeit der beste dynamische Kopfhörer überhaupt. Denn er überzeugt insbesondere durch die Summe aller seiner Fähigkeiten. Und begeistert gerade durch Unauffälligkeit! Er leistet sich im gesamten Frequenzspektrum keinerlei Fehler (mehr) und spielt sehr neutral mit einer äußerst homogenen Abstimmung auf. Eigentlich typisch Deutsch.

Der HD800S ist eine musikalische Allzweckwaffe. Denn er kann einfach alles. Egal ob Klassik, Rock, Jazz oder Pop. Der SENNHEISER reproduziert jegliche Musik mit einer immer nachvollziehbaren Authentizität. Dazu trägt vor allem seine absolut herausragende räumliche Abbildungsschärfe und -tiefe bei. Der HD800S bezieht seine Glaubwürdigkeit im Gegensatz zum STAX nicht aus dessen „livehaftiger“ Trägheitslosigkeit, sondern vor allem aus dieser realistischen Räumlichkeit. Ebenfalls ganz großes Kino.

Um dies jetzt nicht falsch zu verstehen. Auch der SR-L700 wartet mit einer sehr guten und vor allem durchsichtigen räumlichen Darstellung auf. Auch hierbei schlägt er dem alten SR-507 wiederum ein Schnippchen. Der SENNHEISER jedoch stellt einzelne musikalische Geschehnisse genau im richtigen Größenverhältnis zueinander dar. Dies gelingt dem STAX in dieser Form so nicht.

Schauen wir uns doch einfach einmal die einzelnen Frequenzbereiche zur Bewertung etwas genauer an:

BASS: SR-L700

Der Bass des STAX SR-L700 ist eher auf der schlanken Seite der Macht angesiedelt. Allerdings wirkt er doch schon prägnanter als beim SR-507. (Den Bass des SR-009 habe ich allerdings noch leicht kräftiger im Ohr)

Er ist selbstverständlich extrem schnell und spielt absolut bruchlos in den Grund- und Mitteltonbereich hinein. Er überzeugt außerdem mit einem sehr trockenen Ansatz im Oberbass und entwickelt dazu auch einen gewissen Druck in den mittleren Lagen, welchen man allerdings unter Umständen in den untersten Oktaven schon vermissen könnte. In jedem Fall ist der STAX in Sachen Schwärze nicht vergleichbar mit einem Magnetostaten vom Schlage eines AUDEZE der LCD-Serie.

BASS: HD800S

Und auch nicht mit dem des SENNHEISER. Denn der HD800S wurde abstimmungstechnisch im Rahmen des neuesten Updates im Bassbereich noch einmal verbessert. Er entwickelt zum einen mehr Druck in den untersten Lagen, zum anderen wirkt der Bass auch besser strukturiert. Der „Anschlag“ im oberen Bassbereich ist zudem noch präziser als beim Vorgänger, erreicht aber wiederum nicht ganz die Ansatzlosigkeit des STAX Kopfhörers.

Trotzdem geht dieser Punkt für mich an den SENNHEISER. Denn durch den druckvolleren und tiefer hinabreichenden Bass gewinnt die Reproduktion jeglicher Musikrichtung an Körperhaftigkeit. Und verleiht so beispielsweise großorchestralen klassischen Einsätzen mehr Corpus, Nachdruck und Glaubwürdigkeit. Der SR-L700 wirkt hier vergleichsweise leicht ausgedünnter.

MITTELTON: SR-L700

Dies sollte doch eine Paradedisziplin des STAX sein. Und ist es dann auch. Wie eingangs schon erwähnt, verleiht der SR-L700 Stimmen und Instrumenten einen unvergleichlich natürlichen Charme. Und sie scheinen dazu jederzeit zum Greifen nahe. Gerade bei guten Jazz-Stücken wirkt dies zum Teil schon gespenstig echt. Bei einigen Live-Aufnahmen wähnte ich mich bei geschlossenen Augen tatsächlich zeitweise unter den Zuhörern vor Ort. Dies sollte man in jedem Fall einmal erlebt haben.

Der SR-L700 ist im Vergleich zu seinen STAX-Geschwistern im Grundton außerdem leicht wärmer abgestimmt. In Kombination mit dem antreibenden Röhrenverstärker ergibt sich so ein jederzeit angenehmes und langzeittaugliches Klangbild.

MITTELTON: HD800S

Auch der SENNHEISER wartet nach der Modellpflege mit einer grundtonstärkeren Abstimmung auf. In Verbindung mit den schon beschriebenen Vorteilen im Bassbereich wurde durch diese Maßnahme insbesondere die Plastizität bei der Wiedergabe von Stimmen und Instrumenten deutlich gesteigert.

Und auch wenn Diese im direkten Vergleich mit dem SR-L700 weniger direkt und leicht zurückgesetzt wirken und zuweilen auch etwas nüchterner reproduziert werden, besitzen sie beim HD800S für meinen Geschmack trotzdem etwas mehr an Substanz. Eine Gitarre beispielsweise wird vom STAX mit den schöneren Klangfarben wiedergegeben. Der SENNHEISER spielt sie aber mit mehr Nachdruck.

Oder um es überspitzt zu formulieren. Der STAX haucht ins Mikrofon. Der SENNHEISER spricht hingegen mit klarerer Stimme. Schwere Entscheidung also in dieser Disziplin. Und natürlich eine Frage der Präferenz. Für mich persönlich heißt das Unentschieden.

HOCHTON: SR-L700

Dieser Bereich ist die eindeutige Domäne des Elektrostaten. Die Hochtonwiedergabe ist schlicht und ergreifend perfekt. Und skalierend wahrscheinlich nur noch mit einem leistungfähigeren Verstärker zu toppen. Eine bessere Auflösung auch allerfeinster Strukturen ist nur schwerlich vorstellbar. Selbst magnetostatische KH ziehen hier den Kürzeren.

Es werden mir zum Beispiel winzige Details in wohlvertrauten Aufnahmen wie selbstverständlich zu Gehör gebracht, welche ich zuvor niemals bewusst wahrgenommen habe. Diese Details sind zwar auch über den SENNHEISER mithin hörbar, aber nur bei Konzentration auf dieselben.

HOCHTON: HD800S

Für sich genommen ist der Hochtonbereich des SENNHEISER ganz hervorragend. Er beeindruckt mit hohem Auflösungsvermögen und einer sehr guten Detailarbeit und vermeidet in der S-Version auch ungebührlich nervende Spitzen. Die Höhen befinden sich außerdem in einer guten Balance zum Mitteltonbereich und gefallen mir in der leicht „gesofteten“ Variante ausgesprochen gut.

Aber dennoch kann der STAX dieses Kapitel ganz eindeutig für sich entscheiden. Gegen diese Transparenz im Klangbild kann ein dynamisches System nur den Kürzeren ziehen. Aber wie gesagt: Der Unterschied wird in erster Linie nur im direkten Vergleich offensichtlich.

Mein Fazit

Wahrscheinlich habt ihr jetzt schon mitgezählt. Nach Punkten steht es nach rein klanglichen Aspekten unentschieden. Rechnet man das Ergebnis aus Verarbeitung und Tragekomfort hinzu, gewinnt der Sennheiser diesen Vergleichstest sogar knapp mit 4:3. Insbesondere aufgrund seiner Vielseitigkeit. Während der STAX einzelne Musikrichtungen wie Jazz oder Klassik präferiert, kommt der SENNHEISER praktisch mit jedem Musikmaterial bestens klar.

Aber auch dieses Ergebnis ist natürlich und tatsächlich nur die halbe Wahrheit. Mehr als bei jedem anderen Vergleich zählen bei der individuellen „Punktevergabe“ die persönlichen Vorlieben eines jeden einzelnen Kopfhörerenthusiasten. Und ich glaube niemand, der einmal einem elektrostatischen KH gelauscht hat, kann sich ernsthaft dieser Faszination der Musikwiedergabe und im speziellen Fall der Legende STAX entziehen.

Und fernab jeglicher Erbsenzählerei ist der STAX SR-L700 eine wahre Lichtgestalt am Elektrostatenhimmel. Und dies zu einem fast schon unverschämt „günstigen“ Preis. Vor allem, wenn man ihn seinen Familienmitgliedern gegenüberstellt. Denn meiner Meinung nach ordnet sich der „Neue“ in der STAX-eigenen Hierarchie knapp unterhalb des SR-009 ein. Und ich sehe den SR-L700 in jedem Fall klanglich über dem SR-007 Mk2. Was für sich genommen preislich fast schon einem Fauxpas gleichkommt.

Der SENNHEISER HD800S macht seiner Zunft alle Ehre. So nah war noch kein dynamischer Vertreter an der Elektrostatenspitze dran. Er zieht nach meiner Auffassung klanglich mit dem STAX SR-L700 gleich und müsste sich höchstwahrscheinlich nur noch dem SR-009 beugen.

Und in diesem Falle würde es sich lohnen, dann auch einmal einen Blick auf die entsprechenden Preisschilder zu werfen.

Euer Fidelio



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