DC AEON 2 CLOSED

Test DAN CLARK AEON 2 CLOSED

Endlich wieder Sommer! Und wenngleich sich das Reisen derzeit bekanntlich schwierig gestaltet, freue ich mich dennoch auf einige entspannte Stunden draußen auf unserer Terrasse oder im Garten. Da kommt der neue DAN CLARK AEON 2 CLOSED (DC-AUDIO – ehemals MRSPEAKERS) im Rahmen meines „Summer-Specials“ doch gerade recht.  

Der aktuellste Geniestreich der kleinen Manufaktur aus San Diego im sonnigen Kalifornien erfüllt nämlich theoretisch alle Ansprüche an eine mobile Lösung – DAP-freundliche weil niedrige Impedanz, relativ wenig Eigengewicht und dazu hochtransportabel.

CLOSED. Dabei weiß Carsten Hicking vom deutschen Vertrieb AudioDomain doch eigentlich ganz genau, dass ich mit der geschlossenen Fraktion für gewöhnlich auf Kriegsfuß stehe. Trotzdem war meine Neugier geweckt, als Carsten mir eine deutlich verbesserte Version des ersten AEON FLOW CLOSED versprach. Also vielen Dank für das neue Testmuster.

Der einzige geschlossene Kopfhörer, welcher sich derzeit noch in meinem Besitz befindet, ist ein STAX SR-4070, hat mittlerweile 15 Jahre auf dem Buckel und erstrahlt in beinahe neuwertigem Glanz. Denn die tatsächliche Spielzeit in Stunden läßt sich bequem an einer Hand abzählen. 

Somit ist der STAX inzwischen eher zur Wertanlage mutiert, als einen wirklich praktischen Nutzen zu bieten. Und auch alle andere Experimente, mich klanglich von den wöchentlichen Staubsauger-Attacken meiner holden Gemahlin gehörtechnisch abzuschotten, endeten regelmäßig im Verkauf der entsprechenden Kandidaten.

Denn abgesehen von dem unbestreitbaren Vorteil bezüglich der akustischen Isolierung in beide Richtungen, handeln sich geschlossene Ohrlautsprecher aus rein klanglicher Sicht für gewöhnlich einen ganzen Sack an Nachteilen ein. 

Zum einen trüben nicht nur gehäusetechnisch bedingte Resonanzen im Bassbereich mitunter den Musikgenuss, auch die oft anhänglichen Verfärbungen im sensitiven Mittelton treiben mich als bekennenden Gralsritter der feinen Töne des Öfteren in den Wahnsinn.

Da auch die Bühnendarstellung der Geschlossenen meines Erachtens nicht selten an wenig geräumige Kinderzimmer erinnert, habe ich für mich persönlich zwischenzeitlich die finale Entscheidung getroffen, in Zukunft grundsätzlich nicht mehr als 1.000,- Euronen in die geschlossene Fraktion zu investieren. Wenn überhaupt. 

Der neue DC AEON 2 CLOSED würde mit einem offiziellen Verkaufspreis von 999,- € somit gerade eben noch in mein neues potentielles Beuteschema passen. Zumal der Kopfhörer im Vergleich zum Vorgängermodell preislich noch nicht einmal zugelegt hat. Bravo.

Verpackung & Ausstattung

Und ebenso wie schon die erste Version wird auch der AEON 2 CLOSED in mattschwarzer Kartonage mit silberner Aufschrift ausgeliefert. Allerdings wähnte ich mich ob der kompakten Außenmaße zunächst einem veritablen Irrtum erlegen. Wie bitte soll den dieses winzige Päckchen einen ausgewachsenen Ohrlautsprecher beherbergen?

Ob man den neuen OE-Kopfhörer vielleicht erst noch in mühseliger Heimarbeit zusammensetzen muss? Das Öffnen des Kartons bringt sodann des Rätsels erhoffte Lösung. Der DC lässt sich über eine klappbare Bügelmechanik der Treibergabeln auf kleinstmögliches Maß zusammenfalten und in einem dafür vorgesehenen schwarzen Hardcase transportieren.

Passt perfekt. Allerdings erschließt sich mir nicht, wieso die formschöne Kunststoffbox derart knapp bemessen wurde, dass das zugehörige und 2 m lange DUMMER-Anschlusskabel beim besten Willen nicht mehr unterzubringen ist und demzufolge separat mitgeführt werden muss. Ich werde Dan wohl bei nächster Gelegenheit einmal darauf ansprechen.

Apropos Kabel. Neben der serienmäßigen und gleichwohl hochwertigen OFHC-Verbindungsstrippe mit 6.3 mm Klinkenstecker, selbstverständlich adaptierbar auf 3.5 mm, hat mich Carsten zusätzlich mit einem mobilfreundlichen, weil kurz bemessenem (1.1 m) 4.4 mm PentaConn VIVO-Kabelsatz ausgerüstet. Ideal, um im folgenden Klangtest mit dem FIIO M15 und dem LOTOO PAW GOLD TOUCH verbunden zu werden.

Die Ausstattung des DC AEON 2 CLOSED wird schließlich komplettiert durch durch das bekannte Echtheitszertifikat, eine englischsprachige Quick-Start-Anleitung, 2 passgenaue Schaumstoffeinsätze zum akustischen „Tuning“ der Ohrmuscheln sowie das obligatorische Mikrofaser-Putztuch. 

Verarbeitung & Tragekomfort

Der DC AEON 2 CLOSED ist erwartungsgemäß mustergültig verarbeitet. Der Kopfhörer überzeugt gleichermaßen hinsichtlich Materialmix, Haptik und Verarbeitungsgüte. Insbesondere in Bezug auf seine Preisklasse. 

Die filigrane Bügelkonstruktion aus NiTinol Metall mit einfacher Anpassung an jedwede Kopfgröße ist dazu ein gutes Beispiel für intelligenten Leichtbau. Die Treiberaufnahmen werden über ein mattschwarzes Aluminiumgehäuse resonanztechnisch wirkungsvoll stabilisiert, die Ohrmuscheln aus einem dunkelroten und hochglanzlackiertem Kunststoff-Karbonfaser-Mix gefertigt.

Die klappbaren Treibergabeln aus Aluminium arretieren zudem perfekt in ihren jeweiligen Positionen. In Kombination mit dem stufenlos einstellbaren Kopfband aus edler Tierhaut ergibt sich in Folge ein exzellenter Tragekomfort. Und mit einem Gewicht von nunmehr 327 g ist der kalifornische Ohrlautsprecher für einen magnetostatischen Flächenstrahler geradezu ein Leichtgewicht.

Selbst größere Ohren finden in den ergonomisch geformten Muscheln bequem Platz und auch der Anpressdruck wurde perfekt gewählt. Die Ausführungen der Polster in Proteinleder haben sich darüber hinaus in der Praxis bewährt und überzeugen mit einem sehr angenehmen Kontaktgefühl. 

Technik

Auf Basis des orthodynamischen Spitzenmodells DC ETHER 2 wurde auch der Antrieb des AEON 2 CLOSED völlig neu gestaltet. Die aktuellen Treiber agieren nun um 180° gedreht, um laut Aussage des Herstellers ein transparenteres Hörerlebnis zu ermöglichen, da der abgestrahlte Schall nun nicht mehr die entsprechenden Magnetstrukturen passieren muss.

Außerdem wurde die interne Luftströmung der FLOW-Elemente optimiert – präzise Frästeile ersetzen die ursprünglichen Pendants aus Spritzguss. Auch die interne Dämpfung der Treiber erfuhr eine gründliche Überarbeitung und der Ohrlautsprecher erhielt überdies eine neue klangliche Signatur.

Interessanterweise verwendet Dan Clark mit einer Membranstärke von lediglich 0.005 mm nach wie vor sehr dünne und leichte Kunststofffolien für seine Magnetostaten auf dem Niveau eines AUDEZE LCD4

Trotz der grundsätzlich mobilfreundlichen Impedanz von 14 Ohm verfügt der AEON 2 CLOSED mit einer Empfindlichkeit von 94 db/mW im Übrigen über keinen sonderlich hohen Wirkungsgrad. Kräftige DAP oder auch -Desktopverstärker sind bei den Kopfhörern von Dan somit erste Pflicht.  

Vorbereitung 

Infolgedessen wähle ich neben den bereits oben erwähnten FIIO M15 und LOTOO PAW GOLD TOUCH einen MYTEK BROOKLYN DAC+ als adäquaten Vertreter der stationären Fraktion aus, um die klangtechnischen Fähigkeiten des DC AEON 2 CLOSED in meiner Rezension möglichst vollständig auszuloten.

Beschickt wird die ESS-Wandlersektion des BROOKLYN DAC+ von meinem softwareoptimierten iMAC über ein CHORD EPIC USB-Kabel. Die angemessene Stromzufuhr des MYTEK stellt dabei ein SBOOSTER-BOTW-MK2 Netzteil der neuesten Generation sicher. 

Während der DC stationär über einen der beiden unsymmetrischen 6.3 mm Klinkenbuchsen mit dem kombinierten DAC/KHV aus New York verbunden wird, profitieren sowohl der FIIO als auch der LOTOO von ihren vollsymmetrischen 4.4 PentaConn Kopfhörerausgängen, an welchen speziell der M15 mit erstaunlichen Leistungswerten aufwartet.

Als Musikmaterial dienen mir wieder einmal die üblichen Verdächtigen aus Pop, Rock, Jazz, Blues und natürlich Klassik. Weitere Informationen zum DC AEON 2 CLOSED erhaltet ihr selbstverständlich auf der Homepage von DC-AUDIO unter: Dan Clark Audio oder auch auf den Seiten des deutschen Vertriebs: AudioDomain

Klangtest

In Kombination mit dem MYTEK gibt sich der DC AEON 2 CLOSED bereits in den ersten Hörminuten als typischer Vertreter der kalifornischen Manufaktur zu erkennen. Denn wie schon der große Bruder ETHER 2 begeistert auch der formal kleinste Ohrlautsprecher von Dan Clark durch seine ausgezeichnete tonale Balance.

Der AEON 2 CLOSED spielt im Gegensatz zum Vorgänger mit einem leicht wärmeren Timbre und erdigerem Grundton auf, wahrt aber dennoch die neutrale Linie. Und obgleich der neue Kopfhörer über mehr Dominanz im Bass verfügt als das ältere Pendant, wirkt die Wiedergabe nach wie vor in sich kohärent, da das übrige Frequenzband vorzüglich an die neue Bassqualität angeglichen wurde. 

Der amerikanische Ohrlautsprecher leuchtet selbst tiefe Gefilde akkurat aus, verfügt über jederzeit genügend Druck im Midbass und betont den oberen Bassbereich in nur sehr geringem Maße, so dass selbst bei höheren Hörpegeln keinerlei störende Resonanzen zu beklagen sind.

Im Gegensatz zur offenen Bauweise können die Treibermembranen geschlossener Kopfhörer aufgrund von Kompressionseffekten nicht mit dem linearen Schwingungsverhalten der Erstgenannten aufwarten, was nicht selten zu unerwünschten Überlagerungen oder Überhöhungen speziell im Bassbereich führen kann. 

Die Resonanzfreiheit des AEON 2 CLOSED zeugt demzufolge von einer wirklich herausragenden Abstimmungsarbeit der Entwickler. Darüber hinaus gefällt der Bass ebenso mit einer ausreichenden Konturenschärfe, so dass auch komplexe Passagen zu meiner vollsten Zufriedenheit gemeistert werden.  

Der substanzielle Grundton bildet weiterhin die Basis für eine außerordentlich plastisch vorgetragene Wiedergabe im Mitteltonbereich. Die Klangfarben wirken dazu sehr natürlich und verfärbungsfrei, was insbesondere der Reproduktion von akustischen Instrumenten und Stimmen ein hohes Maß an Authentizität verleiht. 

Im Vergleich zum Vorgängermodell rückt das musikalische Geschehen außerdem etwas mehr in den Vordergrund, der Präsenzbereich wurde geringfügig angehoben. Der AEON 2 CLOSED profitiert meines Erachtens durch diese klangtechnische Maßnahme – der Kopfhörer spielt subjektiv energiegeladener auf und gewinnt dadurch an Livehaftigkeit hinzu.

Der Hochtonbereich fügt sich nahtlos in das übrige Frequenzband ein. Der DC reproduziert auch feinste klangliche Strukturen ohne jegliche Schärfe und mit einem seidigen Charakter, ohne dabei die Detailarbeit zu vernachlässigen. Allerdings wird das Obertonspektrum nicht in allerletzter Konsequenz aufgelöst, was sowohl die Transparenz als auch den räumlichen Eindruck mitunter beeinträchtigt.

Denn obgleich der AEON 2 CLOSED hinsichtlich der tatsächlich bemerkenswerten Staffelung in die Tiefe Bestnoten einfährt, ist die Bühnenbasisbreite zweifelsohne leicht eingeschränkt und somit allenfalls auf durchschnittlichem Niveau.

Meine Experimente bezüglich der mitgelieferten Schaumstoffeinsätze für die Ohrmuscheln waren demzufolge wenig zielführend, da sich insbesondere die Durchhörbarkeit im Mittel- und Hochton aus meiner Sicht in beiden Fällen eher verschlechterte. 

Allerdings muss man dem geschlossenen Ohrlautsprecher zugute halten, dass der DC selbst bei hochkomplexen musikalischen Arrangements bravourös die Spielübersicht behält und die entsprechenden Ereignisse in überragender Manier separiert und gleichermaßen sehr präzise fokussiert. 

Die dynamischen Qualitäten des AEON 2 CLOSED sind dabei stark abhängig von einer angemessenen Leistungszufuhr. Während der Kopfhörer am BROOKLYN DAC+ mit explosiver Attacke begeistert und auch feindynamische Schattierungen exzellent auszuleuchten weiß, müssen im mobilen Betrieb leichte Abstriche gemacht werden. 

Um dies jetzt nicht falsch zu verstehen – sowohl der FIIO M15 als auch der LOTOO PAW GOLD TOUCH verfügen über jederzeit genügend Ausgangsleistung, um den Ohrlautsprecher aus dem sonnigen San Diego zu ohrenbetäubenden und verzerrungsfreien Pegeln zu treiben. 

Dennoch geht den beiden DAP die lässige Gangart der stationären Komponente aus New York etwas ab, welche SBOOSTER-bewehrt natürlich auf nahezu unbegrenzte Stromreserven zurückgreifen kann und dem Klangbild infolgedessen mehr Ruhe und Souveränität verleiht.

Der MYTEK platziert die jeweiligen Protagonisten somit punktstabiler in den räumlichen Kontext, verflacht die Abbildung auch nicht bei exzessiven Abhörlautstärken und weicht Bassimpulse selbst dann nicht auf, wenn diese beinahe schon körperlich nachvollziehbar werden. 

Leistung ist eben durch nichts zu ersetzen, außer… – vielleicht eben doch durch einen ausgiebigen Waldspaziergang am frühen Abend in Begleitung des zuvor genannten, mobilen Ensembles. Oder durch ein ausgiebiges Sonnenbad im heimischen Garten in einem perfekt audiophilen Umfeld.

Denn schließlich ist ja endlich Sommer.

Mein Fazit

Der DC AEON 2 CLOSED bewahrt alle Tugenden der Ohrlautsprecher aus Kalifornien, wie die erstklassige tonale Balance und eine absolut langzeittaugliche Wiedergabe und leistet sich außerdem keinerlei Fehler in den klangrelevanten Bereichen.  

Lediglich die leicht eingeschränkte räumliche Extension, speziell in die Breite, könnte dem kleinsten Kopfhörer von Dan Clark gegebenenfalls angekreidet werden. Dieses Manko teilt der AEON 2 CLOSED allerdings zweifelsohne mit den allermeisten anderen Probanden der geschlossenen Fraktion.

Ebenso wie die minimalen Einbußen hinsichtlich der Transparenz, welche gleichsam dem luftundurchlässigen Arbeitsprinzip geschuldet sind. Der DC kontert dagegen mit meisterhafter Abstimmung bezüglich einer vollständigen Resonanzfreiheit und demonstriert überdies jederzeit musikalische Geschlossenheit.

Im Vergleich zum Vorgänger tritt der neue AEON 2 CLOSED bei adäquater Leistungszufuhr außerdem energetischer auf und präferiert so eine etwas dynamischere Spielart. Dass sich die Steigerung der Performance dabei nicht monetär niederschlägt, ist dem Hersteller aus San Diego aus meiner Sicht hoch anzurechnen.

Der DC AEON 2 CLOSED ist darüber hinaus der einzige geschlossene Kopfhörer, welchen ich mir gegebenenfalls auch persönlich zulegen würde. Und speziell in der Preisklasse bis 1.000,- Euro ist der Ohrlautsprecher meines Erachtens derzeit konkurrenzlos.

Somit erhält das neue Meisterstück von Dan Clark selbstverständlich meine ausdrückliche Empfehlung – an alle Gralsritter der feinen Töne. 

Euer Fidelio

(*) Die Testberichte auf Musicalhead geben ausschließlich meine persönliche Meinung zum Produkt wieder. Es handelt sich hierbei um redaktionelle Beiträge, welche aber durchaus eine werbende Wirkung beim Leser erzielen könnten, ohne dass ich von einem Unternehmen damit beauftragt wurde.


RELATED POSTS


LEAVE A COMMENT