SONOMA ACOUSTICS M1

Test SONOMA ACOUSTICS M1

Heute teste ich für euch das neue elektrostatische Kopfhörersystem M1 des britisch/amerikanischen Herstellers SONOMA ACOUSTICS. Eigentlich war diese Rezension schon längst überfällig, denn zwischenzeitlich stapeln sich schon einige weitere Testprobanden neben meinem Schreibtisch.

Aber ich konnte mich bislang nicht zu einem Testbericht des M1 durchringen. Und zwar nicht aus klanglichen Gründen, sondern vielmehr aus den Zeitlichen. Denn bereits die allererste Kontaktaufnahme mit dem Erstlingswerk von SONOMA ACOUSTICS auf der CANJAM 2017 in Berlin bestärkte mich in meiner Annahme, das dieses innovative M1 unter Umständen eine sehr ausführliche Rezension nach sich ziehen könnte.

Nach dem ersten Hörcheck in den heimischen vier Wänden vor nunmehr 6 Wochen wurde mir relativ schnell bewusst, dass dies mehr als nur eine wage Vorahnung war. Denn dieses phänomenal aufspielende Gespann aus DAC, DSP, Kopfhörerverstärker und natürlich dem Ohrlautsprecher hat eine intensivere Betrachtung sowohl aus technischer als auch in klanglicher Hinsicht mehr als verdient.

Ich möchte mich an dieser Stelle übrigens noch einmal ganz herzlich bei Carsten Hicking vom deutschen Vertrieb AudioNEXT für die schnellstmögliche Lieferung des allerersten SONOMA ACOUSTICS M1 in Deutschland bedanken.

Und alle alt gedienten Ritter des Klanges, welche sich auf der Suche nach ihrem persönlichen musikalischen Gral schon seit Jahren um eine endgültige Systemlösung bemühen, könnten heute schlussendlich fündig werden. Denn eines kann ich an dieser Stelle schon vorwegnehmen – das SONOMA ACOUSTICS M1 ist ein absolutes Highlight. Ein strahlend neuer Stern am Kopfhörerhimmel.

Aber alles der Reihe nach. Schon seit einigen Jahren trage ich mich mit dem Gedanken, mir einen Kopfhörer der Marke STAX zuzulegen. Gescheitert ist dies in der Anfangszeit dieses schönen Hobbys in allererster Linie an der Notwendigkeit, zeitgleich einen entsprechenden Hochvolt-Spielpartner in den Kaufpreis mit einkalkulieren zu müssen. So wurden von mir zumeist die entsprechenden Pendants aus der magnetostatischen Fraktion bevorzugt.

Denn bekanntlich haben ja auch andere Väter schöne Töchter. Und da auch diese Art der Flächenstrahler im Laufe der Zeit zu immer neuen klanglichen Höhenflügen ansetzten, verschob sich infolgedessen auch meine musikalische Erwartungshaltung gegenüber den Elektrostaten von STAX. Aus einem SR507 wurde gedanklich ein SRL700, aus selbigem ein SR007 MK2 und schließlich ein SR009.

Wobei mich in den ziemlich regelmäßigen jährlichen Hörchecks keiner der genannten Kopfhörer an der hauseigenen Elektronik wirklich vollständig überzeugen konnte. Schon gar nicht in Bezug auf die leicht ambitionierten Preisschilder des Herstellers. Denn selbst an einem SRM007 spielt beispielsweise der SR009 IMO weit unter seinen klanglichen Möglichkeiten.

Erst an dem neuen Hybridverstärker STAX SRMT8000, welcher speziell für den Betrieb mit dem Spitzenmodell der Japaner entwickelt wurde, entfaltet der SR009 sein volles Potential. Allerdings wird infolgedessen ein Systempreis von schon gewaltigen 11.500,- Euro fällig. Und hierbei ist die zumeist zwingend notwendige Anschaffung eines adäquaten Digital-Analog-Wandlers noch gar nicht einmal berücksichtigt.

Gleichsam verhält es sich bei der Paarung von STAX Kopfhörern mit HIGH-END Verstärkern renommierter externer Manufakturen. Eine Traumkombination ist beispielsweise das kongeniale Spiel eines HEADAMP BLUE HAWAII SE in Verbindung mit dem STAX SR009. Für läppische 13.500,- Euronen wird dieser musikalische Traum wahr.

Warum ich das alles überhaupt erwähne? Nun, weil das neue M1 von SONOMA ACOUSTICS jetzt erstmalig in die klangliche Phalanx der elektrostatischen Spitzensysteme von STAX einbricht – zu einem vergleichsweise günstigeren Kurs. Und sich darüber hinaus die Suche nach einem entsprechend geeigneten Spielpartner ebenso erübrigt. Zumal beide Komponenten des M1 in perfekter Synergie kooperieren und infolgedessen auch das bestmögliche klangliche Ergebnis erzielen. Aber dazu später natürlich mehr.

Verpackung & Ausstattung

Geliefert wird das SONOMA ACOUSTICS M1 grundsätzlich in zwei getrennten Verpackungseinheiten. Kopfhörer sowie Kopfhörerverstärker präsentieren sich dabei in sehr hochwertigen hellblauen Kartonagen, welche innen großzügig mit schwarzem Schaumstoff ausgeschlagen sind und den beiden Komponenten somit einen optimalen Schutz bieten.

Die Kopfhörereinheit beherbergt zudem das abnehmbare schwarze Anschlusskabel in 2 Meter Länge, welches vom Hersteller STRAIGHT WIRE speziell für den Einsatz am M1 entwickelt wurde. Dem Verstärkermodul werden neben einem erstklassigen externen Ultra-Low-Noise-Netzteil gleichsam ein adäquat gefertigtes USB Kabel, ebenfalls von STRAIGHT WIRE, beigepackt. Eine Bedienungsanleitung komplettiert in beiden Fällen die exquisite Ausstattung.

Vielleicht noch eine amüsante Anekdote am Rande. Das ursprüngliche Verpackungsdesign des Kopfhörers beinhaltete eine kleine Schublade im unteren Teil der Kartonage, welche das oben genannte Kabel sowie die entsprechende Anleitung enthielt. Wirklich sehr schön gemacht.

Speziell in den USA beschwerten sich aber fortan Käufer des M1 vermehrt über ein fehlendes Anschlusskabel für ihren Kopfhörer – weil sie das Fach in der Verpackung schlichtweg nicht fanden. Der Hersteller hat diesem Umstand inzwischen Sorge getragen und platziert in weiser Rücksichtnahme auf die entsprechenden Kunden das Kabel nun gut sichtbar direkt unter dem Kopfhörer. Die Schublade ist also bereits schon Geschichte.

Verarbeitung & Tragekomfort

Insbesondere bezüglich der Materialauswahl operiert SONOMA ACOUSTICS schon sehr nahe an der absoluten Perfektion. Aber das M1 ist obendrein auch noch mustergültig verarbeitet.

Treibergehäuse und die äußeren Schutzgitter des Kopfhörers werden aus silbergrau eingefärbtem Magnesium gefertigt und über einen fein einstellbaren Kopfbügel aus flexiblen Nylon12 konstruktiv miteinander verbunden. Das stabilisierende und innenliegende Stahlband ist zusätzlich titanbeschichtet, um die Gleitreibung zu minimieren.

Der Bügel ist zur Kopfseite wiederum mit einem auswechselbaren und weichen Band aus feinstem Schafsleder bezogen. Die handgefertigten Ohrpolster, welche ebenfalls sehr einfach auszutauschen sind, bestehen aus der gleichen anschmiegsamen Tierhaut. Der konsequente Leichtbau führt zu einem sensationell niedrigen Gewicht von nur 300 Gramm für lange und unbeschwerte Hörabende. Zumal der ursprüngliche Anpressdruck nach anfänglicher Kritik unserer amerikanischen Freunde zwischenzeitlich spürbar verringert wurde.

Die Verstärkereinheit stellt gewichtstechnisch quasi den Konterpart zum Kopfhörer dar. Denn das Gehäuse des M1 Energizers wird aus hochreinem und massivem Aluminium 6063 gefertigt.

Dazu wird das Material zunächst extrudiert und im Anschluss CNC-bearbeitet, um eine flache U-Form zu erzeugen, welche die Basis und die Seitenwände des Verstärkers umfasst. Eine oben liegende Platte ergänzt das dadurch vollständige Gehäuse. Mittels einer CNC-Maschine wird ein spezielles 3D-Wellenmuster sowohl in die Basis als auch in die obere Platte geschnitten, um speziell die Wärmeableitung zu erleichtern.

Um das gewünschte silbergraue Finish im Metall zu erzielen, werden die bearbeiteten Teile unter hohem Druck mit feinen Glasperlen bestrahlt, bevor sie klar anodisiert werden. Schlussendlich werden alle Logos und Bezeichnungen in das Metall eingelasert, um ein Verblassen zu verhindern.

Allein schon die edle Materialauswahl sowie die Verarbeitungsgüte des M1 würden den aufgerufenen Preis des M1 mehr als rechtfertigen. Aber selbstverständlich nur, wenn auch die klanglichen Qualitäten stimmen.

Technik

Und um dieses primäre Ziel letztendlich auch zu erreichen, hat SONOMA ACOUSTICS einen schier unglaublichen technischen Aufwand betrieben.

Der Treiber des Kopfhörers des M1 basiert dabei auf einem völlig neuartigen, von Warwick Audio Technologies LTD entwickelten hochpräzisen elektrostatischen Schichtwandler HPEL (High Precision Electrostatic Laminate Transducer). Dieses patentierte System besteht aus 8 Zellen pro Seite, welche parallel betrieben werden und die erzeugten Schallwellen, ohne dass diese ein typisches Statoren-Gitter passieren müssen, direkt an das Ohr weiterleiten.

Diese unmittelbare Wiedergabe unterbindet prinzipiell sehr wirkungsvoll Interferenzen. Durch die parallele Ansteuerung der einzelnen Zellen werden durch die unterschiedlichen Resonanzfrequenzen überdies die oft üblichen hohen Peaks von Single-Treibern vermieden.

Das sehr leichte und lediglich 15 µm dünne Membranmaterial des Kopfhörers sorgt nicht nur für einen erweiterten linearen Frequenzgang bis 60 kHz, es bietet nach Angabe des Herstellers zudem eine bislang unerreichte Leistung bei der Reproduktion von Transienten. Der M1 überzeugt weiterhin mit einer sehr hohen Serienkonstanz und Kanalgleichheit der paarweise selektierten Schallwandler (< ±0,8 dB Differenz).

Die Energizer & DAC Einheit des SONOMA ACOUSTICS M1 wurde zeitgleich und gemeinsam mit dem Kopfhörer entwickelt. Es kommt ein diskret aufgebauter Hochspannungverstärker (1.350 V DC-Bias) mit sehr geringer Verzerrung und großer Bandbreite zum Einsatz, welcher dazu optimal auf die HPEL Transducer abgestimmt wurde.

Der MOS-FET Verstärker wurde dabei so konzipiert, dass er die inhärente kapazitive Last der elektrostatischen Wandler kompensiert. Die Class-A Endstufe wird außerdem mit einem hohen Vorspannungspegel zugunsten einer exzellenten Anstiegsgeschwindigkeit (145 V RMS) betrieben.

Alle Signale werden digital, mit einer benutzerdefinierten 64-Bit-Festpunktarithmetik und doppelter Präzision sowie hoher Performance in einem Custom Multicore-XMOS-Prozessor verarbeitet. Über die analogen Eingänge eingeschleifte Signale werden mithilfe eines AKM 32-bit AD-Wandlers auf die digitale Ebene tranferiert. Das integrierte DSP optimiert zudem Amplituden- und Phasenverhalten und berücksichtigt auch die besondere Kennlinie der HPEL-Schallwandler.

Zur finalen Digtal-Analog Wandlung werden zwei ESS SABRE Reference Stereo-DAC-Chips in einem speziellen Monomodus verwendet. Ein CRYSTEK Ultra-Low-Noise Oscillator sorgt dabei jederzeit für eine ultrapräzise Taktung.

Oh, immer noch nicht genügend Infos zum M1? Interessierte Leser erhalten weitere technische Details zum neuen SONOMA ACOUSTICS natürlich auch auf der Homepage des Herstellers unter: https://www.sonomaacoustics.com

Vorbereitung

Die interne Vorbereitung zu diesem Testbericht gestaltet sich ausnahmsweise einmal sehr einfach für mich.

Nach einer längeren Einspielzeit von ca. 150 Stunden (!) verbinde ich das SONOMA ACOUSTICS M1 über das mitgelieferte USB-Kabel mit meinem AURALIC ARIES MINI + Ultra-Low-Noise Netzteil, welcher das M1 über seine implementierte SSD-Festplatte mit unkomprimierter musikalischer Kost versorgt.

Um aber desgleichen die Qualität des internen DAC des M1 besser beurteilen zu können, verwende ich im weiteren Verlauf meiner Rezension zusätzlich meinen METRUM ACOUSTICS AMETHYST, welcher über eine absolut erstklassige NOS-DAC-Sektion verfügt. Denn natürlich interessieren mich neben dem direkten Vergleich der beiden DAC auch die tatsächlichen Fähigkeiten des Analog-Digital-Wandlers von AKM, welcher die sensiblen Datenströme im Anschluss an das DSP des M1 weiterreicht.

Der AMETHYST kann im Übrigen problemlos über die entsprechend analogen Chinch-Buchsen mit dem M1 Energizer verbunden werden. Wahlweise steht noch ein 3,5 mm Klinkeneingang mit einer schaltbaren Eingangsempfindlichkeit zur Verfügung. Als Musikmaterial dienen mir des Weiteren wieder einmal die üblichen Verdächtigen aus Klassik, Jazz, Pop und Rock.

Klangtest

Bereits beim ersten Stück des Violinkonzertes von Samuel Barber Opus 14; 1. Allegro des Saint Paul Chamber Orchesters unter der Leitung von Hugh Wolff sowie von Hillary Hahn perfekt in Szene gesetzt, umgibt mich wieder dieses unbeschreiblich grazile Klanggeflecht, welches das SONOMA ACOUSTICS M1 augenblicklich als typischen Vertreter der elektrostatischen Fraktion identifiziert.

So lausche ich zunächst einmal dem virtuosen Spiel der Künstlerin, versinke nach und nach vollständig in der Musik und – werde erst durch das Ausklingen der allerletzten Töne im 3. Presto in Moto Perpetuo daran erinnert, dass ich doch eigentlich einen Testbericht verfassen wollte.

Denn das M1 ist tonal derart perfekt ausbalanciert, dass einzelne klangliche Kriterien völlig in den Hintergrund treten. Das Erstlingswerk von SONOMA ACOUSTICS ist gleichsam der am neutralsten aufspielende Kopfhörer, welcher mir bislang auf die Ohren gekommen ist. Und das sind ja nun nicht unbedingt Wenige.

Dazu beeindruckt das elektrostatische System mit einer unglaublich authentischen Wiedergabe meiner musikalischen Schätzchen. Stimmen und Instrumente werden äußerst plastisch und realistisch mit zudem völlig natürlich wirkenden Klangfarben reproduziert. Verbunden mit einer tatsächlich perfekten Wiedergabe der Transienten.

Härten im Klangbild sind dem M1 somit vollkommen fremd. Und wieder einmal fasziniert mich bei der Wiedergabe der Musik diese unglaublich ausgeprägte Randschärfe der Elektrostaten und ihre systemimmanente Fähigkeit zur feinsinnigen Akzentuierung, ohne diese auffällig oder gar ungebührlich in Szene zu setzen. Dabei werden auch die kleinsten Intonationen zu Gehör gebracht. Das M1 spielt diesbezüglich zweifellos auf allerhöchstem elektrostatischen Niveau und erinnert mich zeitweilig sogar an den HE1 von SENNHEISER.

Denn im Gegensatz zu den Spitzensystemen des Herstellers STAX verfügt das M1 zum Einen über den wesentlich ausgeprägteren Bassbereich mit einem für diese Bauart erstaunlichen Tiefgang. Zum Anderen agiert das SONOMA ACOUSTICS auch im Grundton sehr viel erdiger als beispielsweise ein STAX SR009 und verleiht dem musikalischen Geschehen dadurch bedingt insgesamt mehr Substanz und Korpus.

Der Mitteltonbereich wird gleichsam filigran durchgezeichnet und somit sehr transparent wiedergegeben, die Separation von einzelnen Stimmen und Instrumenten ist dabei ganz ausgezeichnet. Das gilt natürlich ebenso für das vorzügliche Auflösungsvermögen im Hochtonbereich, wobei selbiges im direkten Kontrast zu den Modellen von STAX aber nicht unbedingt zelebriert wird. Auch hier operiert das M1 wiederum leicht organischer und spielt näher an den Elektrostaten der Marke SENNHEISER.

Eine weitere große Stärke des SONOMA ACOUSTICS M1 ist die Fähigkeit zu einer absolut glaubhaften räumlichen Abbildung. Die musikalischen Ereignisse werden ferner mit einer ausgesprochenen Ortungsschärfe und in einwandfreien Umfängen bezüglich der tatsächlichen Größe wiedergegeben. Nachhallfahnen klingen außerdem zeitrichtig aus und vermitteln dadurch einen hervorragenden Eindruck von realistischer Breite und Tiefe im Raum.

Dazu punktet das M1 mit einer jederzeit superben Feindynamik sowie einem nahezu perfekten Timing. Auch geringfügige Schattierungen werden bei der musikalischen Wiedergabe akribisch beleuchtet und entsprechend intoniert. Einfach nur wunderbar.

Somit könnte man dieser makellosen Reproduktion von Musik ohne jegliche Ermüdungserscheinungen einfach nur stundenlang lauschen. Meine Frau musste mich in den ersten Hörwochen zu später Stunde zeitweilig aus meinem Hörsessel quasi „herausschneiden“.

Aber selbstverständlich ist auch das SONOMA ACOUSTICS M1 nicht ganz perfekt. Dies betrifft in allererster Linie eine Limitierung bezüglich des erzielbaren Maximalpegels. Bei sehr leise ausgesteuerten Aufnahmen stößt das elektrostatische System an seine Grenzen, wenn extrem hohe Abhörlautstärken präferiert werden.

Während meiner Rezension fällt dieses Manko allerdings zu keiner Zeit ins Gewicht, da ich zu moderaten und damit langzeittauglichen Pegeln tendiere. Die bevorzugte Einstellung des Volume-Reglers verharrt bei mir gewöhnlich zumeist in der 12.00 Uhr Stellung, nur sehr wenige Male muss ich Selbigen im Verlauf dieses Testberichtes tatsächlich in eine 15.00 Position bewegen.

Des Weiteren kann das M1 ultratiefe Bassimpulse, allerdings wiederum bei sehr hoher Lautstärke, nicht immer adäquat verarbeiten. Beim Orgelstück Präludium und Fuge in D BWV532 von Johann Sebastian Bach des Labels Reference Recordings beispielsweise verzerrt der Kopfhörer in besonders energiereichen, getragenen Basspassagen.

Allerdings zeigen sich elektrostatische Systeme anderer Hersteller in solchen klanglichen Extremsituationen oftmals auch nicht immer pegelfest. Welche natürlich auch eher die Ausnahme als die Regel darstellen. Bassfetischisten mit dem Hang zum pegeltechnischen Masochismus würde ich demzufolge raten, doch lieber zu einem anderen Kopfhörer-System zu greifen.

Die digitale Übernahme des musikalischen Datenmaterials durch die NOS (Not-Over-Sampling)-Sektion meines METRUM ACOUSTICS AMETHYST fördert im Übrigen keine großartig neuen Erkenntnisse zu Tage. Zwar wirkt die Wiedergabe über den Wandler der kleinen niederländischen Manufaktur vielleicht minimal kohärenter, leicht fokussierter und im besten Sinne auch analoger als über die 32-bit Referenzchips von ESS SABRE, dies obliegt aber IMO mehr schon dem persönlichen Geschmack des Zuhörers als einem tatsächlich objektiv feststellbaren Qualitätsunterschied.

Was im Endeffekt aber dennoch für die Wertigkeit des von SONOMA ACOUSTICS verwendeten Analog-Digital-Wandlers von AKM spricht. Dem Einsatz von externen und sehr hochwertigen digitalen oder analogen Quellen (Plattenspieler) steht meines Erachtens somit auch nichts im Wege.

Zur besseren Übersicht nachfolgend die einzelnen klanglichen Aspekte noch einmal im Kurzcheck.

BASS:

Für ein elektrostatisches System ungewöhnlich gute Tiefbassfähigkeiten. Druckvoller Midbassbereich mit glaubhaftem Volumen bei sehr guter Kontur. Zeitgenau präzise und somit einwandfreie Impulsantwort im Oberbass. Dabei jederzeit sehr dynamisch, aber nicht unbedingt explosiv.

GRUNDTON:

Der erdige Grundtonbereich verleiht Stimmen und Instrumenten einen hohen Körperreichtum sowie grundsätzlich ein angenehmes Timbre. Ohne dabei aber jemals den Pfad einer nahezu perfekten Neutralität zu verlassen.

MITTELTON:

Das M1 fokussiert alle Stärken der Elektrostaten und agiert extrem plastisch und gleichsam transparent mit wunderbar natürlichen Klangfarben. Feinsinnige Akzentuierung mit ausgeprägter Randschärfe. Ausgezeichnete Transientenwiedergabe. Keinerlei Peaks. Weltklasse.

HOCHTON:

Organische Anbindung an den Mitteltonbereich. Superbes Auflösungsvermögen ohne jegliche Schärfen im Klangbild. Neigt nie zur Analytik. Völlig stressfreie Wiedergabe von Sibilanten. Dennoch filigranste Detailarbeit. Top.

RÄUMLICHKEIT:

Herausragend kohärente räumliche Abbildung von musikalischen Ereignissen. Überragende Ortbarkeit und großartige Breiten- und Tiefenstaffelung. Authentisch wirkende Nachhallfahnen. Einfach klasse.

DYNAMIK:

Exorbitante Feindynamik mit fantastischer Intonation von musikimmanenten Schattierungen. Grobdynamik bis hin zu sehr hohen Abhörlautstärken auf einem ausgezeichneten Niveau. Darüber hinaus allerdings leicht eingeschränkte Pegelfestigkeit.

Mein Fazit

Der kleinen britisch/amerikanischen Manufaktur ist mit ihrem elektrostatischen Erstlingswerk auf Anhieb ein veritabler Volltreffer gelungen. Einem kometenhaften Einschlag gleich. Das SONOMA ACOUSTICS M1 überzeugt durch seine erstklassige Verarbeitung, hochwertigste Materialien und insbesondere natürlich durch ein tonal hervorragend ausbalanciertes und feinsinnig authentisches und neutrales Klangbild.

Minimalste Schwächen, wie die Limitierung bezüglich der maximalen Abhörlautstärke werden IMO nur bei schon gehörschädigenden Schallpegeln tatsächlich relevant. Der wahre Genießer, welcher hingegen ausgiebige und vor allem völlig stressfreie Hörabende um die 85 db(A) bevorzugt, findet im M1 aber ganz sicher die Erfüllung seiner klanglichen Träume.

Und angesichts der Tatsache, dass der geneigte Interessent mit dem SONOMA ACOUSTICS zu einem Kaufpreis von 5.695,- Euro ein optimal aufeinander abgestimmtes und audiophiles HIGH-END Gesamtpaket erwirbt, kann dem M1 aufgrund seiner überragenden akustischen und materialtechnischen Qualitäten durchaus ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis attestiert werden.

Denn das in jeder Beziehung vorzügliche elektrostatische System spielt ab sofort ganz weit vorne in der absoluten Weltspitze mit. Das SONOMA ACOUSTICS M1 erhält somit selbstverständlich meine uneingeschränkte Empfehlung. Probehören ist für alle Ritter des feinen Klanges praktisch Pflicht.

Euer Fidelio



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COMMENTS2

  1. Hallo Fidelio
    Vielen Dank für den tollen Testbericht!!
    Meine Frage: Kann man den Sonoma KH auch an einem Audiovalve Luminare betreiben? Wenn ja, wie ist dein klangliches Urteil, verglichen mit dem
    Original-KHV?
    Kann man den Sonoma auch ohne das Verstärkermodul erwerben?
    Bin gespannt auf deine Antwort. Danke im Voraus!
    Gruss, Reinhard

    • Hallo Reinhard,
      der Kopfhörer kann grundsätzlich nur mit dem eigenen Hochspannungsverstärker betrieben werden, da selbiger mit einer Bias-Spannung von 1.350 V (STAX 580 V) operiert und zudem auch Frequenzgang-optimiert auf die HPEL Transducer abgestimmt wurde. Der Kopfhörer ist demzufolge auch nicht separat erhältlich.
      Lieben Gruß
      Wolfgang


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