Test HIFIMAN SUSVARA

Da bin ich wieder. Heute mit einem Testbericht zum derzeit wohl hellsten Stern am Magnetostatenhimmel. Dem neuen HIFIMAN SUSVARA. Und direkt zu Beginn dieses Berichtes die schlechte Nachricht für alle Gralsritter des perfekten Klangs – die ewige Suche findet heute vielleicht ein jähes Ende.

Doch alles der Reihe nach. Meine erste klangliche Kontaktaufnahme zu den neuen Flächenstrahlern der amerikanisch/chinesischen Manufaktur fand im Frühjahr diesen Jahres auf der HIGH END in München statt. Der europäische Distributor Josselin Marvié von HIFIMAN und Jan Sieveking vom deutschen Vertrieb hatten meine Frau und mich freundlicherweise eingeladen, den brandneuen SUSVARA einer ersten ausführlichen Hörprobe an seinem kongenialen Spielpartner EF1000 zu unterziehen und einige Stunden direkt mit dem HE1000 V2 zu vergleichen.

Die erste optische Inaugenscheinnahme des neuen SUSVARA viel dabei zunächst sogar eher ernüchternd aus. Offensichtlich die gleiche mechanische und materialtechnische Peripherie (Bügel- und Gabelkonstruktion, Kopfbandausführung, Kabelzuführungen, etc.) wie beim HE1000 V2 bei gleichsam verdoppeltem Preisschild. Sage und schreibe 6.999 Euro inklusive der deutschen Mehrwertsteuer verlangt HIFIMAN allein für den Kopfhörer. Über die geforderten 14.000 Euro für den hauseigenen und dazu perfekt abgestimmten Röhren-Hybrid-Verstärker EF1000 möchte ich gar nicht erst groß nachdenken. Macht summa summarum schlappe 21.000 Euro. Puhh, diese Preise muss man auch als enthusiastischer Gralsritter erst einmal ganz langsam sacken lassen und gedanklich verdauen.

Wer allerdings die preisliche Entwicklung der letzten Jahre etwas genauer betrachtet, wird leider schnell feststellen, dass HIFIMAN nur dem Trend folgt, welchen bereits andere Hersteller frühzeitig initiiert haben. Nachdem SENNHEISER mit dem HD800 im Jahre 2009 eine erste Duftmarke im 4-stelligen Bereich gesetzt hatte, folgten mit AKG, AUDEZE und insbesondere JPS LABS sukzessive weitere Anbieter im HIGH-END Segment, welche die Preisspirale zügig nach oben trieben.

Warum dies so einfach möglich war? Die Antwort liegt auf der Hand. Weil der Markt die Preise ganz einfach annimmt. Auf der Suche nach immer perfekteren klanglichen Ergebnissen scheint dem gemeinen Kopf-Hörer folglich kein Aufwand zu groß und kein Preis zu hoch. Dabei ist dieses Phänomen im Kopfhörersegment nicht völlig neu. Bereits der Hersteller STAX scharte bereits Anfang der 80’er Jahre eine eingeschworene Schar von KH-Jüngern um sich und galt somit schon frühzeitig als Trendsetter für die ultimative Kopfhörerlösung. Selbstverständlich zu entsprechenden Preisen. Was aufgrund des nicht unerheblichen technischen Aufwandes durchaus auch gerechtfertigt war und immer noch ist.

Aber schon damals war neben dem elektrostatisch angetriebenen Ohrlautsprecher ein elektrisch adäquater Spielpartner der gleichen Marke zwingend mit in den Kaufpreis einzukalkulieren. Oder doch lieber gleich ein hochwertiger und potenterer Antrieb aus dem elitären Zubehörlager als Einzelanfertigung? Das Spiel der audiophilen Gralsritter ist halt schon sehr alt.

Aber selbstverständlich wird niemand ernsthaft gezwungen, diesen Weg auch praktisch zu beschreiten. Überlassen kann man diese Vorreiterrolle schließlich auch einigen wenigen Irren, welche letztendlich Willens und bereit sind, die von den einzelnen Herstellern aufgerufenen Preise zu akzeptieren und zu bezahlen. Und die dadurch weiteren Fortschritt bezüglich der klanglichen Aufbereitung feinster Musiksignale überhaupt erst ermöglichen.

Denn seien wir ehrlich. Wenn Kopfhörer zum heutigen Zeitpunkt noch immer bei Preisen um 250 Euro verharren würden, wären selbige wahrscheinlich auch heute noch mit ähnlich rudimentären klanglichen Eigenschaften wie damals befähigt. Erst durch den technischen Fortschritt im obersten Kopfhörersegment in den letzten Jahren waren günstigere Ableger von Spitzenmodellen überhaupt erst realisierbar. Beispiele gefällig? HIFIMAN EDITION X, FOCAL ELEAR, iSINE10 & 20, BEYERDYNAMIC AMIRON, um nur einige KH zu nennen, welche technisch von ihren größeren Brüdern profitieren. Auf lange Sicht gesehen also durchaus eine positive Entwicklung für alle Fans von Kopfhörern.

Abgesehen davon freue ich mich persönlich auch über einzelne Meisterleistungen wie einen SENNHEISER ORPHEUS 2 oder den HIFIMAN SHANGRI LA. Auch wenn ich mir diese Pretiosen wahrscheinlich niemals leisten können werde. Und obwohl sie zweifellos polarisieren, sensibilisieren sie dennoch medienwirksam eine größere Anzahl von Menschen für die entsprechenden Marken und für das Thema Kopfhörer im Allgemeinen.

Außerdem war es mir auf der HIGH END in München dadurch auch möglich, die beiden TOP-Kombinationen von SENNHEISER und HIFIMAN einmal ausgiebig hören zu dürfen und mich von dieser wohl derzeit einmaligen Wiedergabe von Musik über Ohrlautsprecher begeistern zu lassen. Bei Systempreisen ab 50.000 Euro für den ORPHEUS 2 und den SHANGRI LA geht der HIFIMAN SUSVARA vergleichsweise ja fast schon wieder als „Sonderangebot“ durch. Alles ist eben sehr relativ.

Und schon die ersten klanglichen Eindrücke in der akustisch abgeschotteten Hörkabine auf der Messe in München ließen zu keiner Zeit Zweifel daran, dass HIFIMAN mit dem SUSVARA der ganz große Wurf gelungen ist. Der direkte Vergleich mit einem HE1000 V2 hatte sich bereits nach einigen Hörminuten erledigt. Anwesende Journalisten und gleichsam Besitzer des vielfach ausgezeichneten HIFIMAN Kopfhörers kamen im Übrigen übereinstimmend zu dem gleichen Ergebnis – ein HEK ist gegen einen SUSVARA am EF1000 chancenlos. Denn in Kombination mit dem eigens für ihn konstruierten Kopfhörerverstärker spielt der neue Flächenstrahler durchaus auf dem Niveau eines HE1 von SENNHEISER.

Und eines war mir sofort klar – diesen Kopfhörer musste ich einfach einmal in aller Ruhe in den heimischen vier Wänden testen. Vielen Dank deshalb noch einmal an dieser Stelle an Jan Sieveking, welcher mir den wirklich allerersten SUSVARA in Deutschland zur Verfügung gestellt und diese Rezension erst ermöglicht hat.

Verpackung & Ausstattung

Der HIFIMAN SUSVARA wird in einer hochwertigen schwarzen Kunstlederbox ausgeliefert, die ganz ähnlich gestaltet ist wie jene des HE1000 V2. Sie ist zusätzlich mit einem gebürsteten Aluminiumschild beaufschlagt, auf welches die Bezeichnung des Kopfhörers eingraviert wurde. Der SUSVARA selbst ist in weichem Samt eingebettet, mittig befinden sich unter einer kleinen Abdeckung 2 Anschlusskabel in jeweils 3 Meter Länge. Eines ist dabei mit der üblichen 6,3 mm Klinke, das Zweite mit einem 4-poligen XLR-Anschlußstecker versehen. Die mitgelieferten Kabelverbindungen sind offensichtlich mit denen des HEK identisch und meines Erachtens in der Praxis auch besser als ihr Ruf. Zugegebenermaßen machen einige Strippen natürlich optisch schon mehr her, sind aber klanglich dabei nicht unbedingt immer besser.

Die Verarbeitung der kombinierten Kupfer-Silber-Kabel gehen jedenfalls für mich in Ordnung, auch wenn sich manch Einer bei diesem Preis sicherlich noch hochwertigere Verbindungen gewünscht hätte. Der Zubehörmarkt wird es bekanntlich richten. Die ebenfalls bereits vom HEK bekannten 2,5 mm Klinkenstecker nehmen schließlich auf der Kopfhörerseite innigen Kontakt auf. Eine samtene Transporttasche sowie ein erstklassig ausgeführtes und sorgfältig gebundenes Bedienbuch komplettieren die Ausstattung.

Verarbeitung & Tragekomfort

Der HIFIMAN SUSVARA wird vollständig in Handarbeit gefertigt und ist insbesondere auch angesichts dieser Tatsache exzellent verarbeitet. Kein Vergleich mehr zu den allerersten Exemplaren eines HE1000 V1. Bereits beim V2 waren diesbezüglich schon erhebliche Fortschritte zu verzeichnen, welche der SUSVARA nun aber noch deutlich übertrifft.

Speziell die Ausführung der verwendeten Holzfurniere ist inzwischen absolut makellos. Die handgenähten Ohrpolster aus Lammleder sind nun einfacher auszutauschen, da sie nur noch an 4 Haltepunkten mit den Treibergehäusen verbunden sind. Ein leichtes Spiel der Polster in den Aufnahmen ist dabei beabsichtigt, um beim schnellen Aufsetzen des KH eventuelle Druckspitzen in den Membranen zu vermeiden. Der Hersteller AUDEZE hat bei seinem Modell LCD4 bereits unliebsame Erfahrungen mit diesem Phänomen gemacht und die aktuelle Serie mit einem entsprechenden Luftspalt ausgestattet.

Trotz des im Vergleich zum HE1000 V2 etwas höheren Gewichtes von 450 Gramm trägt sich der SUSVARA sehr komfortabel mit vorzüglich gewähltem Anpressdruck und ausgezeichneter Passform. Meine Ohren berühren an keiner Stelle die Treibergehäuse, obgleich die Ohrpolster weniger stark angestellt sind wie bei meinem HE1000 V2. Die Anpassung an die jeweilige Kopfgröße ist über die identische Mechanik wie beim HEK ebenfalls sehr einfach zu bewerkstelligen. Der SUSVARA überzeugt dementsprechend mit einem sehr hohen Langzeitkomfort.

Technik

Der neue HIFIMAN SUSVARA basiert zwar grundsätzlich auf dem HE1000 V2, wartet im Vergleich allerdings mit einigen signifikanten, technischen Änderungen auf. Zum einen wurde das Magnetsystem des Kopfhörers modifiziert. Die speziell für HIFIMAN angefertigten Stealth-Magnete weisen eine abgerundete Form auf und sollen dadurch weniger Interferenzen bei der Musikwiedergabe verursachen. Die Shade-Grills auf den Außenseiten der Treibergehäuse sind zudem vergleichsweise filigraner gearbeitet als beim HEK, um unerwünschte Reflexionen weiter zu reduzieren.

Die Membranflächen beim SUSVARA wurden von HIFIMAN im Vergleich zum HEK nochmals vergrößert. Sie sind zudem erheblich leichter und weisen jetzt nur noch eine Stärke von 0,001 mm auf. Dies ist übrigens 5 x so dünn wie das Membranmaterial eines AUDEZE LCD4! Aus diesem Grunde verwendet HIFIMAN beim SUSVARA auch Leiterbahnen aus Gold anstelle von Aluminium, da sich diese laut Aussage des Herstellers leichter aufbringen lassen.

Der Pferdefuss des neuen Magnetostaten von Dr. Fang Biang ist allerdings der sehr geringe Wirkungsgrad mit einem Kennschalldruck von lediglich 83 db und 60 Ohm Nennimpedanz. Dies erfordert recht kräftige Kopfhörerverstärker. Nicht umsonst empfiehlt HIFIMAN den hauseigenen EF1000 als optimalen Spielpartner für den SUSVARA, nicht nur aufgrund seiner gewaltigen Ausgangsleistung von 2 x 20 Watt an 35 Ohm. Allerdings bin ich für die folgende Rezension optimistisch, dass auch vielleicht etwas weniger potente KHV für eine angemessene Verstärkung der Musiksignale genügen sollten.

Vorbereitung

Aus diesem Grunde wähle ich meinen PATHOS INPOL EAR als adäquate Kombination mit dem HIFIMAN SUSVARA für diesen Hörtest. Denn im symmetrischen Betrieb leistet der IPE immerhin 2 x 10 Watt an einer Last von 32 Ohm. Wie beim HIFIMAN EF1000 handelt es sich auch bei dem KHV von PATHOS um eine Hybridkonstruktion. Die den Klang bestimmende Spannungsversorgung wird dabei ausschließlich von Röhren übernommen, den entsprechenden Strom liefern dagegen gegenkopplungsfreie und im reinen Class A-Betrieb operierende MOSFETS.

Seine digitale Kost erhält der IPE von meinem AURALIC ARIES MINI, welcher die auf SSD-Festplatte gespeicherten Daten in HIGH-RES Auflösung über eine coaxiale AUDIOQUEST CARBON DIGITAL Verbindung an den PATHOS weiterreicht. Den SUSVARA verbinde ich idealerweise über ein CARDAS CLEAR Kopfhörerkabel mit seinem zukünftigen Spielpartner. Als Musikmaterial…ihr kennt das ja schon…dienen mir wie so oft die üblichen Verdächtigen aus Klassik, Pop, Rock und Jazz.

Klangtest

Der nagelneue Kopfhörer benötigt unmittelbar nach der Auslieferung eine relativ lange Einspielzeit von mindestens 150-200 Stunden, um sein volles klangliches Potential zu entfalten. Warten ist also zunächst angesagt. Glücklicherweise kann ich mich ja nicht über zu wenig Arbeit beklagen, so dass diese Zeit fast schon wie im Flug vergeht.

Im ersten Höreindruck erinnert mich die Spielart des SUSVARA an einen sehr guten elektrostatischen Kopfhörer, beispielsweise an den STAX SR009, nur plastischer und mit mehr Korpus und Bass versehen. Die musikalischen Ereignisse werden zudem wie selbstverständlich mit einem verblüffenden musikalischen Fluss reproduziert. Wenn ich den SUSVARA mit nur einem einzigen Wort charakterisieren sollte, so würde meine Wahl sicherlich auf einen ganz bestimmten Begriff fallen – Authentizität.

Der neue Flächenstrahler von HIFIMAN reproduziert alle Arten von Musik vollkommen natürlich und mit einer vorbildlichen Neutralität. Er ist tonal exzellent ausbalanciert und präferiert somit auch keine bestimmten Frequenzbereiche. Ganz im Ernst – dies ist, gemeinsam mit dem SENNHEISER HE1, der am perfektesten ausbalancierte Kopfhörer, den ich jemals gehört habe.

Denn meistens beginne ich schon nach einigen Hörminuten, mir gedanklich Notizen bezüglich spezieller klanglicher Eigenschaften eines Kopfhörers zu machen. Mit dem SUSVARA genieße ich einfach die Musik. Und gehe auf Entdeckungsreise. Denn selbst mir wohlbekannte Aufnahmen ergreifen mich emotional in einer völlig neuen Intensität. „Closer to the Music“ erhält mit dem großen HIFIMAN endlich eine entsprechende Gewichtung. Denn dieser Kopfhörer intoniert die Musik nicht nur perfekt. Er reproduziert sie zudem genau so, wie der Künstler es beabsichtigt hat. Ohne etwas wegzulassen. Ohne etwas hinzuzufügen. Einfach ehrlich und unglaublich realistisch.

Um dies zu verdeutlichen, vergleiche ich den SUSVARA in Folge mit meinem HE1000 V2. Auch der HEK besitzt selbstverständlich herausragende klangliche und musikalische Fähigkeiten. Aber im Gegensatz zum SUSVARA betont er einzelne Frequenzbereiche leicht, während sich dieser im gesamten Spektrum völlig linear und neutral verhält.

Der Bass des SUSVARA wirkt minimal schlanker konturiert als der des V2, verfügt jedoch über mehr Akkuratesse und Tiefgang. Insbesondere allertiefste Lagen reproduziert der HEK im direkten Vergleich zum SUSVARA minimal unsauber. Der Bassbereich des HEK ist natürlich jederzeit sehr präsent und druckvoll, lässt es im direkten Vergleich zum SUSVARA aber etwas an dessen Präzision vermissen. Der Bass des SUSVARA agiert zudem auch erheblich schneller und ansatzloser als der des HE1000 V2 und schafft somit einen völlig unauffälligen Übergang zum Grundtonbereich.

Der Mittelton der beiden Magnetostaten ist typischerweise reich an Klangfarben, wobei der HEK mit etwas dickerem Pinsel die schöneren Farben malt. Er verleiht dem Grundton etwas mehr Wärme, so dass sich im Vergleich zum SUSVARA ein insgesamt gefälligeres Klangbild ergibt. Ehrlicher ist allerdings der Letztgenannte. Denn Stimmen und Instrumente besitzen beim SUSVARA ein sehr natürliches Timbre sowie jederzeit das exakte Maß an Plastizität und Größe, um vollkommen authentisch zu wirken. Der SUSVARA beeindruckt zudem mit einer intensiven und transparenten Durchhörbarkeit des musikalischen Geschehens. Dies gelingt dem HE1000 V2 im Prinzip zwar ebenfalls sehr gut, dennoch wirkt seine Präsentation etwas ungenauer fokussiert und auch geringfügig weniger transparent als die des größeren Bruders.

Im Hochtonbereich agiert der SUSVARA klar auf Augenhöhe mit den besten elektrostatischen Kopfhörern der Welt. Die Höhen wirken dabei aber niemals aufgesetzt, sondern binden nahtlos an den Mitteltonbereich an. Auch allerfeinste Mikrodetails werden sehr akribisch aus beliebiger musikalischer Kost herausgeschält, ohne jedwede Härte oder den Hang zur Analytik. Der HEK kann in dieser Disziplin nicht ganz mithalten. Obwohl er sicherlich auch zu den am besten auflösenden Kopfhörern am Markt zählt, zeigt der SUSVARA eindrucksvoll, dass das Bessere noch immer der größte Feind des Guten ist.

Der HE1000 V2 betont zudem auch den Präsenzbereich ganz leicht, Nachhallfahnen klingen beispielsweise dadurch etwas länger aus, wodurch akustisch eine weitläufige räumliche Breite und Tiefe projiziert wird – der HEK spielt leicht ätherisch, aber mit einer grandiosen Bühnenabbildung. Der SUSVARA agiert hier nüchterner, oder auch realistischer, je nachdem, wie man es betrachten mag. Der räumliche Eindruck ist insgesamt weniger ausladend als beim HEK, aber im Gegenzug mit der besser gestaffelten Zuordnung und einer schärfer konturierten Trennung der musikalischen Protagonisten.

Bezüglich der dynamischen Qualitäten beeindruckt der SUSVARA speziell mit ultrafein abgestuften Veränderungen von auch allerkleinsten Schattierungen innerhalb der musikalischen Geschehnisse, verbunden mit einem optimal arrangierten Timing. Grobdynamisch stellt er allerdings leicht divenhafte Ansprüche an den ihn antreibenden Spielpartner. Auch der INPOL EAR operiert, speziell bei klassischer Musik und selbst im symmetrischen Betrieb lautstärketechnisch annährend an seiner Leistungsgrenze.

Glücklicherweise kann der PATHOS durch Austausch eines steckbaren Platinenbauteils pegeltechnisch angepasst werden, was gleichzeitig einhergeht mit einer nicht unerheblichen Leistungssteigerung des KHV. Der HE1000 V2 gibt sich in dieser Beziehung etwas anspruchsloser, obwohl auch er natürlich kein Kostverächter ist. In Sachen Dynamik zieht er, zumindest am IPE, mit dem SUSVARA nahezu gleich, ohne aber gänzlich dessen Detailreichtum und Nuanciertheit zu erreichen.

Mein Fazit

Der HIFIMAN SUSVARA ist zurzeit sicherlich der beste magnetostatische Flächenstrahler der Welt und übertrifft in der Summe aller klanglichen Qualitäten IMO auch einen STAX SR009 mehr oder weniger deutlich. Einen adäquaten Kopfhörerverstärker vorausgesetzt. Und genau hier liegt die Krux.

Denn der SUSVARA benötigt Leistung. Sehr viel Leistung. Bereits an meinem BURSON CONDUCTOR VIRTUOSO V2 (2 x 4 Watt an 32 Ohm) flacht der SUSVARA leicht ab und komprimiert minimal Dynamik und Raum. Auch an einem PASS LABS HPA1 (2 x 3 Watt am 32 Ohm), welchen ich in Kombination mit dem HIFIMAN kurz testen konnte, spielt der Magnetostat bei Vollaussteuerung des Potentiometers zwar immer noch sehr kontrolliert, aber etwas zu leise. An Spielpartnern mit einer Ausgangsleistung von unter 1 Watt pro Kanal ist der HIFIMAN meines Erachtens überhaupt nicht zu betreiben. Die Parallelen zum HIFIMAN HE6 sind also mehr als offensichtlich.

Dieses Problem ist aber grundsätzlich nicht neu. SR007 und SR009 Besitzer können ein Lied davon singen. Denn auch die großen STAXe laufen ebenfalls nur an entsprechend potenter Elektronik zur Höchstform auf. Wer jemals einem STAX SR007/009 am HEADAMP BLUE HAWAII SE lauschen durfte, weiß jetzt sicherlich genau, was ich damit meine.

Vor dieser Rezension beschäftigte mich außerdem die Frage, ob der SUSVARA tatsächlich die doppelte Summe im Vergleich zum HE1000 V2 wert ist. Oder ob die klanglichen Verbesserungen vielleicht doch eher marginaler Natur sind und den Aufpreis nicht rechtfertigen. Denn rein technisch gesehen, handelt es sich beim SUSVARA ja grundsätzlich um einen in einigen relevanten Punkten verbesserten HEK V2 mit der primären Verpflichtung zur Neutralität.

Nun, so einfach ist es aber eben nicht. Denn die einzigartigen Fähigkeiten des HIFIMAN SUSVARA gehen über eine bloße Steigerung der rein klanglichen Performance weit hinaus.

Der HIFIMAN SUSVARA kombiniert die Stärken der Elektrostaten, wie die phänomenale Leichtigkeit bei der Ausarbeitung allerkleinster Details, mit der klangfarbenstarken Plastizität und der außerordentlich impulstreuen Basswiedergabe der Magnetostaten. Und er ergänzt diese mit der großartigen Ortbarkeit und dem zügellosen Temperament dynamischer Schallwandler. Ohne dabei aber seine einzelnen Stärken auffällig in den Vordergrund zu rücken. Der SUSVARA fügt alle diese Qualitäten einfach harmonisch und unspektakulär zu einem vollendeten Gesamtkunstwerk zusammen.

Darin liegt die eigentliche und großartige Leistung von HIFIMAN. Dr. Fang Biang hat mit dem SUSVARA keineswegs einen Kopfhörer geschaffen, welcher lediglich durch eine besonders eindrucksvolle Basswiedergabe, eine spektakuläre Mitteltonpräsenz oder strahlende Höhen imponiert. Sondern in allererster Linie durch eine schlichtweg traumhafte Musikalität überzeugt. Wunderbar. Ein wahres Meisterwerk.

Euer Fidelio



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COMMENTS2

  1. Hallo Wolfgang,

    welches Kabel aus dem Zubehörbereich mit welchem Anschluss (Klinke/XLR) empfiehlst Du für den Susvara? Hattest Du Gelegenheit andere Alternativen als das Cardas Clear zu hören? Danke im Voraus für ein kurzes Feed back.

    • Hallo Roland,
      ich habe diverse Kabel am SUSVARA getestet. Neben dem CARDAS CLEAR gefielen mir klanglich noch das GRAND 20 CORE SILVER von LAVRICABLES sowie das WYWIRES RED für den HIFIMAN.
      Das Erstgenannte war mir, obgleich es insbesondere den Hochtonbereich hervorragend auflöste, leider etwas zu sperrig in 3 m Länge. Das WYWIRES konnte bezüglich des Klangfarbenreichtums im Speziellen und der musikalischen Eigenschaften im Allgemeinen zwar nicht ganz mit dem CARDAS CLEAR mithalten, schlägt dafür aber auch nur mit dem halben Preis zu Buche. Empfehlenswert ist es aber IMO dennoch. Die Farbe ist allerdings Geschmacksache.;)
      Ob du Klinke oder XLR bevorzugst, hängt natürlich ein wenig vom Spielpartner ab. Eine unsymmetrische Kabelverbindung muß nicht zwangsläufig die schlechtere Lösung sein. In den meisten Fällen verfügen die entsprechenden KHV aber in der symmetrischen Betriebsvariante über erheblich höhere Leistungsreserven und sind demzufolge vorzuziehen.
      Lieben Gruß
      Wolfgang


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