Test WOO AUDIO WA8 Eclipse im Summer-Special

Ich liebe dieses Hobby. Nicht nur, dass ich in den Genuss komme, so ziemlich jeden Kopfhörer und Kopfhörerverstärker auf diesem Planeten testen zu dürfen – ich kann mir die entsprechenden Probanden glücklicherweise auch selektiv und vor allem in aller Ruhe aussuchen.

Viele Leser mögen sich vielleicht schon des Öfteren gefragt haben, wieso meine Testberichte zumeist doch eher positiv ausfallen. Nun, genau das ist dem zuvor genannten Umstand geschuldet. Denn wenn ich wirklich jedes Gerät, welches mir unter die Ohren kommt, auch tatsächlich rezensieren müsste, würde das natürlich jeglichen Rahmen meiner persönlichen Möglichkeiten sprengen.

Denn mein eigentlicher Job lässt ein schriftstellerisches Werken leider meist nur am Wochenende zu. Somit werden manche Gerätschaften, welche IMO schon die erste Hörprobe in den heimischen vier Wänden nicht überstehen, infolgedessen meist wieder zeitnah an die entsprechenden Hersteller und Vertriebe retourniert. Dies ist der prinzipielle Vorteil einer finanziellen Unabhängigkeit.

Schließlich bereitet es auch verständlicherweise wenig Vergnügen, zahllose Stunden meiner eh schon spärlichen Freizeit damit zu verbringen, Komponenten zu bewerten, welche mir musikalisch bereits im Vorfeld nicht zusagen. Ist ja auch irgendwie einleuchtend. Und ganz im Sinne meiner lieben Frau. Für ein Leben neben dem Kopfhören.

Und warum jetzt dieser kleine Exkurs? Nun, eine Handvoll Kopfhörer und Kopfhörerverstärker finden manchmal nur über Umwege den Weg zu mir nach Hause finden, weil ich selbige einfach unbedingt einmal testen möchte. Womit wir jetzt auch schon beim eigentlichen Thema wären. Und bei meinem heutigen Testobjekt – dem WOO AUDIO WA8 ECLIPSE.

Der in New York ansässige Hersteller WOO AUDIO vertreibt seine beinahe schon legendären Röhrenverstärker bereits seit dem Gründungsjahr 2004 überwiegend in den USA, Kanada, Australien und Asien. Das Sortiment umfasst aber ebenso Produkte wie DAC oder CD-Player, Kopfhörer, sowie diverses Zubehör in Form von Kabel-, und NOS-Röhrensätzen.

Leider werden die vielfach ausgezeichneten und von der Fachpresse hochgelobten Verstärker von WOO AUDIO bislang noch nicht im deutschsprachigen Raum angeboten. Wer demzufolge ein Gerät von Jack Wu käuflich erwerben möchte, muss dieses nach wie vor auf der entsprechenden Homepage des Herstellers verbindlich bestellen und in Folge importieren. Upps.

Keine Angst, dies gestaltet sich eigentlich völlig problemlos, was ich unlängst beim Kauf zweier TUNG SOL 5998 NOS-Röhren aus Jack’s Röhrenzubehör verifizieren konnte. FED-EX schickt die entsprechenden Dokumente zur Zollabfertigung rasch zu, welche dann einfach nur ausgefüllt zurücksendet werden müssen. Im Anschluss wird das Paket umgehend an den Empfänger zugestellt.

Aber diese Vorgehensweise könnte sich vielleicht schon bald ändern. Denn auf der diesjährigen HIGH-END in München teilte mir Jack in einem längeren Gespräch mit, dass er sich zukünftig durchaus auch eine direkte Distribution in Deutschland vorstellen könne.

Und da ich ja kürzlich unter Musicalhead/News den Prototypen des brandneuen mobilen Kopfhörerverstärkers WA11 PASSPORT vorgestellt habe und diesen bereits daheim in detaillierten akustischen Augenschein nehmen konnte, fiel es natürlich nicht schwer, das verlockende Angebot von Jack anzunehmen, mir einen weiteren seiner genialen Verstärker für eine ausführliche klangliche Begutachtung direkt aus New York zu zuschicken.

Die endgültige Serienversion des WA11 lässt zudem noch ein wenig auf sich warten. So fiel meine Wahl letztlich eben auf den WA8. Denn die transportable DAC/Amp Kombination schließt mein diesjähriges „Summer-Special“ einfach perfekt ab und komplettiert somit hervorragend diese kleine Mini-Serie.

Der batteriebetriebene Röhrenverstärker WA8 ECLIPSE ist in den USA zwar schon längere Zeit erhältlich, hierzulande aber noch relativ unbekannt. Der WOO beeindruckte mich aber schon am LB MYSPHERE 3.2 auf der HIGH-END in München nachhaltig durch ein sehr luftiges und gleichsam exzellent ausbalanciertes Klangbild und empfahl sich daher ausdrücklich für eine spätere Rezension.

Außerdem vermittelt er dem geneigten Interessenten IMO auch einen sehr guten Einblick in die Markenwelt von WOO AUDIO. Ich möchte mich übrigens an dieser Stelle bei Jack Wu für die schnelle und unbürokratische Zusendung und Bereitstellung meines Testmusters ganz herzlich bedanken.

Verarbeitung & Ausstattung

Die Produkte von WOO AUDIO werden grundsätzlich äußerst präzise und sorgfältig aus hochwertigen Materialien gefertigt. Der Kunststoffanteil tendiert dabei praktisch gegen Null. Dies ist zum einen nicht nur wunderschön anzusehen, sondern vermittelt gleichzeitig auch eine hohe haptische Wertigkeit. Top.

Der WA8 macht hier selbstverständlich keine Ausnahme. Alle Bauteile sind  extrem passgenau und besitzen darüber hinaus auch perfekte Spaltmaße. Und das ist für amerikanische Gerätschaften ja nicht immer unbedingt typisch. Allseits sauber gefräste Kanten, nahtlos in das Gehäuse eingelassene Buchsen und Schalter, sowie ein leichtgängig und sämig zu drehender Lautstärkeregler zeugen weiterhin von viel Liebe zum Detail.

Das massive Aluminiumgehäuse nebst dem aufwendigen Innenleben ist allerdings auch verantwortlich für das relativ hohe Gewicht des WA8 (1,1 Kg), welches die mobile Nutzung IMO auf den reinen Transport von Ort zu Ort beschränkt. Da der Röhrenverstärker aufgrund seines Arbeitsprinzips naturgemäß auch ziemlich warm wird, eignet er sich ohnehin kaum für eine Nutzung unterwegs.

Der natürliche Biotop des WOO AUDIO Verstärkers ist also eher der Garten oder der Balkon daheim, aber auch das Büro beziehungsweise ein Hotelzimmer im Urlaub verfügen über eine dementsprechende Daseinsberechtigung. Selbstverständlich kann der WA8 desgleichen als vollwertige All-in-One Lösung in den heimischen vier Wänden genutzt werden. Dazu aber später mehr im Klangtest.

Die Ausstattungsliste des kleinen Röhrenverstärkers ist darüber hinaus eher zweckmäßig und durchdacht, als üppig bemessen.

In der dunkelgrauen Kartonage mit dem aufgedruckten Logo des Herstellers findet sich ein maßgeschneidertes und wasserfestes Pelikan-Case zum sicheren Transport des Amps, ein Universalnetzteil zur einfachen Anpassung an die jeweiligen Spannungsanforderungen, ein USB-Kabel zum Anschluss an gemäße Datenquellen, sowie eine Quick-Start Anleitung, natürlich in englischer Sprache.

Technik

Der WOO AUDIO WA8 ECLIPSE selbst verfügt neben dem obligatorischen Ein/Aus-Schalter eingangsseitig über die Möglichkeit, mittels einer USB-A Buchse Kontakt zu einem passenden Datenlieferanten, wie beispielsweise einem PC oder MAC, aufzunehmen. Durch den sinnvollen Verzicht auf die üblichen Micro-USB Lösungen, kann ich somit auf meinen recht umfangreichen Fundus an hochwertigen Zubehörkabeln aus der Wunderkiste zurückgreifen. Danke dafür.

Zum anderen kann der WOO aber auch über eine 3.5 mm Klinkenbuchse direkt und unter Umgehung der DAC-Abteilung mit musikalischem Material aus dem Line-Ausgang einer entsprechenden Musikquelle, optimalerweise mit einer Ausgangsspannung von 2V, versorgt werden.

Praktischerweise arbeitet der WA8 mit einem externen Netzteil, welches ausschließlich den Akkumulatorensatz mit der nötigen Energie versorgt, ohne dadurch die übrigen Bereiche des DAC/KHV klanglich negativ zu beeinflussen. Diese Lösung ist meines Erachtens sowieso wesentlich sinnvoller, als ein gemeinsames Kabel für Transport und Ladung zu verwenden.

So kann der WOO wahlweise am heimischen Netz verweilen und ist gleichwohl für gelegentliche klangliche Ausflüge in den Garten gewappnet. Der integrierte Lithium-Ionen-Akku mit einer Kapazität von 3.400 mAh ermöglicht eine unabhängige Betriebsdauer von 3-4 Stunden. Dies ist IMO zwar nicht sonderlich großzügig bemessen, sollte in den allermeisten Fällen aber dennoch ausreichen. Eine 5-stufige LED-Anzeige zeigt dabei jederzeit den aktuellen Ladestand an.

Die unter Sichtglas beheimateten 3 Röhren des WA8 benötigen neben dem Schaltungskonzept mit Transformator-gekoppelten Class-A Ausgangsstufen eben relativ viel Strom. Beim WOO handelt es sich also tatsächlich um einen reinen Röhrenverstärker und um keine Hybridversion, wie beispielsweise bei meinem ALO CONTINENTAL DUAL MONO.

In der digitalen Wandlersektion des WA8 arbeitet ein renommierter Referenz-Chipsatz vom Typ ES9018K2M, also nicht unbedingt die topaktuellste Version – IMO aber dennoch eine sehr gute Wahl, wie sich im späteren Klangtest noch herausstellen wird.

Denn das Röhrenkonzept des WOO harmoniert ganz ausgezeichnet mit der leicht analytischen Spielart des ESS-SABRE Wandlers. Der DAC des WA8 akzeptiert dabei Datenraten bis zu 24 bit/384 kHz und spielt DSD-Dateien über DoP ab, obwohl der WOO offiziell kein DSD unterstützt. Geht doch.

Das Verstärkungskonzept des WA8 ECLIPSE fußt weiterhin auf einer 6021’er Treiberröhre sowie zwei Powerröhren vom Typ 6S31B. Über einen Wahlschalter auf der Oberseite des KHV kann außerdem die Anzahl der Röhren variiert werden. Im 2-Mode Betrieb wird die Subminiatur-Treiberröhre deaktiviert und soll den WOO, nach Aussage des Herstellers, insbesondere für den Betrieb mit empfindlichen IEM optimieren.

Die Lebensdauer der Miniaturröhren gibt Jack Wu dabei mit ca. 5.000 Stunden an. Ein Röhrenwechsel in Eigenregie ist aber möglich, erfordert mitunter etwas handwerkliches Geschick, stellt jedoch IMO kein Hexenwerk dar. WOO AUDIO liefert im Falle eines Austausches auf Wunsch auch ein komplett neues Modul mit einer entsprechenden Einbauanleitung dazu. Also alles kein Problem.

Auf der Ausgangsseite besitzt der Single-Ended Kopfhörerverstärker eine 3.5 mm-, löblicherweise aber ebenso eine 6.3 mm Klinkenbuchse. So entfallen die oft unumgänglichen Adapter, welche die Übergangswiderstände in der Signalkette zumeist unnötig erhöhen. Ein symmetrischer Betrieb ist aufgrund des zuvor erwähnten Schaltungslayouts natürlich nicht vorgesehen. Und im Übrigen auch nicht unbedingt erforderlich. Siehe Klangtest.

Vorbereitung

Aufgrund des recht großen Anwendungsspektrums kombiniere ich den WOO AUDIO WA8 ECLIPSE für den nun folgenden Klangtest mit den verschiedensten audiophilen Komponenten. Als Quelle dient mir mein über AUDIRVANA+ Software optimierter iMAC, welcher den implementierten USB-Wandler des WOO mit HIGH-RES Datenmaterial beschickt. Als Datenkabel verwende ich dabei ein AUDIOQUEST CINNAMON.

Dieser Versuchsaufbau lässt sich aber selbstverständlich auch mobil über ein geeignetes Smartphone bewerkstelligen, in vorliegenden Falle ein iPHONE X, welches ich über APPLE‘s Camera Connection Kit an die technischen Gegebenheiten anpasse. Auch hier kommt natürlich das klanglich überlegene AUDIOQUEST Kabel zum Einsatz.

Um den WA8 aber auch als puren Kopfhörerverstärker bewerten zu können, nutze ich im weiteren Verlauf meinen ASTELL& KERN SE100 FUTURA als klanglich konvenablen Begleiter, welcher den WOO über seinen Line-Ausgang (Einstellung 2V) mit musikalischer Kost bespielt. Als Chinch-Verbindungskabel fungiert hierbei ein AUDIOQUEST BIG SUR.

Der altbewährte AKG812 PRO, der aktuelle AUDEZE LCD4 Z, sowie meine heiß geliebte ABYSS DIANA agieren im Zusammenwirken mit dem Röhrenverstärker als adäquate Spielpartner aus der Over-Ear Fraktion, der brandneue CAMPFIRE ANDROMEDA S übernimmt gleichsam den Part des untrüglichen IEM Rauschdetektors.

Die üblichen Verdächtigen kennt ihr ja höchstwahrscheinlich bereits. Als musikalisches Referenzmaterial dienen wieder einmal die mir wohl vertrauten Stücke aus den Bereichen Jazz, Blues, Klassik, Rock und Pop. Wenn ihr nun noch weitere Informationen zum WOO AUDIO WA8 ECLIPSE benötigt, schaut doch ganz einfach auf den Seiten des Herstellers vorbei unter: wooaudio.com

Klangtest

Und wie klingt mein silbergrauer Testproband denn jetzt?

Zunächst einmal bin ich sehr erstaunt, wie kraftvoll der Bonsai-Verstärker im Zusammenspiel mit den unterschiedlichen Over-Ear Kopfhörern agiert. Allein schon deshalb, weil WOO AUDIO eine Maximalleistung von lediglich 350 mW an 50 Ohm angibt. Der Röhrenverstärker hinterlässt allerdings zu keiner Zeit den Eindruck, die ihm aufgebürdeten ohmschen Lasten nicht bewältigen zu können.

Gleichgültig also, ob sich der relativ genügsame AKG812 auf eine akustische Liaison mit dem WA8 ECLIPSE einlässt, oder Lady DIANA ihn zu einem heißen Tanz auffordert – der kleine WOO behält jederzeit die souveräne Kontrolle über das musikalische Geschehen.

Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich bei einer klanglichen Blindverkostung nie und nimmer auf einen mobilen Vertreter aus der Verstärkerfraktion tippen. Allerdings empfiehlt es sich IMO, den WA8 möglichst im 3 Röhren-Modus zu belassen.

Geht der WOO nämlich schaltungstechnisch seiner 6021’er Treiberröhre verlustig, macht sich dies in erster Linie durch eine etwas flächigere räumliche Abbildung, sowie eine leicht komprimierte Dynamik bemerkbar. Ich belasse den WA8 demzufolge im weiteren Verlauf meiner Rezension in der von mir zuvor favorisierten Schalterstellung.

Der Betrieb mit lediglich 2 Röhren macht IMO somit nur in Kombination mit sehr empfindlichen IEM Sinn, obgleich der KHV in beiden Varianten grundsätzlich vor einem rabenschwarzen Hintergrund operiert und zudem über einen hinreichend großzügigen Einstellbereich bezüglich der gewünschten Abhörlautstärke verfügt.

Dies wird speziell in Kombination mit dem CAMPFIRE ANDROMEDA S deutlich. Der brandneue Weltklasse IEM reagiert nämlich auffällig sensibel speziell auf röhrenbewehrte Zuspieler und unterlegt das klangliche Geschehen in Folge oft mit einem leichten Rauschteppich. Im aktuellen Zusammenspiel indessen ist, selbst in extrem leisen Passagen bei klassischer Musik, nicht das allergeringste störende Geräusch vernehmbar. Einfach klasse.

Wer allerdings jetzt den typisch warmen und grundtonstarken Röhrensound bei WOO AUDIO erwartet, wird jetzt höchstwahrscheinlich etwas verwundert auf die klangliche Signatur des WA8 ECLIPSE reagieren.

Denn der WOO verfügt zwar zweifellos über alle grundsätzlichen Vorteile von Röhrenverstärkern, wie die bekannt hohe Grundschnelligkeit bei einer gleichsam impulstreuen Wiedergabe, eine ausgezeichnete räumliche Expansion in Tiefe und Breite, sowie über wunderbar authentische Klangfarben.

Allerdings ergibt sich, insbesondere in Kooperation mit der akribisch analytischen ESS-Wandlersektion, in Summe ein vorwiegend eher neutrales und gleichsam fein ausbalanciertes Klangbild, einem soliden Transistor-Verstärkerkonzept nicht ganz unähnlich. Natürlich garniert mit einer delikaten Prise Röhrenschmelz. Und dies ist durchaus als Kompliment zu verstehen.

In Kombination mit dem CAMPFIRE ANDROMEDA S wirkt die Reproduktion von Stimmen und Instrumenten somit niemals zu blumig oder auf gedickt. Bereits jetzt fällt mir auf, dass der „S“ am WA8 ungewöhnlich luftig und offen für einen IEM aufspielt. Selbst ein Top-DAP, wie der neue A&K SE100 FUTURA, agiert hier vergleichsweise geringfügig 2-dimensionaler, versehen mit einer kompakteren räumlichen Abbildung.

Da der WOO AUDIO WA8 ECLIPSE in der Praxis aber wohl vielmehr mit ohrumschließenden Kopfhörern verbandelt werden wird, greife ich kurzerhand zu meinem AKG812 PRO. Und staune zunächst nicht schlecht. Denn der AKG spielt am Amerikaner IMO definitiv in einer höheren klanglichen Liga.

Straff konturierte und zudem wohl dosierte Bässe, ein plastisch ausgeformter Mitteltonbereich, sowie eher untypisch seidige und gleichsam fein strukturiert aufgelöste Höhen – die akustische Lupe wird IMO auch langzeittauglich. Herz, was willst du mehr.

Und ganz nebenbei. Zu keiner Zeit vermisse ich in dieser harmonischen Wechselbeziehung die symmetrische Betriebsvariante. Denn das feinsinnige und detaillierte Spiel des WA8 in Verbindung mit dem 812 PRO entzieht sich quasi jeglicher Kritik. Summa summarum also eine äußerst gelungene Kombination.

Meine nächste Kandidatin, die ABYSS DIANA, entpuppte sich schon des Öfteren als anspruchsvolle Zicke. Und findet im WOO dann erfreulicherweise doch einen passenden akustischen Gefährten. Auch in diesem Falle agiert der WA8 annähernd als der berühmte verstärkende Draht, allerdings mit hochmusikalischem (Röhren-) Einschlag.

Der mobile DAC/Kopfhörerverstärker setzt jedenfalls alle Stärken der DIANA perfekt in Szene. Den extrem impulsschnellen und völlig ansatzlosen Bassbereich, eine großartig plastische und emotional ergreifende Wiedergabe von Stimmen und Instrumenten mit völlig natürlich wirkenden Transienten, gepaart mit einem exorbitanten Auflösungsvermögen im Hochtonbereich.

Der WOO intoniert den mittleren Frequenzbereich dazu außergewöhnlich feindynamisch, verbunden mit einer herausragenden Durchhörbarkeit und Transparenz. Lediglich bei außerordentlich hohen Pegeln geht dem Amp und der Dame im engagierten akustischen Arrangement dann irgendwann ein wenig die Luft aus. Geschenkt.

Der letzte Teilnehmer schließlich kann im gemeinsamen Zusammenspiel die bereits sehr gelungene Vorstellung des WA8 ECLIPSE tatsächlich noch leicht toppen. Kunststück, denn der neue AUDEZE LCD4 Z markiert IMO das bisherige Meisterstück der Amerikaner in Sachen Over-Ear Kopfhörer.

Denn die bereits hinlänglich bekannten klanglichen Vorzüge des LCD4 erfahren beim neuen 15 Ohm Modell eine exorbitante Steigerung im Bezug auf die dynamische Qualität. Dass ich den AUDEZE Flächenstrahler nahezu im gleichen Lautstärkebereich des Pegelstellers betreibe, wie zuvor den CAMPFIRE ANDROMEDA S, ist wohl mehr als bezeichnend.

Der WA8 empfiehlt sich dem LCD4 Z weiterhin als idealer Spielpartner und verfügt zudem auch über ausreichende Pegelreserven, um den magnetostatischen Kopfhörer jederzeit angemessen herauszufordern. Oder auch einfach nur meine persönliche Schmerzgrenze auszuloten.

Gnadenlos druckvolle und gleichzeitig impulstreue Bässe werden nach oben flankiert durch den markentypisch erdigen Grundton der LCD-Serie, auf dem der klangfarbenstarke und korpusreiche Mitteltonbereich des AUDEZE Kopfhörers aufbaut.

Das Auflösungsvermögen, insbesondere im Hochton, wurde in einer stetigen Evolution der LCD-Modellreihe sukzessive verbessert, ohne dabei allerdings in die obersten klanglichen Verästelungen, beispielsweise in jene der ABYSS DIANA, vorzudringen.

Dennoch markiert die filigrane Detailarbeit des LCD4 Z, vom WA8 akustisch nahezu optimal befeuert, die derzeitige klangliche Spitze im Hause AUDEZE. Der Hochtonbereich ist natürlich frei von jeglicher Schärfe und glänzt nach wie vor mit einer sehr entspannten Reproduktion von Sibilanten.

Nachhallfahnen klingen nunmehr auch etwas länger aus als bei früheren Versionen und verhelfen dem Z zu der bislang besten räumlichen Wiedergabe aller LCD-Over Ears. Dazu trägt der WA8 selbstverständlich in hohem Maße bei. Der phänomenale Raumeindruck geht dabei gleichzeitig einher mit einer sehr präzisen Ortbarkeit einzelner Akteure auf der virtuellen Klangbühne. In Verbindung mit der neuesten Variante des LCD4 ergibt sich daher ein kongeniales Gespann.

Der faszinierendste Aspekt ist und bleibt aber die überragende Dynamik dieser Kombination. Denn um den ursprünglichen LCD4 überhaupt zu einer vergleichbaren dynamischen Leistung zu bewegen, ist gefühlt schon mindestens die 5-fache Verstärkerleistung vonnöten. Die beiden Spielpartner beweisen insofern wieder einmal eindrucksvoll, wie bedeutsam eine ungehemmte und unkomprimierte Dynamik für die authentische Wahrnehmung von Musik ist.

Bei der Auswahl der jeweiligen Datenlieferanten ergeben sich erwartungsgemäß keine signifikanten klanglichen Unterschiede. Ganz gleich, ob der USB-DAC des WA8 seine musikalische Datenkost von meinem iMAC oder vom iPHONE über das CCK bezieht, tatsächlich hörbar ist dies IMO nicht. Vorausgesetzt natürlich, das digitale Datenmaterial liegt in den gleichen Formaten vor.

Nun bleibt natürlich noch eine allerletzte Frage zu klären. Inwieweit ändert sich das Klangbild des WOO, sofern selbiger nur als reiner Kopfhörerverstärker genutzt wird. Und obwohl die Unterschiede am A&K SE100 FUTURA natürlich nicht gigantisch ausfallen – vernehmbar sind sie dennoch.

Der aktuelle ES9038 PRO, welcher im SE100 FUTURA Verwendung findet, beeindruckt durch ein nochmalig gesteigertes Auflösungsvermögen und lässt den ES9018K2M in dieser Disziplin im wahrsten Sinne des Wortes ein wenig alt aussehen. Auch werden musikalische Ereignisse noch eine Nuance schärfer umrissen, als über den wahrlich nicht schlechten Digital-Analog-Wandler des WA8.

Überraschenderweise verzeichnet der ältere ESS-Chipsatz aber leichte Vorteile im Hinblick auf einen geringfügig weitläufigeren, räumlichen Eindruck. Zudem wirkt die musikalische Wiedergabe in sich kohärenter und im besten Sinne ein wenig analoger. Gegebenenfalls wurden die entsprechenden Ausgangsstufen des KHV auch etwas feinfühliger an den implementierten DAC des WA8 angepasst.

Sei es drum. Denn all diese Unterschiede sind natürlich bestenfalls marginaler Natur. In allen von mir getesteten Betriebsvarianten musiziert der WOO schlichtweg auf einem bemerkenswert hohen audiophilen Niveau und steht der klanglichen Performance eines ausgewachsenen stationären Kopfhörerverstärkers IMO in absolut nichts nach.

Mein Fazit

Ist der WOO AUDIO WA8 ECLIPSE somit die eierlegende Wollmilchsau? Eine transportable All-in-One Kombination ohne jegliche Schwächen? Nein – natürlich nicht. Aber doch fast.

Sicherlich geht der kleine Röhrenverstärker zum einen nicht wirklich als mobile Lösung durch. Der WA8 ist mit einem Eigengewicht von über 1 kg deutlich zu schwer geraten, um unterwegs unauffällig in der Jackentasche zu verschwinden. Außerdem wird der WOO dafür auch viel zu warm. Und allein schon um eine ausreichende Kühlung zu gewährleisten, sollte das Gerät IMO nur freistehend verwendet werden.

Zum anderen kann der WA8 auch nicht symmetrisch betrieben werden. Ich persönlich habe diesen Umstand im Verlaufe meiner Rezension zwar zu keiner Zeit als Nachteil empfunden, kann mir aber natürlich durchaus vorstellen, dass dies gegebenenfalls ein Ausschluss-Kriterium für manchen Interessenten darstellen könnte.

In solch einem Fall empfehle ich einmal die akustische Verkostung eines ALO CONTINENTAL DUAL MONO, welcher bei einer ähnlichen (Röhren-) Performance erfreulicherweise beide Betriebsarten beherrscht.

Aus rein klanglicher Sicht allerdings ist gegen den WOO AUDIO WA8 ECLIPSE aber derzeit so gut wie kein Kraut gewachsen.

Der o.g. ALO CDM beispielsweise spielt mit einem geringfügig wärmeren Timbre auf und verfügt im symmetrischen Betrieb auch über die minimal druckvollere Wiedergabe, reicht aber an die DAC-Qualitäten des WOO nicht ganz heran. Ein CHORD HUGO2 löst komplexe Klangstrukturen vielleicht noch etwas filigraner auf als der WA8, verspielt als typischer Vertreter der Transistorfraktion diesen Vorteil IMO aber wiederum über seinen leicht digital angehauchten Charakter.

In der Summe seiner musikalischen Eigenschaften ist der WOO AUDIO als DAC/Amp Kombination für mich somit der ungekrönte Röhrenkönig im transportablen Bereich. Und meine neue Referenz in diesem Segment.

Der WOO AUDIO WA8 ECLIPSE ist in den Farben rosegold, silbergrau und schwarz zu einem Preis von 1.799 Dollar in den USA erhältlich. Und hoffentlich auch bald in der deutschen Distribution.

Euer Fidelio



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