Sennheiser HD630VB

Sennheiser Hd630vb

Mal ganz ehrlich? Eigentlich bin ich kein besonders großer Fan von geschlossenen Kopfhörern. Die mehr oder weniger eingeschränkten Möglichkeiten der räumlichen Wiedergabe von Vertretern dieser Spezies haben mich, von sehr wenigen Ausnahmen einmal abgesehen (AUDEZE LCD XC, ULTRASONE Edition 5 limited), bislang noch nie sonderlich „vom Hocker gerissen“. Die musikalische Präsentation erscheint für mich immer irgendwie gepresst und eingeschnürt, Akteure und Instrumente können nicht wirklich frei „atmen“ und Stimmen klingen oft leicht topfig.

Wenn ich also, bedingt durch „die äußeren Umstände“, beispielsweise den wöchentlichen Reinigungsaktionen meiner Frau (also quasi gezwungenermaßen) auf eine gewisse akustische Abschottung angewiesen bin, favorisiere ich in der Regel eher IEM´s.

Ich habe mir so schon vor einiger Zeit speziell zu diesem Zweck einen ULTRASONE Tio zugelegt. Leider spielt dieser, wie die meisten IEM´s, ob seiner niedrigen Impedanz nicht optimal mit meinen Solid State Verstärkern zusammen, welche wiederum einen zu hohen Ausgangswiderstand aufweisen. Ich betreibe den Tio so in der Regel mit einem FIIO X3 oder einem OPPO HA2, wenn der äußere Geräuschpegel wieder einmal ungebührlich ansteigt.

Außerdem habe ich vor ca. 1 Jahr auch einen MRSPEAKERS Alpha Dog in meine kleine Sammlung mit aufgenommen. Dieser harmonisiert nun aufgrund seiner Ausgangsimpedanz von gefühlten 100 Ohm (genaue technische Angaben konnte ich bis zum heutigen Tage nirgendwo finden) wesentlich besser mit den stationären Amps.

Aber zurück zum eigentlichen Thema. Als mein Neffe mich vor einigen Tagen gebeten hat, ihm zum Geburtstag einen KH für „unterwegs“ zu besorgen (und ich im Vorfeld mit meiner Schwester natürlich auch den „preislichen Rahmen“ abgeklärt hatte), fand ich mich zunächst mit einer schier unglaublichen Flut von teils abenteuerlichen Modellen konfrontiert.

Glücklicherweise hatte ich die „relevanten Eckdaten“ von meinem Neffen mit auf den Weg bekommen – cool und Bass. Und bitte kein In Ear KH. (weil nicht mehr ganz so cool)

Nun hat mein Neffe nach rein stylischen Gesichtspunkten vielleicht den Falschen gefragt. Damit wir uns richtig verstehen. Ich lege durchaus auf gutes Design wert. Aber alles, was nicht dem guten Klang oder dem Tragekomfort dienlich ist, halte ich bei einem Kopfhörer meistens für ziemlich überflüssig.

Ich möchte euch jetzt nicht mit dem Aussortieren der ungeeigneteren Kandidaten langweilen. Denn dies würde jeglichen zeitlichen Rahmen sprengen. Da ich bereits ein Modell der Marke Sennheiser besitze (HD800), entschloss ich mich letztendlich, den neuen SENNHEISER HD630VB etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.

Verarbeitung & Tragekomfort

Ich kann jetzt nicht beurteilen, ob dieser Kopfhörer in den Augen eines jugendlichen Users wirklich stylisch oder cool ist. Zumindest beeindruckt er mit einer sehr guten Verarbeitung. Made in China. Der HD630VB besteht zu großen Teilen aus Leichtmetall und macht auf mich sofort einen äußerst soliden Eindruck. Alle mechanischen Elemente sind passgenau gefertigt, auch die Bügelkonstruktion rastet punktgenau ein. Der Kopfbügel ist ausreichend mit einem Kunstleder gepolstert, die Hörmuscheln ebenso.

Der Anpressdruck ist nicht zu hoch, die Hörpolster umschließen zumindest meine Ohren (und ich habe nun nicht die Kleinsten) vollständig, ohne unangenehmes Kontaktgefühl zu den Treibern. Die Abschottung von Außengeräuschen ist hervorragend. Schon einmal alles sehr gut. Auf der rechten Seite ertastet man auch nach Aufsetzen des Hörers neben den, bei mobilen KH nicht mehr wegzudenkenden Tastern zur rudimentären Steuerung des Smartphones, das Drehrad (ebenfalls aus Metall) zur „innovativen, neuen Möglichkeit der Bassanpassung“.

Mit Sicherheit kriegsentscheidend für meinen Neffen. Der HD 630VB lässt bei voll aufgedrehtem Regler, welcher übrigens auch eine entsprechende Skalierung aufweist, bei meinem ersten Höreindruck wohl jeden BEATS Hörer alt aussehen. Nur hat das halt mit HIFI nichts mehr zu tun. Schöne neue Welt.

Aber diese Welt besteht glücklicherweise ja nicht nur aus Bass. Also einfach den sämig agierenden Regler wieder in die 0 Stellung zurückdrehen und mit der eigentlichen klanglichen Beurteilung beginnen. Getestet wurde übrigens mit den üblichen Verdächtigen: FIIO X3, iPHONE mit OPPO HA2, verkabelt mit AUDIOQUEST Jitterbug und Cinnamon. Gehört wurde wieder mein über die Jahre bewährtes Material, bestehend aus HI RES Aufnahmen aus den Bereichen Klassik, Jazz und in diesem Falle selbstverständlich, Pop.

Klangtest

Vergessen wir jetzt einfach einmal diesen Regler auf der rechten Seite. Der SENNHEISER HD630VB hat schließlich laut Hersteller einen audiophilen Anspruch (HD) zu verteidigen. Und dies gelingt ihm im weiteren Verlauf sehr viel besser, als ich zu Beginn dachte.

Der Bass ist in „Neutralstellung“ sehr anspringend, hat genügend Druck im Oberbassbereich und dickt den Grundton nicht ungebührlich auf. Der Grundton ist Sennheiser-typisch nicht sonderlich stark ausgeprägt, wodurch Stimmen und Instrumente etwas an Substanz und Körper verlieren und leicht analytisch klingen. Genau dies ändert sich aber bei Drehung des „Rades“.

Wenn man den Regler zwischen der 2. und 3. Markierung der Skalierung positioniert, erhält man eine etwas „wärmere“ Abstimmung, ohne direkt in die Untiefen des Dr. Dre abzudriften. Die Bassanhebung wirkt laut Sennheiser recht steilflankig nur im Bereich um 50 HZ und erhöht dort so nicht nur die quantitative Bassmenge, sondern eben auch die Plastizität der Wiedergabe im wichtigen Mitteltonbereich.

Der Mittelton ist abstimmungstechnisch insgesamt etwas zurückgenommen, aber fein ausgewogen und durchhörbar, Stimmen klingen im Vergleich zu offenen Hörern (zum Glück) nur minimal ausgehöhlt. Der Hochtonbereich wirkt wiederum leicht aufgesetzt, aber ohne ungebührliche Spitzen bei der Wiedergabe. Die Höhen werden zudem gut aufgelöst, Instrumente und Akteure sind jederzeit gut ortbar.

Überhaupt ist die räumliche Abbildung für einen geschlossenen Kopfhörer sehr weiträumig mit einer zwar nicht sehr großen, aber realistisch gestaffelten Bühne. Und obwohl die klangliche Abstimmung des SENNHEISER HD630VB natürlich den modernen Zwängen des Zielpublikums unterworfen ist (Cool und Bass), so muss ich diesem Kopfhörer sehr wohl audiophile Qualitäten attestieren. Insbesondere angesichts der Tatsache, dass es sich um eine geschlossene Variante handelt.

Mein Fazit

Mein Neffe hat also in doppelter Hinsicht gewonnen. Auf der einen Seite kann er bei Bedarf die BEATS bewehrten Kumpel beeindrucken (ein Dreh reicht), auf der Anderen erhält er einen sehr guten und qualitativ hochwertigen Kopfhörer in seiner Preisklasse (499,- Euro

Euer Fidelio



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