LOTOO PAW S1

Test LOTOO PAW S1

Ich schon wieder. Vor gar nicht allzu langer Zeit habe ich das Spitzenmodell von LOTOO – den PAW GOLD TOUCH – für euch auf Musicalhead rezensiert. Und heute nehme ich den allerneuesten Geniestreich der chinesischen Manufaktur aus dem Reich der 7 Zwerge in akustischen Augenschein – den LOTOO PAW S1.

Der kleine DAC/Amp fungiert dabei als klangtechnisch hochwertiges Bindeglied zwischen einer potenziellen Signalquelle wie beispielsweise einem PC, Laptop oder Smartphone und dem jeweiligen Spielpartner in Form eines geeigneten Ohrlautsprechers.  

Da der LOTOO PAW S1 über keine eigene Stromversorgung verfügt, sind die Abmessungen des Dongle zudem recht überschaubar geraten (66 mm x 22 mm x 13 mm). Somit ist der PAW S1 kaum größer als ein handelsüblicher USB-Stick. Doch dass es nicht immer auf die tatsächliche Größe ankommt, wird der Zwerg im weiteren Verlaufe noch eindrucksvoll unter Beweis stellen.

Innovation auf kleinstem Raum

Dazu hat LOTOO seinen kleinsten DAC mit einigen interessanten Features versehen. Der PAW S1 ist nicht nur in der Lage, digitale musikalische Kost mit einer Tiefe von 32 Bit und einer Abtastrate bis zu 384 kHz zu dekodieren – DSD64 und DSD128 konvertiert der intelligent genutzte Wandlerbaustein AKM4377 mit bis zu 5,6 MHz ebenso problemlos. 

Die entsprechende Auflösung wird zudem über ein winziges, monochromes OLED- Multifunktionsdisplay (128 x 32 Bildpunkte) auf der Oberseite des LOTOO messerscharf dokumentiert, welches unter anderem auch die jeweilig angewählte Lautstärke präzise anzeigt. Selbige wird hierbei über 2 Druckschalter auf der rechten Seite des Miniatur-DAC in 100 Schritten fein geregelt.

Die beiden Tasten zeichnen aber gleichermaßen verantwortlich für die Ausführung unterschiedlicher Funktionen innerhalb der übersichtlichen Menüstruktur des PAW S1, welche über einen dritten Druckschalter anwenderfreundlich aufgerufen werden können. 

Und nicht nur die Verstärkungsstufe kann beim LOTOO zweistufig variiert werden, im Menü findet sich ebenso ein parametrischer Equalizer mit 8 fest abgespeicherten Presets für eine sensibel akzentuierte Modulation des Frequenzbandes, sowie ein digitaler Sound Prozessor mit gleichsam 8 Programmstufen.   

Der Acoustic-Timbre-Embellisher (ATE) getaufte DSP von LOTOO ermöglicht dabei eine klangliche Interaktion hinsichtlich Tonalität und Raumgröße und empfiehlt sich aus meiner Sicht, neben der Befriedigung des allgemeinen  Spieltriebes, insbesondere für multimediale Anwendungen. 

Kraftzwerg par excellence  

Erfreulicherweise hat der chinesische Hersteller dem LOTOO PAW S1 neben der obligatorischen 3.5 mm Klinkenbuchse zusätzlich einen symmetrischen 4.4 mm PentaConn Ausgang spendiert, welcher mit einer Spitzenleistung von immerhin 2 x 120 mW an 32 Ohm aufwartet.  

Diese erstaunlichen Kraftreserven reichen nicht nur aus, um alle derzeit auf dem Markt befindlichen IEM ohne jegliche Mühe zu bespielen, sondern sollten auch wirkungsgradstarken Over-Ear-Kopfhörern zu einem artgerechten musikalischen Auftritt verhelfen. 

Und selbst der unsymmetrische Betrieb in Kombination mit den vergleichsweise eher leistungshungrigen Full-Size Kandidaten stellt den LOTOO mit 2 x 70 mW vor keine dynamisch unlösbare Aufgabe, wie sich später im Klangtest noch herausstellen wird. 

Denn im Gegensatz zu den DAC-Dongles der Mitbewerber agiert der PAW S1 über separate Verstärkerchips vom Typ OPA1622, welcher dazu über eine äußerst stabile, weil separate Stromversorgung verfügen. LOTOO setzt somit stromtechnisch auf dieselbe Architektur wie bei ihren Spitzenmodellen aus der PAW-Serie. 

Und trumpft hinsichtlich des Hintergrundrauschens überdies mit einem fast schon referenzverdächtigen Wert von 118 dBu im unsymmetrischen Betrieb auf (4.4 mm PentaConn = 114 dBu). Was den LOTOO PAW S1 für den Einsatz mit In-Ear-Monitoren geradezu prädestinieren dürfte.  

Qualität im Miniaturformat

Wie die Produkte der meisten Mitbewerber erfordert auch der PAW S1 keinerlei Treiberinstallation. Er unterstützt Plug-and-Play sowohl auf einem handelsüblichen PC, als auch auf dem APPLE iMAC über USB-Adapterkabel und -Stecker in entsprechender Ausführung, welche dem LOTOO im Übrigen auch als einziges Zubehör beigepackt werden. 

Im Gegensatz zur direkten Konkurrenz benötigt man in Kombination mit einem iPHONE zudem auch keinen Camera-Connection-Kit (CCK), sofern man den APPLE-zertifizierten Kabelsatz im Originalzubehör von LOTOO (ca. 30,- Euro) käuflich mit erworben hat. Sehr praktisch.  

Die Verarbeitung des LOTOO PAW S1 liegt überdies zweifelsohne auf dem exzellenten Niveau der größeren Geschwister und ist demzufolge über jeden Zweifel erhaben. Der Zwerg ist aus einem schwarz eloxierten und massiven Aluminiumblock CNC-gefräst, welcher auf der Unterseite verschraubt wird. Dabei ist der PAW S1 mit 27 g keinesfalls zu schwer geraten. Große Klasse, der Kleine. 

Spielpartner für den Zwerg

Außerdem möchte ich mich an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich bei Carsten Hicking vom deutschen Vertrieb  AUDIODOMAIN bedanken, der mir mein heutiges Testgerät freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat. Weiterführende Informationen zum LOTOO PAW S1 erhaltet ihr außerdem unter: https://www.audiodomain.de/paw-s1

Um dem LOTOO PAW S1 nunmehr auf den klanglichen Zahn zu fühlen, wähle ich als Spielpartner den neuen FIIO FA9 als typischen Vertreter der IEM-Fraktion. Und mit einem Preis von 549,- Euro kann der mit 6-BA-Treibern bestückte Kopfhörer aus meiner Sicht nur als ein echter Best-Buy bezeichnet werden. Ein ausführlicher Testbericht auf Musicalhead folgt in Kürze. 

Das Over-Ear-Segment vertritt der erst kürzlich von mir getestete TAGO STUDIO T3-01 Hit der kleinen Manufaktur aus Takasaki. Mit einem Wirkungsgrad von 100 dB/mW markiert der T3-01 leistungstechnisch außerdem das nahezu perfekte Match für den PAW S1. Zumal der japanische Ohrlautsprecher auch preislich in erträglichem Rahmen liegt.  

Als Signalquelle fungiert zum einen mein APPLE iMAC, zum anderen dient das iPHONE 11 PRO als adäquater Zuspieler, verbunden über das oben bereits erwähnte, ca. 10 cm lange PAW S1 LIGHTNING CABLE. Und wieder einmal dienen mir die üblichen Verdächtigen aus Pop, Rock, Blues, Klassik und Jazz zur klanglichen Einschätzung der einzelnen Kombinationen.

Klanglich ein Riese

Und der LOTOO PAW S1 läßt sich auch nicht lange bitten und legt bereits in Kombination mit meinem iPHONE 11 PRO und dem FIIO FA9 einen formidablen musikalischen Auftritt in der unsymmetrischen Betriebsvariante hin.

Die Leistungsreserven des PAW S1 sind in Verbindung mit dem chinesischen  IEM selbstverständlich kein Thema, so dass sich mein akustisches Augenmerk eher auf das einwandfreie Rauschverhalten des LOTOO richtet, welches im Übrigen zu meiner vollsten Zufriedenheit ausfällt.

Der PAW S1 präferiert ein äußerst transparentes und neutrales Klangbild im Mittelton, trägt im gut strukturierten Bassbereich dazu nicht ungebührlich auf und verkneift sich außerdem eine unangemessen scharfe Reproduktion von Sibilanten in den fein aufgelösten Höhen – ganz im Stil der größeren DAP Geschwister. 

Dazu zeichnet der LOTOO auch einen sehr detaillierten Raum, welcher mit dem FA9 in die Tiefe etwas besser gestaffelt wird als in die Breite. Das Zusammenspiel mit dem TAGO STUDIO im zweiten Hördurchgang sollte hinsichtlich der tatsächlichen räumlichen Fähigkeiten mitunter weitere Erkenntnisse liefern.

In der symmetrischen Anschlussversion wird jedwede musikalische Kost hinsichtlich der präzisen Ränderung von Stimmen und Instrumenten sowie deren exakten Fokussierung im räumlichen Kontext noch einmal nachgeschärft, so dass ich diese Betriebsart in Kombination mit dem FIIO FA9 grundsätzlich favorisieren würde. 

Allerdings traten im Testbetrieb mit dem IEM zeitweilig minimale Störgeräusche in Verbindung mit dem iPHONE 11 PRO auf, welche mutmaßlich diverse Einstreuungen am Hörplatz zur Ursache hatten. Während der musikalischen Wiedergabe waren diese aber nicht mehr wahrnehmbar und mit dem TAGO STUDIO gar zu keiner Zeit feststellbar.

Und speziell mit dem T3-01 beweist der LOTOO PAW S1 im High-Gain-Modus beeindruckende klangliche Qualitäten – einfach unglaublich, welche Abhörlautstärken der Zwerg völlig verzerrungsfrei ermöglicht. Zumal mir für den Kopfhörer kein symmetrisches Kabel zur Verfügung steht und ich infolgedessen auf den 3.5 mm Klinkenanschluss zurückgreifen muss.

Interessanterweise verfügt der LOTOO in Kombination mit einer stationären Quelle wie beispielsweise meinem iMAC über geringfügig höhere Leistungsreserven, was insbesondere eine etwas punktstabilere Fokussierung der musikalischen Ereignisse zur Folge hat.  

Der PAW S1 treibt den TAGO STUDIO Ohrlautsprecher in beiden Fällen jedenfalls recht mühelos an und begeistert auch in dieser kongenialen Zusammenstellung mit einer hervorragenden Abbildungsschärfe des klanglichen Geschehens.

Das bereits angesprochene räumliche Darstellungsvermögen erreicht dabei zwar nicht ganz das Niveau von sehr guten DAP der 1.000+ Euro Klasse, ist aber insbesondere in Bezug auf die preisliche Gestaltung des PAW S1 nicht weniger als absolut überragend zu bezeichnen.

Und ebenso wie schon beim FIIO FA9 passt die neutrale klangliche Ausrichtung des LOTOO auch ausgezeichnet zum musikalischen Charakter des TAGO STUDIO T3-01 – im gemeinsamen akustischen Zusammenwirken bleibt die emotional einnehmende Spielart des japanischen Kopfhörers somit jederzeit gewahrt.

Straff konturierte Bässe und luftig leichte Mitten gesellen sich zu einer akkuraten Detailarbeit in den Höhen, der PAW S1 leistet sich in keinem Bereich bemerkenswerte klangliche Schwächen, von minimalen digitalen Härten bei Pegelspitzen vielleicht einmal abgesehen – und natürlich auch immer mit Blick auf den fast schon unverschämt günstigen Preis.

PS: Um die leistungstechnische Performance im symmetrischen Betrieb vollumfänglich auszuloten, erhält der LOTOO im Übrigen auch eine kurze Spielzeit am T+A SOLITAIRE P über den 4.4 mm PentaConn-Anschluss.

Und selbst an dem orthodynamischen Flächenstrahler kapituliert der PAW S1 erst ab wirklich ambitionierten Pegelstellungen. Bis zu diesem Zeitpunkt begeistert die DAC-AMP Lösung im Miniaturformat wiederum mit einem überraschend geordneten und sauber strukturierten Klangbild. Faszinierend.

Mein Fazit

Der LOTOO PAW S1 wird in Deutschland zu einem offiziellen Verkaufspreis von 199,- Euronen angeboten. Ich musste mich ob dieses Preisschildes zunächst beim deutschen Vertrieb tatsächlich vergewissern, ob es sich hierbei nicht gegebenenfalls um einen Irrtum oder eventuell auch um einen Druckfehler handelt. 

Denn der PAW S1 ist zweifelsohne der beste DAP/Amp in Dongle-Ausführung, welchen ich bis zum heutigen Tage gehört habe und würde aus meiner Sicht auch einen mehr als doppelt so hohen Preis problemlos rechtfertigen.

Die derzeitige Offerte markiert ein veritables Sonderangebot und erhält demzufolge selbstverständlich meine Empfehlung. Also unbedingt zuschlagen – bevor es sich LOTOO hinsichtlich der preislichen Gestaltung vielleicht noch einmal anders überlegt. 

Euer Fidelio 

(*) Die Testberichte auf Musicalhead geben ausschließlich meine persönliche Meinung zum Produkt wieder. Es handelt sich hierbei um redaktionelle Beiträge, welche aber durchaus eine werbende Wirkung beim Leser erzielen könnten, ohne dass ich von einem Unternehmen damit beauftragt wurde.


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