Test LB-ACOUSTICS MYSPHERE 3

Endlich ist es soweit. Heute teste ich für euch den neuen MYSPHERE 3 der kleinen österreichischen Manufaktur LB-ACOUSTICS.

Sowohl auf der CANJAM 2017 in Berlin, als auch auf der diesjährigen HIGH-END in München, faszinierte mich der MYSPHERE 3 durch seine unglaublich offen und transparent wirkende Reproduktion der Musik.

Der auf die Wiedergabe im Freifeld konstruierte, neuartige „Hover-Ear“ Kopfhörer überzeugt dabei insbesondere durch eine sehr realistische und verfärbungsfreie Darstellung von Stimmen und Instrumenten, sowie deren präziser Ortbarkeit im räumlichen Kontext.

Darüber hinaus beeindruckte mich dieser wahrhaftige Ohrlautsprecher mit einer hohen Impulstreue und einem perfekten Timing.

Ich bin also sehr gespannt, ob die mir nunmehr vorliegenden MYSPHERE 3.1 und 3.2 aus der gerade erst angelaufenen Serienproduktion meine positiven Höreindrücke, gewonnen in einem eher suboptimalen akustischen Umfeld, in den heimischen vier Wänden klanglich auch tatsächlich verifizieren können.

Die Ursprünge des MYSPHERE Konzeptes gehen im Übrigen auf Entwicklungen der 70’er und 80’er Jahre des letzten Jahrhunderts zurück. Denn schon in dieser großartigen HIFI-Epoche begeisterten völlig offen konstruierte Systemlösungen (Jecklin Float) die damaligen Kopfhörerenthusiasten in aller Welt. Und natürlich auch mich.

Speziell der dynamische AKG K1000 weckte Ende der 80’er Jahre mein ganz besonderes Interesse. Dieser legendäre offene Bügelkopfhörer, welcher allein durch zwei kleine Lederpolster im Schläfenbereich die Treibergehäuse auf gebührlichen Abstand zu den Ohren hielt, führte die Gralsritter des Klanges schon vor 30 Jahren in vollkommen neue auditive Gefilde.

Einer Reproduktion von Nahfeldmonitoren nicht ganz unähnlich. Allerdings hielten sich die grobdynamischen Fähigkeiten des AKG-Systems in doch engen Grenzen und auch die Basswiedergabe war nicht unbedingt geeignet, Begeisterungsstürme in mir auszulösen. Um es einmal freundlich zu formulieren.

Der MYSPHERE 3 soll es heuer also richten und die Schwächen des Erstlingswerkes von 1989 gänzlich ausmerzen. Um dieses hehre Ziel zu erreichen, wurden zunächst aussichtsreiche Grundvoraussetzungen geschaffen. Denn Helmut Ryback und Heinz Renner, welche maßgeblich an der Entwicklung des AKG1000 beteiligt waren, zeichneten auch für die finale Realisierung des MYSPHERE 3 Projektes verantwortlich.

Nach umfassender Evaluierung aller verfügbaren Schallwandler-Prinzipien, einschließlich elektro- und magnetostatischer Treiberlösungen, entschieden sich die Entwickler von LB-ACOUSTICS, erneut das dynamische Wandler-Prinzip vorzuziehen, weil selbiges ihrer Auffassung nach, insbesondere bei der Beschleunigung der Luftmoleküle bei niedrigen Frequenzen, anderen Antrieben überlegen ist.

Ein innovatives Radialmagnetfeld-System wurde entwickelt, um den Einfluss mechanischer Teile im Schallfeld zu minimieren. Um dabei Nichtlinearitäten bei der Membranbewegung zu vermeiden, wurde die Idee einer unkonventionellen, viereckigen Form verwendet.

Die akustisch völlig offene Konstruktion schafft für den Zuhörer laut Aussage des Herstellers die perfekte Illusion, in einen idealen Raum mit optimalen Lautsprechern platziert zu werden. Der völlig unkonventionelle und auf modernster Technologie basierende Kopfhörer MYSPHERE 3 ist somit gewissermaßen der legitime Nachfolger des AKG K1000.

Verpackung & Ausstattung

Der MYSPHERE 3 wird in einem sehr hochwertigen und optisch ansprechenden  Aluminiumkoffer mit klappbaren Tragegriffen ausgeliefert. Die silberne Transportbox macht dazu einen äußerst soliden und stabilen Eindruck und bietet dem filigranen Kopfhörer demzufolge eine angenehm sichere Behausung. Eine großzügige Schaumstoffauskleidung sorgt zudem für die perfekte Fixierung des MYSPHERE 3 in der Box sowie eine entsprechende Separationsmöglichkeit des Zubehörs.

Dessen Aufzählung im Übrigen recht übersichtlich gerät. Neben einer zweisprachigen Kurzanleitung (deutsch/englisch) in Schriftform findet sich noch ein USB-Stick mit aufgedrucktem LB-Logo im Zubehör, welcher weitere Bedienungshinweise, Garantiebestimmungen sowie die Messdaten des Kopfhörers als PDF beinhaltet – ebenso wie eine WAV-Datei mit Rosa-Rauschen zur subjektiven Einmessung des MYSPHERE 3.

Weiterhin ist im Lieferumfang serienmäßig ein Standardkabel in 1,2 m Länge enthalten, welches beidseitig mit einer 3,5 mm Klinkenbuchse versehen ist – sowohl zum Anschluss an den Kopfhörer, als auch zur unsymmetrischen Kontaktaufnahme zu einem potentiellen Spielpartner. Wahlweise auch über den beigefügten 6,3 mm Adapterstecker.

Das hochwertige schwarze OFC-Serienkabel selbst besteht aus 8 miteinander verflochtenen und zudem versilberten Kupferlitzen, welche von einem sehr feinen Textilgewebe ummantelt werden. Allerdings sind optional auch weitere Kabelverbindungen erhältlich.

Und Heinz Renner hat mir natürlich alle derzeit verfügbaren Kabelsätze zu den beiden Kopfhörern mit geliefert. Neben dem obligatorischen 6,3 mm Klinkenanschluss mit einer Länge von 3,5 m sind selbstverständlich auch symmetrische Verkabelungen verfügbar. Eine 4-polige XLR Variante mit identischem Längenmaß fehlt demzufolge ebenso wenig wie die Möglichkeit, den Kopfhörer in max. 1.2 m Entfernung über eine 4-polige symmetrische 2,5 mm Klinke zu verbinden. Vielen Dank noch einmal an dieser Stelle!

Um den MYSPHERE 3 mit einem zukünftig angedachten Spielpartner, welcher erstmals auf der HIGH-END 2018 in München gemeinsam mit dem Hover-Ear Kopfhörer vorgestellt wurde, symmetrisch vereinigen zu können, liegt dem Paket außerdem auch eine Kabelvariante mit dem brandneuen 4,4 mm PentaConn Anschluss bei.

Denn der brandaktuelle WOO AUDIO WA11 wird im folgenden Klangtest erstmalig und weltexklusiv die Gelegenheit erhalten, seine akustische Kompetenz in Kombination mit dem MYSPHERE 3 eindrucksvoll zu demonstrieren.

Verarbeitung & Tragekomfort

Die Verarbeitung des MYSPHERE 3 kann auch preisklassenübergreifend nur als absolut überragend bezeichnet werden.

Der Kopfhörer besteht weitgehend aus CNC-gefrästem und hart eloxiertem Aluminium sowie aus rostfreiem Edelstahl und ist demzufolge extrem langlebig ausgelegt – und zudem völlig korrosionsbeständig. Der Kopfbügel besteht aus einem Chrom-Nickel Federstahl, die Kunststoffteile aus flexiblem Polyamid 12. Die Beschriftungen sind darüber hinaus lasergraviert.

Die intern verwendeten Materialien und Anschlüsse sind dazu hochelastisch, Körperschall dämpfend und äußerst umweltbeständig. Die vollkommen neuen Schallwandler sind durch ein offenporiges und spritzwasserdichtes Gewebe außerdem optimal vor Staub und Berührung geschützt.

Alle Polster sind ferner magnetisch befestigt und können dadurch manuell und ohne jegliches Werkzeug entfernt werden. Dies erleichtert sowohl die Reinigung als auch einen eventuellen Service, ist aber natürlich ebenso praktisch bei dem Transport des Kopfhörers.

Die interne elektrische Verdrahtung ist mit identischen Kabellängen dazu rein symmetrisch ausgelegt. Es ist somit völlig gleichgültig, ob das entsprechende Anschlusskabel auf der linken oder rechten Seite eingesteckt wird. Selbiges ist außerdem in einer sehr leichten, aber robusten Technik ausgeführt, um einen Mikrofonie-Effekt zu vermeiden und zusätzlich das Gesamtgewicht des Kopfhörers zu minimieren, welches dadurch auf lediglich 340 g (ohne Kabel) reduziert werden konnte.

Ein leichter Metallrahmen überträgt die Kraft über angenehm weiche Polster auf den Kopf, um einen geringen spezifischen Oberflächendruck zu erzielen. Empfindliche Bereiche des Kopfes werden durch das neuartige Kopfband so umgangen, welches gleichsam die schwebenden „Sound-Frames“ trägt.

Das Kopfband wird dabei, ähnlich einem Haarreif, diagonal über den Kopf gestreift. Der Bügel selbst ist zwar nicht verstellbar, aufgrund seiner Flexibilität aber IMO dennoch für nahezu alle Kopftypen passend.

Der Tragekomfort ist demzufolge auch ganz ausgezeichnet, sobald man die individuelle Endposition des MYSPHERE 3 erst einmal ermittelt hat. Der Kopfhörer schwebt, allein getragen durch den Bügel, federleicht über den Ohren. Glücklicherweise liefert die Bedienungsanleitung sehr nützliche Hinweise zur korrekten Justierung des Hover-Ear Kopfhörers.

Nachdem beide Treiber in ihrer Höhe gehörrichtig positioniert und über eine Skala auf dem Kopfband entsprechend fixiert worden sind, können die Sound-Frames zusätzlich unterschiedlich stark angewinkelt werden. Je nach Einstellung und Winkelgrad ergibt sich eine mehr oder weniger leichte Veränderung des subjektiven Klangeindruckes.

Mehr dazu aber im späteren Klangtest.

Technik

Treiber und Antrieb der Sound-Frames wurden von LB-ACOUSTICS völlig neu entwickelt. 20 vergoldete und radial um die Schwingspulen angeordnete Neodymium-Einzelmagnete mit 1,5 Tesla Feldstärke und einer extrem hohen Durchlüftung garantieren bei adäquatem Antrieb seitens des Spielpartners eine perfekte Membrankontrolle. Aus diesem Grunde ist der Kopfhörer auch in zwei verschiedenen Varianten erhältlich.

Heinz hat mir im Vorfeld sowohl die Version mit 15 Ohm Impedanz (3.1), als auch den MYSPHERE 3.2 zukommen lassen, welcher einen elektrischen Widerstand von 110 Ohm ausweist. Je nach Spielpartner kann somit später allzeit die geeignete Wahl getroffen werden. Während sich der niederohmige MYSPHERE 3.1 grundsätzlich eher für mobile Gerätschaften empfiehlt, spielt der 3.2 vorzugsweise mit leistungsstärkeren Kopfhörerverstärkern, gerne auch röhrenbewehrt, zusammen.

Der Übertragungsbereich des Kopfhörers erstreckt sich im Übrigen auf einen Frequenzgang von 20 – 40.000 Hz (-10 dB im Nahfeld), die Empfindlichkeit liegt mit 96 dB/mW bei beiden Ausführungen außerdem erfreulich hoch.

Die 40 x 40 mm messenden Membranen bestehen aus einem Glas/Harz/Luft-Gemisch in Mehrschichttechnik für eine hohe interne Dämpfung und sind aufgrund der relativ kleinen Membranflächen mit einer maximalen Auslenkung von 4 mm dazu außerordentlich langhubig ausgelegt.

Die Glasschaummembranen mit Spinnwabenstruktur sowie ultraleichte Spulen ermöglichen darüber hinaus eine extrem hohe Impulstreue. Alle entbehrlichen Luftvolumina wie enge Kanäle, Schlitze, Löcher etc. werden deshalb vermieden, um zusätzliche akustische Massen weitgehend zu reduzieren.

Der MYSPHERE 3 beeindruckt somit in der Summe mit einem enormen technischen Aufwand. Inwiefern der Kopfhörer dies tatsächlich in eine klanglich überlegene Performance umsetzen kann, muss sich allerdings erst noch im Klangtest zeigen.

Vorbereitung

Um die Kopfhörerversionen angemessen zu betreiben, wähle ich für den MYSPHERE 3.1 zwei erstklassige DAP in Form des IBASSO DX200 und des QUESTYLE QP2R, welche beide über einen vollsymmetrischen 2,5 mm Ausgang verfügen und speziell in dieser Betriebsvariante zur ganz persönlichen Hochform auflaufen.

Der MYSPHERE 3.2 hingegen wird mit verschiedenen stationären Spielpartnern kombiniert, da mir bereits in den ersten Hörproben aufgefallen war, dass der Kopfhörer ausgeprägt mit der Qualität der angeschlossenen Musikquellen skaliert.

Zum einen teste ich den 3.2 infolgedessen in Verbindung mit dem bereits erwähnten WOO AUDIO WA11, welcher mit dem MYSPHERE, soviel kann ich bereits an dieser Stelle vorwegnehmen, hervorragend harmoniert.

Um die Grenzen des MYSPHERE 3.2 aber möglichst vollständig auszuloten, erhält der Kopfhörer ebenso einige Spielzeit am neuen Referenzverstärker RIVIERA AIC10, der für mich persönlich unlängst den Thron in diesem Segment erklommen hat.

Als Signalquelle dient mir zum einen der implementierte DA-Wandler des WA11, welcher über mein IPHONE X (+ CCK) mit entsprechend hochwertigem Datenmaterial beschickt wird. Der AIC10 dagegen bezieht zum anderen seine musikalische Kost über den BAKOON DAC21 in Verbindung mit dem AURALIC ARIES und dem ULTRA LOW NOISE Netzteil desselben Herstellers.

Die Verkabelung der Komponenten erfolgt dabei durchgängig über AUDIOQUEST. Das verwendete Musikmaterial setzt sich wie gewöhnlich zusammen aus den mir wohlbekannten Pretiosen aus den Bereichen Klassik, Pop, Rock, Blues und Jazz. Selbstverständlich in HIGH-RES-Auflösung.

Um den MYSPHERE 3 klanglich einfacher klassifizieren zu können, dienen mir üblicherweise diverse TOTL-Kopfhörer als Vergleichsmaßstab. MEZE EMPYREAN, AUDEZE LCD4Z, FOCAL UTOPIA, ABYSS DIANA und HIFIMAN SUSVARA – um nur einige der zurzeit aktuellen Kontrahenten zu benennen.

Weitere Informationen zum LB-ACOUSTICS MYSPHERE 3 erhaltet ihr natürlich auch auf den Seiten des Herstellers unter: http://mysphere.at

Klangtest

Der MYSPHERE 3 ist in jeglicher Hinsicht ein außergewöhnlicher Ohrlautsprecher. Nicht nur bezüglich der einzigartigen technischen Merkmale beschreitet der Hover-Ear Kopfhörer vollkommen neue Wege, auch die klangliche Signatur unterscheidet sich auffällig von seinen direkten Mitbewerbern.

Aufgrund der völlig offenen Konstruktion gewinne ich bereits zu Beginn der ersten Hörsitzung den Eindruck, dass musikalische Ereignisse zwar nach wie vor in einem fest definierten, dreidimensionalen Raum rund um den Kopf platziert werden, die einzelnen Akteure innerhalb dieser räumlichen Grenzen aber ungewöhnlich frei und offen musizieren.

Je nach Winkelstellung der Sound Frames ergibt sich dabei eine geringfügig unterschiedliche Tonalität. Bei vollständig abgewinkelten „Segeln“ öffnet sich der Raum etwas mehr in die Breite und auch die Ortungsschärfe profitiert von dieser Einstellung – bei allerdings minimal eingeschränktem Bassdruck.

Wichtige Anmerkung: Ich möchte an dieser Stelle und in diesem Zusammenhang explizit darauf hinweisen, dass eine penible und gewissenhafte Höheneinstellung der Sound Frames von ganz entscheidender Bedeutung für ein adäquates Bassfundament ist. Über die anschließende Winkelung wird lediglich eine persönliche Feinjustierung vorgenommen.

Für meinen Test präferiere ich im Übrigen eine relativ offene Fixierung der Treibergehäuse, bei der selbige meine Ohren an keiner Stelle mehr berühren. Dadurch kommen IMO die bauspezifischen Vorteile des Systems am allerbesten zum Tragen.

Die räumlichen Fähigkeiten sind infolgedessen sehr beeindruckend und die leicht sphärische Wiedergabe lässt zuweilen einen leichten Crossfeed vermuten. Dies ist sicherlich auch der Tatsache geschuldet, dass, bedingt durch die offene Bauweise, beispielsweise Schallanteile des rechten Kanals zu einem gewissen Teil auch vom linken Ohr wahrgenommen werden können. Und umgekehrt.

Damit kommt der MYSPHERE 3 dem natürlichen Hörerlebnis über ein Stereo-Lautsprechersystem schon recht nahe. Insbesondere Kunstkopfaufnahmen faszinieren mit einer für Kopfhörer bislang völlig unbekannten Authentizität. Beispiel gefällig? „Up Close“ von Ottmar Liebert & Luna Negra. Einfach nur grandios.

Dazu agiert der österreichische Beau mit einer vorzüglichen Neutralität und gleichsam einer extrem hohen Verfärbungsfreiheit, was ihn allerdings, je nach verwendetem Musikmaterial, mitunter auch etwas blutleer wirken lassen kann.

Diese leichte „Blässe“ wird mir speziell beim MYSPHERE 3.1 in Kombination mit dem IBASSO DX200 mehr oder weniger deutlich vor Ohren geführt. Denn bedingt durch den ESS-SABRE 9028-Chipsatz in der Wandlersektion des DX200, favorisiert der DAP prinzipiell eher die akribische Gangart.

In Verbindung mit der mobilfreundlichen 15 Ohm Variante des MYSPHERE 3 resultiert dies klangtechnisch in einer leicht unterkühlten musikalischen Reproduktion meiner gewählten Referenz-Teststücke mit geringfügig analytischer Tendenz. Dies wirkt auf mich langfristig zuweilen etwas anstrengend. Eine stärkere Anwinklung der Treiber zu den Ohren schafft hier leicht Abhilfe.

Ist selbstverständlich auch Geschmacksache. Der QUESTYLE QP2R zeigt sich diesbezüglich etwas umgänglicher, haucht der Wiedergabe über den MYSPHERE 3.1 etwas mehr Wärme ein und verleiht selbiger auch ein wenig mehr Substanz.

Dennoch kann mich auch dieses mobile Pärchen nicht vollständig überzeugen. Dies liegt unter anderem auch an der nur durchschnittlichen Performance im Tiefbassbereich in dieser Kombination.

Keine Frage. Der Bass des 3.1 agiert am QP2R unglaublich schnell und äußerst präzise, dazu staubtrocken und sehr impulstreu. Allerdings wird im Frequenzkeller offensichtlich zu wenig Luft bewegt, um ein wirklich solides Tieftonfundament zu erzeugen. Zumal der MYSPHERE 3 aufgrund seiner Freifeldauslegung mit lediglich 40 mm messenden Membranflächen basstechnisch auch keinerlei Druckkammereffekte nutzen kann.

Um also IMO einen zufriedenstellenden Tiefgang zu erlangen, benötigt der MYSPHERE 3 grundsätzlich die straffe Zensur seitens eines potentiellen Spielpartners, welcher die oftmals notwendigen mechanischen Membranauslenkungen von gewaltigen 4 mm auch jederzeit souverän unter elektrischer Kontrolle hält.

Und Kontrolle ist wohl nunmehr das Stichwort für den Auftritt des brandneuen WOO AUDIO WA11.

Der erste Kopfhörerverstärker in Transistorausführung von Jack Wu wird den Markt für mobile KHV ab Herbst dieses Jahres neu aufmischen. Da bin ich mir ziemlich sicher. Denn er liefert speziell auch in Kombination mit dem MYSPHERE 3.2 eine sehr eindrucksvolle musikalische Vorstellung ab.

Jack wollte sich leider zu keinem Statement bezüglich den Leistungsangaben zum zukünftigen WA11 hinreißen lassen, da sich Selbiger noch in einem Prototypenstadium befindet. In diversen amerikanischen Foren kursieren allerdings bereits erste Gerüchte, welche dem Kopfhörerverstärker eine Leistung von annährend 2 x 2 Watt (!) an 100 Ohm attestieren.

Und ganz ehrlich – bereits nach einigen Takten Musik zweifle ich keinen Augenblick mehr an diesen Statements. Das letzte Fünkchen Argwohn geht schließlich verloren, als ich verblüfft feststellen muss, dass Jack’s neuester Streich sogar in der Lage ist, selbst einen HIFIMAN SUSVARA mühelos anzutreiben. Also ganz großes Kino.

Aufgrund seiner Impedanz von 110 Ohm passt der MYSPHERE 3.2 damit perfekt ins Beuteschema des amerikanischen Kopfhörerverstärkers. Und diese Verbindung erweist sich in Folge auch als ein kongeniales Team.

Und der MYSPHERE 3.2 avanciert auch gleich zu meinem persönlichen Favoriten und verweist die Version 3.1 somit auf den undankbaren zweiten Platz. Denn insbesondere in Kombination mit dem WA11 spielt die hochohmige Variante deutlich substanzieller auf, ohne dabei aber an Neutralität einzubüßen.

Der Bassbereich gewinnt dazu klar an Kontur und leuchtet auch die unteren Oktaven besser aus. Dies ist natürlich auch der erstklassigen Aufsicht des WA11 zu verdanken, welcher die quadratischen Membranen gefühlt an einem stählernen Zügel führt.

Das dabei angeschlagene Tempo ist wahrlich atemberaubend. Der leicht federnde Bass steht dem eines elektrostatischen Kopfhörers in dieser Disziplin keinesfalls nach und überzeugt überdies mit einer völlig nahtlosen Anbindung an den Grundton.

Selbiger wirkt außergewöhnlich entschlackt, verleiht Stimmen und Instrumenten aber dennoch jederzeit genügend Korpus, welche dadurch natürlich und authentisch reproduziert werden. Auch hier drückt der WA11 der Wiedergabe seinen akustischen Stempel auf – dies ist kein weichgespülter Röhrenverstärker.

Der MYSPHERE 3.2 ist zudem klanglich hervorragend ausbalanciert, gleichwohl er nicht dem aktuellen Trend folgt, Kopfhörern ein eher wohliges Timbre zu verleihen.

Infolgedessen ist der österreichische Ohrlautsprecher an Durchhörbarkeit im Mitteltonbereich allerdings auch nur schwerlich zu überbieten. Die transparente Darstellung des vollständigen musikalischen Geschehens ist jedenfalls schon rekordverdächtig.

Dies gilt ohne Einschränkung auch für die Ausarbeitung allerkleinster Details im Hochtonbereich. Das Auflösungsvermögen ist für einen dynamischen Kopfhörer schlichtweg überragend. Selbst feindynamische Schattierungen werden akribisch aus jedwedem musikalischen Geflecht herausgeschält.

Allerdings verfährt der MYSPHERE 3.2 ebenso gnadenlos mit klanglich minderwertigen Aufnahmen. Insbesondere in Kombination mit dem WOO AUDIO WA11 erhält der oft bemühte Begriff der „Akustischen Lupe“ eine völlig neue Bedeutung. Eine sorgfältige Musikauswahl ist IMO somit Pflicht.

Ich frage mich, ob diese exzellente Performance tatsächlich noch steigerungsfähig ist und tausche nunmehr die symmetrische 4,4 mm PentaConn Verbindung gegen eine 4-polige XLR Kabelvariante, um den MYSPHERE 3.2 audiophil mit dem RIVIERA AIC10 zu vereinigen.

Und dieser italienische Ausnahmeverstärker hebt die Wiedergabequalität des MYSPHERE 3.2 auf ein neues musikalisches Niveau. Dies muss so in aller Deutlichkeit gesagt werden. Weil man es wahrscheinlich erst glauben kann, wenn man dieser Paarung einmal einige Tage in Natura gelauscht hat.

Das Maß an Authentizität ist einfach nur atemberaubend. Ich kann mich nur wiederholen. Dieser Weltklasse Kopfhörerverstärker ist für mich derzeit an Natürlichkeit und Musikalität nicht zu übertreffen.

Und der MYSPHERE 3.2 ist auch in der Lage, die emotionsgeladene Informationsdichte zu transportieren. Dabei sind es nicht unbedingt einzelne klangliche Disziplinen, welche den entscheidenden Unterschied ausmachen. Sondern vielmehr die musikalische Kohärenz, welche dieser Kombination innewohnt. Der Abstand zum tatsächlichen Ereignis tendiert gegen Null.

Unabhängig davon, welche Musikrichtung präferiert wird, der MYSPHERE 3.2 versetzt mich mit dem RIVIERA AIC10 augenblicklich an den jeweiligen Aufnahmeort. Insbesondere Stimmen und Instrumente werden mit warmer Note wunderbar gefühlvoll und mit einem unbeschreiblichen Feingespür intoniert. Beängstigend echt und mit wohligem Gänsehautfaktor. Schlichtweg perfekt.

Allerdings wird dieser Referenzverstärker für die meisten Gralsritter des feinen Klanges höchstwahrscheinlich ein Traum bleiben. Deshalb bezieht sich die nachfolgende Zusammenfassung auch auf die etwas „erdigere“, aber gleichwohl hervorragende Kombination des MYSPHERE 3.2 mit dem WOO AUDIO WA11.

BASS

Präzise und saubere, aber eher schlank konturierte Bassreproduktion. Extrem schnell und impulstreu. Ausreichend Druck, aber bauartbedingt kein ultimativer Tiefgang. Leichte Verzerrungstendenz bei hohen Pegeln.

GRUNDTON

Entschlackter und klarer Grundton mit gleichwohl hinreichend Korpus und Substanz. Hohe Authentizität. Außerordentlich neutral und verfärbungsfrei.

MITTELTON

Tonal hervorragend ausbalanciert. Natürlich wirkende Wiedergabe der Transienten. Erstklassige Transparenz bei gleichsam einwandfreier Plastizität.

HOCHTON

Ausgezeichnetes Auflösungsvermögen und famose Detailarbeit. Allerdings auch erbarmungslose Sibilanten-Wiedergabe bei minderwertigem Musikmaterial.

DYNAMIK

Superbe Feindynamik. Dynamische Qualitäten stark abhängig vom entsprechenden Spielpartner. Je nach Musikauswahl und Abhörlautstärke allerdings leicht eingeschränkte Pegelfestigkeit.

RÄUMLICHKEIT

Einzigartiger räumlicher Eindruck mit ultrapräziser Ortbarkeit aller musikalischen Ereignisse. Das verblüffend offene Klangbild vermittelt zudem ein völlig innovatives Hörerlebnis. Top.

Mein Fazit

Der MYSPHERE 3 erinnert im besten Sinne an zwei kleine, erstklassige HIGH-END Nahfeldmonitore, um einmal eine entsprechende Analogie zur klassischen High-Fidelity zu bemühen. Auf die tatkräftige Unterstützung eines „Subwoofers“ muss der Gralsritter in diesem Falle allerdings verzichten.

Liebhaber kellertiefer Töne, welche komplexe Orgelmusik oder Elektro-Pop mit abgrundtiefen Synthesizer-Bässen zu ihren individuellen Favoriten zählen, sollten den österreichischen Ohrlautsprecher demzufolge besser meiden und möglichst ein orthodynamisches Arbeitsprinzip favorisieren.

Denn für exzessive Lautstärkeorgien, in Verbindung mit gar ungeeignetem musikalischem Material, ist dieser Ohrlautsprecher meines Erachtens nicht entwickelt worden. Bei gehörfreundlichen Abhörpegeln um 85 dbA musiziert der MYSPHERE 3 dagegen auf absolutem Weltklasseniveau und zeigt den klassisch konstruierten Konkurrenten unter audiophilen Aspekten, wo Bartel den Most holt.

Sehr zu befürworten ist aus meiner Sicht auch ein eher warm timbrierter Spielpartner. Bereits ein klanglich ausgezeichneter OTL-Röhrenverstärker wie der FELIKS AUDIO EUFORIA, oder ein ALO CONTINENTAL DUAL MONO für den mobilen Einsatz, leisten hier hervorragende Dienste, wie ich in diversen Querchecks bereits feststellen konnte.

Der MYSPHERE 3 empfiehlt sich somit primär für den musikalischen Klanggourmet, welcher seinen persönlichen Fokus auf eine feingeistig akkurate Reproduktion mit Schwerpunkt auf einen realistischen, weil völlig offenen Raumeindruck legt. Und speziell in dieser Disziplin ist der einzigartige Hover-Ear Kopfhörer IMO derzeit absolut konkurrenzlos.

MYSPHERE 3.1 und der 3.2 sind ab sofort zu einem Verkaufspreis ab 3.300 € zuzüglich der gesetzlichen Mehrwertsteuer im direkten Vertrieb erhältlich. Eine heimische Hörprobe in ruhiger Umgebung sei jedem ernsthaften Gralsritter des Klanges wärmstens ans Herz gelegt.

Euer Fidelio



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COMMENTS2

  1. Hallo Fidelio,
    deine Klangeindrücke des Mysphere3.2 decken sich absolut mit meinen, wohingegen ich keinerlei Erfahrung mit dem 3.1-Modell vorzeigen kann. Ich bin auch nicht für die Mobil-Fraktion, kann mir ehrlich gesagt auch nicht vorstellen, dass man mit einem völlig offenen Arbeitsprinzip und einem 4000,-Euro teueren Teil auf dem Kopf die Strasse langschlendern und dabei vollen Musikgenuss erleben kann. Als OTL-Röhrenfreak ist 15Ohm-Impedanz ohnehin ein NoGo. Toll, dass es zwei Varianten gibt, eine noch höherohmige Variante wäre für die Röhren noch vorteilhafter.
    Ich habe diesen Kopfhörer mir für zuhause gekauft, um damit in Klassik- und Jazz-Konzerte abtauchen zu können mit annähernd Live-Feeling, und dem kommen der angedockte Röhrenverstärker & Mysphere3.2 extrem nahe, näher als alle anderen Kopfhörerkombinationen.
    Es ist auch, wie du sagst Geschmacksache und stark abhängig vom Musikmaterial: sehr laut und abgrundtief ist garnicht sein Metier, da muss man sich anderer Quellen bedienen.
    Was aber realistische, transparente und natürliche Wiedergabe angeht, ist der Mysphere3.2 für mich zurzeit das Maß der Dinge jedenfalls so, wie er bei mir zuhause spielt, und da gefällt er mir sogar besser als das große Sennheiser-HE-1 Gespann, das ich kürzlich hören durfte. Danke an dich für deinen tollen Bericht und Danke an die Entwickler des Mysphere!

    • Hallo Hans-Peter,
      danke für die Blumen. Ich wünsche dir mit dem MYSPHERE 3.2 jedenfalls viel Spass und erlebnisreiche Hörabende. 😉
      Lieben Gruß
      Wolfgang


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