Raal Requisite SR1a

Test RAAL REQUISITE SR1a

Was macht die Wiedergabe über Kopfhörer eigentlich so einzigartig? Ist es die intime Auseinandersetzung mit der Musik? Die unmittelbare Nähe zu Künstlern und Instrumenten? Möglicherweise übt ja auch eine besonders feinsinnige Wiedergabe unserer musikalischen Schätzchen die entsprechende Faszination aus?

Außerdem bietet so ein Ohrlautsprecher natürlich die einmalige Gelegenheit, dem originären Live-Konzert mit einem diesem großartigen Ereignis angemessenen Abhörpegel zu frönen, welcher, über eine dementsprechende HIFI-Anlage genossen, wohl unweigerlich zu kriegerischen Auseinandersetzungen mit der werten Nachbarschaft führen würde.

Darüber hinaus definiert jeder Gralsritter des Klanges sein musikalisches Nirvana natürlich auch sehr individuell. Wobei sich allerdings selbst der engagierteste Kopfhörer-Enthusiast mitunter eingestehen muss, dass die Wege dorthin mitunter unergründlich sind. Kostenintensiv ja sowieso.

Zumal sich der persönliche Fokus, welcher zwangsläufig geprägt ist von ständig wechselnden Höreindrücken und den sich daraus ergebenden neuen klanglichen Ansprüchen, sukzessive auch leicht verschieben kann.

Was bisweilen dazu führt, dass der gestandene Gralsritter sein ursprüngliches Ziel aus den Augen verliert. Wie immer dieses im Einzelnen aussehen mag.

Infolgedessen werden von durchaus aufmerksamen Herstellern stets neue Ohrlautsprecher entwickelt, natürlich immer mit dem hehren Anspruch auf klangliche Absolution. Und nicht selten versehen mit markentypischen Alleinstellungsmerkmalen hinsichtlich der gralstechnischen Ausrichtung.

Und zeitweilig gelingt der einen oder anderen Manufaktur dann der ganz große Wurf. Eine veritable Kopfhörerlegende zu schaffen, an welche man sich auch Jahre später zurückerinnern wird.

So wie voraussichtlich an den neuen RAAL REQUISITE SR1a.

Der beste Kopfhörer der Welt?

Aber bereits der obligatorische Einleitungstext zu meinem heutigen Testkandidaten gerät zu einem unerwartet schwierigen Unterfangen. Denn selbstverständlich geht allen schriftlichen Rezensionen auf Musicalhead ein mehrwöchiges Hörprogramm voraus, bevor ich im Anschluss auch nur ein einziges Wort zu Papier zu bringe.

Und nach Worten habe ich dann auch tatsächlich gerungen. Wie zur Hölle soll man die außergewöhnliche Performance des RAAL REQUISITE SR1a in schnöde Sätze fassen?

Ein bekennender Gralsritter der feinen Töne brachte es erst kürzlich nach eigener akustischer Inaugenscheinnahme des serbischen Kopfhörers bei mir daheim auf den Punkt. Er war nämlich der Ansicht, dass der Testbericht des SR1a unter Umständen zum kürzesten schriftlichen Destillat auf meinem Blog mutieren könnte – oder auch zum ausführlichsten Hörbericht aller Zeiten auf Musicalhead.

Denn dies ist eine jener Rezensionen, bei der ich am liebsten direkt mit der Tür ins Haus fallen würde. Nun gut – warum eigentlich auch nicht.

Der RAAL REQUISITE SR1a ist ohne jeden Zweifel der beste Ohrlautsprecher, welchen ich mir bis zum heutigen Tage zu Gehör führen durfte. Und in einigen klanglichen Kriterien sogar mit einem nicht unerheblichen Abstand. Da beißt die Maus keinen Faden ab.

Und selbstverständlich habe ich ob dieses doch recht gewagten Statements einige weitere erfahrene Gralsritter in den letzten Wochen um ihre persönliche musikalische Einschätzung zum SR1a ersucht. Welche schlussendlich dann aber allesamt zum gleichen Hörergebnis gelangten – die langjährige Suche nach dem klanglichen Gral findet aller Voraussicht nach mit dem RAAL REQUISITE SR1a ein jähes Ende.

Allerdings stellt sich infolgedessen die fast schon philosophische Frage, ob die scheinbar ewig währende Jagd nicht eben auch einen gewissen Reiz unseres schönen Hobbys ausmacht?

Ganz nach dem altbekannten Motto – der Weg ist das Ziel. Und „Jagen & Sammeln“ macht ja schließlich auch unglaublichen Spaß. Schließlich besitzt meine Frau ebenfalls Hunderte von Schuhen – für nur zwei Füße.

Was also, wenn sich nun eine völlig unbekannte serbische Manufaktur offensichtlich erdreistet, den nahezu perfekten Schallwandler zu schaffen? Einen entscheidenden Meilenstein im Olymp der Ohrlautsprecher? Ich meine – möchte man das wirklich? Schließlich liebe ich meine zahlreichen Ohrwärmer gerade wegen ihrer unterschiedlichen klanglichen Ausrichtungen.

Zumal sich der RAAL bereits in der Vorbereitungsphase zu dieser Rezension als äußerst wählerische Diva in Bezug auf einen adäquaten Spielpartner präsentiert. Und potenziellen, zukünftigen Besitzern zudem eine ausgeprägte monetäre Aufopferungsbereitschaft abverlangt.

Aber vielleicht sollte ich ja zunächst einmal ganz von vorne beginnen.

Den Erstkontakt mit dem SR1a verdanke ich in allererster Linie dem europäischen RAAL Importeur Stefan Gürtler von „Headphone Auditions Amsterdam“, der mir einen der allerersten SR1a völlig unbürokratisch und zudem schnellstmöglich zur Verfügung gestellt- und so diese exklusive deutschsprachige Rezension erst ermöglicht hat. Bedankt, Stefan.

Technik

Der serbische Hersteller RAAL REQUISITE präsentiert mit dem SR1a den weltweit einzigen Earfield™ Kopfhörermonitor in „True Ribbon™“ Technologie überhaupt. Dabei übernehmen erstmalig im Vollbereich operierende Bändchentreiber die akustische Wandlerarbeit.

RAAL produziert bereits seit 1993 Bändchenhochtöner für weltbekannte Marken im Lautsprechersegment und begann vor nunmehr 10 Jahren mit der Entwicklung des ersten Ohrlautsprechers mit diesem außergewöhnlichen Arbeitsprinzip.

Dabei ist der SR1a, ähnlich wie der legendäre AKG K1000 oder ein aktueller LB MYSPHERE, als völlig offener Kopfhörer ausgeführt und verzichtet gänzlich auf die sonst obligatorischen, aber unweigerlich auch klangverfärbenden Ohrpolster.

Während die beiden Letztgenannten allerdings dynamische Treibersysteme zur Schallwandlung einsetzen, vertrauen die RAAL REQUISITE Firmengründer Danny McKinney und Aleksandar Radisavljevic auf ultraschnelle Aluminium-Bändchentreiber, welche nach eigener Aussage eine unerreicht zeitgenaue Impulsantwort und Transientenreproduktion ermöglichen.

RAAL REQUISITE verspricht demzufolge ein audiophiles Klangerlebnis nicht nur in vorbildlicher Präzision, sondern auch in einer beispiellosen Authentizität – natürlich ohne jedwede Beeinträchtigung durch die Raumakustik.

Außerdem soll die innovative Earfield™ Architektur, ebenso wie beim LB MYSPHERE, mit einem verblüffend offenen und Lautsprecher-ähnlichen Klangfeld aufwarten.

Die von RAAL speziell entwickelten Vollbereichsbändchen sind überdies in der Lage, das nahezu vollständige Frequenzspektrum von 30 Hz – 30 kHz abzubilden und benötigen für die Reproduktion selbst tiefster Basslagen keinerlei geschlossene Gehäusekonstruktion.

Die perfekten Schallwandler also? Nun, nicht unbedingt, denn auch Bändchensysteme schlagen sich mit einem nicht unerheblichen Pferdefuß herum. Die Impedanz der Treiber des SR1a liegt nämlich bei wahnwitzigen 0,18 Ohm – was alle herkömmlichen Verstärker auf diesem Planeten für das Zusammenspiel mit dem SR1a zwangsläufig disqualifizieren würde.

Aus diesem Grunde ist der RAAL REQUISITE Ohrlautsprecher auf ein entsprechendes Interface in Form eines recht schmucklosen schwarzen Kästchens angewiesen, welches die ohmsche Last über ein intelligent geschaltetes Widerstandsnetzwerk auf Spielpartner-freundliche 5,6 Ohm anhebt.

Allerdings kommen auch jetzt die üblichen Verdächtigen nicht zum Zuge. Denn der Kopfhörer akzeptiert nur waschechte Vollverstärker oder Endstufen, welche nach Angabe des Herstellers über eine Leistung von mindestens 100 Watt/Kanal an 4 Ohm verfügen sollten, um den SR1a auf einen verzerrungsfreien Spitzenpegel von 111 dB zu „beschleunigen“.

Die passive Adapterbox, welche im Übrigen 2 x 150 Watt aufnehmen kann, ermöglicht dem antreibenden Verstärker aufgrund des von RAAL entwickelten Schaltungslayouts zudem einen konstanten Lastwiderstand, was speziell das elektrische Zusammenwirken der beiden Spielpartner natürlich erheblich vereinfacht.

Der schwarze Kasten begrenzt dazu auch die Leistungsabgabe an die beiden Bändchentreiber des SR1a, welche dadurch bedingt 500 mW/Kanal im Spielbetrieb nicht überschreiten. Nahezu 99% der überschüssigen Leistung „verpuffen“ somit im wahrsten Sinne des Wortes in den dunklen Tiefen der Box.

Nach Aussage des leitenden Ingenieurs und Firmengründers Aleksandar Radisavljevic ist dies allerdings kein unglücklicher Umstand, sondern vielmehr ein definitiver Vorteil: „Systeme nähern sich der Perfektion, wenn ihre Effizienz gegen Null tendiert“.

Quod esset demonstrandum.

Verpackung & Ausstattung

Der RAAL REQUISITE SR1a wird in einem schwarzen und sehr robust wirkendem Hardcase aus stabilem Kunststoff ausgeliefert, welches innen mit weichem, aber dennoch sehr formstabilen Schaumstoff ausgekleidet ist.

Dies ermöglicht nicht nur den problemlosen Transport des serbischen Ohrlautsprechers, sondern bietet gleichsam auch einen optimalen Schutz im zumeist rauhen Tonstudio-Alltag, für den der SR1a ursprünglich konstruiert wurde.

Neben dem obligatorischen Anschlusskabel in 2,20 m Länge, welches über zwei 3,5 mm Stecker Kontakt zum Kopfhörer aufnimmt und am anderen Ende sicherheitshalber über eine 4-pol-XLR Buchse und keinen Stecker verfügt, findet sich in unmittelbarer Nähe der neuen RAAL Pretiose die bereits zuvor erwähnte schwarze Box, sowie zwei fertig konfektionierte Kabelsätze mit Lamellen-Steckverbindungen zum Anschluss an die Lautsprecherausgänge des potentiellen Spielpartners.

Meinem Paket war allerdings weder eine Garantiekarte, noch eine Betriebsanleitung beigelegt. Dies ist möglicherweise aber der Tatsache geschuldet, dass es sich bei meinem Testmuster um eines der ersten Geräte in Europa handelt. Sei’s drum.

Verarbeitung & Tragekomfort

Der vollständig in Handarbeit gefertigte RAAL REQUISITE SR1a erinnert bei erster Betrachtung möglicherweise eher an einen Prototypen als an ein fertiges Produkt.

Was der Qualität selbstverständlich keinerlei Abbruch tut. Denn der SR1a überzeugt diesbezüglich auf ganzer Linie – sowohl durch die Auswahl an hochwertigen Materialien als auch aufgrund einer tadellosen Verarbeitungsgüte.

Kunststoff sucht man am RAAL Ohrlautsprecher jedenfalls vergeblich. Der SR1a ist dazu vollständig modular aufgebaut, was den Austausch diverser Komponenten, wie beispielsweise das Kopfband oder die Schläfenpolster, erheblich erleichtert. Zumal alle Ersatzteile auch einzeln bei RAAL REQUISITE geordert werden können. Das zeigt durchaus Klasse.

Selbst die Bändchentreiber lassen sich innerhalb weniger Minuten problemlos in Eigenregie wechseln, sollten diese wider Erwarten einmal ihren akustischen Dienst quittieren. Danny und Alek sind außerdem von der Qualität ihres Produktes restlos überzeugt und gewähren dementsprechend eine praxisgerechte Garantie von vollen 5 Jahren. Chapeau!

Der Tragekomfort des SR1a ist darüber hinaus ganz ausgezeichnet. Das lederne Kopfband lässt sich werksseitig in 3 Stufen über gestanzte Löcher sehr einfach auf die Kopfergonomie des Trägers anpassen, weitere Befestigungslöcher  können gegebenenfalls „in Heimarbeit“ hinzugefügt werden. Ein zusätzlicher Ledergurt schmiegt sich um den Hinterkopf des ehrwürdigen Gralsritters und fixiert den RAAL REQUISITE SR1a dadurch bombenfest auf dem werten Haupt.

Und wie schon beim LB MYSPHERE lassen sich die beiden seitlichen „Flügel“ individuell an Kopf- und Ohrengröße des Trägers anpassen, indem der Anstellwinkel stufenlos verändert werden kann. Die Ersteinstellung des SR1a erfordert allerdings Zeit und Muße.

Ganz ähnlich der Positionierung von klassischen Stereoboxen, muss nämlich zunächst der individuelle „Sweet Spot“ ermittelt werden. Für mein persönliches Hörempfinden hat sich eine Öffnung von ca. 30-40 Grad dabei als ideale Winkelstellung ergeben. Die vertikale Ausrichtung des Kopfhörers spielt dagegen IMO eine eher untergeordnete Rolle.

Mit einem Gewicht von 425 Gramm ist der RAAL Ohrlautsprecher auch nicht zu schwer geraten, zumal die Last über das großflächige Kopfband angenehm und ohne Druckstellen verteilt wird. Somit steht längeren Hörsitzungen grundsätzlich nichts im Wege.

Allerdings sollte der geneigte Interessent tunlichst beachten, dass der SR1a konstruktionsbedingt nicht in liegender Position genutzt werden kann, da dies unweigerlich zu Verfärbungen im Klangbild führen würde. Und auch das Fehlen jeglicher Geräuschisolierung ist vielleicht nicht unbedingt jedermanns Sache.

Vorbereitung

Der RAAL REQUISITE SR1a wird serienmäßig mit dem oben beschriebenen Interface – aber selbstverständlich ohne einen entsprechenden Endverstärker ausgeliefert.

Stefan Gürtler von „Headphone Auditions Amsterdam“ konnte allerdings einen der weltweit ersten zwei Prototypen des Herstellers SCHIIT AUDIO organisieren – und mir freundlicherweise für meinen Testbericht zur Verfügung stellen. Der „WELTENHEIM“ getaufte Spezialverstärker der amerikanischen Manufaktur arbeitet impedanztechnisch mit einem neuartigen Übertrager, welcher die kleine schwarze Begleitbox obsolet macht.

Zudem war ich natürlich sehr gespannt, welcher Vollverstärker den klanglichen Ansprüchen des SR1a in der Praxis tatsächlich genügen würde.

Denn die von RAAL REQUISITE empfohlene Verstärkerleistung markiert zwar einen maximal unverzerrten Spitzenpegel, aber als bekennender Leisehörer kann ich auf Lautstärken > 110 dB dankend verzichten. Und die allermeisten Gralsritter-Kollegen wohl ebenso.

Entscheidend ist insbesondere aber auch die Stromlieferfähigkeit des jeweiligen Spielpartners, wobei 5 Ampere nach Aussage von Danny nicht wesentlich unterschritten werden sollten. Was neben meinem MUSICAL FIDELITY KW250 (2 x 250 Watt an 4 Ohm) ja eventuell auch den RIVIERA AIC10 als Spielpartner für den RAAL REQUISITE SR1a prädestinieren könnte?

Denn selbiger leistet nominell zwar nur vergleichsweise lächerliche 2 x 10 Watt an 8 Ohm, kann aber aufgrund seines überdimensionierten Netzteils, sowie ganz spezifischer Konstruktionsmerkmale laut Entwickler Luca Chiomenti exorbitant hohe Spitzenströme an seinen Lautsprecherausgängen zur Verfügung stellen.

Außerdem teste ich den SR1a auch in Kombination mit dem NAIM AUDIO UNITY ATOM (2 x 40 Watt an 4 Ohm), um euch gegebenenfalls eine preislich etwas günstigere Alternative zu den beiden erstgenannten Verstärkerboliden offerieren zu können. In diesem Zusammenhang möchte ich mich speziell beim Klangpunkt Aachen für die freundliche Bereitstellung des NAIM bedanken.

Als Signalquelle fungiert in allen Fällen ein AURALIC ARIES G1 im Zusammenspiel mit dem VEGA G1 DAC aus gleichem Hause. Die audiophile Verbindung zwischen den einzelnen Komponenten wird wie schon so oft gewährleistet durch hochwertige Kabelsätze der amerikanischen Marke AUDIOQUEST.

Das musikalische Testprogramm setzt sich wieder einmal zusammen aus mir wohlbekannten Hörbeispielen der Musikrichtungen Klassik, Jazz, Blues, Rock und Pop, vorwiegend in HIGH-RES Auflösung.

Weitere Informationen zum RAAL REQUISITE SR1a erhaltet ihr im Übrigen auf der Homepage des Herstellers: https://raalrequisite.com/sr1a-earfield-monitors/ oder auch unter: https://www.headphoneauditions.nl/sr1a-ribbon-earfield-monitors/

Klangtest

Die nachfolgenden klanglichen Bewertungen beziehen sich primär auf das Zusammenspiel mit dem RIVIERA AIC10, mit welchem der RAAL REQUISITE SR1a musikalisch tatsächlich kongenial interagiert und dementsprechend zur Hochform aufläuft.

Zu keiner Zeit gewinne ich dabei den Eindruck, dass der AIC10 mit dem SR1a akustisch überfordert wäre. Bis hin zu sehr ambitionierten Hörpegeln überzeugt der RIVIERA somit auch dynamisch in seiner Funktion als amtlicher Vollverstärker.

Angesichts der Tatsache, dass bereits vor über 30 Jahren kleine englische Verstärkerziegel vom Schlage eines MISSION CYRUS II mit externem Netzteil PSX aufgrund einer herausragenden Stromlieferfähigkeit den damaligen Mitbewerbern das Fürchten lehrten, überrascht mich die leistungstechnische Performance des italienischen KHV heute allerdings nicht sonderlich. Denn der AIC10 kann eben auch Strom.

Oft wird als ein immanenter Vorteil bei einer musikalischen Reproduktion über Kopfhörer im Vergleich zu der Wiedergabe über Lautsprecher angeführt, dass Erstgenannte nicht durch Art und Größe eines Hörraums beeinflusst werden. Diese Aussage ist allerdings so nicht haltbar.

Denn natürlich sind unsere Ohren auch unter den Polstern des jeweiligen Kopfhörers einer entsprechenden Raumakustik in „Miniaturformat“ ausgesetzt.

Die Innenflächen der Ohrpolster bedingen Reflexionen und Resonanzen, der Druckkammereffekt begünstigt zudem stehende Wellen, was in Summe zwangsläufig zu mehr oder minder signifikanten Verfärbungen im Klangbild führen kann.

Dem im Freifeld operierenden RAAL REQUISITE SR1a ist dieses Phänomen, ebenso wie beispielsweise einem LB MYSPHERE, natürlich völlig fremd. Was bereits bei der ersten Kontaktaufnahme mit dem Kopfhörer, ob des ungewohnt realistischen Klangeindruckes, selbst bei kampferprobten Gralsrittern der feinen Töne stets für ungläubige Blicke sorgt.

Und wenn ich die Klangsignatur des SR1a in der obigen Kombination mit nur einem Wort beschreiben dürfte, wäre dies sicherlich der Begriff „authentisch“. Denn speziell über diese beiden musikalischen Wunderwaffen ertönen Stimmen und Instrumente einfach nur gespenstig echt. Absoluter Gänsehautfaktor ist garantiert.

Der RAAL reproduziert jegliche Art von Tonkonserven dabei aber nicht nur ausgesprochen verfärbungs- und resonanzfrei, sondern vor allem auch – teuflisch schnell. Dies ist in der Tat der schnellste Schallwandler überhaupt, den ich bis dato gehört habe. Die Transientenwiedergabe ist infolgedessen perfekt.

Außerdem weiß der Kopfhörer mit einer grandiosen Bühne und Raumtiefe zu überzeugen. Vorausgesetzt, die beiden Treiberflügel wurden sorgfältig auf die Ohren des Trägers justiert, begeistert der SR1a mit einem bemerkenswert livehaftigen Hörerlebnis und übertrifft in dieser Disziplin IMO selbst einen ABYSS AB1266 PHI TC.

Dabei ist insbesondere die Art und Weise der räumlichen Darstellung des RAAL äußerst markant.

Denn während der ABYSS ein sehr weitläufiges, aber eben auch fest definiertes und in sich geschlossenes Klangfeld rund um den Kopf des Zuhörers erzeugt, fokussiert der SR1a einzelne klangliche Ereignisse scheinbar losgelöst voneinander, aber dennoch fest umrissen in einem völlig offen wirkenden Raum, ordnet diese aber gleichermaßen wieder kohärent dem musikalischen Kontext zu.

Dieses Hörerlebnis ist schwer zu beschreiben und erinnert in der Tat an ein Lautsprecher Setup im Nahfeld. Im Verlaufe meiner Rezension fällt mir zeitweilig sogar eine exakte Trennung der eigentlichen musikalischen Reproduktion und der Wahrnehmung von realen Umgebungsgeräuschen schwer.

Während der Wiedergabe einer Referenzaufnahme klingelte beispielsweise mein Mobiltelefon. Da in diesem Augenblick aber ein Live-Konzert in einem lauten Jazzkeller aufgeführt wurde, konnte ich das neue Geräusch zunächst nicht identifizieren und eindeutig zuordnen.

Dieses simple Beispiel ist umso faszinierender, als dass eine solche „Maskierung“ bei einem konventionellen Kopfhörer nahezu ausgeschlossen gewesen wäre. Was in erster Linie natürlich für die erstaunlichen Wiedergabequalitäten des RAAL REQUISITE SR1a spricht.

Auch dem LB MYSPHERE ist es bereits vor einigen Monaten vortrefflich gelungen, mir durch seine außergewöhnlichen räumlichen Fähigkeiten zu imponieren. Allerdings verhinderte damals insbesondere die IMO unzureichende Pegelfestigkeit im Bassbereich eine noch bessere klangliche Gesamteinstufung.

Und genau diese Schwäche leistet sich der RAAL nicht. Der Tiefton des SR1a ist selbst bei höheren Lautstärken nicht nur frei von Verzerrungen – der RAAL spielt auch spürbar druckvoller auf und agiert speziell in diesem Frequenzbereich überdies auch schneller als der LB MYSPHERE.

Dennoch ist der großartig strukturierte Bass des serbischen Ohrlautsprechers eher von schlanker Natur. Denn obgleich der RAAL grundsätzlich mit einem völlig ausreichenden Pegel im Frequenzkeller aufwartet (30 Hz Grenzfrequenz), verfügt der Tieftonbereich gefühlt über vergleichsweise etwas weniger Volumen als beispielsweise ein konventioneller (ortho-) dynamischer Kopfhörer.

Hier kontert der ABYSS AB1266 PHI TC den SR1a offenbar mühelos aus. Allerdings – mit einem deutlich wahrnehmbaren Verlust an Geschwindigkeit.

Was im Übrigen für alle zum Vergleich herangezogenen Probanden gilt. Egal ob ein HIFIMAN SUSVARA oder der STAX SR009 – keiner dieser Spitzenkopfhörer erreicht auch nur annähernd die Schnelligkeit des RAAL im Bassbereich. Die Impulsgenauigkeit des SR1a ist geradezu frappierend.

Diese minimale Verzögerung bei der Reproduktion von Bassimpulsen ist speziell auf das etwas trägere Ein- und Ausschwingverhalten von (ortho-) dynamischen Treibern oder elektrostatischen Flächenstrahlern zurückzuführen.

Aufgrund der höheren Masseträgheit im Vergleich zu den Vollbereichsbändchen des SR1a gewinnt der Zuhörer dadurch den Eindruck von mehr Substanz und Fülle, da neben den bewegten Luftmassen über die Druckkammereffekte, eben auch die eigentliche Laufzeit die Bassquantität maßgeblich beeinflusst.

Und das unglaublich hohe Tempo des RAAL REQUISITE SR1a zieht sich wie ein roter Faden schließlich durch das gesamte Frequenzspektrum.

Die Klangfarben des serbischen Kopfhörers werden im Mitteltonbereich allerdings nicht unbedingt mit breitem Pinsel gemalt, sondern eher mit feinem Stift gezeichnet. Zumal der RAAL im Grundton, bedingt durch den leichtfüßigen und entschlackten Bass, mit großzügigem Korpus nebst molliger Wärme etwas geizt.

Nichtsdestotrotz werden Stimmen und Instrumente genügend plastisch reproduziert und durch die überlegene Transientenreproduktion nicht nur exzellent artikuliert, sondern gleichsam ausdrucksstark und mit einer nahezu lebensechten akustischen Bildgebung zu Gehör gebracht. Das ist zweifellos Weltklasse.

Jedwedes musikalisches Geflecht wird dazu in perfekter Manier aufgelöst und fein strukturiert in die räumliche Interaktion mit eingebunden. Die Transparenz des SR1a ist schlichtweg überragend und übertrifft IMO auch hier die versammelte Konkurrenz um schon einige Längenmeter.

Und auch dynamisch lässt der RAAL nichts anbrennen. Insbesondere schnelle und minimale Lautstärkewechsel meistert der serbische Ohrlautsprecher mit Bravour und fesselt so jeden Gralsritter des Klanges speziell in komplexen musikalischen Passagen mit seiner exorbitanten Feindynamik. Ganz großes Kopfhörer Kino.

Kommen wir nun zur vermeintlichen Paradedisziplin des RAAL REQUISITE SR1a – dem Hochtonbereich. Schließlich werden für dieses klangrelevante Frequenzspektrum vom Hersteller RAAL seit Jahrzehnten Bändchen im elitären Lautsprecherbau eingesetzt. Und fast schon erwartungsgemäß setzt der SR1a auch hier Maßstäbe.

Der STAX SR009 (S) und der HIFIMAN SHANGRI LA (Jr.) markierten in der Vergangenheit hinsichtlich ihres vorzüglichen Auflösungsvermögens meine persönliche Benchmark. Gegen den SR1a ziehen aber beide Kopfhörer klar den Kürzeren. Denn gegen die exzellente Hochtonarbeit des RAAL REQUISITE SR1a ist derzeit wohl kein akustisches Kraut gewachsen.

Der innovative Bändchenkopfhörer fördert Details zutage, die ich selbst auf mir langjährig bekannten Aufnahmen noch zu keiner Zeit vernommen habe. Von subtilen Atemgeräuschen der Tontechniker, über das Flüstern der Akteure zu Beginn eines Musikstückes, bis hin zu künstlich hinzugefügtem Hall im Aufnahmestudio – der RAAL quetscht mit fast schon brutaler Schonungslosigkeit wirklich Alles aus jedweder musikalischen Kost heraus.

Aber genau diese gnadenlose Härte muss nicht immer gefallen. Denn jede noch so kleine Unstimmigkeit in der vorgeschalteten Elektronik summiert sich in der Wiedergabekette im ungünstigsten Falle auf.

Und der RAAL REQUISITE SR1a verzeiht absolut keine Fehler. Er verlangt nach der perfekten klanglichen Konserve. Er besteht auf einen hochpräzisen DAC mit optimal angepassten analogen Ausgangsstufen. Und er gibt sich mit nicht weniger als dem besten Spielpartner zufrieden.

Dies wird mir spätestens klar, als ich den neuen Prototypen von SCHIIT AUDIO mit dem SR1a verbinde. Der WELTENHEIM leistet sich am RAAL prinzipiell gar keine signifikanten Schwächen – vielleicht einmal abgesehen von  einem geringen Grundrauschen und dem etwas eingeschränkten Maximalpegel bei Vollaussteuerung.

Der eigentliche Haken besteht nur darin, dass ich den SR1a kurz zuvor mit dem RIVIERA verbandelt habe – und selbiger eben um Welten geschmeidiger und feingeistiger mit der serbischen Diva musiziert. Die Wiedergabe über den SCHIIT Kopfhörerverstärker wirkt im direkten Vergleich zum AIC10 deutlich spröder, speziell im Mitteltonbereich und missfällt obendrein mit einer leicht aggressiven Sibilantenwiedergabe.

Mein in Ehren ergrauter MUSICAL FIDELITY KW250 treibt den serbischen Kopfhörer in der nächsten Versuchsanordnung aufgrund seiner exorbitanten Endstufenleistung mit Leichtigkeit zu ohrenbetäubenden Lautstärken.

Allerdings immer verbunden mit einer etwas enger gestaffelten Bühnendarstellung, einer verringerten Randschärfe hinsichtlich der Fokussierung von Stimmen und Instrumenten, sowie einer begrenzten Detailauflösung in der direkten Gegenüberstellung mit dem italienischen Referenzverstärker.

Und auch der NAIM AUDIO kann gegen den AIC10 nicht punkten. Zwar trumpft auch der UNITY ATOM mit dem für die englischen Verstärker typischen, hohen musikalischen Fluss im Mitteltonbereich auf, kann sich aber digitale Härten im Klangbild leider nicht immer verkneifen und gibt sich somit recht schnell als leicht schroffer Vertreter der Transistorfraktion zu erkennen.

Dennoch würde ich den NAIM AUDIO UNITY ATOM dem oben genannten SCHIIT-Prototypen gewiss vorziehen, zumal die kleine englische Allzweckwaffe (Streamer-DAC-Vollverstärker) mit einem Preis in Höhe von 2.750,- € ein IMO ausgezeichnetes Preis-Leistungs-Verhältnis aufweist.

Und wer dem RAAL REQUISITE SR1a zum allerersten Mal in Kombination mit dem letztgenannten Spielpartner lauscht, vermisst vermutlich rein gar nichts. Hörtechnisch problematisch wird es ja bekanntlich immer erst dann, wenn der Kopfhörer der Wahl eine zweifelsfrei ebenbürtige Verstärkung erfährt. Aber – wem sage ich das.

Und selbstverständlich wird es weitere geeignete Verstärkerpretiosen auf diesem Planeten geben, welche im Zusammenspiel mit dem RAAL REQUISITE auch einen RIVIERA AIC10 klanglich übertreffen könnten – und sei es nur hinsichtlich eines erweiterten Leistungsspektrums.

Im Rahmen meiner heutigen Rezension kann ich dies leider nicht verifizieren. Ich werde aber in den nächsten Wochen und Monaten ganz sicher noch einige potentielle Kandidaten daheim begrüßen dürfen. Und euch dann natürlich umgehend auf Musicalhead unter der Rubrik „News“ informieren.

Nachfolgend nun eine kurze Zusammenfassung meiner klanglichen Eindrücke zum RAAL REQUISITE SR1a in Kombination mit dem RIVIERA AIC10.

BASS

Auf 30 Hz begrenzter Tiefbass, dennoch sehr beeindruckende Umsetzung. Hervorragend strukturierter Midbass mit genügend Druck und Kontur. Dazu ultraschneller Anschlag mit exzellenter Impulsantwort.

GRUNDTON

Ausreichend plastischer Grundtonbereich mit optimaler Bassanbindung. Tonal zudem sehr neutral und überdies ausgesprochen verfärbungsfrei.

MITTELTON

Authentische Klangfarben. Überragende Durchhörbarkeit und Transparenz. Erstklassige Bildgebung. Perfekte Transientenwiedergabe.

HOCHTON

Exorbitantes Auflösungsvermögen und phänomenale Detailarbeit. Grandioses Obertonspektrum mit sehr realistisch ausklingenden Nachhallfahnen.

DYNAMIK

Stark abhängig vom jeweiligen Spielpartner. Am AIC10 sensationelle feindynamische Qualitäten bei völlig zufriedenstellender Grobdynamik.

RÄUMLICHKEIT

Unglaublich offene Bühnenabbildung bei gleichsam kohärent wirkender Rauminteraktion. Überzeugende Raumtiefe bei penibler Treiberjustierung. Überwältigend authentischer Gesamteindruck.

Mein Fazit

Der innovative RAAL REQUISITE SR1a ist zweifellos ein weiteres Meisterwerk in der langen Geschichte der Ohrlautsprecher. Und er hebt die Wiedergabequalität über Kopfhörer wieder einmal auf ein neues musikalisches Niveau. IMO eine definitive Endgame Lösung.

Allerdings ist dies mit einem erheblichen monetären Aufwand verbunden, sofern der geneigte Gralsritter der feinen Töne nicht bereits über einen geeigneten Spielpartner in Form eines exquisiten Voll- oder Endverstärkers verfügt.

Und die akustische Lupe aus serbischer Produktion fordert zudem Höchstleistungen in Bezug auf das elektronische Frontend. Denn selbst ein profaner Austausch von Strom- oder Verbindungskabeln ist klanglich jederzeit nachvollziehbar.

Somit summiert sich zum Erwerb des RAAL REQUISITE SR1a bei einem Kaufpreis von 3.899,- Euro gegebenenfalls noch ein fünfstelliger Betrag für das elektronische Equipment nebst Zubehör hinzu. Und dies muss die Kriegskasse auch des ambitioniertesten Gralsritters des Klanges erst einmal verkraften. Sofern die bessere Hälfte nicht eh gleich die rote Karte zückt.

Der mir für diese Rezension zur Verfügung gestellte Prototyp von SCHIIT AUDIO bleibt bedauerlicherweise doch recht deutlich hinter meinen persönlichen Erwartungen zurück. Das Bessere ist ja bekanntlich immer der größte Feind des Guten.

Über die rustikale Optik des SR1a kann man sicherlich trefflich streiten, über die klanglichen Qualitäten dagegen nicht. Der SR1a ist somit nicht nur der beste Kopfhörer, den ich bis zum heutigen Tage hören durfte, sondern in der Summe seiner musikalischen Fähigkeiten IMO auch der neue Thronfolger in meinem Klangolymp.

Er löst den ABYSS AB1266 PHI TC demgemäß ab und bekleidet fortan natürlich den ersten Platz in meinen TOP10 auf Musicalhead. Und natürlich ist mir diese Entscheidung auch nicht ganz leicht gefallen.

Denn obgleich der RAAL den alten König in nahezu jeder klanglichen Disziplin auf die Plätze verweist, schafft es der ABYSS mit seiner extrem druckvollen und livehaftig-präsenten Spielart dennoch immer wieder aufs Neue, mich spontan zu begeistern und das musikalische Feuer zu entfachen.

Gut möglich, dass einige Gralsritter des Klanges der amerikanischen Legende sogar den Vorzug gegenüber dem serbischen Newcomer geben werden, insbesondere dann, wenn grundsätzlich höhere Abhörpegel präferiert werden. Denn Live ist eben oft auch laut.

Meine persönliche Entscheidung allerdings steht fest. Denn der RAAL REQUISITE SR1a ist nicht nur einzigartig. Er initiiert tatsächlich und vollumfänglich die intime Auseinandersetzung mit der Musik. Und er schafft fürwahr eine gespenstige Nähe zu Künstlern und Instrumenten. Darüber hinaus begeistert er mit einer derart feinsinnigen Spielart, welche auch den abgebrühtesten Gralsritter nachhaltig faszinieren wird. Versprochen.

Herzlichen Glückwunsch an Danny McKinney und Aleksandar Radisavljevic. Und selbstverständlich meine ausdrücklichste Empfehlung.

Euer Fidelio

(*) Die Testberichte auf Musicalhead geben ausschließlich meine persönliche Meinung zum Produkt wieder. Es handelt sich hierbei um redaktionelle Beiträge, welche aber durchaus eine werbende Wirkung beim Leser erzielen könnten, ohne dass ich von einem Unternehmen damit beauftragt wurde.


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