IBASSO SR2

Test iBASSO SR2

Auf der immer währenden Suche nach audiophilen Kleinoden wecken insbesondere Kopfhörer im Preissegment um 500 Euronen in der Regel mein unmittelbares Interesse. 

Denn nicht selten erhalte ich Anfragen von Interessenten auf Musicalhead, welche sich erstmalig mit der Anschaffung eines highendigen Ohrlautsprechers befassen und mich infolgedessen um entsprechenden Rat bitten. 

Das Objekt der Begierde sollte dabei selbstverständlich über eine ansprechende Verarbeitung verfügen, unabhängig vom musikalischen Genre eine perfekt ausbalancierte Spielart beherrschen und über tunlichst weiche Sibilanten optimale Langzeittauglichkeit hinsichtlich eines entspannten Musikgenusses garantieren.

Die Möglichkeit, den Kopfhörer mittels eines simplen Smartphones zu dynamischen Höchstleistungen zu treiben steht dabei oft ebenso auf der Checkliste des angehenden Gralsritters des Klanges, wie die räumlich perfekte Wiedergabe auch allerkleinster Details. 

Und diese eierlegende akustische Wollmilchsau sollte natürlich möglichst zu einem Preis von maximal 500 Euro käuflich zu erwerben sein. Nun, das nenne ich doch mal eine Ansage.  

Mit dem brandneuen Kopfhörer SR2 präsentiert der kleine chinesische Hersteller IBASSO allerdings aktuell einen dynamisch agierenden Kandidaten in exakt diesem Preissegment, welcher dem oben genannten Anforderungsprofil durchaus genügen könnte. 

Der designierte Nachfolger des vormalig limitierten IBASSO SR1 zeichnet sich neben den bereits bekannten technischen Attributen des SR1 durch eine neue Designsprache aus und verspricht über wertig anmutende Materialien eine ebensolche haptische Qualität.

Mit dem offiziellen Angebot in Höhe von 569,- Euro bleibt der IBASSO SR2 überdies knapp im gesetzten preislichen Rahmen und empfiehlt sich demzufolge explizit für eine ausführliche Rezension auf Musicalhead. 

Ich möchte mich an dieser Stelle außerdem beim deutschen Importeur NT-Global, speziell bei Markus Nagler, für die wie immer unbürokratische Bereitstellung meines heutigen Testexemplars ganz herzlich bedanken.

Verpackung & Ausstattung

Der IBASSO SR2 wird in einer dreifarbig silbernen Kartonage ausgeliefert, welche auf der Vorderseite mit der entsprechenden Produktbezeichnung und rückseitig mit einem detaillierten Datenblatt des Ohrlautsprechers nebst zugehörigen Spezifikationen versehen ist. 

Der Kopfhörer selbst wird in einer schwarzen Hartschalenbox aufbewahrt, welche den SR2 vor allen Eventualitäten sicher schützen sollte. Ein zweiter Ohrpolstersatz mit einer geringfügig gröberen Perforierung fehlt im Übrigen ebenso wenig in diesem Paket, wie eine englischsprachige Bedienungsanleitung und die obligatorische Garantiekarte. 

Das abnehmbare und sehr hochwertig wirkende 1.80 lange Anschlusskabel aus einer kombinierten Kupfer/Silber Legierung verfügt auf der Seite des Spielpartners über einen 3.5 mm Klinkenstecker, welcher mittels eines beigelegten und schraubbaren Adapters problemlos auf 6.3 mm erweiterbar ist. 

Der Kontakt zu den Treibergehäusen des SR2 wird im Vergleich zum direkten Vorgänger (MMCX Verbindungen) jetzt über zwei 3.5 mm Klinkenstecker gewährleistet – eine sicherlich kontaktstabilere Lösung. 

Verarbeitung & Tragekomfort

Der IBASSO SR2 ist wie schon der SR1 hervorragend verarbeitet. Der neue Ohrlautsprecher der chinesischen Manufaktur verwöhnt das Auge dazu mit einer Materialauswahl, welche in dieser Preisklasse nicht unbedingt als selbstverständlich gilt.

Treibergehäuse und Gabeln werden vollständig aus Aluminium gefertigt, ebenso wie die drehbaren Verbindungselemente zur flexiblen Bügelkonstruktion aus Federstahl. Für das gepolsterte Kopfband wird Rindleder verwendet, die beiden Ohrpolstersätze bestehen aus einem weichen und hautsympathischen Proteinleder, welches ein sehr angenehmes Kontaktgefühl vermittelt.

Der halboffen ausgelegte Kopfhörer verfügt darüber hinaus über zwei schwarz lackierte, runde Außengittter aus fein gelochtem Stahlblech, welche meines Erachtens einen sehr guten Kontrast zu den silberfarbenen Behausungen der dynamischen Konustreiber bieten. 

Der Tragekomfort des SR2 ist überdies ganz ausgezeichnet. Nicht nur der Anpressdruck der Ohrmuscheln wurde moderat gewählt, auch das relativ breite Kopfband läßt sich aufgrund eines recht großzügig bemessenen Einstellbereiches problemlos an jedwede Kopfgröße anpassen. Die final gewählte Einstellung läßt sich dazu über 2 kleine Imbusschrauben pro Seite zusätzlich fest fixieren. 

Und weil der IBASSO auch meinen Ohren jederzeit genügend Raum zur Entfaltung bietet, tritt der SR2 bereits nach wenigen Minuten der Musikwiedergabe gefühlt völlig in den Hintergrund und ermöglicht so ein für viele Stunden ungetrübtes Hörvergnügen. 

Dazu trägt sicherlich auch das relativ geringe Gewicht von 395 g bei, zumal das ergonomisch geformte Lederband den Druck auch sehr gleichmäßig auf dem Kopf verteilt.  

Technik

Der IBASSO SR2 verfügt über massearme Konustreiber aus hochfester Bio-Zellulose, welchen über eine elastische Silikonaufhängung nach Aussage des Herstellers relativ große Membranauslenkungen mit einem linearen Einschwingverhalten ermöglicht werden sollen. 

Über die hohe magnetische Flußdichte einer Tesla-Magnetstruktur werden speziell die feindynamischen Qualitäten des Kopfhörers optimiert. Durch eine gezielte Bedämpfung der Treibermembranen werden laut IBASSO resonanzbedingte Verzerrungen zudem auf ein absolutes Minimum reduziert und dadurch ein naturgetreues Hörerlebnis ermöglicht. 

Mit einer unkritischen Impedanz von lediglich 24 Ohm und dem ausgezeichneten Wirkungsgrad von 108 dB/mW sollte der SR2 außerdem einfach zu betreiben sein und infolgedessen auch mit mobilen Zuspielern bestens harmonieren. Was natürlich noch zu beweisen wäre.

Vorbereitung

Aus diesem Grunde wähle ich als Vertreter der mobilen Fraktion den neuen ASTELL&KERN SA700, welcher zwar mit nur durchschnittlicher Antriebsleistung aufwartet, klanglich jedoch bei den ganz Großen mitzuspielen vermag. Über den MYTEK BROOKLYN DAC+ werde ich außerdem hörtechnisch ermitteln, inwiefern der IBASSO SR2 in der Lage ist, mit dem entsprechenden Frontend zu skalieren.

Angesteuert wird der MYTEK über meinen mit AUDIRVANA+ Software optimierten APPLE iMAC, als adäquate USB-Verbindung fungiert dabei ein CHORD EPIC Kabelsatz. Zu ihrem musikalischen Einsatz kommen wieder einmal die üblichen Verdächtigen aus Pop, Rock, Jazz und Klassik, selbstverständlich in gewohnter HighRes-Auflösung.

Der IBASSO SR2 sollte vor der ersten akustischen Inohrenscheinnahme allerdings zunächst sorgfältig eingespielt werden. Mindestens 24 Stunden muss man dem chinesischen Ohrlautsprecher aus meiner Sicht zugestehen, damit er sein volles klangliches Potential entfalten kann.  

Weitere Informationen zum IBASSO SR2 erhaltet ihr natürlich auch auf der Homepage des deutschen Importeurs NT-Global unter: iBasso-SR2

Klangtest    

Insbesondere in Kombination mit dem MYTEK BROOKLYN DAC+ zeigt der neue IBASSO SR2 eindrucksvoll auf, dass es keiner innovativen Technologien bedarf, um auch in der 500 Euro Preisklasse musikalisch vollumfänglich zu überzeugen. Denn dieser Kopfhörer macht bereits von Beginn an einfach alles goldrichtig.   

Dabei definiert der SR2 Qualität nicht unbedingt über imposante klangliche Ergebnisse in einzelnen Frequenzbereichen, sondern zeichnet sich in erster Linie durch eine überragende tonale Balance und unbändige Spielfreude aus. 

Der chinesische Ohrlautsprecher beweist außerdem ein ganz besonderes Feingespür für alle Arten von Musik, indem er die jeweilige musikalische Intention zumeist genau auf den Punkt trifft. 

Das ist großes Kino und läßt mich in den ersten Hörminuten sprachlos zurück. Nicht wenige Hersteller würden für diese akustische Performance einen eher 4-stelligen Betrag aufrufen. Denn der SR2 spielt zweifelsfrei weit über sein Preisschild hinaus und positioniert sich problemlos in der 1.000 Euro+ Klasse. 

Die besondere Art und Weise, mit welcher sich der IBASSO in jedwedes klangliche Geschehen stürzt, ist auch der enormen Impulstreue und einem tadellosen dynamischen Verhalten geschuldet. Der SR2 agiert dabei nicht nur verfärbungsfrei, sondern widmet sich mit viel Hingabe auch den feindynamischen Schattierungen in der Musik.

Der Bass des IBASSO reicht dazu tief hinab, ohne allerdings jede Ecke des Frequenzkellers in letzter Konsequenz auszuleuchten. Allertiefste Töne beherrschen orthodynamische Flächenstrahler besser. Eine geringfügige Anhebung im mittleren Bassbereich kaschiert diese kleine Schwäche allerdings gekonnt, ohne dass unschöne Überlagerungen in den Grundton zu beklagen wären.

Im Gegenzug begeistert der Bass des SR2 durch eine hohe Grundschnelligkeit und die nahezu perfekte Anbindung an den Grundtonbereich. Dieser überzeugt mit großzügig bemessenem Korpus, ohne dabei zu sehr ins Warme abzudriften und wahrt somit weitgehend eine neutrale Spielart.   

Im Mittelton weiss der IBASSO SR2 über wunderbare und natürlich wirkende Klangfarben zu brillieren. Stimmen und Instrumente werden gleichermaßen plastisch wie fest umrissen in den imaginären Klangraum platziert, die Ausarbeitung feiner musikalischer Nuancen ist für diese Preisklasse nicht weniger als phänomenal zu bezeichnen. 

Die subtile Vordergründigkeit im Mitteltonbereich ist oftmals typisch für Konustreiber mit Zellulosemembranen und zeichnet meines Erachtens maßgeblich verantwortlich für die superbe Detailarbeit, indem einfach mehr musikalische Informationen über die Wahrnehmungsschwelle gehoben werden. Was kostet das Ding nochmal?

Fast schon erwartungsgemäß gibt sich der Kopfhörer auch im Hochtonbereich keinerlei Blöße, sondern empfiehlt sich auch in diesem Frequenzbereich über den bruchlosen Übergang zu den Mitten, einem exzellenten Auflösungsvermögen und der gleichsam entspannten Wiedergabe von Sibilanten.

Die Expansion des Ohrlautsprechers in Breite und Tiefe ist dagegen eher von durchschnittlicher Natur, die akustische Gestaltung des Raums gelingt dem SR2 allerdings in erstaunlich transparenter Manier, insbesondere angesichts der halboffenen Auslegung des dynamischen Kopfhörers. Selbige bedingt im Übrigen auch eine unerwartet hohe Isolierung des Kopfhörers gegenüber Außengeräuschen.

Was den mobilen Einsatz des IBASSO gegebenenfalls vereinfachen dürfte. Zumal leistungstechnisch Entwarnung gegeben werden kann. Denn auch in Kombination mit dem A&K SA700 beweist der SR2 wiederum sein Talent für die feinen Töne, ohne dabei die grobdynamischen Qualitäten ungebührlich zu vernachlässigen.

Lediglich im direkten Vergleich zum MYTEK BROOKLYN DAC+ rücken die Akteure auf der virtuellen Klangbühne etwas näher zusammen und auch in Sachen Durchhörbarkeit, Separation und Fokussierung verzeichnet die stationäre Komponente mitunter leichte Vorteile gegenüber dem mobilen Pendant. Geschenkt.

Mein Fazit

Denn IBASSO hat es tatsächlich geschafft. Schon der limitierte SR1 der kleinen chinesischen Manufaktur sorgte für einigen Aufruhr im Kopfhörersegment, der SR2 toppt das Erstlingswerk aus meiner Sicht allerdings mehr oder weniger deutlich. 

Die kleine Wunderwaffe ist nicht nur tadellos verarbeitet, sondern lädt insbesondere über die perfekt ausbalancierten Wiedergabeeigenschaften zu einem stundenlangen, weil völlig ungetrübten Hörvergnügen ein. Schlaflose Nächte sind somit garantiert.

Der IBASSO SR2 reproduziert jedwede klangliche Kost zudem frei von Verfärbungen und mit einem bemerkenswerten musikalischen Fluss. Der hohe Wirkungsgrad bedingt dazu eine exquisite dynamische Qualität, was speziell der Spielfreude zugute kommt.  

Der SR2 erfüllt alle Kriterien an eine authentische und emotional fesselnde Wiedergabe von Musik, erlaubt sich keinerlei Schnitzer und ist zu diesem unverschämt günstigen Preis meines Erachtens fast schon Pflichtkauf für jeden ambitionierten Gralsritter der feinen Töne.

Dass der chinesische Ohrlautsprecher dazu auch noch völlig problemlos mit mobilen Gerätschaften musiziert, markiert dabei das akustische Sahnehäubchen. 

Der SR2 löst den GRADO RS2 künftig als meinen Preistipp in den TOP10 auf Musicalhead ab. Und selbstverständlich erhält der IBASSO SR2 meine ausdrückliche Kaufempfehlung. Denn dieser Kopfhörer ist wahrlich ein No-Brainer. 

Euer Fidelio

(*) Die Testberichte auf Musicalhead geben ausschließlich meine persönliche Meinung zum Produkt wieder. Es handelt sich hierbei um redaktionelle Beiträge, welche aber durchaus eine werbende Wirkung beim Leser erzielen könnten, ohne dass ich von einem Unternehmen damit beauftragt wurde.


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