Grell OAE 2 on Musicalhead

Hörtest GRELL OAE2

Da bin ich wieder. Und heute habe ich einen ganz besonderen Ohrlautsprecher für euch im audiophilen Gepäck – den neuen GRELL OAE 2, welcher mit einer mutmaßlich wegweisenden akustischen Intention forschungsbasierte Expertise und jahrzehntelange Erfahrungswerte im Kopfhörersegment optimal miteinander vereinen soll.

Denn Mastermind Axel Grell zählt bekanntermaßen zu den einflussreichsten Entwicklern im High-End Bereich und fungierte zudem als Schlüsselfigur bei der technischen Gestaltung einiger bahnbrechender Ohrlautsprecher, welche zwischenzeitlich sogar Kultstatus unter Kopfhörer-Enthusiasten geniessen – dazu zählen zweifelsohne der SENNHEISER HD800 und HD600 und selbstverständlich auch der berühmte HE1.

Das noch relativ junge Unternehmen GRELL AUDIO profitiert somit von dem über 30-jährigen Erfahrungsschatz des erfolgreichen Namensgebers und hat sich auch künftig der Mission „perfektes Klangerlebnis“ verschrieben. Nach dem ausschließlich in den USA erhältlichen Erstlingswerk OAE1 präsentiert der deutsche Hersteller nunmehr den OAE2, welcher in Deutschland künftig über das breitgefächerte Händlernetzwerk von Sieveking Sound vertrieben werden soll.

Ich möchte mich in diesem Zusammenhang übrigens noch einmal ganz herzlich bei Jan Sieveking für die wie immer völlig unbürokratische und blitzschnelle Bereitstellung des dynamischen Ohrlautsprechers bedanken. Weitere Informationen zum GRELL OAE2 erhaltet ihr im Übrigen auf der Internetpräsenz von GRELLAUDIO unter grellaudio.com oder auch beim deutschen Vertrieb unter: sievekingsound.de

Nun zählt der neue GRELL OAE2 zugegebenermaßen nicht unbedingt zu den Ohrlautsprechern, welche mein unmittelbares Interesse wecken. Denn als langjährig kultivierter Gralsritter der feinen Töne präferierte ich in der jüngeren Vergangenheit eher TOTL (Top-Of-The-Line) Pretiosen im gehobenen Preissegment, die sowohl qualitativ, als auch klangtechnisch (zumeist) vollumfänglich zu überzeugen wußten – und mein heutiger Testkandidat ist gerade einmal mit 499,- Euronen eingepreist. 

Allerdings bildeten sich spätestens mit der Rezension zum HEDDPHONE D1 unlängst kleinere Risse in meinem persönlichen Kopfhörer-Universum, denn der deutsche Ohrlautsprecher aus Berlin spielte fast schon wie selbstverständlich in der musikalischen Champions League auf und zeigte demzufolge einigen akustischen Schwergewichten ganz unverfroren eine lange Nase – und dies zum audiophilen Discountpreis von sage und schreibe 699,- Euro.

Frontseitige Schallfeldmodulation (FSFM)

Sollte dem OAE2 mitunter eine ähnliche musikalische Sensation gelingen? Zumal der dynamische  Kopfhörer nach Aussage des Herstellers mit klanglichen Eigenschaften aufwarten soll, welche nicht nur den jeweilig verwendeten Materialien und neuartigen Herstellungsverfahren geschuldet sind, sondern ebenso auf der funktionalen Integration der natürlichen Geometrie des menschlichen Ohres basieren.

Das innovative Akustikkonzept von GRELL AUDIO besteht dabei aus drei Teilen –  der frontseitigen Schallfeldmodulation (FSFM), einem neuen Ansatz hinsichtlich der Dämpfungseigenschaften, sowie einer definiert angewinkelten Schallwand. Denn unser Ohr verarbeitet den Schall im Idealfall von vorne – und mit der frontseitigen Schallfeldmodulation (FSFM) von GRELL AUDIO wird die individuelle Geometrie des menschlichen Ohres eingebunden, so dass der Klang so unverfälscht und natürlich wie möglich wahrgenommen wird. 

Im Gegensatz zu herkömmlichen Kopfhörern wird das Klangerlebnis des OAE2 somit maßgeblich von den anatomischen Besonderheiten des Ohres beeinflusst, was eine natürliche und höchst authentische Wiedergabe im Mittel- und Hochtonbereich zur Folge haben soll. Darüber hinaus wurden bei der Entwicklung des neuen GRELL Ohrlautsprechers die spezifischen Eigenschaften verschiedenster akustischer Materialien bis ins kleinste Detail analysiert. 

Das hieraus resultierende Dämpfungskonzept ermöglicht nach Aussage von Axel Grell eine außergewöhnlich plastische Tieftonwiedergabe. Ein akustisch transparentes Edelstahlgewebe umspannt dazu die filigrane, aber äußerst stabil ausgeführte Kunststoffkuppel des OAE2. Diese spezielle Geometrie in Kombination mit den akustischen Materialien wurde zwischenzeitlich zum Patent angemeldet.

Der schräg platzierte dynamische Wandler aus Bio-Zellulose mit einem Durchmesser von 40 mm, sowie eine Schallwandkonstruktion aus präzisionsgefertigtem Edelstahlgewebe, markieren schließlich das technologische Herzstück des OAE2. Das leicht gewölbte und offene Design der großflächigen Schallwand begünstigt hierbei eine natürliche Ausbreitung der Schallwellen, ohne dabei markante Reflexionen zu verursachen – klangliche Verfärbungen und Resonanzen werden so weitestgehend vermieden.

Die technischen Voraussetzungen stimmen mich somit bereits zu Beginn meines Klangtests zuversichtlich, mit dem neuen GRELL OAE2 in ein adäquates akustisches Erlebnis einzutauchen, wie mit dem zuvor beschriebenen Ohrlautsprecher von HEDD AUDIO. Zumal der aktuelle Testproband mit einem Eigengewicht von 378 Gramm nicht nur einen angenehm hohen Tragekomfort bietet, sondern in dieser Preisklasse gleichermaßen mit einer angemessenen Verarbeitungsqualität zu überzeugen weiß. 

Klangtest

Und schon nach wenigen Hörminuten wird schnell klar, dass Axel Grell mit dem OAE2 wieder einmal einen Kopfhörer geschaffen hat, der nicht nur in diesem Preissegment neue Maßstäbe setzen könnte. Dabei beeindruckt der OAE2 nicht unbedingt mit einem alles überragenden Auflösungsvermögen, hochtransparenten Mitten oder gar abgrundtiefen Bässen, sondern in erster Linie mit seiner wunderbaren Musikalität – doch dazu später mehr. 

Denn selbstverständlich verfügt auch der GRELL Ohrlautsprecher über einen durchaus druckvollen und dazu konturierten Bassbereich, wenngleich er die hinterletzten Ecken im Frequenzkeller bei höheren Abhörpegeln nicht in allerletzter Konsequenz auszuleuchten vermag. In Kombination mit dem neuen ASTELL&KERN SP4000 ULTIMA überzeugt der OAE2 zwar jederzeit mit einem fein detailierten musikalischen Auftritt – ein leistungstechnisch adäquater Spielpartner aus der stationären Fraktion könnte hinsichtlich der Bassperformance hingegen für Abhilfe sorgen und den Tiefbassanteil entsprechend erweitern. 

Denn obschon der OAE2 mit der Impedanz von 38 Ohm und einem Wirkungsgrad von 100 dB/mW aufwartet, favorisiert der deutsche Kopfhörer dennoch eher das Zusammenwirken mit ausgewachsenen Kopfhörerverstärkern. In Kombination mit dem YAMAHA HA-L7A gelingt dem GRELL OAE2 somit nicht nur eine überlegene akustische Vorstellung im leistungshungrigen Bassbereich, auch im klangrelevanten Mitteltonbereich zeichnet der dynamische Ohrlautsprecher klangliche Strukturen noch etwas gewissenhafter nach und ordnet die musikalischen Ereignisse präzise im virtuellen Raum. 

Was nunmehr eine entscheidende Frage aufwirft – ist der neue GRELL OAE2 konstruktionsbedingt tatsächlich befähigt, eine glaubwürdige Bühnendarstellung vor dem geistigen Auge des erwartungsfreudigen Gralsritters zu generieren? Nun, wenn man primär ein klassisches Lautsprecher-Setting als klanglichen Maßstab zugrunde legt – sicherlich nicht.

Das neue Werk von Axel Grell beeindruckt für Kopfhörer-Verhältnisse jedoch mit einer fantastischen Staffelung in die Tiefe des Raums – und selbst Stimmen und Instrumente werden leicht vor dem Kopf des erstaunten Zuhörers platziert. Dadurch gewinnen die klanglichen Geschehnisse spürbar an Plastizität hinzu und wirken demzufolge zu jedem Zeitpunkt sehr authentisch – insbesondere klassische Konzerte oder Live-Veranstaltungen profitieren von dieser exzellenten räumlichen Qualität.

Ein seidig arrangierter Hochtonbereich ohne jedwede Sibilanz oder Schärfe rundet das akustische Erlebnis perfekt ab und forciert somit lange und entspannte Hörsessions bis spät in die Nacht hinein – ganz zum Leidwesen meiner lieben Frau. 

Mein Fazit

Der GRELL OAE2 markiert zweifelsohne ein veritables Highlight im Kopfhörersegment und versetzt jeden audiophilen Connaisseur mitunter in ungläubiges Staunen ob der ausgezeichneten akustischen Qualitäten. Dabei überzeugt der dynamische Ohrlautsprecher insbesondere aufgrund seiner ausgewogenen klanglichen Eigenschaften und einer ausgeprägten Langzeittauglichkeit in Bezug auf stundenlange Hörsessions.  

Der OAE2 spricht dabei vorwiegend langjährig erfahrene Gralsritter der feinen Töne an, welche nicht nur einen Kopfhörer mit hohem musikalischen Fluss favorisieren, sondern ebenso gesteigerten Wert auf eine überzeugende räumliche Darstellung legen. Dass der GRELL Ohrlautsprecher nach audiophilen Maßstäben dazu noch zum absoluten Schnäppchenpreis offeriert wird, macht meine ausdrückliche Empfehlung natürlich zur reinen Formsache – also unbedingt einmal probehören.

Euer Fidelio

Meine Wertung

Klangqualität (60%) : 5 von 5 Ohren
Tragekomfort (20%) : 4 von 5 Ohren
Verarbeitung (20%) : 4 von 5 Ohren

(*) Die Testberichte auf Musicalhead geben ausschließlich meine persönliche Meinung zum Produkt wieder. Es handelt sich hierbei um redaktionelle Beiträge, welche aber durchaus eine werbende Wirkung beim Leser erzielen könnten, ohne dass ich von einem Unternehmen damit beauftragt wurde.


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