KHV QUESTYLE CMA600I

Test QUESTYLE CMA600i

Da bin ich wieder. So ziemlich genau vor einem Jahr habe ich eine kleine Rezension über meinen QUESTYLE CMA800R veröffentlicht. Und diesen Kopfhörerverstärker des zur damaligen Zeit noch recht unbekannten chinesischen Herstellers favorisiere ich bis heute als primären Spielpartner, wenn es um eine möglichst präzise und neutrale Beurteilung der verschiedensten dynamischen und magnetostatischen Kopfhörermodelle geht.

Denn obwohl der CMA800R in allererster Linie mit dem SENNHEISER HD800 (S) harmoniert, weil er gemeinsam mit diesem entwickelt und auf denselbigen abgestimmt wurde, verweigert er sich keineswegs anderen high-endigen Probanden aus dem KH-Sektor. Und zeigt zudem recht gnadenlos deren Stärken und Schwächen auf.

Aus diesem Grunde war recht schnell meine Neugier geweckt, als mir Markus Nagler vom deutschen Vertrieb NT-GLOBAL anbot, den neuen CMA600I von QUESTYLE ausgiebig zu testen. Noch einmal vielen Dank dafür von meiner Seite.

Bei diesem Gerät handelt es sich um eine gelungene Kombination von DAC und KHV, welche die zahlreichen Patente und Alleinstellungsmerkmale des Herstellers in einem einzigen Gerät vereinigt. Und, um eines direkt schon vorweg zu nehmen, zu einem überragenden Preis-Leistungs-Verhältnis.

Verarbeitung & Ausstattung

Zum einen besticht der CMA600I mit einer superben Verarbeitungsqualität. Während die ersten Serien von QUESTYLE mit ihren unbearbeiteten Aluminiumflächen äußerlich einen eher rustikalen Charme aufwiesen, tendieren die neuesten Produkte aus der chinesischen High-End Schmiede nahezu zur Perfektion. Wohl zuletzt auch deshalb, weil die Geräte zwischenzeitlich bei FOXCONN produziert werden.

Die Außenhaut ist nun glattflächig ausgeführt und in einem dezenten Anthrazit eloxiert. Allein der betriebene Aufwand bezüglich der massiven und teils aufwendig gefrästen Aluminiumbauteile mit bis zu 10 mm Wandstärken ist schier unglaublich. Selbst die höhenverstellbaren Füße bestehen aus dem edlen Werkstoff. Und die Materialschlacht setzt sich im Inneren des CMA600I nahtlos fort.

Ein Ringkerntrafo des kanadischen Herstellers PILTRON, Kondensatoren von NICHICON, Widerstände von DALE, NEUTRIK Steckverbindungen, Motorpotentiometer von ALPS – die Liste ließe sich beliebig fortführen. Die Experten unter euch werden es schon ahnen. Solch ein Gerät ließe sich zu dem aufgerufenen Verkaufspreis nie und nimmer in Europa produzieren. Zumal QUESTYLE auch bezüglich der Ausstattung groß auftrumpft.

Als Signallieferanten akzeptiert der CMA600I in der DAC Sektion sowohl Toslink Verbindungen als auch USB-Zuspieler. Der im DAC verwendete Chipsatz vom Typ AKM AK4490, welcher im Übrigen auch in diversen Geräten von Astell & Kern zum Einsatz kommt, wandelt alle PCM Formate bis 32 bit/384 kHz und ist natürlich DSD fähig. Hierbei setzt QUESTYLE auf ein patentiertes Verfahren, um die DSD Daten beim Transport über die USB Schnittstelle nicht in PCM Pakete umwandeln zu müssen. Dadurch kann konsequent auf digitale Filter verzichtet werden. Eine dreifaches Clocking reduziert Jitter bei der Übertragung der Daten.

Der QUESTYLE CMA600I bietet den Besitzern im Übrigen aber auch die Möglichkeit, den DAC zu umgehen und Musiksignale direkt über einen koaxialen Eingang einzuspeisen. Ausgangsseitig stehen wiederum ein Cinch-Pärchen als auch XLR-Verbindungen zur Verfügung, so dass der CMA600I auch als Vorverstärker fungiert.

Aber auch der Verstärkerteil zeichnet sich durch einige technische Besonderheiten aus. Die ebenfalls von QUESTYLE patentierte Strom-Verstärker-Schaltung mit einer extrem schnellen Gegenkopplung bedingt eine große Bandbreite bis 600kHz bei der Übertragung jeglicher musikalischen Kost. Die Endstufensektion ist zudem diskret aufgebaut und arbeitet vollständig im CLASS A Betrieb. Dies führt in der Theorie bei angegebenen Verzerrungswerten THD von unter 0,00042% zu einer nahezu unverfälschten Wiedergabe der Musiksignale. Aber dazu später mehr.

Der CMA600I verfügt frontseitig über zwei 6,3 mm Klinkenanschlüsse und einen symmetrischen Ausgang für den Stereobetrieb (!). Dies unterscheidet ihn von seinem großen Bruder insofern, als das dieser nur ein Monosignal ausgibt. Somit benötigt man in der Praxis zwei CMA800R, um einen Kopfhörer per XLR zu verbinden. Was natürlich nicht nur unpraktisch, sondern vor allem sehr kostspielig ist.

Diese neue Auslegung des QUESTYLE gefällt mir außerordentlich gut, zumal ich leider nur einen CMA800R besitze und aus diesem Grunde ausschließlich die beiden Klinkenausgänge nutzen kann. Auch das motorbetriebene Potentiometer des CMA600I sammelt Sympathiepunkte, weil es durch die Möglichkeit der Fernbedienung die Aufstellungsoptionen des Gerätes erweitert.

Vorbereitung

Sollten sich jetzt noch tatsächlich Fragen bezüglich technischer Alleinstellungsmerkmale oder sonstiger noch nicht erwähnten Features ergeben, empfehle ich euch wie üblich, alle weiteren relevanten Daten den allwissenden Suchmaschinen zu entnehmen.

Nun aber endlich zum „Versuchsaufbau“. Als Signalquelle diente mir mein bewährter APPLE IMAC, optimiert mit AUDIRVANA PLUS Software und USB seitig bewaffnet mit einem CHORD Digitalkabel. Als Abhörmonitor fungierte zum Einen mein SENNHEISER HD800S als Vertreter der offenen Hörer, welcher impedanztechnisch (300 Ohm) bestens mit dem QUESTYLE harmonieren sollte.

Als geschlossenes Pendant kam mein ULTRASONE EDITION 5 LIMITED zum Einsatz mit einer Impedanz von lediglich 32 Ohm. Im ersten Durchgang hörte ich den CMA600I über den implementierten DAC ohne direkten Vergleich zu meinen anderen Geräten, um mir einen ersten Eindruck zu verschaffen.

Da das mitgelieferte Standard XLR Kabel des SENNHEISER HD800S bereits einen recht hohen Qualitätsstandard erfüllt, wurde natürlich auch der symmetrische KH-Ausgang des QUESTYLE kurz getestet und nach entsprechender Pegelanpassung mit den Klinkenausgängen verglichen. Um den CMA600I aber innerhalb der eigenen Produktfamilie klanglich bessser einordnen zu können, wurde im weiteren Verlauf sowohl mein QUESTYLE CMA800R als auch mein QUESTYLE QP1R DAP zu einer genaueren Beurteilung herangezogen.

Zu diesem Zwecke lieferte mein MERIDIAN DIRECT DAC im zweiten Durchgang die entsprechenden Musiksignale über eine NORDOST Verkabelung direkt an die Amplifier der beiden größeren Brüder. Beim QP1R musste ich zwangsläufig halt ein wenig improvisieren. Als Musikbeispiele dienten mir wieder einmal die üblichen und bestens bekannten Verdächtigen aus Klassik, Jazz, Pop und Rock.

Klangtest Teil 1

Bereits beim Erklingen der ersten Takte des Stückes „SomeBossa“ (Summer Breezin’ feat. Gerald Albright) vom Album „My old Friend celebrating George Duke“ von Al Jarreau aus dem Jahre 2014 outet sich der CMA600I als typisches QUESTYLE Produkt.

Und dies ist durchaus als Kompliment zu verstehen. Denn der CMA600I ist extrem schnell. Und gerade diese Fähigkeit des QUESTYLE, dem musikalischen Fluss mit perfektem Timing zu folgen, verleiht dem KHV eine nach wie vor fantastische Authentizität.

Der Bass des QUESTYLE ist sehr konturiert, druckvoll federnd und immer zeitgenau, punktet aber nicht mit dem ultimativem Tiefgang. Komplexe Strukturen werden aber einwandfrei reproduziert, der Bass verfügt über eine gute Struktur und wirkt gerade im Oberbass keinesfalls überzogen.

Bei der Basswiedergabe über den EDITION 5 LIMITED wurde zudem der hohe Dämpfungsfaktor des Endverstärkers deutlich. Denn gerade der ULTRASONE reagiert auf eine lasche Bedämpfung im Bassbereich etwas divenhaft und „beschwert“ sich über Letztgenannte mit ungebührlichem Aufblähen desselben.

Der Grundton besitzt den für QUESTYLE typischen, leicht erdigen und substanziellen Charakter. Dadurch erhält der Klang ein angenehm warmes Timbre, obwohl die tendenzielle Gesamtausrichtung der Wiedergabe eher schlank ausfällt. Dabei neigt der CMA600I aber glücklicherweise nie zur Analytik.

Im Mitteltonbereich gefallen so mit dem CMA600I vor allem kleinste dynamische Schattierungen bei der musikalischen Reproduktion. Die Ortbarkeit von Stimmen und Instrumenten gelingt ausgezeichnet, mit genügend Luft zwischen den einzelnen Akteuren.

Der Hochtonbereich des CMA600I wird seidig ohne Schärfe bei gleichzeitig feiner Detailarbeit wiedergegeben. Der QUESTYLE überzeugt mit einem sehr guten, wenn auch nicht „erbarmungslosen“ Auflösungsvermögen.

Klangtest Teil 2

Das Umstöpseln auf den symmetrischen Ausgang brachte mit dem HD800S keine großartig neuen Erkenntnisse, mit Ausnahme des Bassbereiches, welcher sich als geringfügig dynamischer und auch leicht vordergründiger präsentierte. Was natürlich allein aufgrund der um den Faktor 2 angegebenen höheren Ausgangsleistung nicht unbedingt verwundert. Trotzdem Geschmacksache. Allerdings ist mein großer SENNHEISER mit CARDAS Kabel-Upgrade auch klinkenseitig bestens versorgt.

Überhaupt empfand ich es bei tatsächlich 100% korrektem Pegelabgleich als äußerst schwierig, wirklich verlässliche Aussagen betreffs der qualitativen Unterschiede zwischen beiden Ausgängen zu treffen, welche nicht auf unmittelbare Kabeleffekte zurückzuführen waren. Beim Betrieb von eher leistungshungrigen Magnetostaten würde ich aber höchstwahrscheinlich die Balanced-Variante allein aufgrund der größeren Leistungsreserven vorziehen.

Im direkten Vergleich zum QUESTYLE CMA800R muss man beim kleineren Modell im Übrigen nur wenig Abstriche machen. Der CMA800R agiert insgesamt souveräner mit noch etwas mehr Druck im Bassbereich, aber auch mit einer Nuance mehr Tiefbassqualität. Die Bühnenabbildung wirkt ebenfalls einen Hauch plastischer, mit einer leichten Zunahme an Breiten- und insbesondere einer noch realistischeren Tiefenstaffelung.

Dies wird besonders deutlich bei dem Stück „Nativity Carol“ der San Francisco Choral Artists des Albums Reference Classics (Label Reference Recordings) aus dem Jahre 2006. Der Chor erscheint vor dem geistigen Auge räumlich besser gestaffelt und fokussierter mit dem CMA800R, auch mit einer exakteren Differenzierung von einzelnen Stimmen. Kleinste Klangverästelungen im Hochtonbereich werden vom großen QUESTYLE zudem noch akribischer herausgearbeitet.

Der QUESTYLE QP1R kann da nicht ganz mithalten. Meiner Meinung nach einer der besten DAP überhaupt, erst recht im Hinblick auf seinen mehr als fairen Verkaufspreis, klingt der „Kleinste“ im Vergleich zu seinen stationären Geschwistern räumlich dann doch leicht flacher. Die Wiedergabe ist zwar fein aufgelöst, aber etwas weniger grobdynamisch als seine Brüder, was selbstverständlich auch der eher bescheideneren Ausgangsleistung geschuldet sein dürfte (Pure CLASS A). Nichtsdestotrotz glänzt auch der QP1R mit den herausragenden QUESTYLE Tugenden. Eine jederzeit ausgewogene und luftige Wiedergabe, gepaart mit akkuratem Timing und mustergültiger Musikalität.

In diesem Zusammenhang kann ich auch Aussagen einiger Hörer nicht nachvollziehen, welche diverse DAP auf Augenhöhe mit stationären Kombinationen sehen. Und ja, ich habe alle derzeit verfügbaren Player, auch jene von ASTELL & KERN, sowohl ohne als auch inklusive der mobilen Verstärker bereits ausgiebig probegehört. Keiner dieser mobilen Vertreter der Spezies konnte es meiner Auffassung nach auch nur annährend mit den großen KHV der Zunft aufnehmen

Mein Fazit

In der Regel finde ich eigentlich bei jeder Rezension ein Haar in der Suppe. Und da ja nun viele mutmaßen könnten, ich hätte ob meiner offensichtlichen Begeisterung für QUESTYLE Produkte die oft zitierte gefärbte rosa Brille auf, habe ich mich redlich bemüht, das besagte Haar in jedem Falle ausfindig zu machen. Ich habe Keines gefunden.

Der QUESTYLE CMA600I ist preisklassenbezogen für mich ganz sicher einer der besten Kopfhörerverstärker auf dem Weltmarkt. Er besitzt viele Stärken und keine erkennbaren Schwächen. Es wird ferner ein offizieller Verkaufspreis von 1.399,00 Euronen aufgerufen. Wie bereits eingangs erwähnt, halte ich dies einfach für ein veritables Sonderangebot. Eine ganz klare Empfehlung von meiner Seite.

Also unbedingt Probehören, wenn ein neuer Kauf in dieser Preisklasse geplant ist. Sicherlich gibt es einige Mitbewerber zum gleichen Preis, beispielsweise den MOON 230 HAD, welcher mit einer höheren Ausgangsleistung aufwarten kann. Die feingeistige Wiedergabe und den musikalischen Fluss des CMA600I erreicht er aber nicht ganz. Und übrigens, MOON Fan bin ich natürlich auch.

Euer Fidelio



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