Test ABYSS AB1266 PHI TC

Da bin ich wieder. Und ganz ehrlich – der folgenden Rezension habe ich als bekennender Fan der amerikanischen Kopfhörerschmiede schon recht lange entgegen gefiebert. Denn heute rezensiere ich für euch endlich den brandneuen ABYSS AB1266 PHI TC.

Form follows function. Auf keinen Ohrlautsprecher trifft diese bekannte Konstruktionsphilosophie wohl treffender zu, als auf den Referenzkopfhörer von Joe Skubinski. Man liebt dieses archaisch angehauchte Design – oder man hasst es. Oder – man folgt als bekennender Gralsritter des Klanges ganz einfach der reinen Lehre der bestmöglichen Reproduktion seiner musikalischen Schätzchen. So wie ich eben. 

Und laut Hersteller JPS-Labs verfügt der nun als TOTAL CONSCIOUSNESS bezeichnete neue ABYSS in der aktuellen Ausbaustufe sogar über „die höchste Auflösung aller jemals produzierten Kopfhörer“. Na das kann ja heiter werden. Denn Papier ist bekanntlich sehr geduldig. Und derart markigen Formulierungen müssen erst einmal entsprechend große musikalische Taten folgen. 

Obgleich Joe schon bei der neuen DIANA PHI Wort gehalten und mich hinsichtlich einer fast schon ultimativen Basswiedergabe der verführerischen Lady mitunter sprachlos zurückgelassen hat. Und auch die aus dem großen Bruder übernommenen PHI-Treiber verhelfen dem kleinen Kopfhörer zu einem deutlich verbesserten räumlichen Darstellungsvermögen und ermöglichen der DIANA PHI eine erstaunlich filigrane Detailarbeit. Demzufolge also tatsächlich eine klangliche Verbesserung zur bereits exzellenten Vorgängerin.  

Und Joe verspricht bei seinem neuen TOTL-Ohrlautsprecher AB1266 PHI TC aufgrund völlig neu entwickelter Treibermembranen ein bislang unerreichtes Maß an natürlicher Transparenz im gesamten Frequenzbereich, ohne dabei ungebührliche Härten im Klangbild aufzuweisen. Und dies bei einem nochmalig impulsschnelleren Bass mit gleichsam exzessiverem Tiefgang im Vergleich zu den PHI-Modellen. 

Dies ist angesichts der unbestreitbaren akustischen Qualitäten der ausgezeichneten Vorgänger kaum zu glauben. Oder hat JPS-Labs jetzt definitiv den besten Kopfhörer der Welt gebaut? Denkbar wäre das – unter bestimmten Umständen – ja durchaus. Denn mit jeder neuen Version seiner eigenwilligen Konstruktion legte Joe die klangliche Messlatte immer noch ein kleines Stück höher. 

Bereits der AB1266 PHI (CC) rückte dem derzeitigen Nummer 1 Kopfhörer auf Musicalhead, dem HIFIMAN SUSVARA, klanglich gefährlich nahe auf die Treibergehäuse. Und immerhin steht das Meisterwerk von Dr. Fang Bian seit nunmehr anderthalb Jahren unangefochten an der Spitze der audiophilen Nahrungskette in meiner persönlichen TOP10 Hitliste. 

Kein anderer Kopfhörer war bis jetzt in der Lage, die HIFIMAN Phalanx zu durchbrechen und dem orthodynamischen Beau seinen Platz ernsthaft streitig zu machen. Insbesondere die perfekte Balance aller musikalischen Eigenschaften sicherten dem SUSVARA offensichtlich einen Daueraufenthalt an der Sonne des Klangolymps. 

Nun, zumindest bis heute. Denn tatsächlich erdreistet sich doch wieder einmal ein Ohrlautsprecher der Marke ABYSS, den unbestrittenen König der Magnetostaten herauszufordern und in Folge von seinem langjährigen Thron zu stoßen. Ob dem AB1266 PHI TC dieses ehrgeizige Vorhaben gelingen wird, werden wir nun hier und jetzt herausfinden.

Ich möchte mich übrigens an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich beim deutschen Importeur Uwe Heile vom Hifistudio Falkensee bedanken, welcher für einen zeitnahen Versand des Kopfhörers verantwortlich zeichnet. 

Einen lieben Gruß natürlich auch an Joe für den jederzeit kompetenten E-Mail Support zur Klärung von fachlichen Fragen sowie die Bereitstellung eines umfangreichen SUPERCONDUCTOR Kabelsatzes für den AB1266 PHI TC. Vielen Dank dafür. 

Verpackung & Ausstattung

Auch der ABYSS AB1266 PHI TC wird in der fast schon anachronistisch anmutenden Holzschatulle ausgeliefert wie bereits alle Vorgänger. Und wiederum habe ich mich bezüglich diese Rezension für die LITE Version der ABYSS Modellreihe entschieden. 

Wobei sich die vielleicht etwas unglücklich gewählte Bezeichnung lediglich auf die entsprechende Ausstattungsvariante bezieht und keineswegs auf einen qualitativen Unterschied beim Kopfhörer selbst hinweist. 

Der gewaltige preisliche Unterschied zum COMPLETE Paket des AB1266 PHI TC resultiert primär aus dem Austausch der Standardverkabelung gegen einen höherwertigen SUPERCONDUCTOR Kabelsatz, welcher dem ABYSS Ohrlautsprecher nach Aussage von Joe in Verbindung mit adäquaten Spielpartnern allerdings zu formidablen klanglichen Höhenflügen verhelfen soll.

Da ich derartigen Versprechungen aber für gewöhnlich eher mißtrauisch gegenüberstehe und der geforderte (Kabel-) Aufpreis vermeintlich in keinem vernünftigen Verhältnis zum Kopfhörer steht, verzichtete ich bei meiner Vorabauswahl auf diese Option. 

Auf den im großen Set enthaltenen, rustikal gefertigten Ständer sowie eine recht schwere Transporttasche aus Rindsleder lege ich bekanntlich ebenso wenig Wert. Denn wer zur Hölle bitte schleppt einen ABYSS AB1266 PHI TC unterwegs mit sich herum? Nun, ich jedenfalls nicht. 

Allerdings siegt dann meistens doch die Neugier. Und als Joe mir freundlicherweise anbot, einen kompletten SUPERCONDUCTOR-Kabelsatz direkt aus New York für meine Rezension zur Verfügung zu stellen, konnte ich natürlich nicht widerstehen. Und überhaupt. Wie schlimm kann das schon werden? Ist ja schließlich nur ein profanes Kabel.

Apropos Kabel. Jedem AB1266 PHI TC ist selbstverständlich auch in der LITE „Sparversion“ eine entsprechend hochwertige Verbindung in 2,50 m Länge beigepackt, welche anschlussseitig mit einem stabil wirkenden 4-pol XLR Stecker versehen ist. Ein Adapter auf 6,3 mm Klinke ist aber selbstverständlich im Austattungsumfang enthalten.

Die somit etwas karge LITE Ausstattung wird schlußendlich komplettiert durch eine kurze Anleitung des Herstellers sowie eine persönliche „Owners-Card“ mit eingeprägter Modellbezeichnung und der zugehörigen Seriennummer. Also alles wie gehabt. 

Verarbeitung & Tragekomfort

Dies trifft in gleichem Maße auf die nach wie vor wirklich überragende, weil liebevolle Verarbeitung aller ABYSS Ohrlautsprecher zu. 

Und die massive Konstruktion des AB1266 PHI TC aus hochfestem Flugzeugaluminium beeindruckt auch nach vielen Jahren immer wieder auf’s Neue. Der ausschließlich in dunkelgrauer Keramikbeschichtung erhältliche Kopfhörer ist dazu gebaut wie eine veritable Festung. Kunststoff? Fehlanzeige.

Der ABYSS AB1266 PHI TC läßt materialtechnisch bedingten Verfärbungen somit keine Chance. Das integrierte orthodynamische Design mit penibel selektierten Treiberpärchen ist zudem mit einer integrierten und patentierten Vorrichtung zur Vermeidung von internen Resonanzen ausgestattet.

Der maßgefertigte Neodymium-Magnetantrieb ist weiterhin mit einem optimierten Schlitzmuster, die Frontschürze aus einem kohlestoffarmen Stahl mit zusätzlicher Resonanzkontrolle versehen.

Sowohl die Verwendung von extrem dünnen Diaphragmen mit nochmalig reduzierter Masse, als auch die perfekt auf die Membraneigenschaften abgestimmten akustischen Filter in Form von geschäumten Aluminiumgeflechten auf den Außenseiten der Treibergehäuse sorgen für den extrem offenen und weitläufigen Klang eines ABYSS AB1266 PHI TC.

Die spezielle Konstruktion benötigt interessanterweise keine rückseitigen Magnetstrukturen, wodurch unerwünschte Schallreflexionen zusätzlich vermieden werden. Ein Kopfband aus echter Tierhaut sowie magnetisch abnehmbare und in 20° Schritten fein justierbare und neuerdings gelochte Ohrpolster aus hochwertigem Lammleder bezeugen den hohen Verarbeitungsstandard der amerikanischen HIGH-END Schmiede.

Dem Tragekomfort ist das verhältnismäßig hohe Gewicht des ABYSS natürlich eher abträglich. Möchte man meinen. Denn obgleich der AB1266 PHI TC mit nunmehr 640 g nochmals ganze 20 g im Vergleich zum Vorgänger zugelegt hat, relativiert eine optimale Gewichtsverteilung auf dem Kopf des jeweiligen Gralsträgers mutmaßliche Komforteinbußen mehr oder weniger recht deutlich.

Zumal sich Basisbreite und Anwinkelung des Ohrlautsprechers über eine zentrale Einstellschraube im Kopfbügel problemlos variieren lassen. Außerdem kann der Bügel unter leichter Wärmezufuhr bei Bedarf auch etwas aufgebogen werden. Ist der AB1266 PHI TC erst einmal sorgfältig auf die individuellen Anforderungen seines Besitzers eingestellt, ergibt sich in Folge ein faszinierendes Hörerlebnis.

Technik

Trotz des umfangreichen E-Mail Verkehrs mit JPS-Labs in den vergangenen Wochen ließen sich von meiner Seite leider nur wenige Besonderheiten des neuen und nunmehr als „TOTAL CONSCIOUSNESS“ bezeichneten ABYSS Kopfhörers eruieren. Denn Joe ist bei Fragestellungen bezüglich der technischen Optimierung seiner Babys leider nicht sonderlich gesprächig. „Sorry I can’t expand on how we did this :)“ Alles klar, verstehe – Fang könnte in diesem Blog ja schließlich mitlesen.

Bereits bei der Vorgängerversion PHI wurde die magnetische Flußdichte Φ signifikant angehoben, um klangliche Eigenschaften wie beispielsweise Präzision und Ortungsschärfe aufgrund verbesserter Phasentreue zu steigern. 

Und obwohl Mikrophasenverzerrungen nach Joe’s Aussage bei seinen Referenzkopfhörern beinahe nicht mehr messbar sind, konnten beim neuen AB1266 PHI TC die Phasenanomalien auf der Mikrooberfläche der Diaphragmen nochmalig deutlich verringert werden. Aha.

Und obgleich die Membranstärke der Diaphragmen beim neuen Ohrlautsprecher erneut reduziert wurde, konnte die Steifigkeit in demselben Maße erhöht werden. Darüber hinaus verfügen die neuen Treiber nach Aussage von Joe über optimierte Selbstdämpfungseigenschaften, was speziell die Wiedergabe im Tiefbassbereich verbessern soll. 

Außerdem wurden alle Hauptbaugruppen des Aluminiumchassis perfektioniert, um in erster Linie fein resonante Verluste der Treibermembranen insbesondere im Mittel- und Hochtonbereich zu kompensieren. Diese Maßnahmen zeichnen für eine gesteigerte Transparenz in eben diesen Frequenzbereichen verantwortlich. Sagt Joe. 

Weiterhin wurde auch die Impedanz des AB1266 PHI TC geringfügig angehoben – sie beträgt nun wieder 47 Ohm. Der Wirkungsgrad liegt dagegen wie gehabt bei recht bescheidenen 88 dB/mW. Leistungstechnisch potente Spielpartner sind also nach wie vor Pflicht für einen ABYSS.

Vorbereitung

Kommen wir nun aber zum wahrscheinlich interessanten Teil dieser Rezension. Und um als waschechter ABYSS Ohrlautsprecher gegen einen HIFIMAN Kopfhörer erfolgreich zu Felde zu ziehen, bedarf es natürlich zunächst der geeigneten Wahl der Waffen. 

Ich möchte an dieser Stelle jetzt bitte keinesfalls despektierlich wirken – aber Pretiosen vom Schlage eines HIFIMAN SUSVARA oder des ABYSS AB1266 PHI TC beweisen ihr vollständiges klangliches Talent zumeist nur an einigen erlesenen Spielpartnern von absolutem Weltklasseformat. Sorry, aber an den meisten anderen Gerätschaften bleiben beide Ohrlautsprecher leider nur allzu oft hinter ihren überragenden musikalischen Möglichkeiten zurück. 

Und damit jetzt keine Mißverständnisse aufkommen – selbstverständlich sind auch Transistorverstärker wie beispielsweise mein WOO AUDIO WA11 TOPAZ oder insbesondere der neue QUESTYLE CMA TWELVE leistungstechnisch problemlos in der Lage, einen ABYSS AB1266 PHI TC bis hin zu sehr ambitionierten Pegelstellungen anzutreiben. 

Allerdings spielen selbst diese in ihrem Segment zweifelsfrei herausragenden Komponenten mitunter etwas blutleer und flächig sowie vergleichsweise auch weniger souverän auf, wenn man sie anschließend und unfairerweise den besten Kopfhörerverstärkern auf diesem Planeten gegenüberstellt. Wer jemals den ABYSS AB1266 PHI (CC) oder den HIFIMAN SUSVARA an einem VIVA EGOISTA845 oder dem RIVIERA AIC10 „erlebt“ hat, weiss jetzt genau, was ich meine.

Aber selbstverständlich möchte ich aus aktuellem Anlass die musikalischen Fähigkeiten der beiden Kontrahenten in diesem Vergleichstest möglichst vollumfänglich ausloten. Schließlich geht es heute ja nicht weniger als darum, den wahrscheinlich besten Kopfhörer der Welt zu küren.

Demzufolge wird für meine Rezension freilich auch das volle Waffenarsenal aufgefahren. Netzfilter (NIAGARA1000) und Stromkabel (NRG Z3) werden allesamt von AUDIOQUEST gestellt, als Streamer/Server fungiert ein AURALIC ARIES G2. Gewandelt wird das digitale Datenmaterial über einen VEGA G2 desselben Herstellers. Das obligatorische HEIMDALL2 USB-Digitalkabel wird von NORDOST beigesteuert.

Wiederum eine NORDOST HEIMDALL2 RCA-Verbindung überträgt die analogen Daten sodann an meinen RIVIERA AIC10, welcher die musikalische Kost schlußendlich an die oben genannten Protagonisten übergibt. Und zwar entweder mittels der beiden Originalkabel, oder aber unter Verwendung eines CARDAS CLEAR, beziehungsweise der zusätzlichen SUPERCONDUCTOR Strippen. 

Als „Vorstufenbestückung“ für den RIVIERA AIC10 wähle ich im Übrigen eine MULLARD M8136 (NOS) Röhre aus. Sie erhält den Vorzug gegenüber der leicht dynamischer aufspielenden PHILIPS MINIWATT (NOS), da Erstere mit einem einfach einzigartigen Mitteltonschmelz aufwartet. Ich mag diese Röhre.

Welch enormer Aufwand für eine Kopfhörer Rezension, mögen jetzt vielleicht einige von euch denken. Und natürlich habt ihr zweifellos Recht. Aber ungeachtet dessen freue ich mich dennoch auf einen finalen Titelkampf der Extraklasse der aktuell wohl besten Ohrlautsprecher der Welt. Die Waffen sind gewetzt.

Im letztjährigen großen Vergleichstest auf Musicalhead „Kampf der Magnetostaten 2.0“ konnte der HIFIMAN HE1000 SE einen wichtigen Testsieg in der orthodynamischen Spitzenklasse für sich verbuchen und seine 3 Kontrahenten knapp auf die Plätze verweisen. Ein ABYSS war damals nicht dabei. Dies wird sich heute ändern.  

Inwiefern der SUPERCONDUCTOR Kabelsatz eine mitentscheidende Rolle bei der Titelvergabe spielen wird, muss sich natürlich erst noch zeigen. Immerhin schließt der ABYSS AB1266 PHI TC in der COMPLETE Variante auch preislich locker zum HIFIMAN SUSVARA am CARDAS CLEAR auf. Also auch monetär ein Duell auf Augenhöhe.

Als musikalisches Testmaterial dienen mir wieder einmal die üblichen Verdächtigen aus Klassik, Jazz, Blues, Pop und Rock. Die entsprechenden Digitaldaten in HIGH-RES Auflösung werden dabei entweder unmittelbar über QOBUZ gestreamt oder direkt von der SSD-Festplatte des ARIES G2 abgerufen.

Weitere Informationen zum ABYSS AB1266 PHI TC erhaltet ihr wie immer auf den Seiten des Herstellers unter: https://eu.abyss-headphones.com/pages/abyss-ab-1266-phi-reference-headphone oder beim deutschen Vertrieb unter: https://berlin-hifi.de

Klangtest

Wie alle orthodynamischen Kopfhörer benötigt auch der ABYSS AB1266 PHI TC eine relativ lange Einspielzeit (mindestens 150 Stunden), um sein musikalisches Potential zu entfalten. Das Gleiche gilt im Übrigen auch für die SUPERCONDUCTOR Strippen, welche laut Joe ebenso erst einmal sorgfältig „eingebrannt“ werden sollten.

Ist natürlich alles kein Problem. Denn als bekennender Gralsritter des Klanges habe ich mir diesen Vergleichstest selbstverständlich nicht ganz leicht gemacht. 4 Wochen lang habe ich die beiden Protagonisten in mehrstündigen Hörsitzungen bis spät in die Nacht hinein miteinander verglichen. Und zwar mit wirklich jedem erdenklichen musikalischen Material. 

Dies lag mitunter auch daran, dass ich mich von dieser einfach phänomenal aufspielenden Wiedergabekette immer nur schwerlich lösen konnte. Ganz gleich, welcher der beiden Kopfhörer gerade musikalisch am Zuge war. Meine Frau musste mich infolgedessen mit sanfter Gewalt regelrecht von meinem Hörplatz trennen. Zum Beispiel durch Liebesentzug. Oder – noch schlimmer – mit der Androhung eines Kochstreiks. 

Wo soll ich also beginnen? Vielleicht ja mit dem neuen Album der koreanischen Künstlerin Youn Sun Nah „Immersion“. Denn bereits nach wenigen Takten wird klar, dass Joe Skubinski mit dem neuen AB1266 PHI TC einen neuen Ausnahmekopfhörer geschaffen hat. 

Die Stimme von Youn Sun Nah wird nicht nur messerscharf umrissen und unverrückbar stabil im virtuellen Raum fokussiert, speziell das natürliche Maß an Plastizität ist nicht weniger als atemberaubend. Die Begleitinstrumente werden dazu akustisch sehr präzise von der Künstlerin separiert und wie selbstverständlich in den räumlichen Kontext projiziert. 

Dies macht der HIFIMAN SUSVARA allerdings nicht schlechter, er betört die Sinne aufgrund seiner geringfügig wärmeren Abstimmung außerdem mit den noch schöneren Klangfarben und involviert den Zuhörer mit seiner räumlich etwas intimeren Spielweise zudem stärker in das musikalische Geschehen. Meint auch meine Frau. Denn sie liebt diesen Kopfhörer.

Der ABYSS AB1266 PHI TC kontert mit einer schier unglaublichen Dynamik. Im Titelsong von Ahmad Jamal’s „Blue Moon“ wirken die Akteure fast schon zum Greifen nahe. Und wiederum beeindruckt der ABYSS Ohrlautsprecher mit einer unfassbar körperhaften und gleichsam exakt fokussierten Reproduktion der Percussion Instrumente. Die einzelnen Anschläge erfolgen staubtrocken, äußerst impulsschnell und versehen mit einer nachdrücklichen, aber gleichsam natürlich wirkenden Härte.

Der SUSVARA zieht zwar auch in dieser Disziplin nahezu gleich, agiert im Midbassbereich aber mit minimal weniger Druck und schiebt die einzelnen Instrumente räumlich auch geringfügig enger zusammen. Der HIFIMAN begeistert gleichwohl durch einen wunderbaren musikalischen Fluß und läßt mich infolgedessen tief in das neue Album von Ahmad Jamal eintauchen. 

Der neue ABYSS spielt aber nicht nur wesentlich feindynamischer als alle seine Vorgänger auf, sondern agiert ebenso transparenter im Mitteltonbereich. Verbunden mit einer exorbitant schnellen Wiedergabe der Transienten. Überdies ist jedes Instrument auch auf den Punkt genau im dreidimensionalen Klangraum ortbar. Die Randschärfe ist dabei superb. Eine grandioser Auftritt der neuen TC Version.

Überhaupt ist die Räumlichkeit nach wie vor eine der größten Stärken aller ABYSS Referenzkopfhörer. Die (Live) Aufnahme „In The Air Tonight“ von Phil Collins’s 2016 neu aufgelegtem Album „Face Value“ dient dazu als exemplarisches Beispiel. Denn der AB1266 PHI TC versetzt mich bereits nach wenigen Augenblicken gefühlt an den Ort des Geschehens. Inmitten einer jubelnden Menschenmenge überzeugt mich dieser Ohrlautsprecher mit seiner unvergleichlich offenen und authentischen Live Atmosphäre. Unfassbar für einen Kopfhörer.

Hier kann der HIFIMAN SUSVARA nicht zu 100% dagegen halten. Einzelne Details werden zwar ebenso akribisch und fein aufgelöst und sorgfältig aus dem komplexen klanglichen Geschehen herausgeschält wie beim amerikanischen Kontrahenten – aber auch jetzt rücken Band und Publikum wiederum näher zueinander. Die enorme Extension eines AB1266 PHI TC in Breite und Tiefe erreicht der HIFIMAN nicht. 

Der Bassbereich des neuen ABYSS AB1266 PHI TC ist dazu schlichtweg perfekt abgestimmt. Ein Beispiel gefällig? Bei Johann Sebastian Bach’s Klassiker „Toccata und Fuge D-Mol BWF 565“ von Anton Bogner (Classic Reference/ Bell-Records) begeistert der Ohrlautsprecher aus New York mit einem exorbitanten Tiefgang bis in die wirklich allertiefsten Kellergefilde, welche bei dieser Orgelaufnahme fast schon körperlich spürbar werden. 

Dabei punktet der Bass mit einer profunden Kontur, störende Resonanzen sind zu keiner Zeit feststellbar. Der Midbassbereich des ABYSS ist dabei exzellent strukturiert und besitzt keinerlei Tendenz zu einer Emphasis. Der Kopfhörer vermag insbesondere in Kombination mit adäquaten Spielpartnern wie eben dem RIVIERA AIC10 mit einem unglaublich realistischen Druck der großen Orgelpfeifen zu überzeugen. Einfach nur große Klasse.

Der HIFIMAN SUSVARA weiss natürlich auch im Frequenzkeller dagegen zu halten, agiert jederzeit sehr souverän und stets kontrolliert, generiert aber speziell im Midbassbereich ein wenig mehr an Volumen. Je nach musikalischem Material wirkt die Basswiedergabe des SUSVARA somit eine Spur zu füllig und im direkten Vergleich auch minimal weicher. Meine Frau ist hier selbstverständlich ganz anderer Ansicht. 

In der jüngeren Vergangenheit scheiterte bislang jeder dynamische Kopfhörer an der überlegenen Hochtonwiedergabe des HIFIMAN SUSVARA. Auch die Herausforderer der Marke ABYSS zogen diesbezüglich regelmäßig den Kürzeren. Dies könnte sich heute allerdings ändern.

Denn speziell im Hochtonbereich verfügt der ABYSS AB1266 PHI TC meines Erachtens über eine neue Qualität. Beim virtuosen Gitarrenspiel „Mediterranean Sundance/Rio Ancho“ von Al DiMeola, Paco DeLucia und John McLaughlin auf dem Album „Friday Night In San Francisco“ beispielsweise neigten die älteren ABYSS Recken gelegentlich etwas zur Schärfe. 

Der HIFIMAN SUSVARA verhält sich bei dieser Aufnahme dagegen  mustergültig und dosiert die Hochtonenergie der knallharten Gitarrenriffs in nahezu perfektem Maße, um so jederzeit ein dynamisches Gleichgewicht in diesem Frequenzbereich zu gewährleisten. Demzufolge klingen die Instrumente auch völlig natürlich und echt.

Der neue AB1266 PHI TC zieht mit dem SUSVARA hinsichtlich einer nun optimalen Anbindung an die oberen Mitten aber nicht nur gleich, sondern spielt in der aktuellen TC-Ausbaustufe im Hochtonbereich auch hinsichtlich der Detailarbeit jetzt auf dem überragenden Niveau des HIFIMAN. Die zum Teil etwas problematische Sibilantenwiedergabe der Vorgänger, speziell bei hohen Lautstärken, gehört somit der Vergangenheit an. 

Lediglich im finalen Auflösungsvermögen allerfeinster musikalischer Schattierungen kann der Kopfhörer von Dr. Fang Bian noch leichte Vorteile für sich verbuchen. Nachhallfahnen beispielsweise, schwingen insbesondere bei erstklassigen Aufnahmen noch geringfügig länger aus. Und natürlich auch ein wenig schöner, wie meine Frau soeben anmerkt.

Nichtsdestotrotz gelange ich zu einer wichtigen Erkenntnis. Bei diesem „Vergleichstest“ gibt es keinen wirklichen Verlierer. Und demzufolge auch keinen eindeutigen Sieger. Der finale Knock-Out bleibt nämlich aus. Denn keiner der beiden Protagonisten leistet sich tatsächlich akustisch relevante Schwächen. Zu nah sind beide Kopfhörer klanglich beieinander, so dass in den allermeisten Fällen eher der individuelle Geschmack eines jeden Gralsritters dieses Duell entscheiden wird. 

Dennoch präferiere ich persönlich den neuen ABYSS AB1266 PHI TC, da er in den für mich ausschlaggebenden Disziplinen Bassqualität, Räumlichkeit und Dynamik die Treibergehäuse leicht vorne hat. 

Im klangentscheidenden Mitteltonbereich liegen beide Kopfhörer hinsichtlich Transparenz und Natürlichkeit gleichauf, auf das ultimative Auflösungsvermögen des HIFIMAN SUSVARA im oberen Hochtonbereich könnte ich wahrscheinlich am Ehesten verzichten.

Muss ich aber glücklicherweise ja nicht, da meine Frau mich gemeinsam mit dem SUSVARA verlassen würde, sollte ich in einem Anfall geistiger Umnachtung jemals dem Wahnsinn erliegen, ihren Lieblingskopfhörer zu veräußern. Also praktisch ein undenkbares Szenario.

Nachfolgend habe ich für euch die einzelnen Kriterien bezüglich der Wiedergabeeigenschaften des ABYSS AB1266 PHI TC in einem kurzen Überblick noch einmal zusammengefasst.

BASS

Unglaublicher Tiefgang für einen Kopfhörer. Extrem druckvoller Midbassbereich mit überragender Strukturierung. Staubtrockenes Ansprechverhalten im Oberbass. Dazu sauschnell. Dieser Bass ist phänomenal.

GRUNDTON

Neutraler Grundtonbereich ohne Emphasis. Verfügt immer über exakt das richtige Maß an Substanz und Körper. Gepaart mit einer nahezu perfekten Tonalität. Top.

MITTELTON

Transparent durchgezeichneter, aber gleichsam extrem plastischer Mitteltonbereich mit wunderbar natürlichen Klangfarben. Optimale Transientenwiedergabe. Mustergültige Authentizität bei Stimmen und Instrumenten. Einfach nur grandios. 

HOCHTON

Ausgezeichnete Detailarbeit und sehr hohes Auflösungsvermögen. Dabei gleichsam entspannte Reproduktion von Sibilanten. Völlig nahtlose Anbindung an den oberen Mitteltonbereich. Realistisch ausklingende Nachhallfahnen. Große Klasse.  

RÄUMLICHKEIT

Dreidimensionaler Klangraum mit unfassbarer Extension in Breite und Tiefe. Überragende Separation von Stimmen und Instrumenten bei absolut punktgenaue Fokussierung. Messerscharfe Ränderung. Besser geht es nicht.

DYNAMIK

Ideale Kombination aus feindynamischer Ansprache und explosiver Grobdynamik. Keine erkennbare Kompression bei allen hörrelevanten Pegelstellungen. Gespenstig echt wirkende Live-Atmosphäre. Somit eine wirklich erstklassige und beeindruckende Vorstellung des neuen ABYSS AB1266 PHI TC.

Halt, da war doch noch etwas? Ja richtig, die Sache mit den Kabeln. Nun, jegliche Änderung in dieser hochsensiblen Wiedergabekette, sei es der Wechsel der digitalen Quelle, der Austausch der Vorstufenröhren, ja selbst eine Modifikation der Kabelsätze führt IMO zweifellos zu einer mehr oder weniger deutlich hörbaren Metamorphose hinsichtlich der akustischen Qualität.

Und speziell in Kombination mit dem SUPERCONDUCTOR Kabelsatz sammelt der AB1266 PHI TC tatsächlich nun die letzten klanglichen Prozentpunkte ein, um den Thron aller Ohrlautsprecher endgültig an sich zu reißen. Dabei sind die wahrnehmbaren Unterschiede in Verbindung mit den SUPERCONDUCTOR Strippen nicht nur marginaler Natur – sie sind offensichtlich. 

Dies äussert sich insbesondere in einem noch akkurater strukturierten Bass, einer leicht gesteigerten Durchhörbarkeit im Mitteltonbereich sowie einer nochmals verbesserten Auflösung im Hochton. Kaum zu glauben – aber leider wahr. 

Nicht ganz so eindrucksvoll fällt dagegen der Wechsel des Serienkabels beim HIFIMAN SUSVARA aus. Obgleich natürlich auch der Einsatz des CARDAS CLEAR eine hörbare Verbesserung zur Folge hat und speziell die räumliche Darstellung von diesem Austausch zweifellos profitiert – nur halt nicht im demselben Maße wie beim Pendant der Marke ABYSS. 

Nun zähle ich ganz sicher nicht zur Gruppe der bekennenden Kabelanbeter. Ganz im Gegenteil. Aber der akustische Einfluß des SUPERCONDUCTOR Kabelsets auf die klanglichen Qualitäten des ABYSS Kopfhörers sind einfach nicht weg zu diskutieren. So gerne ich dies jetzt vielleicht auch ob des doch gewaltigen Aufpreises im Vergleich zur LITE Version tun würde. 

Ob sich diese Investition nun wirklich lohnt, muss wohl jeder ABYSS Interessent für sich selbst entscheiden. Aber ohne Zweifel können diese Strippen in einer ultimativen Wiedergabekette eben das entscheidende Tüpfelchen auf dem i ausmachen. Punkt.

Somit erschließt das große COMPLETE-Paket dem suchenden Gralsritter, welcher bereit und Willens ist, die monetäre Kabellast zusätzlich zu schultern, in Kombination mit dem geeigneten Spielpartner eine vollkommen neue musikalische Welt, welche ich in dieser emotional ergreifenden Form bislang noch nicht vernommen habe. Ganz großes Kopfhörer-Kino.

Mein Fazit

Der neue ABYSS AB1266 PHI TC ist nicht weniger als eine audiophile Droge ersten Grades. In einer musikalisch adäquaten Wiedergabekette ist er der Traum eines jeden Gralsritter des feinen Klanges, sofern er sich mit Optik und Gewicht des gewaltigen Ohrlautsprechers arrangieren kann. Mit absoluter Sicherheit aber eine veritable Endgame-Lösung.

Und speziell in Verbindung mit dem COMPLETE Paket ist der AB1266 PHI TC für mich persönlich der derzeit beste Kopfhörer der Welt. Da beisst die Maus keinen Faden ab. Wobei meine Entscheidung denkbar knapp ausfällt. Je nach persönlichem Gusto werden sich einige Gralsritter womöglich auch für die etwas involvierendere und intimere Spielart des HIFIMAN entscheiden. Zum Beispiel meine Frau. Was natürlich völlig in Ordnung geht. Schließlich gibt es gleich Abendessen.

Somit übernimmt erstmalig ein ABYSS Ohrlautsprecher die Regentschaft im Klangolymp der TOP10 auf Musicalhead und löst den HIFIMAN SUSVARA nach nunmehr fast zwei Jahren in der Thronfolge ab. Allerdings zu einem stolzen Preis. Bereits die LITE Version schlägt mit 5.450,- Euro zu Buche, für die COMPLETE Variante werden sogar 8.590,- Euro fällig. Da tröstet es wenig, dass HIFIMAN für den SUSVARA ebenfalls 7.000,- Euro aufruft. Nicht zu vergessen die 800,- Euronen für die CARDAS CLEAR Verkabelung. 

Aber wie bemerkte schon Oskar Wilde vor bereits über 100 Jahren: „Ich habe einen ganz einfachen Geschmack – ich bin immer mit dem Besten zufrieden.“ Und der Mann muss es schließlich wissen.

Euer Fidelio

(*) Die Testberichte auf Musicalhead geben ausschließlich meine persönliche Meinung zum Produkt wieder. Es handelt sich hierbei um redaktionelle Beiträge, welche aber durchaus eine werbende Wirkung beim Leser erzielen könnten, ohne dass ich von einem Unternehmen damit beauftragt wurde.


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