Test MEIER AUDIO CORDA SOUL

Der für exzellente Audiogeräte bekannt gewordene niederländische Hersteller MEIER AUDIO überzeugte in der Vergangenheit in erster Linie durch ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis seiner ausgeklügelten Produkte.

Mit dem neuen CORDA SOUL setzt Mastermind Dr. Jan Meier nunmehr an, die Bergspitze der Weltklasseverstärker zu besteigen. Ohne Rücksicht auf die Produktionskosten entwickelte er einen der derzeit vielleicht besten Kopfhörerkomponenten im Transistorbereich. Schon der von mir getestete Prototyp deutete im letzten Jahr sein enormes klangliches Potential an.

Digitaltechnik par excellence.

Und typisch für Jan Meier ist der CORDA SOUL mit einer fast schon bewundernswerten Kompromisslosigkeit entwickelt worden. Die Kombination aus einem hochpräzisen 64-bit DSP, erstklassig abgestimmten DAC Bausteinen sowie einem konsequent symmetrisch aufgebauten Kopfhörerverstärker ist für das niederländische Technikgenie ja beinahe schon Pflicht. 

Die digitalen SPDIF-Eingangssignale werden demzufolge von einem WM8804 Chipsatz decodiert, über eine TCXO-Clock von Jitter befreit und in den digitalen Signal Prozessor ADAU1451 eingespeist. Zwei WM8741 Cipsätze, welche im kanalgetrennten Dual-Mono-Modus operieren, übernehmen im Anschluss die bitgenaue Wandlung der Audiosignale.

Somit wird die feinstufig implementierte Klangregelung über vier separate Drehschalter bereits vor der Wandlung in die analoge Form auf rein digitaler Ebene vorgenommen. Dies ermöglicht die Integration zahlreicher Funktionen, wie beispielsweise das bereits aus früheren Geräten von MEIER AUDIO bekannte, natürliche Crossfeed. Oder auch ein Kerbfilter, welcher bei zahlreichen Spielpartnern unerwünschte Resonanzfrequenzen im Bereich zwischen 6 und 11 kHz korrigieren kann.   

Über einen weiteren Kippschalter werden die Filtereigenschaften der DAC Sektion angewählt. Während die untere Schalterstellung für eine klassische Brick-Wall Filterung verantwortlich zeichnet, aktiviert die obige Position den Minimalphasenfilter. 

Sowohl im Stereo- als auch im Crossfeed Modus kann mittels eines weiteren Drehreglers außerdem die Kanalbalance eingestellt werden. Gegebenenfalls kann so eine unterschiedliche Empfindlichkeit der Ohren ausgeglichen werden. Dies ist inzwischen ein leider eher seltenes Feature bei aktuellen Audiokomponenten. Deshalb auch sehr lobenswert.

Die langjährige Erfahrung von MEIER AUDIO auf dem Gebiet der digitalen Signalverarbeitung begründeten außerdem die hauseigene FULL-FREQUENCY-FEEDBACK (FFF) Technologie, welche bei der Wiedergabe der Musik im mittleren und oberen Frequenzbereich durch ein adaptives Feedback zu einer deutlichen Verbesserung von Auflösungsvermögen und Detailarbeit führen soll. 

Das Eingangssignals wird dabei bereits im DSP Modul mit einer Genauigkeit umgeformt, welche mit analogen Schaltungen nicht zu erzielen wäre. Dies führt nach Aussage des Entwicklers zu einer starken Entlastung der analogen Ausgangsstufen der emtsprechenden Wandlerbausteine.

Der CORDA SOUL besitzt neben dem obligatorischen USB-Port (bis 24/192 kHz) selbstverständlich auch drei optische und coaxiale Eingänge, ebenso wie ein analoges symmetrisches XLR-Buchsenpärchen. Ausgangsseitig wird das intern aufbereitete digitale Signal außerdem über eine zusätzliche optische Verbindung bereitgestellt, so dass die vielfältigen Funktionen der Digitalsektion auch für andere Audio-Gerätschaften genutzt werden können.

Außerdem fungiert der CORDA SOUL auf Wunsch auch als veritabler Vorverstärker und stellt zu diesem Zweck gleichsam symmetrische wie variable Ausgänge bereit.

Der DAC/Kopfhörerverstärker verfügt des Weiteren über drei getrennte Regelkreise zur Energieversorgung. Dabei werden zum einen die Digitalsektion, zum anderen die analogen Verstärkerstufen einzeln über eine gewaltige Pufferkapazität von 70.000 uF mit stabiler Spannung und jederzeit ausreichenden Stromreserven versorgt. Die eingesetzten AD797 Class-A Operationsverstärker werden überdies mit zwei BUF634 gepuffert. 

Die diskrete und extrem transparente Lautstärkeregelung erfolgt ausschließlich über Relais in 63 Schritten – die typische Schrittgröße beträgt dabei 0,8 dB. Dies führt nach Aussage von Jan Meier zu überragend niedrigen Verzerrungswerten vor einem rabenschwarzen Hintergrund ohne jegliches Eigenrauschen. Ein zusätzlicher Schalter ermöglicht darüber hinaus die dreistufige Veränderung des Verstärkungsfaktors. 

Natürlich finden sich im CORDA SOUL nur Bauteile von erlesener Güte wieder. NEUTRIK-XLR-Buchsen, NICHICON Kondensatoren zur Pufferung, ALPS-Potentiometer (obgleich Selbiges nicht unmittelbar als Solches fungiert), versilberte LORLIN Drehschalter, etc. zeugen von dem hohen Qualitätsanspruch der kleinen Manufaktur. 

Höchste Zeit also, dem fertigen Serienmodell endlich einmal ausgiebig auf den akustischen Zahn zu fühlen. 

Vorbereitung

Aufgrund der konsequent symmetrischen Auslegung des MEIER AUDIO CORDA SOUL wird meine Auswahl adäquater Spielpartner zwangsläufig auf solche Kandidaten eingeschränkt, welche verbindungstechnisch über einen 4 poligen XLR Stecker verfügen. Denn die sonst übliche 6,3 mm Klinkenbuchse hat der Meister ja schlichtweg ignoriert. Somit steht beispielsweise der AKG 812 PRO für diesen Test nicht zur Verfügung.  

Deshalb wähle ich als adäquaten Ohrlautsprecher für diesen Hörtest die ABYSS DIANA PHI aus, welche sich in hohem Maße einer neutralen Wiedergabe der Musik verpflichtet fühlt. Aber auch der MEZE EMPYREAN erweist sich im Verlaufe dieser Rezension als ausgezeichnete Wahl für den CORDA SOUL, da der niederländische KHV grundsätzlich eine leicht helle Tonalität favorisiert und somit die tendenziell dunklere Gangart des MEZE perfekt egalisieren sollte.

Beide Spielpartner werden natürlich impedanzgerecht mit dem niederohmigen rechten Kopfhörerausgang verkabelt. Als formidable Signalquelle dient mir ein mit AUDIRVANA+ optimierter iMAC. Die entsprechenden Digitaldaten in HIGH-RES Auflösung werden dabei entweder unmittelbar über QOBUZ gestreamt oder stationär abgerufen. Die Musik setzt sich wie üblich zusammen aus mir wohl bekannten Hörbeispielen aus Klassik, Blues, Jazz, Rock und Pop.

Weitere technische Informationen zum neuen CORDA SOUL von MEIER AUDIO findet ihr im Übrigen unter: http://www.meier-audio.homepage.t-online.de/soul.htm

Klangtest

Lady DIANA PHI erhält selbstverständlich den Vorzug vor dem MEZE für die allerersten Höreindrücke am CORDA SOUL. Und bereits bei den ersten Takten des Albums „Blue Moon“ von Ahmad Jamal stellt der neue Kopfhörerverstärker von MEIER AUDIO seine große Klasse unter Beweis.

Dies ist ohne jeden Zweifel einer der transparentest aufspielenden Transistorverstärker, welche mir bislang unter die Ohren gekommen ist. Dazu überzeugt der neueste Streich von Jan Meier durch hohe Impulstreue aufgrund einer blitzschnellen Reproduktion der Transienten.

Beim virtuos initiierten Zusammenspiel von Klavier und Schlagzeug in „Autumn Rain“ glänzt der CORDA SOUL somit nicht nur mit präzisem Timing, sondern überzeugt darüber hinaus mit superber Dynamik und – einer erstaunlich weiträumigen Raumausleuchtung. Der räumliche Eindruck ist sogar derart frappierend, dass ich umgehend überprüfe, ob ich nicht versehentlich die natürliche Crossfeedschaltung aktiviert habe. Aber nein, der Schalter befindet sich in der neutralen Position. Kaum zu glauben. 

Die Bassfähigkeiten des MEIER AUDIO sind nicht minder beeindruckend. Beim Stück „Reason In Disguise“ der Gruppe Ezra Collective auf dem neuen Album „You Can’t Steal My Joy“ erfolgen die Bassimpulse nicht nur äußerst druckvoll und schnell, sondern gleichsam auch exakt konturiert und versehen mit einer staubtrockenen Attacke. An Leistung mangelt es dem CORDA SOUL also ganz sicher nicht.

In den allertiefsten Kellergefilden des Frequenzspektrums läßt es der niederländische KHV aber dennoch gefühlt etwas an Autorität vermissen. Die untersten Oktaven zählen nicht unbedingt zu den großen Stärken des CORDA SOUL. Das berühmte Orgelspiel von Johann Sebastian Bach „Toccata And Fugue“, präsentiert von Gregory D’Agostino auf dem Album Dr. Chesky’s Sensational, Fantastic And Simply Amazing Binaural Sound Show, habe ich speziell in Kombination mit der ABYSS DIANA PHI im Tiefbass schon geringfügig intensiver erleben dürfen.   

Durch den schlank wirkenden Bassbereich wird allerdings auch der Grundton zu keiner Zeit ungebührlich aufgedickt. Der Kopfhörerverstärker agiert im Zusammenspiel mit der DIANA PHI insofern auf der leicht analytischen Seite und hält sich im akustisch entschlackten Grundtonbereich substanziell etwas zurück. 

Der CORDA SOUL folgt somit auch nicht dem derzeitigen Trend des Marktes zu einer tendenziell „wärmeren“ Spielart, sondern musiziert vielmehr vorbildlich neutral, was unter anderem zu einer hervorragenden Durchhörbarkeit im Mittelton beiträgt.  

Und dieser besonders klangrelevante Bereich gerät in Kombination mit der ABYSS DIANA PHI dann tatsächlich zu einem audiophilen Erlebnis der Extraklasse. 

Dies wird exemplarisch deutlich hinsichtlich einer sehr gefühlvollen Akzentuierung feindynamischer Strukturen bei der Aufnahme „Africa“ auf dem gleichnamigen Album „Sketches Of Africa“ des Künstlers Antonio Forcione. Mit atemberaubenden Tempo bearbeitet der Italiener seine akustische Gitarre, jeder angeschlagene Ton wird vom CORDA SOUL dabei akribisch aus dem komplexen Klanggeschehen herausgearbeitet und entsprechende Gewichtung verliehen. 

Mit viel Hingabe widmet sich das niederländische Profigerät erwartungsgemäß auch den hohen Frequenzen. Die Liaison mit dem amerikanischen Ohrlautsprecher erweist sich dabei als ausgezeichnete Wahl – das Auflösungssvermögen im Hochtonbereich steht selbst der elektrostatischen Fraktion nicht viel nach. Auch allerkleinste Schattierungen in der Musik werden insbesondere bei klassischen Soloinstrumenten nuanciert intoniert und mit glaubhaft wirkenden Nachhallfahnen im Raum versehen. 

Klavierstücke wie „River Flows In You“ von Maurizio Lucchetti sind mit dem MEIER AUDIO jedenfalls an Natürlichkeit kaum zu überbieten. Und dies ohne jegliche Effekthascherei wohlgemerkt. Denn die neutrale Klangsignatur des CORDA SOUL ist im bestens Sinne als unspektakulär zu bezeichnen. Es sind eher scheinbar nebensächliche Details, welche den Zuhörer emotional für das harmonische Zusammenwirken der beiden Spielpartner einnehmen und musikalische Authentizität erzeugen.

Mein zweiter Kandidat, der MEZE EMPYREAN, scheint schließlich wie geschaffen für das transparent leichtfüssige Klangbild des CORDA SOUL. Denn hier passt einfach alles zusammen. Der niederländische KHV führt den zuweilen etwas prominenten Bass des MEZE an straffem Zügel, hält speziell die leichte Midbassemphasis des rumänischen Kopfhörers unter eiserner Kontrolle und verhilft dem EMPYREAN zu einem deutlich präziseren und gleichsam neutraler wirkenden Auftritt.

Auch die famosen räumlichen Abbildungseigenschaften des MEIER AUDIO kommen dem EMPYREAN selbstverständlich entgegen. Denn die leicht eingeschränkte Bühnenbasisbreite des MEZE läßt sich durch die intelligente Crossfeedschaltung des CORDA SOUL auf Wunsch problemlos erweitern, ohne das in sich kohärente Klangbild auf negative Art und Weise zu beeinflussen. 

Überhaupt merkt man nicht nur dieser Schaltung, sondern auch der Gesamtkonzeption des Kopfhörerverstärkers die jahrelange Erfahrung von Jan Meier in diesem Marktsegment an. Alle klanglichen Regelungen erfolgen stets sehr subtil und mit präzisen Eingriffen an eben genau den richtigen Stellen. 

Und obgleich ich den CORDA SOUL als Gralsritter der reinen Lehre natürlich vorwiegend mit neutralen Reglerstellungen rezensiert habe, fördert die Schalter-freudige Frontplatte ganz eindeutig meinen persönlichen Spieltrieb. Insbesondere bei schlecht gemasterten Aufnahmen leisten die vielfältigen Möglichkeiten zur gezielten Klangmodulation oft auch eine willkommene Hilfestellung.  

Mein Fazit

Der neue MEIER AUDIO CORDA SOUL ist nicht nur ein musikalisch überragender Kopfhörerverstärker, sondern eröffnet gleichsam auch eine akustische Spielwiese für den ambitionierten Klangtüftler. Der konsequent symmetrische Aufbau sorgt dabei für eine beeindruckend transparente und räumlich exzessive Vorstellung vor einem rabenschwarzen Hintergrund, bedingt aber auch einen der wenigen Nachteile dieses Konzeptes – mit Klinkensteckern versehene Spielpartner können an den MEIER AUDIO leider nicht andocken.      

Dies ist ebenso unpraktisch wie die fehlende Möglickeit, aufgrund einer maximalen Auflösung von 192 kHz DSD-Dateien nativ abspielen zu können. Die minimale Tiefbassschwäche fällt meines Erachtens dagegen nicht so sehr ins Gewicht, die sinnvolle Paarung eines adäquaten Ohrlautsprechers einmal vorausgesetzt. Das Produktdesign der Gerätschaften von Jan Meier ist dagegen – wie immer – Geschmacksache. 

Aber auch kein Thema. Zumal die technischen Vorteile eindeutig überwiegen. Der interessierte Gralsritter des Klanges erhält zu dem derzeitigen Verkaufspreis von 4.098,- Euro eine audiophile Lupe im positivsten Sinne, welche nahezu alle verfügbaren musikalischen Informationen aus digital gespeicherten Pretiosen herauskitzelt. Darüber hinaus überzeugt das Meisterwerk von Dr. Jan Meier mit hochwertiger Materialauswahl und einer professionellen Verarbeitungsqualität.

Und katapultiert den CORDA SOUL somit verdientermaßen in den Klangolymp der transistorbewehrten Kopfhörerverstärker. Probehören ist IMO Pflichtprogramm.

Euer Fidelio



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