Hörcheck QUESTYLE QP Master

Der chinesische Hersteller QUESTYLE präsentiert den digitalen Audio Player QP MASTER. Und der neue TOTL-DAP soll nicht nur innerhalb der eigenen QP-Familie zukünftig eine klangliche Benchmark unter den mobilen Devices setzen.

Herzlichen Dank an dieser Stelle noch einmal an Markus Nagler vom deutschen Vertrieb NT-Global für die Bereitstellung dieses allerersten Vorseriengerätes für einen kurzen Hörcheck auf Musicalhead.

Wie schon vom QP2 R und QP1 R bekannt, verzichtet auch das neue Player-Flaggschiff der Chinesen auf jegliche Annehmlichkeiten wie WLAN, Streaming, Apps, etc. Denn QUESTYLE fühlt sich nach eigener Aussage ganz der reinen Lehre des Klanges verpflichtet – und hat eben genau diese Connectivity-Features als potentielle Störquellen ausgemacht. 

Wer dennoch seine musikalischen Favoriten beispielsweise von QOBUZ oder TIDAL streamen möchte, dem offeriert QUESTYLE aber zumindest die kabelgebundene Möglichkeit, den chinesischen Beau als veritablen DAC/KHV zu nutzen. Ansonsten gibt die Bedienung des HIGH-END Players erwartungsgemäß keine Rätsel auf – alles wie gehabt. 

Materialauswahl und Machart sind dabei über jeden Zweifel erhaben und schlichtweg perfekt. Besser kann man ein solches Gerät nicht verarbeiten. Kein Wunder – läßt QUESTYLE seine Produkte doch schon seit vielen Jahren bei FOXCONN produzieren. Apple läßt grüßen. 

Die eigentliche Evolution spielt sich auch eher im Inneren des QP MASTER ab. Obgleich der neue DAP überraschenderweise auf den gleichen Chipsatz AKM AK4490 wie schon der QP2 R setzt, wurde die doppelt symmetrisch ausgelegte Verstärkersektion über zwei CA630 Operationsverstärker beziehungsweise zwei CC630 Spannungswandler aufgewertet und weiter optimiert.   

Dadurch wurde nicht nur die Ausgangsleistung um ca. 50% im Vergleich zum QP2 R gesteigert, gleichzeitig konnte auch der Klirrfaktor um den Faktor 2,5 signifikant reduziert werden. 

Bei Betrachtung der von QUESTYLE angebenden Leistungswerte von 2 x 161 mW an 32 Ohm bei symmetrischem Betrieb über die neue 4,4 mm PentaConn Buchse bleiben Begeisterungsstürme meinerseits allerdings vorerst noch aus.

Denn angesichts der Tatsache, dass der ebenfalls derzeit im Test auf Musicalhead befindliche FiiO M11 bereits üppige 2 x 550 mW an 32 Ohm an seinen symmetrischen Ausgängen zur Verfügung stellen soll, mutet die Angabe von QUESTYLE doch eher etwas bescheiden an. 

Und warum werden in einem 499,- Euro Player zwei kanalgetrennte AK4493 DAC verwendet, während der QPM zu einem voraussichtlichen Verkaufspreis von 1.999,- Euro immer noch auf den älteren Single-Chipsatz des japanischen Spezialisten Asahi Kasei Microdevices vertraut?

Aus rein technischer Sicht ergeben sich somit eindeutige Vorteile zugunsten des FiiO DAP. Aber – Papier ist bekanntlich geduldig und die Wahrheit liegt immer auf dem Platz. 

Als ein mit entscheidender Faktor erweist sich, wie so oft schon, die kurzfristige Stromlieferfähigkeit eines Verstärkers. Denn die Leistung P ist halt auch im Jahre 2019 immer noch das Produkt aus der Spannung U und der Stromstärke I. 

Und bei dem systemimmanent limitierenden Faktor von 5 V Betriebsspannung bei den kleinen Zwergen, zeigt der QP MASTER über die patentierte Current Mode Amplifikation von QUESTYLE im folgenden Hörcheck, wo Bartel den Most holt. 

Eine musikalische Offenbarung im DAP Format

Damit wäre eigentlich alles schon gesagt. Aber natürlich möchte ich euch die kleinen Details dieses ersten klanglichen Statements nicht vorenthalten. 

Zunächst einmal ist es schon sehr erstaunlich, dass ein DAP mit dieser ausgewiesenen Ausgangsleistung überhaupt in der Lage ist, beispielsweise die ABYSS DIANA PHI oder den MRSPEAKERS ETHER2 adäquat anzutreiben. Ohrenbetäubende Pegel einmal ausgenommen. 

Dabei legt der QUESTYLE QP MASTER eine musikalische Souveränität an den Tag, die unter den Zwergendarstellern ihresgleichen sucht. Die Wiedergabe wirkt zu keinem Zeitpunkt angestrengt, sondern jederzeit transparent und offen, mit viel Luft zwischen einzelnen Akteuren. 

Das räumliche Abbildungsvermögen ist dabei frappierend, alle musikalischen Ereignisse werden präzise fokussiert und verweilen scheinbar unverrückbar stabil an ihrem virtuellen Ort. Insbesondere die Staffelung in die Tiefe ist für einen DAP überragend. 

Aber speziell auch die Art und Weise, wie der QPM Stimmen und Instrumente äußerst gefühlvoll intoniert und dabei selbst allerkleinste Differenzierungen bezüglich der Lautstärke zu vermitteln weiß, heben ihn klar aus der Masse der Mitbewerber heraus.

Dabei stellt sich wie von selbst ein wunderbarer musikalischer Fluß ein, denn das Timing des QUESTYLE ist phänomenal und höchstwahrscheinlich der ultraschnellen CMA geschuldet. Auch der schon etwas ergraute Wandlerchip wächst in Kombination mit den perfekt angepassten analogen Ausgangsstufen weit über sich hinaus und verhilft dem QUESTYLE QP MASTER zu einem superben Auflösungsvermögen auch allerkleinster Details. 

Ich bin neugierig, ob die bald in den Handel gelangenden Seriengeräte diesen ersten guten Eindruck bestätigen können. Der Gralsritter der feinen Töne, welcher seine Priorität vornehmlich auf die rein klanglichen Eigenschaften eines DAP legt, darf also ebenfalls gespannt sein. 

Schon bald im ausführlichen Vergleichstest auf Musicalhead.

Euer Fidelio



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