Hörtest MrSpeakers Voce + Stax SRM D50

Der amerikanische Hersteller MRSPEAKERS transferiert die langjährig gesammelten Erfahrungen von Mastermind Dan Clark bezüglich der Konstruktion von orthodynamischen Kopfhörern in das elektrostatische Segment und führt die zum Teil patentierten Lösungen in dem aktuellen Topmodell VOCE folgerichtig zusammen.

Die ausgeklügelte und bewährte Kopfbandkonstruktion aus NiTinol-Metall mit minimalistisch ausgeführtem ledernen Kopfband verhelfen dem MRSPEAKERS VOCE, ebenso wie die leichten Treibergehäuse aus silberfarbenen Aluminium, zu einem sensationell niedrigen Gewicht von nur 330 Gramm (ohne Kabel). 

Auch die schwarzen Ohrpolster aus italienischem Nappaleder tragen aufgrund ihrer großzügigen runden Ausschnitte und einer angenehm weichen Haptik zum hervorragenden Tragekomfort des MRSPEAKERS bei. Dass die 2 Meter langen Anschlusskabel des VOCE im Vergleich zu den Produkten der Mitbewerber zudem austauschbar sind – nun, vielleicht für Einige das Tüpfelchen auf dem i.   

Bereits auf der CANJAM 2017 in Berlin konnte ich allererste klangliche Eindrücke mit dem damaligen VOCE Prototypen sammeln und die spätere Serienversion im Verlauf der letzten beiden Jahre auch des Öfteren schon mit den direkten Konkurrenten aus dem japanischen Hause STAX konfrontieren.

Und speziell im Vergleich zum derzeitigen STAX Spitzenmodell SR009 (S) wählte Dan Clark beim VOCE tatsächlich einen etwas unterschiedlichen musikalischen Ansatz. 

Während der STAX seine große Stärke vorwiegend im Hochtonbereich ausspielt und in dieser Disziplin mit schon exorbitanter Auflösung und famoser Detailarbeit aufwartet, präferiert der MRSPEAKERS VOCE eine eher organisch geprägte Wiedergabe, welche auf einem satten, aber dennoch sehr gut strukturiertes Bassfundament und einem erdigen wie samtigen Grundtonbereich aufbaut. 

Insbesondere Stimmen verfügen so jederzeit über eine körperreiche akustische Basis – eine Eigenschaft, welche vielen elektrostatischen Systemen, das SONOMA ACOUSTICS M1 einmal ausgenommen, leider oft abgeht. Insbesondere beim STAX SR009 wünsche ich mir je nach gewählter Musikrichtung gelegentlich etwas mehr „Fleisch auf den Rippen“.

Und obgleich der STAX insbesondere bei großorchestralen Einsätzen speziell im Mittel- und Hochtonbereich natürlich mit seiner phänomenalen Durchhörbarkeit des musikalischen Geschehens zu beeindrucken weiß, versieht der VOCE jedes einzelne Instrument im Orchester mit einfach mehr analogem Schmelz und den (noch) schöneren Klangfarben. 

Aber wie oftmals im Leben ist dies natürlich immer auch Geschmacksache.

MRSPEAKERS VOCE + STAX SRM D50

Voraussetzung für klangliche Glanzleistungen des amerikanischen Ohrlautsprechers ist allerdings die stimmige Liaison mit einem adäquat aufspielendem Partner.

Und auf der Suche nach einem passenden Kopfhörerverstärker für den MRSPEAKERS VOCE wurde ich eher durch Zufall fündig. Der von mir erst kürzlich getestete STAX SRM D50 erwies sich nämlich im Verlauf meiner Rezension als kongenialer Gefährte für den Elektrostaten. 

Denn der transistorbewehrte SRM D50 führt den VOCE an straffem Zügel. Dadurch wirkt der Bassbereich des Kopfhörers allzeit sehr kontrolliert und überzeugt gleichzeitig mit einer ausgezeichneten Konturenschärfe. Der Tiefgang ist für einen elektrostatischen Flächenstrahler ebenfalls recht beeindruckend, hier kommen beim VOCE sicher auch seine relativ großen Diaphragmen mit 88 mm Durchmesser zum Tragen. 

Und obwohl der VOCE einen STAX SR009 hinsichtlich der Ausleuchtung der untersten Oktaven sicherlich übertrifft, erreicht er dennoch nicht ganz die schwarzen Kellergefilde der orthodynamischen Kopfhörerspezies, wie beispielsweise der ABYSS DIANA PHI oder gar eines AB1266 PHI. Geschenkt.

Im klangrelevanten Mitteltonbereich gefällt der MRSPEAKERS VOCE speziell in Kombination mit dem SRM D50 durch die hervorragend ausbalancierte und sehr natürlich wirkende Wiedergabe sowie eine gleichermaßen kohärente und involvierende Spielweise. Wie bei allen elektrostatischen Kopfhörern ist die Transientenwiedergabe dabei nahezu perfekt, der VOCE agiert am STAX uneingeschränkt impulstreu.

Das leicht dunkel angehauchte Timbre des MRSPEAKERS VOCE wird durch den typisch transparenten Charakter des Transistorverstärkers optimal kompensiert, ohne dabei den grundsätzlichen Charakter des Kopfhörers negativ zu beeinflussen. Ganz im Gegenteil. 

Während der STAX-Amp den abstimmungstechnisch bedingten, geringfügigen Hang zur Analytik beim SR009 im mittleren und oberen Frequenzspektrum natürlich permanent aufgreift und der Kopfhörer dadurch gelegentlich bei (sehr) ambitionierten Pegelstellungen in den Höhen zu einer minimalen Schärfe neigt, beflügelt der SRM D50 den „sanfteren“ VOCE in diesem Bereich geradezu.

Der Hochtonbereich des MRSPEAKERS wirkt am STAX demzufolge homogen und ausgewogen ohne eine erhörbare Emphasis. Dennoch werden auch allerkleinste Details akribischst aufgedröselt und wie selbstverständlich ohne Hang zu einer Sibilantenschärfe reproduziert. Dabei erreicht der VOCE allerdings nicht ganz das Weltklasseniveau eines SR009 (S) bezüglich des Auflösungsvermögens.  

Dieses Beispiel für diese IMO sehr gelungene Paarung aus KH und KHV zeigt eindrucksvoll auf, wie wichtig die richtige Auswahl des potentiellen Spielpartners für die systemische Gesamtperformance ist.

Während ich beispielsweise für die Ohrlautsprecher der Marke STAX in der Regel eher Röhrenverstärker oder auch entsprechende Hybridvarianten empfehle, lege ich Besitzern eines VOCE nunmehr vorwiegend Transistorlösungen ans Herz. 

Zum Beispiel eben den neuen STAX SRM D50. Der MRSPEAKERS Kopfhörer dankt es jedenfalls mit exzellenter Präzision und Neutralität. Und natürlich mit einem musikalischen Erlebnis der Extraklasse.

Euer Fidelio

Meine Wertung (VOCE)

Klangqualität (60%) : 4 von 5 Ohren
Tragekomfort (20%) : 5 von 5 Ohren
Verarbeitung (20%) : 4 von 5 Ohren

Meine Wertung (SRM D50)

Klangqualität (60%) : 3 von 5 Ohren
Ausstattung (20%) : 4 von 5 Ohren
Verarbeitung (20%) : 4 von 5 Ohren

(*) Die Testberichte auf Musicalhead geben ausschließlich meine persönliche Meinung zum Produkt wieder. Es handelt sich hierbei um redaktionelle Beiträge, welche aber durchaus eine werbende Wirkung beim Leser erzielen könnten, ohne dass ich von einem Unternehmen damit beauftragt wurde.


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