Da bin ich mal wieder. Und heute rezensiere ich für euch den brandneuen LOTOO GUNGNIR des chinesischen Herstellers Beijing Infomedia Electronic Technology Co. Ltd. in kongenialer Verbindung mit dem designtechnisch perfekt integrierten LPX-01 Stromversorgungsmodul desselben Herstellers.
Ich möchte mich an dieser Stelle außerdem noch einmal ganz herzlich beim offiziellen deutschen Importeur der LOTOO Produkte – der AudioNext GmbH in Person von Carsten Hicking – bedanken, der mir meinen heutigen Testkandidaten, wie schon so oft, völlig unbürokratisch und dazu schnellstmöglich zur Verfügung gestellt hat.
Mit dem neuen GUNGNIR erweitert LOTOO nach der erstmaligen Präsentation des MJÖLNIR im Jahr 2023 sein exklusives Portfolio um einen weiteren Desktop-tauglichen DAC/ Kopfhörerverstärker, welcher eine kompromisslose Klangtreue, hohe Ausgangsleistung sowie eine profunde Signalführung in einer äußerst kompakten Gerätschaft zusammenführt.
Entwickelt für den Gralsritter des ausgeprägten ästhetischen Anspruchs, empfiehlt sich auch dieses LOTOO Kunstwerk primär als perfektes Zentrum für anspruchsvolle und highfidele Applikationen. Und ebenso wie der sagenumwobene Speer Odins aus der nordischen Mythologie – welcher im Übrigen der Namensfindung des GUNGNIR diente – steht auch sein elektronisches Pendant für unbändige Kraft und eine schier unfehlbare Präzision.
Die konstruktive Basis des GUNGNIR markiert seine vorzügliche Audioarchitektur, welche laut LOTOO trotz des kompakten Formats klangtechnisch auf absolutem Referenzniveau agieren soll. Die diskret aufgebaute Schaltungstopologie mit einer exzellenten Kanaltrennung, hohen dynamischen Reserven sowie äußerst niedrigen Verzerrungswerten, sorgen nach Aussage des Herstellers für höchst authentische Wiedergabeeigenschaften.
Lotoo Teleportation Protocol (LTTP)
Ergänzt durch vielseitige Anschlussoptionen zur Einbindung stationärer Komponenten oder mobiler Signalquellen, liegt ein weiterer Schwerpunkt des LOTOO GUNGNIR auf der verlustfreien und drahtlosen LTTP-Übertragung, welche eine hochauflösende Reproduktion der entsprechenden musikalischen Pretiosen – ohne jedwede klangliche Kompromisse – in das Gesamtsystem zu integrieren vermag. Was allerdings noch zu verifizieren wäre.
In Bezug auf eine einwandfreie Wandlung der digitalen Kost in das analoge Format vertraut der LOTOO GUNGNIR auf ein perfekt arrangiertes und ausbalanciertes Zusammenspiel der Dual-Referenz-Chipsätze AK4499 und AK4191 von Asahi Kasei Microdevices (AKM), welche auf maximale Leistungsfähigkeit ausgelegt sind und infolgedessen das Potenzial der Wandler-Architektur vollumfänglich ausschöpfen.
Überdies beeindruckt das chinesische Allroundtalent mit einem kanalgetrennten Aufbau, sowie einer dediziert analogen Stromversorgung und diskret realisierten Schaltungsmodulen. Leistungs-, Digital- und Analogsektionen sind außerdem physisch separiert, um Einstreuungen, Interferenzen und gegenseitige Beeinflussungen der elektronischen Bauteile konsequent zu vermeiden.
Dies garantiert nicht nur eine außergewöhnlich hohe Kanaltrennung, sondern ebenso eine vorbildliche Signalintegrität und resultiert in einem bemerkenswert niedrigen Rauschpegel. Die Kombination aus umfangreicher Konnektivität, markanter Ausgangsleistung, verlustfreier Wireless-Integration und kompromissloser Systemarchitektur prädestiniert den GUNGNIR somit zu einer vielseitigen Allzweckwaffe für alle audiophil positionierten Anwendungen.
Und trotz seiner kompakten Abmessungen setzt der chinesische Beau dabei ein veritables Statement in Sachen Verarbeitungsqualität. Dies gilt sowohl für die exquisite Auswahl der verwendeten Werkstoffe, als auch für eine überragende Fertigungsgüte. Der LOTOO glänzt dabei gleichermaßen durch handverlesene elektronische Bauteile, einen hohen konstruktiven Aufwand, sowie die konsequente Abstinenz jedweden Kunststoffanteils am exzellent ausgeführten Aluminiumgehäuse – einfach nur perfekt.
Technische Daten:
Die Konnektivität des LOTOO GUGNIR umfasst neben USB-C, AES/EBU und SPDIF-Buchsen auch balancierte XLR- und RCA-Line-Ausgänge sowie vier Kopfhörerausgänge (3,5 mm, 6,35 mm, 4,4 mm, 4-pol XLR). Das LTTP-Protokoll ermöglicht hochauflösendes Wireless-Streaming bis 96 kHz/24 Bit. Die Bedienung erfolgt über ein 2-Zoll-TFT-Display und physische Tasten.
+ DAC-Chips: 2 × AK4499EX + 2 × AK4191EQ
+ DSP: ADI Blackfin BF706
+ SRC: AK4137EQ
+ Verstärker-Chips: 12 × BUF634A
+ Unterstützte Formate: PCM bis 768 kHz, DSD bis DSD512
+ Display: 2,0″ TFT LCD
+ Eingänge: USB-C, AES/EBU (XLR), koaxial/optisch SPDIF
+ Ausgänge: XLR/RCA Line, Kopfhörer (3,5 mm SE, 6,35 mm SE, 4,4 mm bal., 4-pol. XLR bal.)
+ Wireless: LTTP verlustfrei
+ Stromversorgung: USB-C PD 20 V / 3 A
+ Abmessungen: 183 × 175 × 63 mm
+ Gewicht: 1,8 kg
4,4 mm Ausgang (Balanced):
+ Frequenzgang: +0,03 / -0,07 dB (20–20 kHz)
+ THD+N: 0,00025% @ 1 kHz
+ S/N-Verhältnis: 132 dB (A-gewichtet)
+ Dynamikbereich: 132 dB
+ Kanaltrennung: 131 dB
+ Max. Leistung: 8.100 mW @ 32 Ω, 3.100 mW @ 100 Ω, 1.000 mW @ 300 Ω, 520 mW @ 600 Ω
3,5 mm Ausgang (Single Ended):
+ Frequenzgang: +0,03 / -0,01 dB (20–20 kHz)
+ THD+N: 0,00037% @ 1 kHz
+ S/N-Verhältnis: 130 dB
+ Dynamikbereich: 130 dB
+ Max. Leistung: 2.200 mW @ 32 Ω, 780 mW @ 100 Ω, 260 mW @ 300 Ω, 130 mW @ 600 Ω
Die LPX-01 Stromversorgung
Um dem LOTOO GUNGNIR zu jedem Zeitpunkt eine saubere und stabile Stromversorgung bereitzustellen, entwickelte der chinesische Hersteller nebstdem die LPX-01 Stromversorgung – ausgelegt als USB-PD-Netzteil von hoher Kapazität. Mit einer Spitzenleistung von gewaltigen 160 W versorgt sie nicht nur MJÖLNIR und GUNGNIR mühelos mit sauberem Strom, sondern speist gleichermaßen auch digitale Quellgeräte wie USB-DAC’s, Kopfhörerverstärker, Smartphones und Festplatten mit stabiler Energie.
Dank eines extrem niedrigen Rauschpegels von nur 200 μV im Bereich von 20 Hz bis 40 kHz ermöglicht die LPX-01 eine außergewöhnlich konstante Stromversorgung und minimiert außerdem jegliche Störeinflüsse im hörbaren Bereich – ein Aluminiumgehäuse mit vollständiger elektromagnetischer Abschirmung schützt dazu effektiv vor externen Störungen und trägt in Folge zu einem unverfälschten und authentischen Klangbild bei.
Anmerkung: Die LPX-01 ist nicht im Lieferumfang des LOTOO GUNGNIR enthalten und wird gegen einen entsprechenden Aufpreis für alle Gralsritter der feinen Töne angeboten, welche die bestmögliche Performance für ihr System favorisieren.
Klangtest
Im Hörtest überzeugt der LOTOO GUNGNIR im Zusammenspiel mit dem HEDDPHONE D1 bereits nach wenigen Minuten mit einem druckvoll konturierten Bassfundament, organischen und zugleich wunderbar detaillierten Mitten, sowie einem fein aufgelösten und luftigen Hochtonbereich.
Darüber hinaus begeistert der chinesische Kopfhörerverstärker von Beginn an mit einer phänomenalen Mikro- und Makrodynamik – ein explosiver Antritt im Frequenzkeller ist für den GUNGNIR ebenso selbstverständlich, wie filigranst modulierte Nachhallfahnen in die Tiefen des dreidimensionalen Raums.
Ein YAMAHA HA-L7A präferiert in der direkten Gegenüberstellung mit dem GUNGNIR eine etwas sachlicher anmutende Vorgehensweise und vermag es darüber hinaus, selbst winzigste musikalische Details bezüglich der Wiedergabe von Stimmen und Instrumenten auf eine akribische Art und Weise nicht nur punktgenau, sondern auch größengerecht in den jeweiligen räumlichen Kontext zu platzieren.
Der LOTOO hingegen räumt den jeweiligen Akteuren deutlich mehr Platz ein und beeindruckt insbesondere mit einer exzessiven Bühnenabbildung. Gleichwohl meistert auch der GUNGNIR die Strukturierung des Mitteltonbereiches mit Bravour, obschon der chinesische Beau mit leichtem Vorwärtsdrang dazu neigt, das akustische Geschehen vergleichsweise dichter an den aufmerksamen Zuhörer heranzurücken.
Die gefühlvolle Art und Weise jedoch, wie der LOTOO GUNGNIR selbst ältere Musikaufnahmen mit einer geringfügig warmen Note höchst authentisch aufbereitet, erinnert mich oftmals an den herzergreifenden Charme eines veritablen Röhrenverstärkers. Und wann immer der HA-L7A mit seiner beeindruckend präzisen Darstellung hinsichtlich feindynamischer Schattierungen zu punkten vermag, kontert der GUNGNIR umgehend mit der größtmöglichen Emotionalität.
Um die leistungstechnischen Reserven des LOTOO in letzter Konsequenz auszuloten, steht eine kurzfristige Liaison mit dem HIFIMAN SUSVARA ebenfalls auf meinem persönlichen Programm – denn in dieser sehr speziellen Verbindung ist primär eine ungezügelte Stromlieferfähigkeit von „Odin’s magischem Speer“ gefragt. Wird es dem GUNGNIR tatsächlich gelingen, dieser leibhaftigen Diva im Kopfhörer-Olymp makrodynamisch zu genügen?
Lotoo Gungnir & Hifiman Susvara
Denn insbesondere der berühmt-berüchtigte Ohrlautsprecher von Dr. Fang Bian entpuppte sich aufgrund seines mehr als bescheidenen Wirkungsgrades von 83 dB/ mW bei einer Nennimpedanz 60 Ohm bereits in der jüngeren Vergangenheit als ultimativer Prüfstein für jegliche ambitionierten Bewerber in Sachen Kraftreserven.
Aber schon nach wenigen Takten Musik wird unmissverständlich klar, dass die ausgewiesene Verstärkerleistung des LOTOO von großzügigen 2 x 8.100 mW an 32 Ohm keinem reinen Wunschdenken des chinesischen Herstellers entspringt, sondern ganz offensichtlich auf realen Messwerten basiert.
Denn vornehmlich blitzschnell vorgetragene und gleichsam staubtrockene Bassattacken nehmen bei höheren Abhörpegeln fast schon gewalttätige Züge an und zeigen wieder einmal eindrucksvoll auf, zu welchen akustischen Höchstleistungen der HIFIMAN SUSVARA bei adäquater Leistungszufuhr im Frequenzkeller befähigt wird.
Aber auch dynamisch anspruchsvolle Passagen werden vom GUNGNIR in ausgezeichneter Manier gemeistert. Beispielsweise wird das gefühlvoll und zurückhaltend vorgetragene Streichersoli in Joseph Haydn’s Sinfonie Nr. 94 G-Dur urplötzlich von einem explosiven Paukenschlag unterbrochen. Und obgleich mir diese Stelle bestens bekannt ist, zucke ich unversehens zusammen – dieses kleine Biest!
Inwiefern die dynamische Meisterleistung des GUNGNIR im Zusammenspiel mit dem HIFIMAN SUSVARA der überragenden Stromversorgung LPX-01 des LOTOO geschuldet sein könnte, vermag ich leider nicht final zu beurteilen, da im Lieferumfang des GUNGNIR grundsätzlich kein eigenes Netzteil enthalten ist.
Und dies ist schlussendlich auch mein einziger, ernsthafter Kritikpunkt – schließlich benötigt der chinesische Kopfhörerverstärker zwingend einen externen Netzadapter, welcher eine konstante Spannung von mindestens 20 Volt bei einer Stromstärke von 3 Ampere bereitstellt. Und diese spezifische Gerätschaft zählt zumeist wohl eher nicht zum Standardrepertoire des gemeinen Gralsritters.
Zu guter Letzt wäre es für euch sicherlich noch interessant zu erfahren, inwieweit die implementierte LTTP-Übertragung die akustischen Wiedergabeeigenschaften beeinflusst. Denn nach Aussage des Herstellers wurde das proprietäre „Lotoo Teleportation Protocol“ entwickelt, um mit einer Datenrate von bis zu 1,5 Mbit/ s, beziehungsweise 24 bit/ 96 kHz, die klanglichen Einschränkungen herkömmlicher Bluetooth-Codecs geflissentlich zu umgehen.
Und erstaunlicherweise läßt sich im Hörtest tatsächlich kein signifikanter Unterschied zu einer USB-basierten Reproduktion bei dem Gros meiner musikalischen Schätzchen ausmachen. Als dedizierte Signalquelle diente im Übrigen mein APPLE iMAC mit exquisiter Audirvana+ Software-Unterstützung, welche jedoch selbst bei eigens hochskaliertem musikalischen Material allenfalls kleinere Ecken und Kanten abzurunden vermochte – überwiegend wahrnehmbar bei einer suboptimalen Aufnahmequalität.
Mein Fazit
Sowohl im einvernehmlichen Zusammenspiel mit dem HEDDPHONE D1, als auch in werter Kombination mit dem HIFIMAN SUSVARA kann der neue LOTOO GUNGNIR vollumfänglich begeistern. Das chinesische Kleinod musiziert ohne jeden Zweifel auf höchstem klanglichen Niveau, wozu wohl auch die komplexe Wandlerarchitektur maßgeblich beiträgt.
Der GUNGNIR beeindruckt aus meiner Sicht nicht nur mit einer phänomenal druckvollen Basswiedergabe, sondern überzeugt gleichermaßen mit einer vorbildlichen Anbindung an den leicht erdigen Grundton. Speziell im klangsensiblen Mitteltonbereich fasziniert der LOTOO dazu mit einer exzellenten Durchhörbarkeit, ohne es dabei an genügend Plastizität vermissen zu lassen.
Und obgleich der GUNGNIR mit einer fast schon röhrengleichen Tonalität fasziniert, verlässt das neue chinesische Supertalent zu keinem Zeitpunkt vollständig den hehren Pfad der Neutralität. Die Separation von Stimmen und Instrumenten ist darüber hinaus superb, auch wenn ein YAMAHA HA-L7A in dieser Disziplin noch eine Winzigkeit souveräner agiert. Geschenkt.
Auch im Hochtonbereich glänzt der LOTOO mit einem ausgezeichneten Auflösungsvermögen sowie einer formidablen Detailarbeit, ohne Sibilanten dabei ungebührlich anzuschärfen. Zudem klingen Nachhallfahnen völlig natürlich aus, die räumliche Abbildung ist überdies famos.
Den einzigen kleinen Wermutstropfen markiert meines Erachtens das fehlende Netzteil im Lieferumfang des GUNGNIR. Wer in den vollständigen klanglichen Genuss der chinesischen Meisterleistung eintauchen möchte, muss den LPX-01 somit zwangsläufig in seine Kalkulation mit einplanen.
Der LOTOO GUNGNIR wird zu einem unverbindlichen Verkaufspreis von 3.399,- Euro angeboten – das obligatorische Netzteil LPX-01 schlägt dabei mit 629,- Euro zu Buche. Für die Kombination aus DAC, Kopfhörerverstärker und Stromversorgung werden somit in Summe 4.028,- Euronen fällig – durchaus ein stattlicher Preis, welcher aus meiner Sicht dennoch völlig gerechtfertigt ist.
Denn ein besseres Angebot für ein Gesamtkunstwerk aus vorzüglicher Verarbeitung und vortrefflicher Musikalität wird man zu diesem Kurs kaum finden. Demnach folgt zwangsläufig auch meine ausdrückliche Empfehlung an alle Gralsritter des guten Geschmacks – unbedingt Probehören.
Euer Fidelio
