Hifiman R10P auf Musicalhead

Hörtest HIFIMAN HE-R10P

Die chinesisch-amerikanische High-End Manufaktur HIFIMAN präsentiert die neueste Version ihres geschlossenen Kopfhörer Topmodells HE-R10P. Und der magnetostatische Ohrlautsprecher wartet – ebenso wie die dynamische Variante HIFIMAN HE-R10D – in der aktuellen Ausführung mit einem doppelseitigen Anschluss für beide Treibergehäuse auf. Die ursprünglich einseitige Kabelverbindung ist aufgrund der überarbeiteten Kopfbügelkonstruktion somit nicht mehr möglich.

Infolgedessen entfällt natürlich auch die Option, den HE-R10P mit dem hauseigenen DAC/Kopfhörerverstärker BLUEMINI wahlweise kabellos zu betreiben. Was dem neuen Flächenstrahler aber klanglich nicht zum Nachteil gereicht, da das besagte Bluetooth-Modul den musikalischen Fähigkeiten des neuen HIFIMAN aus meiner Sicht nicht auch nur annähernd gerecht werden würde – soviel kann ich an dieser Stelle schon verraten.   

Laut HIFIMAN begann die Entwicklung von geschlossenen Ohrlautsprechern bereits im Jahre 2012, aber erst 8 Jahre später wurden die optischen Geschwister HE-R10P und HE-R10D einer erstaunten Weltöffentlichkeit präsentiert. Besaßen die beiden Kandidaten doch nahezu das identische Gehäusedesign, welches schon die Kopfhörerlegende SONY MDR-R10 visuell prägte.

Denn wie das berühmte Vorbild von 1989 verfügen die Neuinterpretationen von HIFIMAN über ein relativ großes Gehäusevolumen aus CNC-gefrästem Kirschholz und wurden zugleich mit derselben, von SONY spezifisch entwickelten Form versehen, welche bereits dem MDR-R10 zu audiophilen Höhenflügen verhalf, indem interne Resonanztendenzen wirkungsvoll unterbunden werden konnten. 

Im Gegensatz zu den dynamischen Kopfhörern MDR-R10 und HE-R10D vertraut das geschlossene HIFIMAN Flaggschiff dabei auf optimierte Treibersysteme der neuesten Generation – die Membranstärke des Flächenstrahlers im Super-Nanometer-Bereich wurde im Vergleich zum Vorgänger nochmalig verringert. Aufgrund der reduzierten Massen konnten dadurch nicht nur die Verzerrungen minimiert-, sondern gleichermaßen auch die dynamischen Qualitäten gesteigert werden.

Überragender Wirkungsgrad

Ebenso wie der HIFIMAN SUSVARA verfügt auch der HE-R10P dazu über eine doppelseitige Stealth-Magnetstruktur, welche im Gegensatz zum orthodynamischen Spitzenmodell der chinesischen Manufaktur allerdings mit einem deutlich höheren Wirkungsgrad aufwartet – erstaunliche 110 dB/mW bei einer Systemimpedanz von 30 Ohm sollten selbst mobile Zuspieler leistungstechnisch vor keinerlei Probleme stellen.

Die Kopfbügelkonstruktion wurde in der aktuellen Spezifikation außerdem grundlegend überarbeitet und (endlich) an die übrigen HIFIMAN Spitzenmodelle, wie beispielsweise den HE1000 SE, angeglichen. Während der bewährte Kopfbügel aus Federstahl in Kombination mit den samtweichen Ohrpolstern aus Proteinleder dabei einen angenehmen, weil moderaten Anpressdruck der Treibergehäuse gewährleistet, sorgt das lederne Kopfband gleichsam für eine perfekte Druckverteilung auf dem Haupt des Gralsritters.

Das mittelprächtige Eigengewicht des orthodynamischen Kopfhörers von 460 Gramm wird infolgedessen hervorragend kaschiert und garantiert somit einen durchaus langzeittauglichen Tragekomfort. Lediglich die Schallisolierung geriet – wie schon beim dynamischen Pendant – meines Erachtens weniger überzeugend und führt das geschlossene Prinzip in gewisser Art und Weise ad absurdum.  

Auch dem HE-R10P liegen erfreulicherweise 3 monokristalline Kabelsätze in hoher Qualität bei. Neben der unsymmetrischen 6.3 mm Klinke in 3 m Länge sowie einer symmetrischen Kabelvariante mit 4-pol-XLR Anschluss, findet sich ebenso eine 1.50 m lange und mobiltaugliche Verbindungsstrippe mit dem üblichen 3.5 mm Klinkenstecker im HIFIMAN Ausstattungspaket. Welches ergänzt wird durch ein hochwertiges Bedienungsbuch sowie die obligatorische Garantiekarte.

Weitere Informationen zum HIFIMAN HE-R10P findet ihr im Übrigen auch auf der Homepage des deutschen Vertriebes Jan Sieveking unter: sieveking-sound.de, bei dem ich mich noch einmal ganz herzlich für die zeitnahe und unbürokratische Bereitstellung meines heutigen Testprobanden bedanken möchte.

Musikalisch überzeugend

Bevor der HE-R10P zur klanglichen Beurteilung antritt, gestehe ich dem HIFIMAN fairerweise eine Einspielzeit von 150 Stunden zu, welche der geschlossene Ohrlautsprecher zunächst akustisch unauffällig in unserer heimischen Abstellkammer ableistet – um dann im anschließenden Hörtest vollumfänglich zu überzeugen. 

Der HIFIMAN HE-R10P wartet mit einem sehr tiefreichenden und äußerst linear strukturierten Bassbereich auf, ohne beispielsweise den Midbass speziell zu präferieren. Denn in diesem Punkt unterscheidet sich der magnetostatische Kopfhörer meines Erachtens signifikant vom dynamischen Bruder, welcher im Hörtest auf Musicalhead durch eine geringfügige Anhebung des Midbassbereiches geschickt seine leichte Tiefbassschwäche zu kaschieren wußte.

Der Bass der orthodynamischen Version wird, insbesondere für einen geschlossenen Ohrlautsprecher, erstaunlich konturiert und impulsschnell, sowie frei jedweder Resonanzen wiedergegeben. Dennoch agiert der HIFIMAN außerordentlich druckvoll, selbst in Verbindung mit einem mobilen Weggefährten wie dem LOTOO PAW GOLD TOUCH (Titanium) – dem hohen Wirkungsgrad sei Dank.

Während sich der HE-R10P hinsichtlich seines Leistungshungers also recht genügsam zeigt, dürstet es den HIFIMAN in Bezug auf klangliche Qualität stets nach der bestmöglichen musikalische Quelle. Denn der Kirschholz-bewehrte Kopfhörer skaliert in einem erstaunlichen Maße mit dem jeweiligen Frontend.

Insbesondere der ausdrucksstarke Mitteltonbereich profitiert aus meiner Sicht von erlesenen stationären Spielpartnern, vorzugsweise mittels adäquater Transistorverstärkung. In Kombination mit dem T+A HA200 beeindruckt der HIFIMAN infolgedessen mit einer ausgezeichneten Durchhörbarkeit des mittleren Frequenzspektrums und begeistert darüber hinaus mit authentischen, weil sehr natürlichen Klangfarben.   

Stimmen und akustische Instrumente reproduziert der HE-R10P mit viel akustischer Hingabe und erinnert somit im besten Sinne an den magnetostatischen TOTL-Kopfhörer von Dr. Fang Bian – den HIFIMAN SUSVARA. Im Gegensatz zum offenen Pendant fokussiert der geschlossene Ohrlautsprecher einzelne musikalische Ereignisse sogar geringfügig präziser im Raum, ohne dabei jedoch die überragende Transparenz und Luftigkeit des SUSVARA zu erzielen.

Klanglicher Konterpart

Der HE-R10P fungiert aber gleichsam als klanglicher Konterpart zum DAN CLARK STEALTH. Denn während der geschlossene Kopfhörer von “MrSpeakers” wohl als Paradebeispiel für die neutrale Wiedergabe von Musik mit einem leicht analytischen Einschlag gelten darf, spielt der HIFIMAN tendenziell auf der wärmeren und plastischeren Seite der Macht.

Um vielleicht eine kleine Analogie aus dem stationären HIFI-Segment zu bemühen – der HE-R10P markiert klangtechnisch sozusagen die Naturholz-Fraktion, während sich der STEALTH akustisch eher in kühlem Aluminium kleidet. Im Hochtonbereich würde die imaginäre erste Box höchstwahrscheinlich mit einer Gewebekalotte bestückt werden, wohingegen Zweitgenannte wiederum auf dem metallenen Werkstoff vertrauen dürfte.

Denn obgleich der HIFIMAN grundsätzlich über ein exzellentes Auflösungsvermögen im Hochton verfügt, weiß der HE-R10P speziell über die völlig nahtlose Anbindung an die oberen Mitten zu gefallen. Die seidigen und dennoch differenzierten Höhen erreichen dadurch zwar subjektiv nicht ganz die eindrucksvolle Detailschärfe des DC STEALTH, bedingen meines Erachtens aber zweifellos eine höhere Langzeittauglichkeit. Geschmacksache. 

Und auch bezüglich der Fähigkeit beider Kopfhörer, ein möglichst 3-dimensionales Bild vor dem geistigen Auge des Gralsritters der feinen Töne zu inszenieren, ergibt sich aus meiner Sicht eine veritable Patt-Situation. Während der STEALTH den weiträumigeren Entwurf des klanglichen Geschehens generiert, kontert der HE-R10P mit einer höheren musikalischen Dichte der räumlichen Ereignisse bei gleichwohl perfekter Separation. 

Außerdem verzeichnet der HIFIMAN fraglos Vorteile in Sachen dynamische Attacke. Aufgrund einer deutlich geringeren Empfindlichkeit von lediglich 86 dB/mW, verlangt der STEALTH nach extrem leistungsstarken Spielpartnern, um insbesondere im Bassbereich vollumfänglich zu überzeugen. Der HE-R10P beeindruckt hingegen selbst an mobilem Gerät mit einem knochentrockenen Anschlag und stets genügend Druck im akustischen Kessel.

Mein Fazit

Der HIFIMAN HE-R10P markiert aus meiner Sicht nicht nur einen der besten geschlossenen Kopfhörer, welcher derzeit auf dem Weltmarkt erhältlich ist, sondern nimmt es in klanglicher Hinsicht auch ganz unverhohlen mit der offenen Fraktion der Ohrlautsprecher auf.

Wie schon der DAN CLARK STEALTH überzeugt auch der HE-R10P mit einem verblüffend 3-dimensionalen, räumlichen Darstellungsvermögen sowie einer enormen Präzision hinsichtlich der punktgenauen Separierung von musikalischen Ereignissen. Und dies gilt – im Gegensatz zum STEALTH – praktisch uneingeschränkt auch für die Kombination mit mobilen Spielpartnern.

Allerdings läuft auch der HE-R10P erst im stationären Betrieb klanglich zur Höchstform auf und begeistert im Besonderen an Transistorverstärkern mit einem genialen Bassbereich, wunderbar klangfarbenstarken und emotional aufgeladenen Mitten, sowie dem nahezu perfekt integrierten Hochtonbereich frei jeglicher Schärfe und einer dennoch exzellenten Detailauflösung.

Zweifelsohne ein erneutes klangtechnisches Meisterstück von Dr. Fang Bian, welches sich HIFIMAN entsprechend honorieren läßt – der HE-R10P wechselt in Deutschland für 5.499,- Euronen den Besitzer. Und wenngleich dieser Preis ob der musikalischen Qualitäten und der sehr guten Verarbeitung meines Erachtens gerechtfertigt erscheint, sollte vor einem potentiellen Kauf das persönliche Anwendungsprofil genauestens taxiert werden.

Denn mit der luftig-befreiten Spielart eines offenen TOTL-Kopfhörers vom Schlage eines HIFIMAN SUSVARA kann auch der allerbeste geschlossene Ohrlautsprecher in letzter Konsequenz nicht dienen. 

Euer Fidelio

(*) Die Testberichte auf Musicalhead geben ausschließlich meine persönliche Meinung zum Produkt wieder. Es handelt sich hierbei um redaktionelle Beiträge, welche aber durchaus eine werbende Wirkung beim Leser erzielen könnten, ohne dass ich von einem Unternehmen damit beauftragt wurde.


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