Hörtest OCTAVE V110 SE & RAAL REQUISITE SR1a

Vor einiger Zeit habe ich für euch den RAAL REQUISITE SR1a auf Musicalhead einem ausführlichen klanglichen Test unterzogen. 

Und obgleich er am RIVIERA AIC10 zweifellos überragende musikalische Qualitäten offerierte, mutmaßte ich bereits damals, dass unter Umständen erst deutlich wattstärkere Vertreter der Verstärkerzunft den RAAL auch leistungstechnisch würden ausreizen können.

In der Regel liegt meine bevorzugte Abhörlautstärke im Bereich um 75-80 dBA. Allerdings kann ich mir unschwer vorstellen, dass einige Gralsritter der feinen Töne gegebenenfalls auch höhere Hörpegel präferieren. 

Aus diesem Grunde bin ich seit geraumer Zeit wieder auf neuer Gralssuche, um einen optimalen Spielpartner ausfindig zu machen, welcher den SR1a bei Bedarf auch bei 100 dBA problemlos antreibt.

Und in meinem Hörtest nehme ich erstmalig den Röhrenvollverstärker V110 SE der deutschen High-End Manufaktur OCTAVE unter die musikalische Lupe. Zumindest in der Funktion als veritabler Kopfhörerverstärker. 

Bedanken möchte ich mich im Übrigen ganz herzlich beim KLANGPUNKT Aachen, welcher diesen Testbericht über die Bereitstellung meines heutigen Probanden überhaupt erst ermöglicht hat. 

OCTAVE baut bereits seit über 30 Jahren Röhrengeräte, welche nach Aussage des Herstellers inzwischen ebenso stabil und zuverlässig arbeiten wie entsprechende Transistorverstärker. 

Die Langlebigkeit verdanken die verschiedenen Modelle der badischen Röhrenschmiede einer intelligenten Steuerelektronik – ausgefeilte Schutzschaltungen sind dabei Garanten für unübertroffen lange Betriebszeiten. 

OCTAVE Röhrenverstärker basieren durchgängig auf hochwertigen Bauteilen – von den Eingangsbuchsen bis hin zu den Ausgangsübertragern, welche nahezu vollständig in Eigenregie entwickelt und vor Ort im badischen Karlsbad in sorgfältiger Handarbeit produziert werden.  

Die Möglichkeit zu regelmäßigen Geräte-Upgrades bürgen zudem für hohe Wertbeständigkeit und garantieren den Besitzern nach Aussage des Entwicklers und Firmengründers Andreas Hofmann über viele Jahre höchsten Musikgenuss auf dem neuesten Stand der Technik. 

Auf die Dauer hilft nur Power

Beim V110 SE handelt es sich nach dem V80 SE um den zweitgrößten Vollverstärker in der Produktpalette von OCTAVE AUDIO. Der Röhrenbeau verfügt über eine gewaltige Ausgangsleistung von 2 x 110 Watt an 4 Ohm, da in der Endstufensektion 4 Endröhren des Typs KT120 zum Einsatz kommen.

Im Verbund mit einem spezialisierten Netzteil und neuartigen Ausgangstrafos wird nahezu eine Verdopplung der Spitzenausgangsleistung gegenüber herkömmlichen Gegentaktendstufen erreicht. Die Treiberstufe, welche die Endröhren ansteuert und kontrolliert, kommt dem Ideal des Gegentaktprinzips somit einen großen Schritt näher. 

Die oft kritisierte Gegenkopplung verrichtet ihre Arbeit außerdem ohne jeglichen Einfluss auf das klangliche Geschehen. Der V110 SE überzeugt infolgedessen mit einer hohen Linearität und Stabilität, was ihn IMO als geeigneten Spielpartner für den RAAL REQUISITE SR1a geradezu prädestinieren dürfte.

Aber warum habe ich nicht gleich das Spitzenmodell von OCTAVE, den V80 SE für diesen Hörcheck gewählt? Nun ganz einfach – der neue V110 verfügt über ein weiteres Ausstattungsfeature, welches derzeit wohl einzigartig in der Röhrenwelt ist.

Denn Dank der innovativen Schaltung sowie einer enormen Bandbereite der nutzbaren Gegenkopplung kann der elektrische Dämpfungsfaktor in 3 Stufen an den serbischen Ohrlautsprecher angepasst werden. 

Durch den einfachst zu bewerkstelligenden Wechsel der entsprechenden Eingangsröhren (ECC82/Low, ECC81/Mid, ECC83/ High) wird infolgedessen ein sehr feinfühliger Abgleich mit der elektrischen Last erzielt.

Die mittlere Variante (Dämpfungsfaktor 7,2) ist bereits ab Werk eingesetzt. Selbige empfiehlt sich beispielsweise für Spielpartner (primär natürlich Lautsprecher) mit einem stark ansteigenden Impedanzverlauf im Mitteltonbereich. Der Einsatzbereich für die High-Version (DF 10) liegt dagegen in erster Linie bei potentiellen Partnern, welche im Mittel- und Hochton zumeist niederohmig agieren.

Die ECC82 Treiberröhre für den niedrigsten Dämpfungsfaktor (5) stellt schließlich die sinnvollste Option dar, wenn der verbandelte Kandidat aufgrund allzu straffer Membrankontrolle zu einer eher harschen Spielart neigt. 

Da das konzeptionell integrierte Widerstandnetzwerkes des SR1a kaum Schwankungen hinsichtlich der Lastimpedanz unterliegt und dadurch bedingt bei nahezu konstant 6 Ohm liegt, favorisiere ich für meinen Hörcheck schon rein gefühlsmäßig die letztgenannte Variante. 

Mit der Ausgangsleistung von 2 x 110 Watt an 4 Ohm entspricht der OCTAVE V110 SE außerdem ziemlich genau den Leistungsanforderungen der serbischen Manufaktur. Und der deutsche Röhrenverstärker gibt sich am SR1a im folgenden Klangtest dann auch keinerlei Blöße. 

Als Zuspieler für meinen Hörtest dient mir mein bewährtes AURALIC Gespann, bestehend aus ARIES G1 und VEGA G1, welche mittels eines TELLURIUM Q ULTRA SILVER Digitalkabels über USB miteinander verbunden werden. 

Die adäquate Zuleitung zum OCTAVE Röhrenverstärker stellt ein handgefertigtes DOLPHIN BLACK GOLD Chinchkabel sicher. Als erstklassige Stromzuleitungen dienen im Übrigen Produkte des amerikanischen Kabelherstellers SHUNYATA RESEARCH. 

Zur klanglichen Einschätzung meines neuen Testkandidaten kommen natürlich einmal mehr die üblichen Verdächtigen zum Einsatz – mir bestens bekannte Hörbeispiele aus den Bereichen Rock, Pop, Blues, Jazz und Klassik, gespeichert als High-Res Dateien auf der entsprechenden Festplatte.

Ein Spielpartner für den RAAL – Teil 1

Nach einigen nächtlichen Hörsessions entscheide ich mich erwartungsgemäß für die ECC82 Vorstufenröhre, da der V110 SE mit der geringstmöglichen elektrischen Bedämpfung in Kombination mit dem SR1a meines Erachtens am harmonischsten aufspielt.

Speziell in Sachen (Fein-) Dynamik setzt der RAAL REQUISITE SR1a im Zusammenspiel mit dem V110 SE IMO neue Maßstäbe im Kopfhörersegment. Der äußerst souverän agierende OCTAVE Vollverstärker treibt den serbischen Ohrlautsprecher dabei wahrlich zu Höchstleistungen.

Bedingt durch die exorbitante Geschwindigkeit des mit Vollbereichsbändchen versehenen Ohrlautsprechers erfolgen Lautstärke- und Tempiwechsel derart blitzartig, dass ich mich mitunter tatsächlich im entsprechenden Live-Event wähne. Unglaublich.

Kein mir bekannter Kopfhörer ist IMO aktuell in der Lage, komplexen musikalischen Signalen mit dieser unmittelbaren Impulstreue zu folgen. Dies ist mit einem RIVIERA AIC10 natürlich grundsätzlich nicht anders, allerdings bei etwas moderateren Pegelstellungen, welche ich ja für gewöhnlich pflege. 

Bei Abhörlautstärken >85 dBA wirken grobdynamische Sprünge mit dem RIVIERA im direkten Vergleich zum OCTAVE dagegen leicht limitiert, insbesondere Bassimpulsen verleiht der deutsche Röhrenverstärker deutlich mehr Druck und Präzision. Auch die Reproduktion im Tiefbassbereich wirkt insgesamt souveräner, wenn vorzugsweise höhere Pegel gefahren werden. 

Und obschon der SR1a in Kombination mit dem V110 SE nicht ganz an das Tieftonvolumen eines HIFIMAN SUSVARA oder ABYSS AB1266 PHI TC heranreicht, offeriert die Basswiedergabe des RAAL höchst audiophile Qualitäten. Speziell das Ein- und Ausschwingverhalten ist trotz der relativ geringen elektrischen Bedämpfung des OCTAVE schlichtweg perfekt.

Im Mittelton weiss der röhrenbewehrte Vollverstärker, ungeachtet der Bestückung mit russischen KT120 TUNG SOL Röhren, mit außerordentlich natürlichen Klangfarben zu überzeugen. Stimmen und Instrumente werden luftig und gleichsam scharf geändert in den musikalischen Kontext platziert, ohne dabei genügend Substanz im Grundton vermissen zu lassen.

Wenngleich der RIVIERA AIC10 selbigen vielleicht noch etwas mehr Plastizität verleiht und auch räumlich geringfügig weitläufiger agiert, spielt der V110 SE im klangsensiblen Mitteltonbereich nichtsdestotrotz auf allerhöchstem Niveau.

Bedingt durch den niedrig gewählten Dämpfungsfaktor werden aber auch die hohen Töne ohne ungebührliche Härten reproduziert, obschon der V110 SE wiederum nicht ganz mit der phänomenal seidigen Hochtonwiedergabe des RIVIERA AIC10 aufwarten kann. 

Dennoch gerät die Sibilantenreproduktion über den deutschen Röhrenverstärker recht entspannt – gutes Quellmaterial allerdings zwingend vorausgesetzt.

Und auch der OCTAVE V110 SE begeistert im Zusammenspiel mit dem RAAL REQUISITE SR1a mit einer absolut tadellosen Detailarbeit, einer fantastischen Auflösung und sehr realistisch wirkenden Nachhallfahnen. 

Erneut also eine Weltklassevorstellung dieser wirklich ausgezeichneten Spielpartnerpaarung. 

Bedauerlicherweise muss der geneigte Gralsritter der feinen Töne für diese außerordentliche klangliche Performance tief in die Tasche greifen. Denn auch die OCTAVE Pretiose ist erwartungsgemäß nicht zum Schnäppchenpreis zu haben. 

6.999,- Euronen wandern beim Händler des Vertrauens über den Tresen, möchte man seinen RAAL Kopfhörer zukünftig mit einem V110 SE Röhrenverstärker bespielen. 

Nichtsdestotrotz empfehle ich jedem Eigner eines SR1a explizit, den OCTAVE V110 SE einer ausgiebigen akustischen Inaugenscheinnahme zu unterziehen, wenn ein entsprechender Neuerwerb geplant ist – und es das veranschlagte Budget zuläßt.  

Weitere Informationen zum OCTAVE V110 SE erhaltet ihr wie immer auf den Seiten des Herstellers unter: OCTAVE AUDIO

Fortsetzung folgt

Im 2. Teil „Ein Spielpartner für den RAAL“ werde ich mich überdies mit einer erheblich preisgünstigeren Alternative für den serbischen Ohrlautsprecher beschäftigen – der Neuinterpretation des legendären CYRUS ONE, welcher sich aufgrund seiner implementierten 6.3 mm Klinkenbuchse auch gegenüber allen anderen dynamischen Kopfhören aufgeschlossen zeigen dürfte. 

Ob es dem britischen Vollverstärker dabei tatsächlich gelingen wird, die Bändchen-bestückte serbische Diva musikalisch zu verführen, könnte alsbald sehr spannend werden.

Natürlich in Kürze in diesem Theater.

Euer Fidelio

(*) Die Testberichte auf Musicalhead geben ausschließlich meine persönliche Meinung zum Produkt wieder. Es handelt sich hierbei um redaktionelle Beiträge, welche aber durchaus eine werbende Wirkung beim Leser erzielen könnten, ohne dass ich von einem Unternehmen damit beauftragt wurde.


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