Hörtest ROSSON RAD-0

ROSSON AUDIO DESIGN präsentiert den ersten orthodynamischen Kopfhörer des jungen amerikanischen Unternehmens – den RAD-0. Alex Rosson, der als ehemaliger Mitbegründer und CEO des Herstellers AUDEZE federführend für die Entwicklung des ursprünglichen LCD2 verantwortlich zeichnet, überraschte die Fachwelt bereits Ende 2019 mit dem neuen, optisch sehr außergewöhnlichen Flächenstrahler. 

Bei jedem ROSSON RAD-0 handelt es sich aufgrund der unterschiedlichen farblichen Gestaltung der Treibergehäuse nämlich um ein Unikat. Alex’ Team arbeiten Mircata, sowie Edelhölzer und -Steine in die entsprechenden Gussformen der umschließenden Ringe organisch mit ein und verleihen den Kopfhören dadurch ein sehr individuelles Erscheinungsbild. 

Der RAD-0, welcher im Übrigen in einem robust wirkenden und perfekt ausgepolsterten schwarzen Kunststoffkoffer ausgeliefert wird, vertraut technisch auf 66 mm messende, planare Wandler-Membranen und liegt somit größentechnisch auf Augenhöhe mit dem ABYSS AB1266 PHI TC. Durch die Verwendung von elf N52-Neodymium-Magneten wird zudem eine recht hohe magnetische Flussdichte erzielt.

Ein effizienter Wirkungsgrad von 98 dB/mW bei 29 Ohm Impedanz sollte es dem kalifornischen Ohrlautsprecher ermöglichen, auch leistungsschwächere, mitunter sogar mobile Spielpartner problemlos zu akzeptieren. Lediglich das recht hohe Eigengewicht von 650 g könnte den Einsatz unterwegs ad absurdum führen – aber dafür wurde der offene OverEar-Kopfhörer letztendlich auch nicht geschaffen.

Die solide Konstruktion unter Verwendung der doppelseitigen Anordnung von Stabmagneten, Treibergehäuse und -Gabeln aus massivem Aluminium, sowie eine Kopfbandkonstruktion aus (Feder-) Stahl fordert halt ihren Tribut. Aufgrund des weich gepolsterten und Proteinleder bewehrten Kopfbügels sowie ebensolcher Ohrpolster mit angenehmer Kontaktfläche aus Velours, fällt der Tragekomfort überraschenderweise recht hoch aus. Lediglich der Anpressdruck hätte von ROSSON meines Erachtens etwas moderater gewählt werden können.

Die Einstellung auf die jeweilige Kopfgröße gelingt über eine leichtgängige Rasterung im Übrigen deutlich problemloser, als beispielsweise bei den LCD-Pendants der Marke AUDEZE. Denn den Kampf mit der widerspenstigen Mechanik möchte man eigentlich nur ein einziges Mal im Leben mit dem amerikanischen Ohrlautsprecher ausfechten.

Kabelseitig ist dem RAD-0 außerdem alles beigepackt, was das Herz begehrt. Ich benötige für den nun folgenden Test allerdings nur die schnöde Klinkenverbindung, da ich als adäquate Spielpartner zum einen den FELIKS EUFORIA 20th AE für meinen ersten Hörcheck auserkoren habe, zum anderen den MYTEK BROOKLYN DAC+ als klangtechnischen Konterpart zur Röhre.

In beiden Fällen wird der ROSSON RAD-0 somit unsymmetrisch per 6,3 mm Klinke betrieben. Als Datenlieferant fungiert mein iMAC über die aktuellste Audirvana+ Software, die exzellente DAC-Sektion des MYTEK übernimmt beim EUFORIA außerdem die erforderliche Wandlerarbeit. Das musikalische Testmaterial setzt sich wie immer zusammen aus Hörbeispielen der Genres Klassik, Jazz, Blues, Rock und Pop, vorwiegend in HIGH-RES Auflösung. 

Weitere Informationen zum audiophilen Kleinod erhaltet ihr wie immer auf der Homepage des Herstellers ROSSON AUDIO DESIGN unter: https://www.rossonaudiodesign.com oder auf den Seiten des neuen deutschen Vertriebes AudioDomain unter https://www.audiodomain.de/marken/rosson-audio-design/, bei welchem ich mich auch für diese Teststellung ganz herzlich bedanken möchte.

Dynamischer Schöngeist

Mit dem neuen ROSSON RAD-0 feiern die Kalifornier zweifellos einen gelungenen Einstand in die höchste klangliche Liga der Ohrlautsprecher. 

Denn der RAD-0 beeindruckt von der ersten Sekunde an mit seinem physisch druckvollen Bassbereich, welcher vielleicht nicht ganz so abgrundtief hinabreicht wie der eines AUDEZE LCD4, aber dafür mit impulsivem und staubtrockenem Anschlag überzeugt. Der ROSSON verleiht dem Klangbild über das solide Bassfundament und die ausgezeichnete Textur zudem eine bemerkenswerte Autorität. Ganz große Klasse.

Der Übergang zum Grundton gelingt dem RAD-0 darüber hinaus nahtlos, selbiger ist infolgedessen von eher erdiger Natur. Der Kopfhörer begeistert im Mitteltonbereich außerdem mit einem wunderbar warmen und natürlichen Timbre, prächtigen Klangfarben und einer enorm plastischen Darstellung des musikalischen Geschehens. 

Aber auch die Separation einzelner Ereignisse sowie die punktuelle Fixierung von Stimmen und Instrumenten im räumlichen Kontext meistert der ROSSON mit Bravour. Breiten- und Tiefenstaffelung des RAD-0 geben ebenfalls keinen Anlass zu Kritik, obgleich sich die Bühnenbasisbreite vergleichsweise in Grenzen hält. 

Bei der klanglichen Abstimmung des Hochtonbereiches orientiert sich Alex Rosson fast schon erwartungsgemäß an den Ohrlautsprechern seiner ehemaligen Marke, indem er den Präsenzbereich bei 2-4 kHz minimal absenkt, ohne dabei den bekannten „Audeze-Peak“ bei 8 kHz zu forcieren. Die Höhen wirken somit unauffällig organisch und bruchlos in das übrige Frequenzband integriert. 

Diese harmonische Balance im Hochton schmeichelt der körperreichen Wiedergabe des RAD-0, indem sie den musikalischen Fokus auf die klangrelevanten Mitten lenkt. Der ROSSON übt sich bezüglich der Hochtonenergie demzufolge zwar in leichter Zurückhaltung, speziell die Wiedergabe einzelner Stimmen oder akustischer Instrumente wirkt aber dadurch homogen und authentisch. 

Die dynamischen Qualitäten des Erstlingswerks von ROSSON sind aufgrund der hohen Empfindlichkeit sowieso über jeden Zweifel erhaben. Dieser exzellent – weil absolut stressfrei – abgestimmte Ohrlautsprecher eignet sich insbesondere für Liebhaber, welche vorwiegend die Musikrichtungen Rock, Pop oder auch Metal präferieren. Denn der ROSSON RAD-0 entfaltet sein volles klangliches Potential vor allem dann, wenn Originallautstärken gefordert werden.  

Der MYTEK BROOKLYN DAC+ verfügt über die dazu notwendigen Leistungsreserven, den RAD-0 völlig verzerrungsfrei bis hin zu ohrenbetäubenden Abhörpegeln zu treiben. Infolge des hohen elektrischen Dämpfungsfaktors führt der BROOKLYN DAC+ den Kopfhörer überdies an straffem akustischen Zügel und verleiht speziell komplexen musikalischen Passagen eine ausgezeichnete Struktur.

In der kongenialen Kombination mit dem FELIKS EUFORIA 20th AE bekundet der RAD-0 dagegen seine innige Liebe zur Röhre und brilliert mit einer Farbenpracht in den Mitten, die ihresgleichen sucht. Die Höhen funkeln über den EUFORIA um die Wette und Nachhallfahnen klingen gefühlt immer noch ein wenig länger aus. Dass allertiefste Bässe dabei geringfügig an Schwärze einbüssen – geschenkt. 

Fazit: Der neue ROSSON RAD-0 besitzt eine ausgewogene und gekonnt abgestimmte klangliche Signatur und fasziniert gleichsam mit der extrem plastisch anmutenden, sowie sehr druckvollen und dynamischen Reproduktion. Der Verkaufspreis wird in Deutschland voraussichtlich bei 3.300 Euro liegen.

Die Debütvorstellung von ROSSON AUDIO DESIGN gerät mit dem RAD-0 somit direkt auf Anhieb zu einem optischen und musikalischen Volltreffer. Well done, Alex. Ein wirklich großartiger Kopfhörer.   

(*) Die Testberichte auf Musicalhead geben ausschließlich meine persönliche Meinung zum Produkt wieder. Es handelt sich hierbei um redaktionelle Beiträge, welche aber durchaus eine werbende Wirkung beim Leser erzielen könnten, ohne dass ich von einem Unternehmen damit beauftragt wurde.


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