Hörcheck IBASSO SR1

Der kleine chinesische Hersteller iBasso präsentiert den ersten Full-Size Kopfhörer der Marke – den IBASSO SR1. Der auf lediglich 500 Stück weltweit limitierte dynamische Schallwandler kombiniert dabei auf Pflanzenfasern (Zellulose) basierende Konusmembranen mit recht starken Antriebsmagneten von einem Tesla magnetischer Flussdichte. 

Die extrem leichten Treibermembranen wurden für eine optimale Schwingungsfreiheit ferner in hochelastischen Silikonsicken aufgehängt und somit nach Aussage des Herstellers akustisch nahezu optimal bedämpft.

Der IBASSO SR1 ist konstruktiv weiterhin in einem halboffenen Design ausgeführt, was einerseits unerwünschte Resonanzen im Inneren der Treibergehäuse wirkungsvoll unterbindet, auf der anderen Seite aber auch für eine erstaunlich gute Abschottung gegenüber Außengeräuschen verantwortlich zeichnet, wie ich in den ersten Hörproben auf der AUDIOVISTA in Krefeld bereits feststellen konnte. 

Die Verarbeitung ist insbesondere für diese Preisklasse absolut hervorragend und überzeugt mit einem relativ hohen Metallanteil hinsichtlich aller akustisch relevanten Bauteile, wie Treibergehäuse, Haltegabeln und Kopfbügel. Der IBASSO SR1 ist für eine einfach zu bewerkstelligende Wartung außerdem vollständig verschraubt – IMO sehr lobenswert.

Der Kopfhörer verwöhnt trotz des materialbedingten Eigengewichtes von 420 Gramm mit einen angenehm hohen Tragekomfort aufgrund weicher und anschmiegsamer Ohrpolster und verfügt gleichsam über einen feinstufig einstellbaren Kopfbügel mit einem leicht gepolsterten Band aus echter italienischer Tierhaut, welches unmittelbaren Kontakt zum Kopf des Trägers aufnimmt. 

Das (leider leicht mikrophonische) Originalkabel in 1.80 m Länge nimmt über MMCX Anschlüsse eine ebensolche Verbindung zu den entsprechenden Treibergehäusen auf, wobei Erstgenannte über stabile Drehverschlüsse nach dem Einrasten zusätzlich fixiert werden. Eine sehr gute Lösung, speziell wenn bereits vorhandene MMCX Kabelsätze, beispielsweise von IEM, genutzt werden sollen. Kontakt zum jeweiligen Spielpartner nimmt der SR1 sodann über eine 3.5 mm messende Klinkenbuchse auf, welche durch einen schraubbaren 6.3 mm Aufsatz zudem passend erweitert werden kann.

Aufgrund eines exorbitant hohen Wirkungsgrades von 108 dB/mW bei einer Impedanz von nur 22 Ohm kann der IBASSO SR1 dazu problemlos mit nahezu jedem beliebigen Smartphone, DAP oder Kopfhörerverstärker kombiniert werden. Für diesen kurzen Hörcheck kommt demzufolge mein QUESTYLE QP1R zum Einsatz. Denn das allerwichtigste Argument für einen Kopfhörer ist natürlich immer noch die Klangqualität, keine Frage.

Kleiner Preis – Große Klasse

Bereits nach den ersten Takten Musik steht für mich fest, dass IBASSO der Einstand in die Welt der Full-Size Kopfhörer mehr als nur gelungen ist. 

Der SR1 beeindruckt durch einen kräftigen und gleichsam gut strukturierten Bassbereich mit einem vorzüglichen Timing. Der Grundton ist eher von erdiger Natur und verleiht den klangfarbenstarken Mitten eine angenehme Wärme. Stimmen und Instrumente werden so äußerst gefühlvoll intoniert und verfügen gleichwohl über genügend Plastizität und Kontur.

Der Hochtonbereich bindet nahtlos und mit seidiger Note versehen an die mittleren Frequenzen an. Sibilanten werden dazu vollkommen entspannt und ohne jegliche Härte reproduziert, obgleich der IBASSO SR1 auch feinste Klangverästelungen tadellos auflöst. 

Nachhallfahnen erscheinen so jederzeit glaubhaft und vermitteln einen, insbesondere für einen halboffenen Kopfhörer, ungewöhnlich großzügigen Raumeindruck in die Tiefe bei zudem einwandfreier Bühnenabbildung. Aber auch die Ortbarkeit einzelner musikalischer Ereignisse ist ausgezeichnet. Ganz große Klasse.

Zumal der IBASSO mit einer exorbitant hohen Spielfreude aufwartet und bereits im unsymmetrischen Zusammenspiel mit dem QUESTYLE QP1R eine schier unbändige Dynamik entwickelt.

Aber selbstverständlich finde ich auch beim SR1 das berühmte Haar in der Suppe. Im oberen Bassbereich um 100 Hz ist mitunter eine geringfügige Emphasis auszumachen, was je nach verwendetem Musikmaterial zu leichten Überlagerungen in den Grund- und Mitteltonbereich führen kann.

Natürlich nicht unbedingt kriegsentscheidend – schon gar nicht in dieser Preisklasse – aber IMO dennoch unnötig, zumal der IBASSO grundsätzlich über einen beeindruckenden Tiefgang verfügt und diese abstimmungstechnischen „Tricks“ somit völlig obsolet macht.

Über eine Änderung der Ohrpolster ließe sich aber höchstwahrscheinlich Abhilfe schaffen. Denn durch bereits etwas größere Polsteröffnungen würde nicht nur überschüssige Energie im Oberbass wirksam begrenzt, sondern erfahrungsgemäß auch die Bühnenbasisbreite leicht erweitert – also praktisch zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen.

Und da sich ein potentieller Wechsel der originalen Kunstlederpolster handwerklich zudem recht einfach gestaltet, sind der zukünftigen Experimentierfreude der Community sicherlich keinerlei Grenzen gesetzt. 

Aber auch im „serienmäßigen“ Zustand ist dieser Kopfhörer ein veritables Schnäppchen in der Preisklasse unter 1.000,- Euro und hier IMO derzeit einer der besten Offerten überhaupt. Daher erhält der IBASSO SR1 natürlich auch meine unbedingte Empfehlung. Zum Beispiel zu Weihnachten.

Euer Fidelio 

(*) Die Testberichte auf Musicalhead geben ausschließlich meine persönliche Meinung zum Produkt wieder. Es handelt sich hierbei um redaktionelle Beiträge, welche aber durchaus eine werbende Wirkung beim Leser erzielen könnten, ohne dass ich von einem Unternehmen damit beauftragt wurde.


RELATED POSTS


LEAVE A COMMENT