Questyle M12

Hörtest QUESTYLE M12

Du möchtest in die erlauchte Tafelrunde der Gralsritters der feinen Klänge eintreten, bist dir aber unschlüssig, wie und vor allem mit welchen Komponenten du deine musikalische Reise beginnen sollst? Darüber hinaus hast du dir ein festes Budget gesetzt, welches den 3-stelligen monetären Bereich möglichst nicht verlassen darf? 

Außerdem sollte die zukünftige DAC-Verstärker-Kopfhörer Kombination keinesfalls den mobilen Auftritt scheuen. Und zu guter Letzt müssten die neuen musikalischen Pretiosen auch am heimischen PC klaglos ihren akustischen Dienst verrichten. Selbstverständlich in perfekter Qualität. Na logisch. 

Diese oder ähnliche Beratungsanfragen erreichen mich fast täglich. Und bevor mich nun einige erfahrene Gralsritter freundlich darauf hinweisen, dass die klanglichen Ansprüche und der dazu erforderliche Kapitalbedarf eventuell nicht miteinander korrelieren könnten, sehe ich es als Herausforderung an, heute gegebenenfalls den Gegenbeweis anzutreten. 

Welcher materielle Aufwand ist tatsächlich von Nöten, um eine musikalisch anspruchsvolle Reproduktion der zumeist digitalen Datenkost zu gewährleisten? 

Zwergenaufstand

Um diese Fragestellung unter dem Einsatz minimalster finanzieller Mittel zu beantworten, teste ich heute für euch den brandneuen QUESTYLE M12, eine DAC/Verstärker-Kombination im winzigen Dongle-Format mit dem nahezu unglaublichen Preisschild von sage und schreibe 119,- Euronen.

Damit meine Mission in Sachen Kostenplan dabei nicht schon zu Beginn gefährdet wird, wähle ich als Datenquelle eine Gerätschaft, welche sich in den allermeisten Fällen bereits in Besitz des audiophilen Gralsanwärters befindet – das heilige Smartphone. 

Handelt es sich um eine Android-basierte Lösung, profitiert der Ritter außerdem von der standardisierten Micro-USB-C Buchse der entsprechenden Gerätschaft, welche über das im Zubehör des M12 befindliche Verbindungskabel direkt schlüssigen Kontakt zum QUESTYLE aufnehmen kann. 

Fans der Marke Apple benötigen zusätzlich noch den hauseigenen CCK (Camera Connection Kit) und nutzen im Anschluss die zweite beigelegte Strippe im M12 Paket. Oder erwerben gleich ein Apple-zertifiziertes Kabel mit dazu, beispielsweise von LOTOO, welches schon dem LOTOO PAW S1 in meiner Rezension auf Musicalhead zum digitalen Datentransfer diente. 

Die technischen Daten des QUESTYLE M12 könnt ihr meiner Produktvorstellung entnehmen. Welche bei näherer Betrachtung allerdings nicht unbedingt geeignet erscheinen, dynamische Glanzleistungen zu erwarten. 2 x 46 mW an 16 Ohm, beziehungsweise 2 x 27 mW an 32 Ohm gewinnen mir infolgedessen zunächst nur ein Lächeln ab. Das kann ja heiter werden.

Vorbereitung

Als musikalischen Spielpartner habe ich heute das HEMP HEADPHONE von GRADO auserkoren, welches aufgrund seines recht hohen Wirkungsgrades sowie der relativen Anspruchslosigkeit an die Verstärkerleistung eine ausgezeichnete Kompatibilität verspricht. Außerdem passt der GRADO mit 499,- Euro ganz prima in das preislich limitierte Beuteschema. 

Mein iPHONE 12 PRO liefert quasi als Standardlösung die digitalen Datenströme über das LOTOO Lightning-Kabel an den QUESTYLE M12, welcher seinerseits das HEMP HEADPHONE mit audiophil aufbereiteter Analogkost versorgt. Das Testmaterial ist wie immer bunt gemischt und setzt sich zusammen aus den mir bestens bekannten Beispielen der Genres Pop, Rock, Jazz, Blues und selbstverständlich Klassik.

Weitere Informationen zum neuen QUESTYLE M12 erhaltet ihr im Übrigen auch auf der Homepage des deutschen Vertriebes NT-Global unter: Hifi-Passion.de

Klangtest

Meine leichten Zweifel hinsichtlich eines vermeintlichen Leistungsmangels des QUESTYLE M12 werden bereits nach wenigen Spielminuten vollständig zerstreut und weichen ungläubigem Staunen. Wie zur Hölle ist solch eine dynamische Vorstellung bei dieser Größe überhaupt möglich?

Die Lösung liegt ganz offensichtlich in der patentierten Current-Mode Verstärkertechnologie von QUESTYLE begründet, was den M12 auch in der SIP-Version zu einer relativ hohen Stromaufnahme befähigt und dadurch recht beachtliche Dynamikspitzen ermöglicht.

Selbst vor einem 300 Ohm Ohrlautsprecher wie beispielsweise dem SENNHEISER HD800(S) kapituliert der kleine Dongle keineswegs und erlaubt überdies recht eindrucksvolle Abhörpegel, was sich über einen kurzen Quercheck problemlos verifizieren läßt.

Die Kombination mit dem GRADO HEMP HEADPHONE erweist sich zudem als musikalischer Glücksgriff. Der leichte und mobiltaugliche OnEar-Kopfhörer profitiert von der typisch erdigen und dennoch neutralen Spielart aller QUESTYLE Verstärker im Mitteltonbereich in besonderem Maße und betört den angehenden Gralsritter des guten Geschmacks infolgedessen mit wunderbaren Klangfarben.  

Der Bass des M12 ist darüber hinaus außerordentlich straff organisiert, reicht in Verbindung mit dem HEMP HEADPHONE zwar nicht unbedingt bis in die allertiefsten Oktaven hinab, bildet aber ein jederzeit überzeugendes Fundament mit mehr als ausreichenden dynamischen Reserven. Siehe oben.

Im Zusammenspiel mit dem amerikanischen Kopfhörer gelingt dem QUESTYLE bis hin zu ambitionierten Pegelstellungen dazu eine erstaunlich präzise Fokussierung von Stimmen und Instrumenten im Raum. Wobei sich die tatsächlich zu erzielende räumliche Expansion natürlich in überschaubarem Rahmen hält. Dies gelingt den allermeisten DAP auf diesem Planeten allerdings auch nicht viel besser.

Im Hochtonbereich agiert der QUESTYLE M12 ebenfalls äußerst souverän und verkneift sich darüber hinaus jegliche Sibilanz. Selbst sehr komplexe und feine Klanggeflechte werden sauber aufgelöst, wenngleich der kleine Dongle selbstverständlich nicht mit einem finalen Auflösungsvermögen aufwarten kann. 

Dennoch beweist das chinesische Komponentensystem im Bonsai-Format viel Feingespür für die subtilen Details in der Musik und wächst infolgedessen klanglich weit über seine physische Erscheinung hinaus. Der musikalische Fluß ist für dieses Konzept und Preissegment, speziell in Verbindung mit dem GRADO HEMP HEADPHONE, aus meiner Sicht gleichsam überragend. 

Im Übrigen lässt sich der QUESTYLE M12 auch direkt über einen PC oder iMAC als reiner USB-DAC betreiben. In dieser Betriebsart überzeugt der kleine Dongle überraschenderweise mit den geringfügig höheren dynamischen Reserven sowie einer etwas großzügigeren räumlichen Abbildung. Chapeau. 

Also viel Licht und keinerlei Schatten? Nun, der stromtechnische Lösungsansatz ist zwar ebenso beeindruckend wie zielführend, fördert aber gleichsam eine exzessive Nutzung der jeweiligen Stromquelle, insbesondere bei spassförderlichen Lautstärken.

Deshalb sollte der jeweilige Ladestand des entsprechenden Smartphones in jedem Fall nachdrücklich im Auge behalten werden, will man auch das übernächste Telefonat noch ungestört zu Ende führen können.

Mein Fazit

Der neue QUESTYLE M12 zeigt exemplarisch auf, dass die highfidele Wiedergabe von Musik auch ohne eine Investition in 4- oder gar 5-stellige Summen möglich ist.

Einen wirkungsgradstarken (!) und vor allem klanglich adäquaten Spielpartner vom Schlage eines GRADO HEMP HEADPHONE vorausgesetzt, muss diese höchst audiophile Kabelverlängerung auch weitaus kostspieligere mobile Lösungsansätze keineswegs fürchten.

Der chinesischen Manufaktur ist mit dem M12 aus meiner Sicht ein weiterer Meilenstein in der QUESTYLE-Verstärker-Historie gelungen, indem die Ingenieure ihre überzeugende Current-Mode Stromtechnologie nunmehr auf Chip-Format zusammenschrumpfen konnten.

Eine musikalische Perle für ganze 119,- Euronen. Welche selbstverständlich meine unbedingte Kaufempfehlung erhält. Und alle Gralsritteranwärter können bedenkenlos zuschlagen.

Euer Fidelio  

Meine Wertung

Klangqualität (60%) : 5 von 5 Ohren
Ausstattung (20%) : 3 von 5 Ohren
Verarbeitung (20%) : 5 von 5 Ohren

(*) Die Testberichte auf Musicalhead geben ausschließlich meine persönliche Meinung zum Produkt wieder. Es handelt sich hierbei um redaktionelle Beiträge, welche aber durchaus eine werbende Wirkung beim Leser erzielen könnten, ohne dass ich von einem Unternehmen damit beauftragt wurde.


RELATED POSTS


COMMENTS4

  1. Danke für Deinen Bericht 🙂
    Bin mal gespannt, wie sich der M12 im Vergleich zu den Dragonfly-“Platzhirschen” schlägt 😉
    Grüße, Klaus

    • Mich interessiert, wie sich der M12 zu den Dragflys schlägt, gibt es denn schon erste Erkenntnisse? Plane zur Zeit die Anschaffung, bin also super neugierig.
      Grüße
      André

      • Hallo zusammen,
        zum derzeitigen Kurs (119,- Euro) ist der M12 aus meiner Sicht ein absoluter No Brainer, denn von den Dragonfly’s würde ich nur den Cobalt als klanglich adäquat einsortieren. Man kann bei diesem Preis somit bedenkenlos zuschlagen… 😉
        Lieben Gruß
        Wolfgang

  2. Hallo Wolfgang,
    habe mir nach Deinem Bericht auch den M12 zugelegt und muss sagen, dass ich von der Permformance sehr überrascht bin – Tolles, kleines Ding.
    Allerdings macht es bei mir in Verbindung mit iPhone, diese “Netz”-Geräusche ab und zu, welche bei empfindlichen IEM’s z.T. sehr störend sind.
    Habe mir auch noch den A&K PEE51 zugelegt, welcher m.E. auch ein hervorragendes Bild abliefert für den Preis und sogar noch einen Ticken feiner spielt wie der M12, so mein Eindruck.
    Viele Grüße
    Stefan


LEAVE A COMMENT