Warwick Acoustics Aperio

Test WARWICK ACOUSTICS APERIO

Da bin ich wieder. Und endlich ist es soweit – heute teste ich für alle Gralsritter der feinen Töne das elektrostatische Kopfhörer-Referenzsystem APERIO des britischen Herstellers WARWICK ACOUSTICS. 

Das proprietäre APERIO (lat. für Enthüllen, Aufdecken) wurde nach Aussage der High-End-Manufaktur eigens dazu entwickelt, neue Maßstäbe im Kopfhörersegment in Bezug auf eine perfekte audiophile Wiedergabe zu setzen und das klangliche Niveau zudem neu zu definieren. Oder um es einfach auf den Punkt zu bringen – das beste Kopfhörersystem der Welt zu bauen. 

Dieses ehrgeizige Entwicklungsziel beschreibt zugleich die Philosophie von WARWICK ACOUSTICS, welche in jedem Produkt von der ersten Konzeption bis hin zur serienreifen Fertigung fest verankert ist – um das musikalische Quellmaterial unverändert und wahrheitsgetreu wiederzugeben, muss das System und somit jedes Element im Signalweg zu 100% transparent und frei von Verzerrungen operieren. 

Das Wiedergabesystem darf zu keiner Zeit den Klang negativ beeinflussen oder den sensiblen Audioinhalten einen eigenen Charakter aufzwingen. Alle verfügbaren Daten, gleichgültig, ob diese in analoger- oder digitaler Form vorliegen, sollten jederzeit verfärbungsfrei reproduziert werden können.

Innovatives Complete System Design

WARWICK ACOUSTICS verfolgt im Automotive Technology Center in England deshalb für ihre Produktserien den rigorosen Ansatz eines Complete-System-Design. Dieses beinhaltet das Engineering jedes einzelnen Bauteils im Signalweg des Systems – vom ersten Abgriff der analogen oder digitalen Audiodaten bis hin zur finalen musikalischen Wiedergabe. 

Denn nach Auffassung des britischen Herstellers ist ein mit diesem Ansatz optimiertes Gesamtsystems separat entwickelten HIFI-Komponenten – selbst wenn diese auf höchstem technischen Niveau agieren – klanglich prinzipiell überlegen. 

Bereits das SONOMA M1 überzeugte im Test auf Musicalhead durch erstklassige Verarbeitung, hochwertigste Materialien, sowie ein tonal ausbalanciertes und authentisches Klangbild. Die ausgeprägte Randschärfe und eine sensible Akzentuierung von Stimmen und Instrumenten begeisterten ebenso, wie die superbe Feindynamik bei gleichzeitig ausgezeichneter räumlicher Abbildung. 

Das neue WARWICK ACOUSTICS APERIO verkörpert nach eigener Aussage nunmehr den Höhepunkt dieser stringenten Produktphilosophie, zumal Kompromisse für jedwedes Element bei diesem Cost-No-Object Kopfhörersystem bereits in der Entwicklungsphase kategorisch ausgeschlossen wurden. 

Balanced Drive HPEL Schallwandler

Die im Vergleich zum SONOMA M1 deutlich größere und schwerere Energizer-Einheit mit einem Gewicht von 7,4 kg verfügt in der jetzigen Entwicklungsstufe über eine signifikant höhere Leistung (2 x 15 Watt) als das Erstlingswerk, die neuen Balanced-Drive HPEL-Diaphragmen wiederum über einen zukunftsweisend gestalteten, elektrostatischen Antrieb. 

Die effektive Membranfläche ist mit 3570 mm2 zwar grundsätzlich identisch mit der des SONOMA M1, der britische Hersteller hat die Schallwandler von der Membrankonstruktion über das Statorendesign bis hin zur Betriebsspannung von jetzt 1.800 Volt, über welche die erforderliche elektrische Feldstärke generiert wird, allerdings völlig neu gestaltet.

Die vergleichsweise höhere Spannung ermöglicht in Folge eine größere Auslenkung der Membranen als bei herkömmlichen elektrostatischen Konstruktionen. Dadurch verfügt das APERIO nicht nur über einen stark erweiterten Dynamikbereich, sondern gleichzeitig auch über eine exzessivere Basswiedergabe, welche darüber hinaus vollständig verzerrungsfrei spielen soll.

Die Balanced-Drive HPEL-Membranen werden mit lasergeschnittenen Polypropylen Abstandshaltern zwischen zwei dünnen, hochpräzisen elektrischen Statoren zentriert. Es handelt sich hierbei um eine innovative Verbundkonstruktion, welche aus zwei Lagen biaxial orientierter Polypropylenfolien (BOPP) besteht. 

BOPP-Folien besitzen nahezu optimale Eigenschaften für die Diaphragmen – eine stabile Dielektrizitätskonstante, einen sehr niedrigen Verlustfaktor, hohe Durchschlagsfestigkeit, sowie eine sehr geringe Hygroskopie. Zwischen den Folien wird außerdem eine aufgedampfte, leitfähige Schicht von 24 Kt. Gold eingebracht – Haftvermittler auf Acrylbasis innerhalb der Laminierung tragen überdies zu einer Vermeidung von unerwünschten Resonanzen bei.  

Die Membrankonstruktion ist dazu von sehr filigraner Natur – weniger als 25% eines menschlichen Haares messen die Diaphragmen in der Dicke und sind infolgedessen extrem massearm. Die Membranen werden in Deutschland und Österreich nach spezifischen Anforderungen von WARWICK ACOUSTICS maßgefertigt und anschließend in der hausinternen F&E-Einrichtung in England lasergeschnitten. 

Das Membrandesign ist außerdem feuchtigkeitsundurchlässig und widersteht Lichtbögen selbst bei Spannungen, welche deutlich höher ausfallen als die eigentliche Betriebsspannung. Die Statoren werden im Übrigen durch photochemisches Ätzen von OFHC-Kupfer ausgebildet, welches im direkten Anschluss vergoldet wird. 

Die britische Manufaktur verwendet hierbei natürlich nur die feinste auf dem Weltmarkt verfügbare Kupferqualität – der Sauerstoffgehalt und andere Verunreinigungen können so auf weniger als 0.001% reduziert werden.   

Resonanzfreiheit als Entwicklungsziel

Die beschriebenen Baugruppen werden in einem hochpräzisen Chassis zusammengefasst, welcher aus 40% glasgefülltem Polyphenylensulfid (PPS) und einem ultrasteifen technischen Polymer besteht. Dieser hochstabile Rahmen stellt sicher, dass die elektrostatischen Wandler auch dauerhaft resistent gegenüber Verformungen oder Biegespannungen sind.

Da Resonanzfreiheit eines der wesentlichen Konstruktionsziele war, wurden auch weitere strukturelle Komponenten, wie beispielsweise die Ohrmuscheln, aus spritzgeformtem Magnesium hergestellt. Zusätzliche Elemente aus rostfreiem Edelstahl dienen dem elektrostatischen Ohrlautsprecher gleichermaßen als Dämpfung und zur Eliminierung unerwünschter Partialschwingungen.  

Der Kopfhörer aus schwarz eloxiertem Magnesium ist mit 399 Gramm außerdem recht leicht geraten. Er besitzt eine neue Kopfbandkonstruktion, bezogen mit sehr weichem Cambretta-Lammleder, welches zu den feinsten Schafsfellen der Welt zählt. Außerdem wurde die mechanische Verstellung optimiert und der Anpressdruck verringert, um so vollkommen stressfreie und ausgedehnte Hörabende zu ermöglichen.

Die allgemeine Verarbeitungsqualität des proprietären Referenzsystems der Briten ist darüber hinaus über jeden Zweifel erhaben und auch die Energizer-Einheit des APERIO wird, wie schon beim SONOMA M1, selbstverständlich wieder aus einem massivem 6063-Aluminiumblock gefertigt. 

Dazu wird das Material extrudiert und CNC-bearbeitet, um die typisch flache U-Form zu erzeugen, welche sowohl die Basis, als auch die Seitenwände des Verstärkers umfasst. Außerdem wird ein spezielles 3D-Wellenmuster in Basis und obere Aluminiumplatte geschnitten, um dadurch die Wärmeableitung zu erleichtern.

Qualität mit Liebe zum Detail

Das WARWICK ACOUSTICS APERIO besitzt nicht nur symmetrische und unsymmetrische Analogeingänge, sondern ebenso AES3 (AES/EBU), S/PDIF-Koaxial, USB- und Ethernet- (LAN) Anschlüsse im digitalen Bereich. Die analogen Eingänge verfügen dabei über eine individuelle Verstärkung mittels einer Pufferschaltung, welche überdies die Leistung maximiert – unabhängig davon, ob es sich bei der Quelle um semiprofessionelle- oder professionelle Audioquellen handelt.

Das APERIO überschreitet mithilfe eines separaten, Linux-basierten Subsystems außerdem die typischen DLNA-Beschränkungen und ermöglicht eine digitale Audiowiedergabe von nativen DSD- und PCM-Formaten mit Abtastraten bis zu 384 kHz. Audiosignale werden dabei in ihrem ursprünglichen Format grundsätzlich beibehalten. PCM wird somit nicht konvertiert, der Signalweg bleibt zu jeder Zeit unverfälscht. 

Darüber hinaus werden die digitalen Daten, ebenso wie die USB-Eingänge, asynchron getaktet, um gegebenenfalls auftretenden Jitter zu minimieren. Das APERIO verfügt dazu über einen separaten Line-Ausgang in Class-A Konfiguration zur Ansteuerung von weiteren elektronischen Komponenten, wie beispielsweise nachgeschalteten Vor- oder Endstufen, beziehungsweise auch weiteren Kopfhörerverstärkern. 

Diese spezielle Line-Out Funktion, in Verbindung mit den implementierten DAC-Chipsätzen des Referenztyps ESS9038 PRO in symmetrischer 32-Bit Dual-Mono Konfiguration mit jeweils 8 Kanälen, einer intelligenten Vorverstärker-Funktionalität und einer überlegenen Klangqualität, ermöglicht es dem WARWICK ACOUSTICS APERIO, als zentrale Steuereinheit im Studiomonitoring oder in erstklassigen Audiosystemen zu fungieren. 

Das APERIO zeigt den jeweiligen Ausgangspegel dabei in präzisen 0,1 dB-Schritten über ein vollfarbiges und hochauflösendes Display auf der Vorderseite an. Die Firmware ist über den USB-Eingang mit einer Applikation für jeden Windows/MAC/Linux-basierten Host dazu einfach aktualisierbar. Kontinuierliche Updates ermöglichen es dem stolzen Besitzer, das Kopfhörersystem über die gesamte Lebensdauer dadurch immer auf dem neuesten Stand zu halten.

Auch hinsichtlich der verwendeten Kabel beweist WARWICK ACOUSTICS viel Liebe zum Detail. Das Kopfhörerkabel besteht aus 66 Litzen mikrofeinem OFHC-Kupfer pro Leiter, welche mit reinem Silber beschichtet- und mit einer Silikonisolierung umwickelt werden. Kevlarverstärkte Fasern gewährleisten neben extremer Zugfestigkeit eine hohe innere Dämpfung und reduzieren mikrofonische Effekte auf ein absolutes Minimum.

Kopfhörersystem auf Referenzniveau

Das WARWICK ACOUSTICS APERIO wird in nur sehr geringen Stückzahlen und ausschließlich in Handarbeit in England hergestellt. Mit dem zuvor beschriebenen Hang zur Perfektion kommen qualitativ außerdem nur die hochwertigsten und bestmöglichen Materialien zum Einsatz, welche dazu in allerhöchster Güte verarbeitet werden. 

Der britische Hersteller nutzt so seine jahrzehntelange Erfahrung im Bereich der professionellen Studiotechnik, um auch dem anspruchsvollsten Gralsritter der feinen Töne ein Referenzsystem offerieren zu können, welches den Markt aufgrund seiner technischen Voraussetzungen womöglich revolutionieren könnte. Was natürlich im anschließenden Hörtest noch zu verifizieren wäre.

Und da das APERIO außerdem in einem extrem robusten wie bruchsicheren Polypropylen-Hartschalencase ausgeliefert wird, wäre es sicherlich auch kein Problem gewesen, bei der Anlieferung das tatsächlich über 30 kg schwere Paket per Fallschirm über Aachen abzuwerfen – der UPS Zusteller hätte sich ob des hohen Transportgewichtes zweifelsohne bedankt.

Außer dem Ohrlautsprecher nebst zugehörigem Kopfhörerkabel, sowie der entsprechenden Energizer-Einheit mit bewußt ausgelagertem Netzteil, finden sich nach dem Öffnen des mattschwarzen „Koffers“ noch weitere hochwertige Kabelsätze (USB, Ethernet), welche der Qualität des zuvor genannten in keinster Weise nachstehen. Alle Kabelverbindungen werden von der deutschen Manufaktur STRAIGHT WIRE nach spezifischen Anforderungen gefertigt. 

Vorbereitung

Um die Grenzen des WARWICK ACOUSTICS APERIO im Klangtest möglichst vollumfänglich auszuloten, wähle ich als primären Zuspieler den AURALIC ARIES G2, welcher die musikalisch komplexe Kost über ein TELLURIUM SILVER DIAMOND USB-Kabel an die Digitalsektion des APERIO taktgenau und verlustfrei weiterreicht. 

Als klangliches Quellmaterial dienen mir ausgesuchte Hörbeispiele aus den üblichen Sparten Klassik, Jazz, Blues, Pop und Rock, gespeichert entweder auf der 2.5 Zoll SSD-Festplatte des ARIES G2, oder mittels WLAN bezogen über den Streamingdienstes QOBUZ – selbstverständlich in High-Res Auflösung.

Bedanken möchte ich mich insbesondere bei Martin Roberts von WARWICK ACOUSTICS, welcher mir das Kopfhörersystem in der neuesten Ausführung freundlicherweise und unbürokratisch ab Werk für meine Rezension auf Musicalhead zur Verfügung gestellt hat. Weitere Informationen zum WARWICK ACOUSTICS APERIO erhaltet ihr natürlich auch auf den Seiten des deutschen Vertriebes unter: Audiodomain.de/Aperio

Klangtest

Um jetzt direkt mit der Tür ins Haus zu fallen – bereits nach wenigen Hörminuten steht für mich ohne jeden Zweifel fest, dass die aktuelle Version des WARWICK ACOUSTIC APERIO zu den besten akustischen Wiedergabesystemen auf diesem Planeten zählt, vollkommen unabhängig vom Preis. Und die Suche nach dem klanglichen Gral könnte an dieser Stelle für viele Ritter des Klanges höchstwahrscheinlich beendet sein.

Denn das Maß an Perfektion hinsichtlich einer höchst authentischen Reproduktion von Musik ist nicht weniger als phänomenal. Selbst Lautsprecher-basierte Lösungen im 6-stelligen Preissegment müssen sich den unfassbar schnellen Transienten und dem exorbitanten Auflösungsvermögen des APERIO geschlagen geben.

Das elektrostatische System von WARWICK ACOUSTICS ist aber nicht nur in der Lage, mit erstklassiger Bassdynamik, fantastischer Impulstreue, natürlichen Klangfarben und einer grandiosen Detailarbeit zu punkten, sondern weiß gleichermaßen auch auf emotionaler Ebene nachhaltig zu begeistern.

Die Unmittelbarkeit der dynamischen Attacke und die völlige Ansatzlosigkeit hinsichtlich der Wiedergabe auch komplexer klanglicher Strukturen, welche scheinbar aus dem Nichts vor einem rabenschwarzen Hintergrund in grandioser Manier inszeniert werden, zählen mit zu den imponierendsten Erlebnissen, welche ich bislang via Kopfhörer geniessen durfte. 

Der Ohrlautsprecher selbst tritt dabei völlig in den Hintergrund und ermöglicht die Betrachtung der musikalischen Ereignisse scheinbar ohne die akustische Beschränkung des Wiedergabesystems. Denn tonale Verfärbungen sind dem APERIO ebenso fremd wie räumliche Dissonanzen. Dieses elektrostatische Werkzeug agiert klanglich neutral an der Grenze zum Ideal.

Der Bassbereich zeigt sich im Vergleich zur letztjährigen Version signifikant verbessert und überzeugt mit einem gnadenlosen Tiefgang, speziell für das elektrostatische Arbeitsprinzip. Der Bass des APERIO verfügt außerdem über eine ausgezeichnete Textur und besticht mit absolut überragendem Impulsverhalten.

Das britische Kopfhörersystem steigt dazu linear und ohne Druckverlust mühelos bis in allertiefste Frequenzgefilde hinab und setzt sich im direkten Vergleich auch von anderen elektrostatischen Mitbewerbern ab, wie beispielsweise dem STAX SR009 oder auch einem DAN CLARK VOCE, welche mitunter den Midbass etwas stärker betonen, um die leichten Defizite im Tiefbassbereich zu kaschieren.

Zumal dem großen Bruder des SONOMA M1 auch dessen geringfügige Schwächen bei höheren Abhörlautstärken völlig fremd sind. Das APERIO musiziert bis hin zu ohrenbetäubenden Pegeln frei jeglicher Verzerrungen und verblüfft mit einer erstaunlichen dynamischen Qualität. 

Einem ABYSS AB1266 PHI TC gelingt es zwar problemlos, das APERIO hinsichtlich der Bassquantität zu übertrumpfen, das amerikanische Ungetüm hat aber das Nachsehen in Bezug auf die präzisere Ränderung einzelner Bassnoten seitens der elektrostatischen Fraktion. Und auch in Sachen Transientengeschwindigkeit verzeichnet das APERIO minimale Vorteile. 

Aufbauend auf einem schlackenlosen, aber dennoch substanziellen Grundton liefert das WARWICK ACOUSTICS APERIO in den klangrelevanten Mitten schließlich eine musikalische Galavorstellung ab, die ihresgleichen sucht. Bei geschlossenen Augen wird zeitweilig der Eindruck gewonnen, als befände man sich tatsächlich am jeweiligen Ort des Geschehens.

Das britische System kreiert auf faszinierende Art und Weise eine außergewöhnlich luftige und realistische Klangbühne mit messerscharf fokussierten Einzelereignissen im Raum, welche an Glaubhaftigkeit meines Erachtens kaum noch zu übertreffen sind. 

Auch subtilste Schattierungen in feindynamischen musikalischen Passagen werden akribisch aus jedwedem Klanggeflecht herausgeschält und blitzschnell reproduziert. Insbesondere die Wiedergabe von Stimmen und akustischen Instrumenten wirkt dabei schon gespenstisch echt. Gänsehautfaktor garantiert.  

Selbst der HIFIMAN SUSVARA kann diese formidable Meisterleistung des APERIO nicht übertreffen. Er versieht insbesondere Stimmen von Akteuren zweifelsohne mit mehr klanglichem Schmelz und streichelt infolgedessen die musikalische Seele eines jeden Gralsritters das Klanges – im besten Sinne ehrlicher, weil noch naturgetreuer, agiert allerdings die elektrostatische Kombination. Wie so oft natürlich Geschmacksache. 

Und fast schon erwartungsgemäß setzt das System von WARWICK ACOUSTICS im Hochtonbereich dieser genialen Vorstellung nochmalig die Krone auf. Denn das Auflösungsvermögen des APERIO ist aus meiner Sicht im Kopfhörerbereich bislang unerreicht. Ohrlautsprecher und Spielpartner spinnen in kongenialem Zusammenschluß ein weiträumig graziles Klanggeflecht von absolutem Weltklasseformat. 

Mitunter werden sogar unscheinbare Aufnahmefehler in Musikstücken offenkundig, welche selbst dem jeweiligen Tontechniker nicht aufgefallen sein dürften. Oder schlichtweg ignoriert wurden, in der Hoffnung, dass kein Audiosystem überhaupt in der Lage wäre, Selbige zu erfassen und wiederzugeben. 

Und auch der STAX SR009 muss dem britischen System bei hohen Frequenzen somit zwangsläufig den Vortritt lassen. Denn obgleich der japanische Ohrlautsprecher auch nach nunmehr 10 Jahren Bauzeit immer noch eine veritable Benchmark in Sachen Hochtonauflösung setzt, zeigt das WARWICK ACOUSTICS APERIO doch eindrucksvoll auf, was mit kompromisslosem technischen Aufwand heute möglich ist. 

Gibt es überhaupt Kritikpunkte? Nun, selbstverständlich hat auch das APERIO mit den systemimmanenten Problemen der Kopfhörerwiedergabe zu kämpfen. Denn auch das Topsystem von WARWICK ACOUSTICS ist nicht wirklich in der Lage, eine Lautsprecher-gemäße Breite und Tiefe im Raum zu erzeugen, wenngleich die Außer-Kopf-Lokalisation sehr gut gelingt.

Dies hat das APERIO allerdings mit allen anderen Probanden dieser Fraktion gemein. Lediglich Freifeld-Ohrlautsprecher wie beispielsweise der RAAL REQUISITE SR1a beherrschen insbesondere die räumliche Bühnenabbildung grundsätzlich etwas besser und nähern sich somit sehr guten Nahfeldmonitoren an.

Außerdem wäre auch eine durchaus praktische Fernbedienbarkeit der Energizer-Einheit meiner Meinung nach sicherlich noch im Bereich des (technisch) Möglichen gewesen.

Mein Fazit

Das WARWICK ACOUSTICS APERIO ist zweifellos das beste proprietäre Kopfhörersystem, welches ich bis zum heutigen Tage auf Musicalhead rezensiert habe. Die elektrostatische Systemlösung ist tonal derart perfekt ausbalanciert, dass einzelne klangliche Aspekte beinahe schon in den Hintergrund treten. 

Die Authentizität der Wiedergabe ist absolut frappierend und eröffnet neue klangliche Dimensionen in Bezug auf die Wahrnehmung von liebgewonnenen Musiksammlungen. Insbesondere ausgewählte, audiophile Pretiosen erscheinen über das APERIO in einem völlig neuen akustischen Licht. 

Die systemimmanenten Vorteile des elektrostatischen Prinzips hinsichtlich einer transparent feinsinnigen und randscharfen Akzentuierung des musikalischen Quellmaterials, werden über die neue Referenzanlage von WARWICK ACOUSTICS auf die absolute Spitze getrieben. Die Reproduktion von Transienten ist dazu vorbildlich, die Impulstreue beispielhaft.

Aber auch die vermeintlichen Schwächen des elektrostatischen Prinzips werden aus meiner Sicht nahezu ausgemerzt – das APERIO verfügt über eine ausgezeichnete Bassqualität und überzeugt mit punktgenauer Fein- und explosiver Grobdynamik. Mit dem APERIO ist WARWICK ACOUSTICS vielleicht sogar das ultimative musikalische Kopfhörer-Wiedergabesystem gelungen.

Einzig die preisliche Gestaltung läßt selbst den ambitioniertesten Gralsritter der feinen Töne schmerzhaft zusammenzucken und leicht fassungslos im Raum zurück –  denn gewaltige 25.000 Euronen Kaufsumme werden fällig, wenn der Endpunkt der persönlichen Gralssuche final markiert werden soll. 

Allerdings sollte dabei auch berücksichtigt werden, dass der geneigte Interessent mit dem APERIO ein perfekt aufeinander abgestimmtes Komplettsystem erwirbt, welches in einer individuellen Auswahl von adäquaten Einzelkomponenten keineswegs günstiger zusammenzustellen wäre. 

Das WARWICK ACOUSTICS APERIO erhält somit meine uneingeschränkte Empfehlung, wenn monetäre Mittel bei der Entscheidung keine zentrale Rolle spielen und alle Möglichkeiten hinsichtlich einer optimalen musikalischen Wiedergabe mittels eines Referenzsystems via Kopfhörer zur Gänze ausgeschöpft werden sollen.

Euer Fidelio 

(*) Die Testberichte auf Musicalhead geben ausschließlich meine persönliche Meinung zum Produkt wieder. Es handelt sich hierbei um redaktionelle Beiträge, welche aber durchaus eine werbende Wirkung beim Leser erzielen könnten, ohne dass ich von einem Unternehmen damit beauftragt wurde.


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