Tago Studio T3-01

Test TAGO STUDIO T3-01

Auf meiner immer währenden Suche nach bezahlbaren klanglichen Pretiosen bin ich tatsächlich wieder fündig geworden. Infolgedessen teste ich heute für euch den geschlossenen Ohrlautsprecher einer bislang in Europa noch völlig unbekannten japanischen Marke – den TAGO STUDIO T3-01.

An dieser Stelle möchte ich mich auch direkt bei Stefan Gürtler von Headphone Auditions Amsterdam bedanken, welcher den japanischen Kopfhörer in Eigenregie und geringen Stückzahlen nach Europa importiert und mir für diese Rezension freundlicherweise ein Testmuster zur Verfügung gestellt hat. 

Der T3-01 wird im kleinen Dorf Takasaki in der japanischen Präfektur Gunma vom Kopfhörerspezialisten TOKUMI nach Maßgabe von TAGO STUDIO hergestellt. Das professionelle Aufnahmestudio, welches im selben Ort ansässig ist, wurde vom Musikkomponisten Kunio Tago nach eigener Angabe  mit dem Ziel gegründet, das kulturelle Erbe japanischer Musik zu bewahren.

Um für die Toningenieure von TAGO STUDIO eine adäquate Abhörmöglichkeit hinsichtlich der eigenen Produktionen zu schaffen, wurde in Kooperation mit TOKUMI schließlich der erste dynamische Kopfhörer konstruiert. Ein Vertrieb des geschlossenen Ohrlautsprechers im Rahmen dieses gemeinsamen Projektes war dabei zunächst gar nicht geplant.   

Die Anforderungen an einen professionellen Abhörmonitor im Tonstudio sind naturgemäß recht hoch, so dass bereits zu Beginn der Partnerschaft mit TOKUMI ein möglichst natürliches und authentisches Klangbild im zentralen Fokus der Entwicklung stand. 

Aber auch ein geringes Gewicht, der allgemeine Tragekomfort sowie eine robuste Verarbeitung standen im Lastenheft der Ingenieure. Darüber hinaus sollte sich der T3-01 durch einfach auszutauschende Verschleissteile auszeichnen und über die geeignete Materialauswahl auch eine entsprechende Haltbarkeit im Dauereinsatz garantieren.

Verpackung & Ausstattung

Der TAGO STUDIO T3-01 wird in einer relativ schmucklosen weißen Kartonage ausgeliefert, welche auf der Oberseite mit dem roten Schriftzug des Herstellers versehen ist, nicht ohne dabei stolz auf den Produktionsstandort Takasaki hinzuweisen.

Der Kopfhörer selbst wird in einer schwarzen Transportbox aus Kunstleder aufbewahrt, welche den T3-01 vor allen Unwägbarkeiten eines langjährigen Kopfhörerlebens sicher schützen sollte. 

Das abnehmbare Anschlusskabel in 1,80 m Länge verfügt dazu über einen unsymmetrischen 3,5 mm Klinkenstecker auf Seiten des jeweiligen Spielpartners, welcher über den mitgelieferten, schraubbaren Adapter problemlos auf 6,3 mm erweitert werden kann. 

Im Originalzubehör sind nach Aussage von Headphone Auditions Amsterdam aber auch verschiedene symmetrische Kabelsätze erhältlich. Ein stabiler Kontakt zu den Treibergehäusen wird im Übrigen mittels robust wirkender 3,5 mm Stecker gewährleistet. 

Die leicht spartanische Ausstattung wird komplettiert durch eine mehrseitige und bebilderte Bedienungsanleitung, eine Karte mit allen technischen Daten des Ohrlautsprechers, sowie die obligatorische Garantiekarte – allerdings in japanischer Sprachausführung. 

Glücklicherweise finde ich schließlich doch noch die entsprechende englische Übersetzung im Paket des Kopfhörers. Der Tag ist somit gerettet. 

Verarbeitung & Tragekomfort

Der TAGO STUDIO T3-01 zählt in Sachen Verarbeitung zweifelsohne mit zu den besten Ohrlautsprechern, welche ich bislang auf Musicalhead rezensiert habe. Und dies betrifft qualitativ nicht nur die Auswahl der verwendeten Materialien im Allgemeinen, sondern auch deren handwerklich perfekte Ausführung im Besonderen.  

Die Ohrmuscheln werden beispielsweise von dem ebenfalls in Takasaki heimischen Holzunternehmen Oak Village in meisterlicher Manier aus wunderschönem japanischen Ahornholz paarweise maßgefertigt, welches im Übrigen auch zur Herstellung von Musikinstrumenten Verwendung findet.

Aber auch handpolierte Treibergabeln aus Edelstahl, die sehr sorgfältig ausgeführten Drehgelenke sowie der beidseitige, äußerst sämig gleitende Verstellmechanismus des Kopfbügels zeugen von viel Liebe zum Detail der kleinen japanischen Manufaktur.

Als sehr praktisch erweist sich überdies die Möglichkeit, das Kopfband über Druckverschlüsse im Bedarfsfalle einfach austauschen zu können. Keine Frage – dies ist alles sehr gut durchdacht. 

Hinsichtlich des Tragekomfort sind dagegen kleinere Abstriche zu machen, wenn die Ohren des audiophilen Gralsritters ein gewisses Größenmaß überschreiten. Denn aufgrund der kompakten Proportionen finden vermutlich die Ohren nicht aller Ritter ausreichend Platz vor, so dass die Erstgenannten gegebenenfalls einen leichten Kontakt mit den Polsterinnenseiten pflegen. 

Allerdings muss man den japanischen Entwicklern zugute halten, dass sich über die Wahl angenehm weicher Ohrpolster und dem optimal ausbalancierten Anpressdruck der Ohrmuscheln dennoch ein komfortables Tragegefühl einstellt. Zumal der T3-01 den Kopf des Trägers mit einem Gewicht von lediglich 321 g auch nicht über Gebühr strapaziert.

Technik

Das innovative Material für die Treibermembranen des TAGO STUDIO wurde in Zusammenarbeit mit dem Textilforschungsinstitut der japanischen Präfektur Gunma eigens für den neuen Ohrlautsprecher entwickelt. 

TOKUMI verwendet für die 40 mm messenden, dynamischen Konustreiber des T3-01 sehr leichte und dünne Membranen, welche mit einem spezifischen Seidenprotein beschichtet werden. Das aufwendige Beschichtungsverfahren konnte dabei nach Aussage des Herstellers allein durch die Verflüssigung traditioneller Gunma-Seide verwirklicht werden.

Aufgrund der niedrigen Impedanz von 70 Ohm und einem mobilfreundlich hohen Wirkungsgrad von 100 dB/mW, sollte der TAGO STUDIO T3-01 im folgenden Klangtest zudem problemlos in der Lage sein, auch mit leistungsschwächeren Spielpartnern in akustisch idealer Manier zu interagieren.

Vorbereitung

Aus diesem Grunde erhält der zuletzt von mir auf Musicalhead getestete ASTELL&KERN KANN ALPHA erste Gelegenheit, sich klanglich am TAGO STUDIO zu beweisen. Trotz des zwangsläufig unsymmetrischen Betriebes sollte der DAP dennoch über genügend Leistungsreserven verfügen, um den T3-01 adäquat und verzerrungsfrei zu bespielen. 

Darüber hinaus kombiniere ich den japanischen Ohrlautsprecher ebenso mit dem T+A HA200, um das musikalische Potential des TAGO STUDIO möglichst vollständig zu erkunden. Zumal der HA200 aufgrund der schaltbaren Impedanzanpassung auch eine perfekte klangtechnische Konditionierung des jeweiligen Spielpartners ermöglicht.

Die musikalische Kost, bestehend aus den mir wohlbekannten Aufnahmen aus den Bereichen Klassik, Blues, Jazz, Pop und Rock, selbstverständlich in High-Res-Auflösung, bezieht der T+A dabei von einer implementierten SSD-Festplatte im AURALIC ARIES MINI, welcher über das entsprechende ULTRA-LOW-NOISE-Netzteil aus gleichem Hause mit sauberem Strom versorgt wird. 

Weitere Informationen zum TAGO STUDIO T3-01 erhaltet ihr im Übrigen unter: Headphone-Auditions Amsterdam oder auch auf den Originalseiten des Herstellers unter: Tago Studio T3-01 – natürlich nur, sofern ihr der japanischen Sprache mächtig seid.

Klangtest

Obgleich ich inzwischen zahlreiche Kopfhörer der absoluten Spitzenklasse auf Musicalhead rezensiert habe, wundere ich mich doch immer wieder, was speziell kleine Manufakturen hinsichtlich der musikalischen Qualität ihrer Produkte zu leisten imstande sind.

Zumal es sich bei meinem heutigen Testkandidaten um das Erstlingswerk der kleinen japanischen Schmiede aus Takasaki handelt. Die enge Kooperation der vorwiegend ortsansässigen Unternehmen trägt hier klanglich ganz offensichtlich Früchte.

Nachdem sich der japanische Ohrlautsprecher zunächst einige Tage in unserer bewährten Abstellkammer einlaufen durfte, überzeugt der TAGO STUDIO T3-01 in Kombination mit dem A&K KANN ALPHA dann auch bereits in den ersten Hörminuten auf ganzer Linie. 

Insbesondere die tonal wunderbar ausbalancierte Spielart, sowie eine für das geschlossene Kopfhörer-Segment beachtliche räumliche Abbildung in die Tiefe, zählen dabei zu den großen Stärken des Japaners. 

Bekanntlich zähle ich nicht unbedingt zu den Freunden geschlossener Systeme. Aber was der T3-01 fernab jeglicher Resonanzen speziell im Bassbereich an akustischer Qualität abliefert, ist in Anbetracht seiner Preisklasse mehr als eindrucksvoll.  

Der TAGO STUDIO verfügt über einen druckvollen und gut strukturierten Bass mit hervorragender Impulsantwort, welcher außerdem zu keiner Zeit den Grundtonbereich überlagert. Selbst von getragenen Bassläufen bei allertiefsten Frequenzen zeigen sich die Treibergehäuse schwingungstechnisch völlig unbeeindruckt. 

Der substanzreiche Grundtonbereich des japanischen Kopfhörers liefert überdies ein vorzügliches Fundament für den klangrelevanten Mittelton, ohne dabei gänzlich den Pfad der Neutralität zu verlassen. Mit leicht warmem Timbre versehen, erweist sich der TAGO STUDIO T3-01 in Bezug auf die Reproduktion von Stimmen und Instrumenten dazu als veritabler Glücksgriff.

Denn nicht viele Kopfhörer vermögen es, Tonkonserven in einer derart emotionalen Art und Weise musikalisch umzusetzen wie der dynamische Ohrlautsprecher der japanischen Manufaktur. Sehr feinfühlig werden insbesondere einzelne Akteure und kleinere Ensembles akzentuiert wiedergegeben und punktgenau sowie scharf gerändert im räumlichen Kontext fokussiert. 

Zu der für das geschlossene Arbeitsprinzip außerordentlich transparenten Wiedergabe gesellt sich eine erstaunliche Plastizität im Mitteltonbereich, verbunden mit wunderbar natürlichen Klangfarben, was speziell der dreidimensionalen Wahrnehmung von musikalischen Ereignissen zugute kommt. 

Während die Bühnenbasisbreite des TAGO STUDIO dabei vergleichsweise übersichtlich ausfällt, agiert der T3-01 hinsichtlich einer sehr exakten und weiträumigen Staffelung in die Tiefe aus meiner Sicht weit über seine Preisklasse hinaus. Dies wird vor allem deutlich, wenn die kleine japanische Pretiose mit stationären Komponenten wie dem T+A HA200 verbunden wird.

Denn der kleine Ohrlautsprecher skaliert tatsächlich in großartiger Manier mit dem neuen Spielpartner. Insbesondere die räumliche Abbildung der klanglichen Geschehnisse wird im Zusammenspiel mit dem T+A Kopfhörerverstärker in der Kontur signifikant nachgeschärft und zugleich dynamisch aufgewertet.    

Im Hochtonbereich spielt der TAGO STUDIO T3-01 dazu luftig und fein intoniert auf und überzeugt darüber hinaus mit einer sehr filigranen, aber dennoch entspannten Detailarbeit. Und auch hier verzeichnet das kongeniale Zusammenspiel mit dem HA200 erwartungsgemäß leichte Vorteile bezüglich der akustischen Performance.

Nachhallfahnen im Raum klingen über den T+A noch eine Spur weitläufiger und zeitlich etwas länger aus und auch die Obertöne von Stimmen und Instrumenten werden den oftmals entscheidenden Hauch natürlicher und authentischer wiedergegeben. 

Überdies läßt sich auch das Bassfundament des T3-01 über die praxisgerechte Impedanzwahl des HA200 perfektionieren – 25 Ohm erweisen sich dabei als eine sehr gute Wahl. Der TAGO STUDIO belohnt dies mit formidabler Attacke aufgrund der deutlich gesteigerten Bassdynamik und dem so optimierten Dämpfungsfaktor.   

Mein Fazit 

Der T3-01 der kleinen japanischen Manufaktur TAGO STUDIO avanciert im Verlauf dieser Rezension still und klammheimlich zu einem meiner persönlichen Favoriten. Und darüber hinaus auch zum einzigen geschlossenen Kopfhörer, welchen ich mir derzeit selbst zulegen würde.

Denn der kleine Ohrlautsprecher spielt aus meiner Sicht klanglich nicht nur weit über den offiziellen Verkaufspreis von 799,- Euro hinaus, sondern begeistert insbesondere durch seinen hohen musikalischen Fluß und bereitet auch dem anspruchsvollen Gralsritter der feinen Töne viel Spass und Hörvergnügen.

Somit fällt mir die Empfehlung für den TAGO STUDIO T3-01 leicht. Wer auf der Suche nach seinem klanglichen Gral dem geschlossenen Prinzip nicht gänzlich entsagt hat, kann ich eine ausgiebige Hörprobe des Kopfhörers aus Takasaki nur wärmstens ans Herz legen.

Denn zu diesem Preis ist das japanische Meisterwerk meines Erachtens fast schon ein Sonderangebot. 

Euer Fidelio

(*) Die Testberichte auf Musicalhead geben ausschließlich meine persönliche Meinung zum Produkt wieder. Es handelt sich hierbei um redaktionelle Beiträge, welche aber durchaus eine werbende Wirkung beim Leser erzielen könnten, ohne dass ich von einem Unternehmen damit beauftragt wurde.


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