Test HIFIMAN HE1000SE – MEZE EMPYREAN – AUDEZE LCD4Z – MRSPEAKERS ETHER2

Kampf der Magnetostaten 2.0.

Über ein Jahr ist es bereits her, dass ich den HIFIMAN HE1000V2 mit dem AUDEZE LCD4 in einem epischen „Kampf der Magnetostaten“ für euch miteinander verglichen habe. Der HE1000V2 konnte sich damals den Gesamtsieg nach Punkten mit einem hauchdünnen Vorsprung vor dem AUDEZE sichern. Je nach persönlicher Hörpräferenz wird aber wohl auch der LCD4 zwischenzeitlich den Weg in diverse heimische Wohnzimmer gefunden haben.

Und nun ist es soweit. Mein diesjähriger und dazu noch weltexklusiver Vergleichstest der aktuellen orthodynamischen Flächenstrahler-Generation steht heute endlich wieder an. 

Und natürlich sind auch die direkten Nachfolger der üblichen Verdächtigen abermalig mit von der Partie. Der nagelneue HIFIMAN HE1000SE und der frisch gestählte AUDEZE LCD4Z streiten erneut um die Vorherrschaft im Magnetostatenbau. Oder vielleicht auch nicht?

Denn ganz so einfach wird sich das Rennen im „Kampf der Magnetostaten 2.0“ heute sicher nicht gestalten. Zum einen gesellt sich mit dem ebenso brandneuen MRSPEAKERS ETHER2 ein weiteres klangliches Schwergewicht hinzu, um dem dynamischen Duo mächtig Paroli zu bieten. 

Zum anderen erdreistet sich mit dem hochmotivierten rumänischen Newcomer MEZE EMPYREAN ein weiterer potentieller Herausforderer, die künftige Krone im Klang-Olymp an sich zu reißen. Es wird also spannend werden!   

Vorbereitung

Ich möchte mich an dieser Stelle ganz herzlich bei den deutschen Vertrieben von AUDEZE, HIFIMAN, MRSPEAKERS und MEZE AUDIO bedanken, welche mich abermals völlig unbürokratisch und zeitnah mit aktuellen Testmustern für diesen Vergleichstest ausgestattet haben. Einen lieben Gruß an alle Beteiligten!

Und wieder einmal erfordert das Verfassen dieses Testberichtes bereits im Vorfeld eine sehr umfangreiche Recherche. Denn zunächst müssen die potentiellen Kandidaten anhand ihrer technischen Daten gewissermaßen „vorselektiert“ werden, um dem aktuellen Trend möglichst vollumfänglicher Einsatzmöglichkeiten auch gerecht zu werden.

Bei meinem Vergleichstest kommen demzufolge nur magnetostatische Spitzenkopfhörer zum Einsatz, welche über eine ausreichend hohe Empfindlichkeit verfügen, um sich auch gegenüber Digitalen Audio Playern (DAP) entsprechend genügsam zu zeigen.

Denn aufgrund des inzwischen erheblich verbesserten Wirkungsgrades ist die neue orthodynamische Generation nach Aussage der Hersteller mittlerweile in der Lage, mit nahezu allen portablen Geräten problemlos zusammenzuspielen. 

Und da die Topmodelle von Dr. Fang Bian und Joe Skubinski sich jedem noch so ambitionierten mobilen Zuspieler leistungstechnisch strikt verweigern, bleiben der HIFIMAN SUSVARA und der ABYSS AB1266PHI dem heutigen Kampf leider fern. 

Vielleicht noch ein paar Worte zu meiner grundsätzlichen Vorgehensweise. Nachdem alle Probanden mehrere Tage penibel eingespielt worden sind, nehme ich mir im Anschluß eine siebentägige, schriftstellerische Auszeit, um dem „New Toy“ -Effekt möglichst effektiv entgegen zu wirken. 

Während dieses Zeitraums verbringe ich (sehr entspannte) Hörabende ausschließlich damit, mir die einzelnen Testkandidaten mit bestens vertrautem musikalischem Material zu Gehör zu führen. Erst in der zweiten Woche beginne ich sukzessive, mir Notizen zu den einzelnen Kopfhörern zu machen, selbige grob zu „klassifizieren“ und bereits eine gewisse Vorsortierung vorzunehmen. Bevor dann in der dritten Woche die eigentliche Rezension ihren schriftlichen Anfang nimmt.

Als primären Spielpartner für diese illustre Gruppe wähle ich den brandneuen und klanggewaltigen QUESTYLE CMA TWELVE aus, alle Ohrlautsprecher werden zudem unsymmetrisch verkabelt, um die Chancengleichheit zu wahren. 

Denn sowohl der AUDEZE LCD4Z als auch der MEZE EMPYREAN werden kabelseitig bedauerlicherweise nur mit 3.5- beziehungsweise 6.3 mm Klinkensteckern ausgeliefert. Der MRSPEAKERS ETHER2 läßt dem Käufer zumindest die Wahl, dem HIFIMAN HE1000SE sind dagegen alle Kabelvarianten beigelegt. 

Der CMA TWELVE verfügt in der unsymmetrischen Betriebsvariante über eine Ausgangsleistung von 900 mW/Kanal und steht so exemplarisch für die allermeisten Mitbewerber in seiner Preisklasse. Als Quelle dient mir der AURALIC ARIES G1, die verwendeten Musikbeispiele werden dabei entweder direkt über QOBUZ gestreamt oder in HIGH-RES Auflösung von einer SSD-Festplatte bezogen.

Aber selbstverständlich bin ich auch neugierig, wie sich meine aktuellen Probanden an mobilen Gerätschaften schlagen. Aus diesem Grunde werde ich die 4 Kopfhörer in dem nachfolgenden Klangtest auch mit dem aktuellen ASTELL&KERN SE100 FUTURA kombinieren, welchen ich ja erst kürzlich für euch rezensiert habe.

Und damit dieser Vergleich bezüglich seines Umfangs nicht allzu sehr ausufert, erspare ich mir heute ausnahmsweise ausführlichere technische Details und möchte euch freundlich bitten, eventuelle Wissenslücken bei den allwissenden Suchmaschinen, oder auch auf den Internetseiten der Hersteller und Vertriebe aufzufüllen. Dies gilt ebenso für entsprechendes Hintergrundmaterial, die Kopfhörer betreffend, ihren chronologischen Werdegang, die Beweggründe für deren Konstruktion, die technischen Spezifikationen, etc.pp. 

Denn jetzt möchte ich euch die fantastischen Vier zunächst einmal kurz im Einzelnen vorstellen, bevor dann später am Tag der wahre „Kampf der Magnetostaten“ ausgefochten werden wird. 

Ich wünsche euch jedenfalls viel Spass beim Lesen.

AUDEZE LCD4Z – Der Basstitan

Der AUDEZE LCD4Z erbt vom LCD4 alle technischen Attribute wie die großflächigen „Nanograde Uniforce“ Diaphragmen, Fluxor-Magnete des Typs Neodymium N50, sowie die bereits bekannten Fazor-Elemente. Die magnetische Flußdichte beträgt hier wie da gewaltige 1,5 Tesla.

Allerdings wurde der Wirkungsgrad beim neuen AUDEZE Modell im Vergleich zum Altmeister signifikant erhöht. Aufgrund der niedrigen Impedanz von lediglich 15 Ohm und einer hohen Empfindlichkeit von 98 dB/mW benötigt der Z deutlich weniger Leistung als sein hölzerner Zwillingsbruder.

Die allgemeine Verarbeitungsqualität ist im Übrigen sehr gut, erfreulicherweise werden auch nur hochwertige Materialien verbaut – Treibergehäuse aus schwarz eloxiertem Magnesium, ein Kohlefaser-verstärktes Lederkopfband sowie Polster aus weichem Lammleder erfreuen Hand und Auge.

Der AUDEZE LCD4Z verwöhnt mit einem ausgezeichneten Tragekomfort und moderat gewähltem Anpressdruck, lediglich das recht hohe Gewicht von 600 Gramm trübt den ansonsten hervorragenden Gesamteindruck ein wenig. Dennoch lässt sich mit dem AUDEZE stundenlang in der Musik schwelgen, zumal sich das Gewicht auch recht gleichmäßig auf dem Kopf verteilt. 

Der AUDEZE LCD4Z unterscheidet sich vom LCD4 hinsichtlich seiner klanglichen Wesensart zudem nur marginal. 

Während der LCD4 auf die Bereitstellung üppiger Leistungsreserven seitens eines stationären Spielpartners zwingend angewiesen ist, um eine dieser Preisklasse entsprechende Dynamik zu entfalten, rockt der neue AUDEZE LCD4 Z bereits an mobilen Gerätschaften ab 100 mW/Kanal munter los. Ein echter Fortschritt.

Dabei überzeugt der AUDEZE speziell durch seinen enorm plastischen und gut konturierten Bass mit formidabler Attacke. Der Tiefgang von AUDEZE Kopfhörern ist inzwischen ja schon legendär und auch der LCD4Z macht hier keine Ausnahme und somit der Marke alle Ehre. Top!  

Der erdige Grundton verleiht Stimmen im Mitteltonbereich reichlich Substanz, verbunden mit einer sehr guten Artikulation. Mit wunderbar kräftigen Klangfarben versehen, werden musikalische Ereignisse akkurat in die Tiefe gestaffelt und gleichermaßen fokussiert, auch die Raumausleuchtung gelingt dem AUDEZE LCD4Z bestens. 

Obgleich die Bühnenbasisbreite nicht überwältigend ausfällt. Durch einen sukzessive abgesenkten Hochtonbereich werden Sibilanten zwar völlig stressfrei reproduziert, andererseits leidet die Transparenz darunter. Dennoch überrascht der LCD4Z mit recht glaubhaften Nachhallfahnen im räumlichen Kontext.

Bedingt durch diese rezessive Hochtonwiedergabe werden allerdings feine Details bei geringer Abhörlautstärke unterschlagen, erst bei höheren Pegeln treten selbige wieder über die Wahrnehmungsschwelle. Dies führt mitunter dazu, dass der Lautstärkeregler gerne einmal entschlossen im Uhrzeigersinn bewegt wird.   

Die recht dunkle, klangliche Gesamtabstimmung empfiehlt den AUDEZE LCD4Z IMO (meiner Meinung nach) insbesondere für die Musikrichtungen Rock, Pop und Metal, zumal der amerikanische Kopfhörer in der Z-Variante auch alle dynamischen Voraussetzungen erfüllt. 

Ein Live-Konzert kann nahezu in Originallautstärke zelebriert werden, ohne dabei die Ohren mit einem spitzen Hochtonspektrum zu strapazieren. 

MRSPEAKERS ETHER2 – Das Naturtalent

Der Nachfolger des ETHER FLOW sieht dem elektrostatischen Spitzenmodell VOCE zum Verwechseln ähnlich. Die äußerst filigrane Konstruktion beinhaltet zudem ein völlig neues, radial angetriebenes „True Flow“ Treiberdesign mit einem 70% geringeren Gewicht bei den verwendeten Aluminiumspuren, welches nach Aussage des Entwicklers Dan Clark für eine deutliche Steigerung von Linearität, Dynamik und Detailarbeit verantwortlich zeichnen soll.  

Mit weniger als 290 Gramm ist der neue MRSPEAKERS ETHER2 darüber hinaus extrem leicht geraten, für einen orthodynamischen Kopfhörer markiert dies sogar eine neue Rekordmarke. Danke Dan! 

Der ETHER2 ist ebenfalls sorgfältig verarbeitet, lediglich der etwas scharfkantige Übergang der Treibergehäusen zu den nunmehr aus Kunstleder gefertigten Ohrpolstern hätte vielleicht ein wenig liebevoller ausgeführt werden können.

Der Tragekomfort ist dagegen absolut großartig. Bereits nach wenigen Minuten verschwindet der Kopfhörer gefühlt völlig vom Kopf. Auch aufgrund der angenehm weichen Polsterflächen, welche sich mit nahezu perfektem Anpressdruck anschmiegen, eignet sich der MRSPEAKERS ETHER2 optimal für ausgedehnte Hörabende.

In klanglicher Hinsicht glänzt MRSPEAKERS ETHER2 in erster Linie mit – Unauffälligkeit. Kein Kopfhörer, welcher sich bereits bei den ersten Takten Musik durch markante Bässe aufdrängt, den Zuhörer mit strahlenden Höhen bezirzt, oder gar durch wundersam prägnante Mitten auffällt.

Die Qualitäten dieses Kopfhörers erschließen sich dem erfahrenen Gralsritter des Klanges nämlich erst ganz allmählich. Geduld ist ja bekanntlich eine Tugend.

Zum Beispiel wäre da der äußerst impulstreue und exakt definierte Bassbereich zu nennen, welcher IMO einen „ehrlichen“ Charakter aufweist. Der Bass ist prinzipiell von schlanker Natur, dennoch wird auch der Frequenzkeller jederzeit akkurat und nahezu kompressionsfrei bearbeitet – wenn es das musikalische Material zuläßt. So liebe ich das. 

Im Grundton ist der ETHER2 vornehmlich der Neutralität verpflichtet, fügt der Musik aber eine leicht warme Note hinzu. Die plastisch umrissenen Stimmen und Instrumente erklingen zudem sehr natürlich, bedingt durch eine authentisch wirkende Wiedergabe der entsprechenden Transienten.  

Ebenso realistisch werden musikimmanente Klangräume definiert, mit einer für Kopfhörer untypischen Extension in Breite und Tiefe. Die Raumgrenzen werden nicht primär durch den Kopfhörer bestimmt, die Musik spielt vermeintlich im tatsächlich umgebenden Raum, ganz ähnlich der Wiedergabe über Lautsprecher. Ist schwer zu erklären – muss man gehört haben. Einfach toll.   

Dies wirkt alles sehr unverfälscht und echt. Leider wird diese grundsätzlich sehr gute Vorstellung konterkariert durch einen minimal verhangenen Mittel- und Hochtonbereich. Durchhörbarkeit und Auflösungsvermögen von allerfeinsten Details sind für diese Preisklasse IMO nur durchschnittlich. 

Durch den recht hohen Wirkungsgrad von ca. 94 dB/mW und einer Systemimpedanz von lediglich 16 Ohm entfaltet der MRSPEAKERS ETHER2 bereits an DAP eine ausreichende Dynamik, spielt aber am Liebsten mit leistungsstärkeren Partnern zusammen.

Das neue magnetostatische Topmodell von Dan Clark zeichnet sich somit in erster Linie durch einen fantastischen musikalischen Fluß, verbunden mit einer herausragenden tonalen Balance aus. Prädikat – absolut langzeittauglich. Für einfach jede Art von Musik.

MEZE EMPYREAN – Der Feingeist

Der rumänische Newcomer MEZE EMPYREAN beeindruckt bereits bei der ersten Inaugenscheinnahme durch seine edel wirkende  Erscheinung in klassisch anmutendem Design. 

Die Verarbeitungsqualität ist sowohl handwerklich, als auch in Bezug auf die Güte der Materialien überragend. Durch die Verwendung leichter Kohlefaser- und CNC-gefräster Aluminiumbauteile, konnte das Gewicht des MEZE EMPYREAN zudem auf 400 Gramm begrenzt werden.

Die magnetisch arretierten Ohrpolster geben nach Abnahme derselben den Blick auf isodynamische „Hybrid Array MZ3“ Treiber frei, welche primär durch ihre asymmetrisch aufgebrachten Leiterbahnen auffallen. Die spezifische Anordnung der spiralförmigen Schwingspulen gewährleistet durch eine ideale Schallverteilung nach Aussage des Herstellers eine äußerst präzise Reproduktion der Musik.

Um auch längere Hörsitzungen ohne jegliche Ermüdung zu ermöglichen, verwendet MEZE AUDIO ein Lederkopfband mit neuartigen Druckverteilungsflügeln. Insbesondere in Verbindung mit den hautfreundlichen Alcantarapolstern empfiehlt sich der EMPYREAN für stundenlange Hörabende. 

Der gemeinsam von MEZE AUDIO und RINARO ISODYNAMICS entwickelte Kopfhörer ist aufgrund der ungewöhnlich hohen Empfindlichkeit von 100 dB/mW bei einer Impedanz von 32 Ohm überdies prädestiniert für eine Kombination mit mobilen Gerätschaften.

Den Bassbereich reproduziert der rumänische Ohrlautsprecher jederzeit souverän, gleichwohl auch präzise und verbunden mit einem strukturierten Tiefgang. Im Midbassbereich macht sich allerdings eine leichte Emphasis bemerkbar, wodurch der MEZE EMPYREAN sich etwas wählerisch bezüglich des potentiellen Spielpartners zeigt.

Der schlackenfreie Grundton findet weiterhin eine unauffällige Anbindung an den oberen Bassbereich, der MEZE beeindruckt mit authentisch wirkenden Klangfarben im mittleren Frequenzbereich. Stimmen und Instrumente werden messerscharf gerändert und wie selbstverständlich in den virtuellen Raum platziert. Grandios!

Ortbarkeit und Transparenz sind gleichsam auf außerordentlich hohem Niveau angesiedelt, musikalische Ereignisse werden zudem akribisch im virtuellen Raum gestaffelt. Allerdings schränkt die recht hohe akustische Bedämpfung aufgrund relativ ausladender Ohrpolster das Ausklingen von Nachhallfahnen und somit den Raumeindruck unnötig stark ein.

Der Hochtonbereich zählt wiederum zu den großen Stärken des MEZE EMPYREAN. Der MEZE besticht hier mit einer sehr filigranen Detailarbeit und erstklassigem Auflösungsvermögen. Sibilanten werden dessen ungeachtet sanft und geschmeidig reproduziert und neigen zu keiner Zeit zur Schärfe.

Dynamisch läßt der MEZE nichts anbrennen. Der exorbitante Wirkungsgrad des EMPYREAN ermöglicht eine beinahe kompressionslose Grobdynamik mit explosiver Attacke. Aber auch die feindynamische Separation von Mikrodetails ist ausgezeichnet. Einfach große Klasse. 

Der MEZE EMPYREAN ist demzufolge für alle Musiksparten gleichermaßen gut geeignet. Aufgrund der geringfügigen Midbassemphasis sollte er allerdings mit kontrolliert aufspielenden Spielpartnern und einem hohen eklektrischen Dämpfungsfaktor, idealerweise mit Transistorverstärkern, kombiniert werden.

HIFIMAN HE1000SE – Die Lichtgestalt

Der neue HIFIMAN HE1000SE unterscheidet sich von seinen beiden V-Brüdern auf den ersten Blick durch eine etwas andere Farbgebung der Treibergehäuse sowie dem nun schwarzen Kopfband. Und gleicht sich so zumindest optisch stark an das Spitzenmodell des chinesisch/amerikanischen Herstellers an – dem HIFIMAN SUSVARA. 

Und dies nicht ohne einen gewissen Hintergrund. Denn der neue HE1000SE hat technisch gewaltig aufgerüstet. Der Kennschalldruck wurde um ganze 6 dB auf 96 dB/mW bei einer Impedanz von 35 Ohm angehoben, um so ein möglichst breites Feld an potentiellen Spielpartnern abzudecken und kein Mobilgerät vor unlösbare Probleme zu stellen.

Durch die Verwendung der halbrunden Stealth-Magnete des Spitzenmodells SUSVARA sowie einer erheblich reduzierten Membranstärke der Kunststoffdiaphragmen, soll das Klangbild des HIFIMAN HE1000SE laut Dr. Fang Bian nun noch dynamischer und transparenter wirken. 

Der Tragekomfort war schon immer hervorragend und der in diesem Punkt baugleiche SE steht dem natürlich in nichts nach. Verarbeitungstechnisch wurde allerdings noch an kleinen Details gefeilt – das aus Makassar-Ebenholz gefertigte, umlaufende Holzband besteht nun durchgehend aus einem Stück, anstelle der früheren 2.5 mm Anschlüsse finden sich nun Pendants in 3.5 mm an den Unterseiten der Treibergehäuse.

Die Verarbeitungsqualität des Kopfhörers ist tadellos und entgegen mancher Unkenrufe IMO über jeden Zweifel erhaben. Lediglich das mitgelieferte Kabelmaterial erfüllt optisch und haptisch nicht meine persönliche Vorstellung an ein ideales Originalzubehör.

Klanglich tritt der HIFIMAN HE1000SE nicht nur voll und ganz in die großen Fußstapfen seiner berühmten Vorgänger, er setzt neue Maßstäbe.

Im Bassbereich überzeugt der orthodynamische Flächenstrahler nach wie vor mit einem vorzüglichen Tiefgang, einer sehr guten Attacke sowie einer im Vergleich zu den V-Modellen deutlich verbesserten Konturenschärfe. Der recht schlanke Grundton findet aber nach wie vor nur mittelprächtige Anbindung. 

Allerdings glänzt der Kopfhörer dadurch bedingt mit einer sehr transparenten und fein akzentuierten Reproduktion von Stimmen und Instrumenten. In Verbindung mit den authentisch wirkenden Klangfarben kann die Durchhörbarkeit im Mitteltonbereich nur als perfekt bezeichnet werden. 

Auch die Bühnenabbildung des HIFIMAN HE1000 SE ist nicht weniger als phänomenal. Die völlig frei und offen wirkende Wiedergabe von klanglichen Details bei gleichsam exakter Ortbarkeit im Raum erscheint mir schon referenzverdächtig. 

Die Präsentation im Hochtonbereich ist nicht minder beeindruckend. Das Auflösungsvermögen ist schlichtweg brillant, übertrifft die V-Brüder klar und steht selbst elektrostatischen Spitzenmodellen in nichts nach. Jedes Mikrodetail wird akribisch aufgespürt, Nachhallfahnen klingen vollkommen natürlich aus. Sagenhaft! 

Ein winziger Kritikpunkt bleibt IMO aber weiterhin existent. Wie schon bei den Modellen V1 und V2 werden musikalische Ereignisse zwar sehr gut gerändert fokussiert, allerdings eine Spur zu groß dargestellt und wirken dadurch je nach Musikmaterial minimal sphärisch.

Dennoch eine mehr als überzeugende Vorstellung des HIFIMAN HE1000SE. Aufgrund der deutlich höheren Empfindlichkeit ist dazu jederzeit auch eine herausragende Dynamik garantiert, selbst bei minimaler Leistungszufuhr von mobilen Gerätschaften. 

Speziell bei Klassik und großen Orchestereinsätzen ist dieser Kopfhörer ein veritabler Traum. Aber selbstverständlich beherrscht der HIFIMAN HE1000 SE auch alle anderen Musiksparten aus dem FF.  

Kampf der Magnetostaten 2.0

Nun ist es soweit. Endlich stehen sich die fantastischen Vier im finalen Showdown gegenüber. Wer wird den orthodynamischen Meistergürtel schlußendlich mit nach Hause tragen? Wir werden es heute und jetzt herausfinden.

Die nachfolgenden Eindrücke basieren dabei auf dem Zusammenspiel der jeweiligen Kopfhörer mit dem QUESTYLE CMA TWELVE, die gesonderte Beurteilung bezüglich der mobilen Wiedergabe am A&K SE100 FUTURA folgt im direkten Anschluss. 

Ich möchte an dieser Stelle noch einmal explizit darauf hinweisen, dass sich die nachfolgenden qualitativen Unterschiede auf allerhöchstem klanglichen Niveau abspielen. Um letztendlich eine finale Einstufung vornehmen zu können, war tage- und nächtelange Hörarbeit von Nöten, nur um zum Teil subtilste Differenzen zu ermitteln. 

Alle Missverständnisse ausgeräumt? Dann kann es ja losgehen – Ring frei!   

Runde 1 – Der Bass

Der MEZE EMPYREAN legt direkt fulminant vor. Tiefste Synthesizer-Bässe auf Grace Jones Dub-Version ihres Albums „Hurricane“ massieren eindrucksvoll das Trommelfell. Fast könnte man meinen, ein externer Subwoofer käme im Hintergrund zum Einsatz. 

Der Midbassbereich ist straff organisiert, der Druck grandios, mitunter aber etwas zu prägnant, wodurch komplexe Bassläufe minimal in ihrer Kontur aufgeweicht werden und geringfügig ineinander verschwimmen. 

Das macht der MRSPEAKERS ETHER2 schon etwas besser. Obgleich er nicht das imposante Tiefbassfundament des MEZE bieten kann, bearbeitet der MRSPEAKERS den Bassbereich noch ein wenig detaillierter und im besten Sinne audiophiler. Auf dem Album „No Beginnning No End“ von José James werden schnell aufeinander folgende Basskaskaden akkurat und absolut punktgenau reproduziert, ohne dabei einzelne Bereiche zu präferieren. Der Bass des MRSPEAKERS ETHER 2 fügt sich somit organisch in das Frequenzgefüge ein, ohne dabei in den Vordergrund zu treten. 

Der HIFIMAN HE1000SE agiert allein schon aufgrund der größten Membranflächen im Testfeld traumhaft souverän und leuchtet dazu jede Ecke des Frequenzkellers bis in den kleinsten Winkel aus. Dabei verkneift er sich eine ungebührliche Dominanz im Midbass und spielt sich mit der sehr guten Struktur in das Herz eines jeden Bassfans. 

Insbesondere getragene Orgelbässe bei der Aufnahme „Toccata und Fuge D-Moll BWV 565“ von Anton Bogner aus dem Album Classic Reference (Bell Records) überzeugen gleichsam mit Unterbau und Kontur.

Allerdings wirkt der Bassbereich des HEK, bedingt durch den vergleichsweise schlanken Grundton, zuweilen vom übrigen Frequenzspektrum leicht separiert und dadurch weniger harmonisch integriert als beim ETHER2. Der HIFIMAN HE1000 SE kontert dagegen mit seiner formidablen Impulstreue und der noch markanteren Attacke. 

Der AUDEZE LCD4Z schließlich kombiniert geschmeidig den ultimativen Tiefgang des HIFIMAN mit dem gewaltigen Druck des MEZE und der natürlichen Spielart des MRSPEAKERS. 

Der leicht federnde, dabei knurrige und hervorragend austarierte Bassbereich des AUDEZE LCD4Z ist eine Klasse für sich. Der staubtrockene und zeitgenaue Bassanschlag bei der Live-Aufnahme „Im letzten Regen“ vom Album PUR – Die Dritte (Akustisch), reisst den Zuhörer förmlich mit und animiert augenblicklich zum Mitwippen.

Der AUDEZE erreicht in den genannten Einzeldisziplinen klanglich zwar nicht ganz die absolute Performance der anderen drei Kopfhörer, gewinnt die Basswertung IMO aber dennoch ganz knapp vor dem HIFIMAN HE1000SE durch seine beispiellose Ausgewogenheit. 

  1. Platz: AUDEZE LCD4Z
  2. Platz: HIFIMAN HE1000SE
  3. Platz: MRSPEAKERS ETHER2
  4. Platz: MEZE EMPYREAN

Runde 2 – Der Mittelton

In diesem klangrelevanten Frequenzbereich trennt sich nicht selten die Spreu vom Weizen. 

Den Anfang macht der MRSPEAKERS ETHER2. Und kann nur bedingt an die sehr gute Vorstellung im ersten Durchgang anschließen. Obgleich der Kopfhörer mit einer faszinierenden Natürlichkeit bezüglich der Reproduktion von Stimmen und Instrumenten aufwartet, macht dem ETHER2 seine leicht verhangene Spielart etwas zu schaffen.

So wirkt beispielsweise die Stimme von Rebekka Bakken auf Ihrem neuen Album „Things You Leave Behind“ zwar jederzeit tonal sehr gut ausbalanciert und mit genügend Korpus versehen, es mangelt ihr aber schlichtweg an genügend Transparenz. Dadurch geht IMO ein wenig an nuanciertem, stimmlichem Ausdruck und somit auch etwas an Ausstrahlung verloren.

Der AUDEZE LCD4Z intoniert das musikalische Geschehen gefühlvoller, verfügt über eine geringfügig höhere Auflösung als der MRSPEAKERS ETHER2 und versieht die Musik überdies mit den kräftigeren Klangfarben. Aber auch dem AUDEZE wird sein dunkles Timbre zum Verhängnis, wenn es darum geht, speziell in komplexen Musikpassagen die akustische Übersicht zu bewahren.

Bei klassischen Orchestern beispielsweise ist es mitunter schwierig, einzelne Solisten gegeneinander abzugrenzen, wenn gleichzeitig mehrere Instrumente einsetzen, da unter der klanglichen Abstimmung des AUDEZE Kopfhörers die Durchhörbarkeit leidet.  

Damit hat der HIFIMAN HE1000SE keinerlei Probleme. Denn die Transparenz des HEK im Mitteltonbereich ist schlichtweg perfekt. Stimmen und Instrumente werden meisterlich im virtuellen Raum platziert und mit realistischen Klangfarben ausdrucksstark wiedergegeben. Beim neuen Album „Baika“ von Nemanja Radulovic wird das Spiel der Violine wundervoll einfühlsam und desgleichen sehr authentisch über den HE1000 SE in Szene gesetzt. Besser geht das wohl nicht.

Oder vielleicht doch? Genau jetzt hat der MEZE EMPYREAN seinen ersten großen Auftritt – und nutzt dabei gnadenlos die winzige Grundtonschwäche des HIFIMAN aus. 

Denn der rumänische Kopfhörer agiert im Mitteltonbereich IMO noch eine Spur substanzieller und somit auch leicht involvierender, ohne sich dem HIFIMAN HE1000SE gegenüber auch nur irgendeine Blöße hinsichtlich der Transparenz zu geben. 

Die geringfügigen Vorteile hinsichtlich der Plastizität führen zu einer abermals exakteren Fokussierung von Stimmen und Instrumenten, sowie zu einer gleichsam schärferen Ränderung derselben. 

Diese zwar kleinen, aber eben hörbaren Unterschiede zum HE1000SE sichern dem MEZE EMPYREAN mit hauchdünnem Vorsprung den Sieg in diesem Kapitel.

  1. Platz: MEZE EMPYREAN
  2. Platz: HIFIMAN HE1000SE
  3. Platz: AUDEZE LCD4Z
  4. Platz: MRSPEAKERS ETHER2

Runde 3 – Der Hochton

Der amerikanische Hersteller AUDEZE gerät in dieser Runde IMO leicht ins klangliche Hintertreffen. AUDEZE Ohrlautsprecher sind für ihren etwas schwach belichteten Hochtonbereich ja bereits hinlänglich bekannt.

Und diese akustische Ausrichtung mag einigen Gralsrittern durchaus gelegen kommen, sichert sie doch schlußendlich völlig stressfreie Hörabende, frei einer spitzen Sibilantenwiedergabe. Andererseits ist das hier die „Champions League“ der orthodynamischen Flächenstrahler – und meine Erwartungshaltung entsprechend hoch.

Um dies jetzt bitte nicht falsch zu interpretieren – der AUDEZE LCD4Z bindet den Hochtonbereich nahtlos und harmonisch an den oberen Mittelton an. Im direkten Vergleich aber, beispielsweise zum HIFIMAN HE1000SE, interpretiert der AUDEZE die optimale Dosierung der hohen Frequenzen doch schon sehr unterschiedlich. 

Prinzipiell werden dabei auch Detailarbeit und Auflösung keineswegs vernachlässigt. Selbigen wird aber weniger Beachtung seitens des Zuhörers geschenkt, was den Hörfokus höchstwahrscheinlich stärker auf die eigentliche musikalische „Essenz“ richten soll.   

Gut, diese dunkle „Schattierung“ kann man natürlich mögen – muss es aber nicht. Denn meines Erachtens machen das die drei Kontrahenten auf keinen Fall schlechter. Ganz im Gegenteil.

Der MRSPEAKERS ETHER2 erspielt sich bereits leichte Vorteile gegenüber dem AUDEZE aufgrund seiner helleren klanglichen Abstimmung, mit einer zudem sehr natürlich wirkenden Hochtonwiedergabe. Aber mangels eines dieser Leistungsklasse adäquaten Auflösungsvermögens, speziell von allerfeinsten Details, muss der ETHER2 den beiden folgenden Kandidaten wiederum den Vortritt lassen.

Beim neuen Album von Jean Michel Jarre „Equinoxe Infinity“ zeigt der MEZE EMPYREAN nachdrücklich, was er im Hochtonbereich zu leisten imstande ist.

Auch hochkomplexe klangliche Strukturen auf JMJ’s neuestem Werk werden vom EMPYREAN sehr feinsinnig aufgedröselt und gleichsam entspannt und frei jeglicher Schärfe reproduziert. Eine wirklich exzellente klangliche Inszenierung des Neuankömmlings.

Welche dann tatsächlich noch vom HE1000 SE getoppt wird. Der verbesserte Hochtonbereich der aktuellen HEK-Version orientiert sich nicht nur technisch am Topmodell von Dr. Fang Bian – Auflösungsvermögen und Detailarbeit des HIFIMAN HE1000 SE sind unbestreitbar Weltklasse. 

Beispiel gefällig? Die akustischen Klangbilder auf dem Album „Orlando“ von Andreas von Wangenheim stehen exemplarisch für die hohe akustische Qualität des HEK in dieser Disziplin. Der HE1000SE spielt hier auf allerhöchstem Niveau und ist von der versammelten Konkurrenz nicht zu schlagen.  

  1. Platz: HIFIMAN HE1000SE
  2. Platz: MEZE EMPYREAN
  3. Platz: MRSPEAKERS ETHER2
  4. Platz: AUDEZE LCD4Z

Runde 4 – Die Räumlichkeit

Und wieder einmal dienen mir die San Francisco Choral Artists mit der Aufnahme „Nativity Carol“ aus dem Album Reference Classics, als Maßstab zur Ermittlung der räumlichen Qualitäten meiner vier Kandidaten.

Der MEZE EMPYREAN wird mit zwei unterschiedlichen Ohrpolstersätzen ausgeliefert. Lange Zeit habe ich überlegt, welche der beiden Varianten mir dabei klanglich mehr zusagt. Und obgleich die Alcantara-Version einen geringfügig trockeneren Bassbereich forciert, entscheide ich mich dennoch für die lederbewehrten Ohrwärmer.

Denn aufgrund der schallweichen Innenflächen der recht hohen Alcantarapolster gehen vermutlich einfach zu viele Rauminformationen verloren, so dass der stimmgewaltige Chor wie separiert in einem scheinbar toten Schallraum musiziert, ohne das umgebende Kirchengewölbe entsprechend zu berücksichtigen. 

Mit den Lederpolstern hingegen nimmt nicht nur die Bühnenbreite geringfügig zu, auch die Hallfahnen des begleitenden Orgelspiels klingen wesentlich realistischer aus. Die Position des Chores ist dabei sehr genau im Raum definiert, einzelne Stimmen in der Gruppe können jederzeit differenziert zugeordnet werden. So muss das sein. 

Mit dem AUDEZE LCD4Z expandieren die Raumgrenzen des gewaltigen Kirchengebäudes zwar hörbar in Breite und Tiefe, auch mit vernehmbar mehr Luft zwischen den Akteuren, die Stimmen der Solisten sind aber etwas weniger präzise fokussiert und somit auch nicht ganz so exakt im Raum ortbar wie beim MEZE EMPYREAN. 

Aus diesem Grunde ergibt sich IMO eine Patt-Situation zwischen diesen beiden Kontrahenten und es obliegt letztlich dem individuellen Geschmack eines jeden Gralsritters, welche Richtung er präferiert. Ich für meinen Teil sehe den MEZE (mit Lederpolstern) aber leicht vorne. 

Der MRSPEAKERS ETHER2 nimmt das Staffelholz gerne auf und kombiniert authentische Klangräume mit einer punktgenauen Ortbarkeit. Bei der berühmten Live-Aufnahme „Take Five“ auf dem Album Time Out von Dave Brubeck aus dem Jahre 1959, werden Schlagzeug, Saxophon und Klavier nicht nur perfekt gegeneinander abgegrenzt, die zugehörigen Hallfahnen lassen sich auch mühelos nachverfolgen. 

Und wieder setzt der HIFIMAN HE1000SE der sehr guten Leistung des ETHER2 die Krone auf. Kein anderer Kopfhörer in diesem Vergleich ist auch nur annähernd in der Lage, das Dave Brubeck Quartett derart eindrucksvoll im räumlichen Kontext in Szene zu setzen. 

Diese vollkommen natürlich wirkende Reproduktion, welche selbst minimalste  Raumartefakte mit einschließt, läßt mich das eine oder andere Mal sprachlos zurück. So gewinnt der HE1000SE diese Wertung mit einigem Abstand.

  1. Platz: HIFIMAN HE1000SE
  2. Platz: MRSPEAKERS ETHER2
  3. Platz: MEZE EMPYREAN 
  4. Platz: AUDEZE LCD4Z

Runde 5 – Die Dynamik

Wer nur wenige Zeilen zuvor die technischen Daten hinsichtlich der Eingangsempfindlichkeit der Kontrahenten eingehend studiert hat, könnte bereits an dieser Stelle Rückschlüsse auf die Wertung in dieser Rubrik ziehen. 

Und obwohl am langen Ende die entsprechenden Angaben tatsächlich mit dem späteren Ergebnis korrelieren, sollte selbiges von meiner Seite aus vielleicht dennoch näher erläutert werden.

Die Empfindlichkeit der vier Kontrahenten reicht nach Angabe der Hersteller von 95 dB/mW bei MRSPEAKERS ETHER2 bis hin zu 100 dB/mW beim MEZE EMPYREAN. Ein Unterschied von 5 dB/mW mag zunächst gering erscheinen, stellt jedoch an den antreibenden Spielpartner völlig unterschiedliche Anforderungen hinsichtlich der benötigten Ausgangsleistung.  

Kleiner Exkurs: Um einen um 3 dB höheren Schallpegel zu erzielen, muss der entsprechende Verstärker rechnerisch die doppelte Leistung an seinen Ausgängen bereitstellen. Das Anheben der Lautstärke um nur 1 dB erfordert also bereits eine um 27% höhere-, eine Verdopplung des Pegels sogar 100% höhere Mehrleistung. 

Allerdings gilt zu berücksichtigen, dass ein um 3 dB angehobener Schallpegel nicht zwangsläufig zu einer Verdopplung des Lautstärkeeindrucks führt. Denn die Wahrnehmung des menschlichen Ohres ist nicht allein vom Schalldruck, sondern auch von der zugehörigen Frequenz abhängig. Erst eine Steigerung des Pegels um ca. 10 dB(A) führt demzufolge zu einer gefühlten Verdopplung der Lautstärke.

Warum ich diese technische Grundlage jetzt überhaupt anführe? Nun, um euch zu verdeutlichen, dass sich bereits ein Unterschied von 1 dB im Wirkungsgrad signifikant auswirken kann – insbesondere, wenn nur verhältnismäßig wenig Leistung zur Verfügung steht. 

Der MRSPEAKERS ETHER2 ist leistungstechnisch natürlich jederzeit in der Lage, mit dem QUESTYLE CMA TWELVE mühelos zusammenzuspielen und ebenso eine seiner Preisklasse angemessene Dynamik zu entfalten. 

Um aber gefühlt den gleichen Schallpegel zu erzielen wie der MEZE EMPYREAN, muss der Lautstärkeregler des QUESTYLE beim MRSPEAKERS ETHER2 beispielsweise auf die 12 Uhr Position gebracht werden, wo selbiger beim EMPYREAN noch auf der 10 Uhr Stellung verharrt.

Dies mag bei einem stationären Kopfhörerverstärker wie dem CMA TWELVE noch unproblematisch erscheinen, bei mobilen Gerätschaften zählt dagegen zweifellos jedes strom- und spannungsstabile Milliwatt. 

Infolgedessen schlägt sich die hohe Relevanz des modellspezifischen Wirkungsgrades natürlich auch in meiner Bewertung nieder. Denn um große Lautstärkeunterschiede in der Musik impulstreu und explosiv zu reproduzieren, benötigt der gemeine Magnetostat eben stets ausreichende Leistungsreserven – und zwar bei jedem gewünschten Hörpegel. 

Wo der MRSPEAKERS ETHER2 das Kapitel Dynamik also eher als lästiges Pflichtprogramm bewältigt, blühen der HIFIMAN HE1000SE und der AUDEZE LCD4Z in dieser Rubrik geradezu auf und strafen alle Kritiker Lügen, welche orthodynamischen Flächenstrahlern bislang die Eignung an leistungsschwächeren Spielpartnern abgesprochen haben.  

Der LCD4Z tritt noch eine winzige Spur engagierter auf als der dynamischste HEK aller Zeiten und sichert sich somit knapp den zweiten Platz vor dem HIFIMAN. 

Eindeutiger Sieger in der Sparte Dynamik wird aber schlußendlich der MEZE EMPYREAN. Mit welch unglaublicher Wucht der rumänische Schallwandler selbst tiefste Basssalven beim Album „Unbreakable“ von Janet Jackson in den Raum schleudert, ist fast schon beängstigend. 

  1. Platz: MEZE EMPYREAN
  2. Platz: AUDEZE LCD4Z
  3. Platz: HIFIMAN HE1000SE  
  4. Platz: MRSPEAKERS ETHER2

Runde 6 – Die Mobilität

Selbstverständlich habe ich mir im Vorfeld über den Sinngehalt dieser Rubrik einige Gedanken gemacht. Denn wer Bitteschön betreibt einen Kopfhörer dieser Preisklasse tatsächlich im mobilen Einsatz? Zumal es sich ausnahmslos um offene Vertreter ihrer Spezies handelt.

Auf der anderen Seite ist der Trend hin zu immer kompakteren Geräten unverkennbar. Und natürlich ist es auch in den heimischen vier Wänden unter Umständen praktisch, die komplette High-End Anlage ohne großen Aufwand von einem in den anderen Raum transportieren zu können. 

Abgesehen davon sollte man auch immer berücksichtigen, dass ein einzelnes Abspielgerät, welches alle denkbaren Funktionen wie NAS, Streamer, DAC und Kopfhörerverstärker in sich vereinigt, monetär einfacher erschwinglicher ist, als die entsprechenden Einzelkomponenten.

Oder anders ausgedrückt: Wer sich ein persönliches finanzielles Limit hinsichtlich der Anschaffungskosten seiner Traumkombination gesetzt hat, kann bei intelligenter Auswahl des schallwandelnden Spielpartners unter Umständen so viel Geld sparen – oder eben massiv in einen der hochwertigen Ohrlautsprecher investieren.

Aufgrund meiner Erkenntnisse in der Rubrik „Dynamik“ ergibt die Kombination mit dem ASTELL&KERN SE100 FUTURA erwartungsgemäß ein ähnliches Bild. 

Dessen ungeachtet ist der potente DAP zweifelsfrei befähigt, alle Mitglieder der fantastischen Vier problemlos anzutreiben, selbst im unsymmetrischen Betrieb. Leichte Abstriche müssen lediglich im Bezug auf die maximal erzielbare Lautstärke, sowie auf einen minimal verringerten Bassdruck gemacht werden. 

Ansonsten interagieren die einzelnen Kandidaten ganz hervorragend mit dem SE100 FUTURA. Und interessanterweise erweist sich die Paarung des A&K mit jedem der vier Top-Kopfhörer als passend.

Denn aufgrund der durch den ESS-Chipsatz bedingten, etwas heller timbrierten Abstimmung des koreanischen Players, spielen sowohl der MRSPEAKERS ETHER2, als auch der AUDEZE LCD4Z tonal ausgeglichener auf und wirken fast wie von einer dunklen Last befreit. Das hatte ich so nicht unbedingt erwartet.

Auch HIFIMAN HE1000SE und MEZE EMPYREAN kommt der kleine Koreaner gerade recht. Dem HE1000SE gelingt aufgrund des zurückgenommenen Bassvolumens die Anbindung an den Grundtonbereich etwas bruchloser, der MEZE EMPYREAN profitiert hingegen vom verringerten Bassdruck. Eine durchaus erstaunliche Entwicklung.  

Die beiden Letztgenannten ziehen meines Erachtens überdies den größten Nutzen aus der Kombination mit dem SE100 FUTURA. Die kleine Grundtonschwäche des HIFIMAN HE1000 SE wird mehr oder weniger kaschiert, die Midbassemphasis des MEZE nahezu egalisiert. 

Allerdings muss an dieser Stelle auch gesagt werden, dass ich, trotz der  nützlichen Korrekturen aufgrund überschaubarer Leistungsreserven, persönlich nach wie vor und jederzeit das Zusammenspiel mit dem größeren QUESTYLE-Kopfhörerverstärker favorisiere. 

Denn selbstverständlich skalieren die vier Bewerber um den Thron auch mit der Qualität der Leistungskette. Und Leistung ist bekanntlich durch nichts zu ersetzen – oder – gelegentlich vielleicht ja doch?

Meine Bewertung in Sachen DAP:

  1. Platz: MEZE EMPYREAN 
  2. Platz: HIFIMAN HE1000SE
  3. Platz: AUDEZE LCD4Z
  4. Platz: MRSPEAKERS ETHER2

Mein Fazit

Das Endergebnis aus den 6 klanglichen Einzelwertungen:

  1. Platz: HIFIMAN HE1000SE  
  2. Platz: MEZE EMPYREAN
  3. Platz: AUDEZE LCD4Z
  4. Platz: MRSPEAKERS ETHER2

Der Kampf der Magnetostaten ist beendet und der heutige Sieger nach Punkten steht fest. Ein wirklicher Niederschlag bleibt allerdings aus. Also kein finales Knock-Out für einen der Kontrahenten. Alle Kopfhörer in diesem Vergleich markieren die derzeitige Spitze in der Konstruktion orthodynamischer Flächenstrahler und haben somit natürlich ihre Daseinsberechtigung.

Und je nach individueller Gewichtung der einzelnen klanglichen Kapitel verschiebt sich für einige Gralsritter vielleicht sogar die eine oder andere Position bei den vier Kandidaten.

Nach rein musikalischen Gesichtspunkten führt am neuen HIFIMAN HE1000SE allerdings aus meiner Sicht kein Weg vorbei. Der aktuelle HEK übertrifft seine Vorgänger in fast allen Bereichen und kratzt sogar am Thron des großen Bruders. Und dies zu einem offiziellen Verkaufspreis von 3.799,- Euro. 

Die moderate Anhebung im Vergleich zum V2-Modell legitimiert er mit neuen und vor allem auch zielführenden technischen Modifikationen. Dazu wartet der HIFIMAN mit einem nahezu perfekten Wirkungsgrad auf und kann so erstmalig auch problemlos mit portablen Geräten kombiniert werden. Chapeau. Ein würdiger Champion. 

Das orthodynamische Erstlingswerk von MEZE AUDIO, der EMPYREAN, findet sich im ersten Aufschlag in dieser Spitzengruppe direkt ganz vorne wieder. Allein die leichte Midbassemphasis macht dem Newcomer einen Strich durch die Rechnung. Ansonsten hätte es womöglich für noch höhere Klangweihen gereicht. Weniger ausladende Ohrpolster, welche Bass und Raum relativ stark beeinflussen, würden IMO wahrscheinlich schon Wunder bewirken. 

Im mobilen Einsatz dagegen, speziell im symmetrischen Betrieb, ist der MEZE EMPYREAN meine persönliche neue Referenz. Der Preis von 2.999,- Euro ist hinsichtlich der klanglichen Leistung mehr als gerechtfertigt, die Verarbeitung des Kopfhörers dazu perfekt ausgeführt. Eine tolle Leistung. 

 Der AUDEZE LCD4Z steht nach Punkten mit leichtem Respektabstand ebenfalls auf dem Treppchen. Ob klanglich tatsächlich zurecht, darf hinsichtlich des sehr stolzen Preises von derzeit 5.000,- Euro zumindest kritisch betrachtet werden. Denn dem AUDEZE Kopfhörer merkt man zwischenzeitlich schon sein konstruktives Alter an. Und sein „Spiel im Schatten“ polarisiert.

Während die Chinesen so mit großen Schritten in Richtung Zukunft schreiten, üben sich die Amerikaner in schöpferischer Zurückhaltung bei ihrer LCD-Baureihe. Tradition kann natürlich grundsätzlich ein gangbarer Weg sein, was beispielsweise GRADO LABS mit den entsprechenden Produktserien zelebriert, führt allerdings die neuerliche, firmentechnische Marktausrichtung von AUDEZE ad absurdum. Eine frischere klangliche Ausrichtung würde dem AUDEZE LCD4Z ganz sicher sehr gut tun.

Und der MRSPEAKERS ETHER2 – erbt den undankbaren vierten Platz. Dabei hat Dan Clark bei der Neuinterpretation der ETHER-Baureihe rein gar nichts falsch gemacht. Der ETHER2 ist ein klanglich  hervorragender und zudem hochmusikalischer Kopfhörer geworden und leistet sich kaum eine Schwäche.

Mit einer weniger stark ausgeprägten akustischen Bedämpfung seiner Treiber wäre er sicher ein heißer Anwärter auf das Podium gewesen. Doch auch so schlägt er sich in diesem hochklassigen und -preislichen Umfeld ganz vorzüglich.

Aber wie immer ist das Bessere der größte Feind des Guten. So bleibt dem MRSPEAKERS ETHER2 noch die Auszeichnung für den besten Tragekomfort aufgrund seines rekordverdächtigen Eigengewichts, sowie ein ganz dickes Lob für die vergleichsweise moderate preisliche Gestaltung von 2.199,- Euro. Gewissermaßen der Preis-Leistungs-Sieger dieses Vergleichs.

Ich hoffe, ihr hattet beim „Kampf der Magnetostaten“ den gleichen Spass beim Lesen wie ich beim Schreiben. Und vielleicht treffen wir uns ja auf der Audiovista in Krefeld einmal persönlich. Dort habt ihr übrigens auch die Gelegenheit, den fantastischen Vieren selbst ausgiebig auf den Zahn zu fühlen.

Und euch gegebenenfalls euer eigenes Urteil zu bilden. 

Euer Fidelio



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COMMENTS2

  1. What about the most important one…STAX ?

    • Hello Sebastian,
      as soon as STAX makes it technically possible to use their headphones with mobile audio players, I will gladly take them into account next time. 😉
      No, seriously, that was the reason why the top models SUSVARA and ABYSS AB1266 PHI didn’t take part in this comparison.
      Best wishes
      Wolfgang


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