Test FELIKS AUDIO ECHO

Heute teste ich für euch weltexklusiv den brandneuen Kopfhörerverstärker ECHO der kleinen polnischen Manufaktur FELIKS AUDIO. Vielen lieben Dank noch einmal an Lukasz Feliks für die schnelle und unbürokratische Zusendung des allerersten Seriengerätes.

Der polnische Hersteller produziert bereits seit Mitte der 90’er Jahre technisch ausgefeilte und anspruchsvolle Röhrenverstärker, ursprünglich als Subunternehmer für Auftragsarbeiten von renommierten HIGH-END Marken aus aller Welt.

Seit einigen Jahren jedoch sorgen die innovativen Polen mit der hauseigenen Marke FELIKS AUDIO für mächtig Furore im nach wie vor stetig wachsenden Röhrensegment, speziell mit Ihren beiden international hoch gelobten Spitzenverstärkern ELISE und EUFORIA.

Bei mir daheim spielt seit einigen Wochen das TOP-Modell EUFORIA unter anderem in kongenialer Zusammenarbeit am hochohmigen Referenzkopfhörer AUDIO TECHNICA ADX5000. Aber auch Ohrlautsprecher mit weit niedrigerer Impedanz bereiten dem phänomenal neutral aufspielenden EUFORIA keinerlei Schwierigkeiten.

Insbesondere wirkungsgradstarke Aspiranten wie der FOCAL UTOPIA oder auch ein AKG812 PRO laufen am polnischen Spitzenverstärker zur absoluten Hochform auf.

Aus diesem Grunde war ich selbstverständlich sehr gespannt auf das neueste Einsteigermodell des sympathischen kleinen Familienbetriebes aus Lubliniec. Wie seine größeren Brüder arbeitet auch der ECHO im klangförderlichen OTL Modus, vorzugsweise mit Spielpartnern im optimalen Impedanzbereich von 100 – 600 Ohm zusammen.

Der kleinste Röhrenverstärker von FELIKS AUDIO ist allerdings auch der feingeistigen Interaktion mit niederohmigen Kopfhörern nicht abgeneigt, wie sich im späteren Klangtest noch herausstellen wird.

Verarbeitung & Ausstattung

Die Verarbeitungsqualität des vollständig in Handarbeit hergestellten Kopfhörerverstärkers kann angesichts des vom Hersteller avisierten Verkaufspreises von 399,- Euro nur als überragend bezeichnet werden.

Allein schon die seitlich angebrachten und paarweise ausgewählten Echtholzpanele sind handwerklich perfekt verarbeitet und harmonieren optisch ausgezeichnet mit den mattschwarzen und metallisch glatten Flächen des KHV, welche nur durch den mittig platzierten Ringkerntransformator mit aufgebrachtem silbernen Firmenlogo unterbrochen werden.

Man merkt dem FELIKS AUDIO ECHO darüber hinaus in nahezu jedem Detail die über 20-jährige Erfahrung des polnischen Herstellers in der Produktion von erstklassigen Röhrengeräten an.

Eingangsseitig verfügt der ECHO über zwei 6N1P Treiberröhren, die Endverstärkung übernimmt wiederum ein 6N6P Doppeltrioden-Pärchen. Streng selektierte elektronische Bauteile und liebevolle Detaillösungen wie beispielsweise vergoldete Keramiksockel zur Aufnahme der Röhren zeugen zudem von dem Bestreben von FELIKS AUDIO, bereits bei dem potentiellen Neueinsteiger in unser kurzweiliges Kopfhörerhobby einen starken und bleibenden Eindruck zu hinterlassen.

Zumal der ECHO einer grundsätzlichen Experimentierfreude bezüglich des einfachst durchzuführenden Röhrenwechsels jederzeit aufgeschlossen gegenübersteht und ganz nebenbei noch mit einer formidablen Vorverstärkerfunktion aufwartet. Da der KHV zudem mit einem automatischen BIAS-Schaltkreis versehen ist, entfällt auch die lästige Neujustierung der Röhren nach einem potentiellen Tausch.

Der kleinste KHV des polnischen Herstellers beeindruckt weiterhin mit stabil ausgeführten und vergoldeten Chinchbuchsen auf der Rückseite, sowie mit einem linksseitig platzierten 6,3 mm Kopfhöreranschluss und einem mittigen Drehpotentiomenter aus mattschwarz lackiertem Aluminium auf der Frontplatte. Der Schalter zur Inbetriebnahme des Gerätes befindet sich im Übrigen unmittelbar neben der rückseitigen Netzsteckerbuchse.

Sicherlich zeugen einige kleine Details, wie beispielsweise die zahlreich auf dem Gehäuse verteilten schwarzen Kreuzschlitzschrauben von kaufmännisch determinierten Zwängen. Welche dem hervorragenden Gesamteindruck des ECHO allerdings in keinster Weise einen Abbruch tun. Der zukünftige Besitzer eines FELIKS AUDIO ECHO kann sich somit nicht nur an einer ausgezeichneten Verarbeitungsqualität erfreuen, sondern ebenso die bemerkenswerte Güte der einzelnen Bauteile bestaunen.

Der materialtechnisch betriebene Aufwand ist für ein Gerät dieser Preisklasse tatsächlich vorzüglich und in dieser Form wohl auch nur deshalb möglich, weil die Geräte nach wie vor ausschließlich direkt ab Werk vertrieben werden.

Vorbereitung

Die vier Röhren des FELIKS AUDIO ECHO, welche nach Angabe des Herstellers möglichst in einer festgelegten Reihenfolge implementiert werden sollten, werden von mir vor ihrem ersten musikalischen Einsatz zunächst 50 Stunden im Dauerbetrieb eingebrannt.

Um dem ECHO außerdem ein adäquates Umfeld zu bieten, wähle ich als geeignete Signalquelle meinen AURALIC ALTAIR, welchen ich über ein NORDOST WHITE LIGHTNING Kabel mit den Chincheingängen des Kopfhörerverstärkers verbinde.

Als passender Ohrlautsprecher für den noch jungfräulichen Kopfhörerverstärker empfiehlt sich zunächst mein GRADO RS1. Der fast schon legendäre On-Ear KH der amerikanischen Manufaktur passt möglicherweise auch preislich sehr gut in ein etwas enger gefasstes Budget. Außerdem sollte er den ECHO bezüglich der Leistungsanforderung auch vor keine allzu großen Probleme stellen.

Aber auch der AUDIO TECHNICA ADX5000, welcher sich bereits am EUFORIA als nahezu idealer Partner erwiesen hat, erhält seine Spielzeit am neuen ECHO, auch, um gegebenenfalls die klanglichen Grenzen im Vergleich zum EUFORIA aufzuzeigen. Der ADX5000 fällt monetär selbstverständlich aus einem vernünftigen Rahmen und dient somit primär eher der Wahrheitsfindung.

Als musikalisches Testmaterial dienen mir wieder einmal die üblichen Verdächtigen aus Klassik, Jazz, Pop und Rock. Die entsprechenden Digitaldaten in HIGH-RES Auflösung werden dabei entweder unmittelbar von QOBUZ über den AURALIC ALTAIR gestreamt oder direkt von seiner externen Festplatte abgerufen.

Weitere Informationen zum neuen FELIKS AUDIO ECHO erhaltet ihr natürlich auch auf den Seiten des Herstellers: feliksaudio.pl

Klangtest

Bereits bei den ersten Takten von „Pretty Little Thing“ von Fink aus dem Jahre 2014 deutet der FELIKS AUDIO ECHO seine große Klasse an.

Der röhrenbewehrte Kopfhörerverstärker spielt am GRADO RS1 mit einer beeindruckenden Luftigkeit auf und platziert sowohl Fink’s Stimme als auch die entsprechenden Begleitinstrumente mit einer hohen Ortungsschärfe in den imaginären Raum.

Beim nachfolgenden Stück „Pills In  My Pocket“ unterfüttert der ECHO das musikalische Geschehen mit einem soliden und sehr gut konturierten Bassfundament, ohne aber dabei die Raumgrenzen zu komprimieren. Der Bass des ECHO besitzt zudem jederzeit ausreichend Druck und Tiefgang. Allerdings stellt der wirkungsgradstarke RS1 den KHV dabei auch vor keine unlösbare Aufgabe.

Das herausragende räumliche Darstellungsvermögen des FELIKS AUDIO in Breite und Tiefe wird auch in der Aufnahme  „Violent Measures“ auf dem neuesten Album von Nakhane „You Will Not Die“ deutlich. Die einzelnen Stimmen des Hintergrundchors werden vom ECHO breit aufgefächert und gleichsam sehr differenziert hinter dem plastisch und gleichsam transparent freigestellten Künstler wiedergegeben. Einfach toll.

Typisch für das Röhrengenre verfügt der ECHO über ein wunderbares Klangfarbenspektrum im Mitteltonbereich und zeichnet insbesondere klanglich komplexe Strukturen mit außerordentlich feinem Pinsel nach. Stimmen und Instrumente werden sorgfältig aus jedwedem Klangdickicht herausgeschält und darüber hinaus in einen überzeugenden Kontext bezüglich ihrer tatsächlichen Größe gestellt.

Im Hochtonbereich agiert der Röhrenverstärker extrem seidig, ohne dabei die Detailarbeit ungebührlich zu vernachlässigen. Auch kleinste klangliche Verästelungen werden mit formidablem Röhrenschmelz gewissenhaft und gleichsam ohne jegliche Schärfe reproduziert. Nachhallfahnen werden sehr authentisch wiedergegeben und sind mit verantwortlich für die überragenden räumlichen Qualitäten des kleinen Verstärkers.

Tonal spielt der FELIKS AUDIO ECHO markentypisch recht neutral auf, mit einem im Grundton angenehm warmen Timbre. Die Wiedergabe der Musik wirkt außerdem jederzeit kohärent und sehr gut ausbalanciert – insgesamt betrachtet eine in sich sehr stimmige und beeindruckende Vorstellung des kleinen Polen.

Und die Kombination mit dem ADX5000 ist durchaus geeignet, das musikalische Erlebnis abermalig zu intensivieren.

Dies ist selbstverständlich auch der hohen klanglichen Güte des AUDIO TECHNICA geschuldet. Im harmonischen Zusammenspiel von ECHO und dem japanischen Referenzkopfhörer expandieren so nochmalig die räumlichen Grenzen, die Basspräzision nimmt zu, die Verfärbungen im Mittelton tendieren im Vergleich zum GRADO nahezu gegen Null und der Hochtonbereich wird noch feinfühliger aufgedröselt.

Nur in der direkten Gegenüberstellung zum FELIKS AUDIO EUFORIA treten geringfügige Schwächen beim ECHO zu Tage. Der EUFORIA fokussiert Stimmen und Instrumente einfach noch präziser im Raum und verleiht ihnen zugleich auch mehr Substanz und Körper. Der ECHO wirkt hier vergleichsweise leicht zweidimensionaler.

Auch die Abgrenzung von einzelnen musikalischen Ereignissen, insbesondere in die Tiefe, gelingt dem EUFORIA überzeugender als dem kleinen Bruder – die Randschärfe ist in Verbindung mit dem ADX5000 dabei geradezu frappierend.

Entgegen der vom Hersteller angegebenen Leistungsangaben agiert der EUFORIA zumindest subjektiv auch mit den größeren Leistungsreserven. Die Polen üben sich hier offensichtlich im Understatement.

Denn zumindest in Kombination mit dem ADX5000 neigt der ECHO bei sehr hohen Abhörpegeln zu minimalen Kompressionseffekten und weicht insbesondere Bassimpulse leicht auf. Der EUFORIA agiert hier schlichtweg souveräner.

Allerdings sollte man sich spätestens an dieser Stelle den offiziellen Verkaufspreis des ECHO kurzzeitig ins Gedächtnis rufen. Zur Erinnerung: 399,- Euro. Der EUFORIA schlägt in Vollausstattung immerhin mit 1.999,- Euro zu Buche. Was aber angesichts der musikalischen Qualitäten dieses Ausnahmeverstärkers IMO immer noch als sehr preiswert einzustufen ist.

Eine entsprechende Rezension steht natürlich noch aus, um diese Aussagen letztlich zu verifizieren.

Mein Fazit

Mit dem neuen ECHO ist FELIKS AUDIO der ganz große Wurf gelungen. Galten bereits die größeren Brüder ELISE und EUFORIA als klangliche Überflieger in ihrem Preissegment, so schießt der kleinste Kopfhörerverstärker der polnischen Manufaktur wahrlich den Vogel ab.

Allein schon die herausragenden räumlichen Qualitäten des Röhren-Amps würden den Verkaufspreis mehr als rechtfertigen. Der FELIKS AUDIO ECHO kombiniert selbige aber dazu mit sensationellem musikalischen Fluss und insbesondere einem exzellenten Timing. Dass er nicht unbedingt zu den Kräftigsten seiner Art zählt und auf eher wirkungsgradstarke Spielpartner angewiesen ist – geschenkt.

Denn eine derart überzeugende klangliche Vorstellung war zu diesem Verkaufspreis bislang nicht erhältlich. Zumal die Polen den ECHO aktuell zu einem Sonderpeis von 369,- Euro in der Vorbestellung offerieren. Keine Frage – ein veritables Schnäppchen. Wer hier nicht zuschlägt, dem kann ich auch nicht mehr helfen.

Euer Fidelio



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COMMENTS1

  1. Vielen Dank Fidelio für diesen mal wieder ausführlichen und spannenden Bericht.
    Deinen Ausführungen konnte ich besonders gut folgen , da ich seit geraumer Zeit
    den AUDIO TECHNICA ADX5000 mit dem FELIKS AUDIO EUFORIA höre und von
    Verarbeitungsqualität und klanglicher Darbietung auch sehr begeistert bin.
    Den AKG812 PRO habe ich am FELIKS AUDIO kaum wiedererkannt und nicht umsonst
    hat der Focal Senior Manager auf der CanJam 2017 in London den Feliks Audio Euforia
    als Referenz Röhrenverstärker genommen.
    Das jetzt auch der ECHO in diesem Preissegment so überzeugt freut mich sehr.


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